Vier Städte an der Ostsee: Die Übersicht

2019 besuchten die Allerliebste und ich vier Städte an der Ostsee. In Helsinki haben wir uns ständig überfressen, in Tallinn liessen wir uns von Touristenfischern einfangen, in Stockholm stiessen wir auf eine Pinguinjagd – und in Sankt Petersburg assen wir Burger mit Latexhandschuhen.

Helsinki
Tallinn
Stockholm
Stockholm: Moderna Museet
Sankt Petersburg, Teil 1
Sankt Petersburg, Teil 2
Sankt Petersburg: Eremitage

Die Eremitage in Sankt Petersburg: Zwischen Kunst, Geschichte und einem ausgestopften Schwan

Mein Highlight des Sankt-Petersburg-Trips war der Besuch der Eremitage. Immerhin ist das das zweitgrösste Kunstmuseum der Welt (nach dem Louvre), also genau mein Ding.

Zu Beginn müssen die Allerliebste und ich doch tatsächlich nach dem Haupteingang suchen (wär doch bloss irgendwo ein Neonschild angebracht) – nach einer Weile finden wir ihn im Innenhof des Winterpalasts, den man vom Alexanderplatz her betritt.
Reiseführer und Tourismus-Seiten warnen immer wieder vor den langen Warteschlangen, aber wir haben Glück, denn jetzt – Ende Oktober – ist die Hochsaison vorbei, und es ist Mittwoch. Wir stehen nicht lange an. Dennoch: Der Eingangsbereich ist vollgepackt mit Menschen; sie stauen sich an den Garderobekassen und bei den Metalldetektoren.
Danach wird es schnell besser: Die Eremitage ist derart weitläufig, dass sich die Massen problemlos verteilen. Mitunter findet man sich allein in einer Galerie wieder.
Dennoch möchte ich nicht wissen, wie es hier an einem Wochenende in den Sommerferien aussieht.

Der Winterpalast ist das Zentrum der Eremitage. Schon 1711 wurde ein solcher für Peter den Grosse erbaut, doch im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude mehrmals abgerissen und neu gebaut, rekonstruiert, saniert, renoviert und so weiter. Mehr oder weniger in der heutigen Form existiert der Palast seit 1839. Zweihundert Jahre lang war er die Residenz des Zaren, bis Nikolaus II. im März 1917 abgedankt wurde.

Die Eremitage ihrerseits nahm ihren Anfang Mitte des 18. Jahrhunderts, als Katharina II. (Katharina die Grosse, 1729–1796) anfing, eine Kunstsammlung aufzubauen. Die erworbenen Gemälde stellte sie zunächst im Winterpalast aus; 1764 liess sie zur Unterbringung die kleine Eremitage bauen (1775 war das Gebäude fertiggestellt). Eremitage ist von „Eremit“ abgeleitet, und Katharinas Eremitage wurde so genannt, weil sich die Zarin alleine oder mit Freunden dorthin zurückzog. (Mit einer eigentlichen Eremitage im Sinne eines Rückzugsort für Mönche oder Einsiedler hat das wenig bis gar nichts zu tun.)
Über die Zeit kam Gebäude um Gebäude hinzu, und nach der Revolution 1917 wurde auch der Winterpalast offiziell der Eremitage einverleibt. Des weiteren umfasst sie heute einen Teil des Generalstabsgebäudes auf der anderen Seite des Palastplatzes oder den Menschikow-Palast am Universitätsquai.
Hinzu kommen einige internationale Ableger, wie die Eremitage Amsterdam oder das Guggenheim Hermitage Museum in Las Vegas.

 

Prunk und Pfauen

Die Allerliebste haut irgendwann ab und verschwindet in ein Café. Ich dagegen verbringe den gesamten Nachmittag in der Eremitage, was allerdings immer noch viel zu wenig Zeit ist, um sich alles anzusehen. So habe ich mir im Vorfeld einen Besichtigungsplan zurechtgelegt, der sich auf bestimmte Teile der Ausstellung konzentriert.

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Vier Städte an der Ostsee, Teil 4: Sankt Petersburg, Teil 2

Hier gehts zum ersten Teil.

Dienstag

Wir essen Burger im Craft Brew Cafe – und erhalten dafür schwarze Latexhandschuhe. Man macht sich die Hände nicht schmutzig, aber einen Burger mit Handschuhen zu halten ist auch kein besonders angenehmes Gefühl.
Die Bierkarte ist extensiv. Ich hab keine Ahnung mehr, welche Sorte ich getrunken hab, aber ich fands lecker.

An der einen Spitze der Wassilijewski-Insel liegt der Börsenplatz. Zwei grosse Säulen, ursprünglich Leuchttürme, weisen darauf hin, dass das früher eine Anlegestelle für Schiffe war. Heute ist es ein Aussichtspunkt, von dem aus eine wundervolle Sicht über die Newa hat, mit dem Peter-und-Paul-Festung links und der Eremitage rechts.
Aber Achtung: Alte Aristokraten mit Perücken und weiten Kleidern stellen einem nach. Sie wollen sich gegen Geld mit einem fotografieren lassen. Wir ergreifen die Flucht und laufen stattdessen Lenin in die Arme. Dank eines schnellen Ausweichmanövers können wir uns ihm gerade noch entziehen.

Das Wetter ist herrlich. In Erwartung des russischen Herbstes hatten wir Winterkleidung eingepackt, Pullover und Mäntel und so. Jetzt ists mir mitunter derart warm, dass ich im Hemd rumlaufe (ohne Unterhemd).

Wir wollen zur Kunstkammer, aber leider ist sie geschlossen. Ein Zettel am Eingang weist auf irgendeinen sanitären Notfall hin (weiter reichen unsere Russischkenntnisse nicht). Eine asiatische Touristin läuft ebenfalls am geschlossenen Museum auf; wir kommen mit ihr ins Gespräch, und gemeinsam beschliessen wir, zu dritt zum Dostojewski-Museum zu gehen.
Auf dem Weg fotografiert die Frau Metrostationen, und sie erzählt ein wenig von sich: Sie ist eine chinesische Künstlerin und Kuratorin, hat lange Zeit in den USA gelebt, seit ein paar Wochen wohnt sie in Göteborg. Sie ist für ein paar Tage in Petersburg, um Kollegen zu besuchen. Sie war schon in der Erarta, dem Petersburger Museum für Gegenwartskunst, kann es aber nicht weiterempfehlen.
Im Dostojewski-Museum verlieren wir sie aus den Augen.

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Vier Städte an der Ostsee, Teil 4: Sankt Petersburg, Teil 1

Reisebericht | Im Jahr 2019 besuchten die Allerliebste und ich vier Städte, die an der Ostsee liegen: Helsinki, Tallinn, Stockholm und Sankt Petersburg. Die russische Grossstadtd war unsere letzte Station; wir besuchten sie Ende Oktober. Dort bekamen wir es mit Peter dem Grossen, Lenin oder Dostojewski zu tun, und wir stellten fest, dass halbsüsser georgischer Rotwein eine wunderbare Sache ist.

 

Samstag

Wir fahren mit dem Taxi vom Flughafen Pulkowo ins Stadtzentrum, schauen aus dem Fenster und versuchen, Strassenschilder, Ladenschilder oder Werbeplakate zu lesen. Zwar haben die Allerliebste und ich das kyrillische Alphabet gelernt, aber wir können es noch nicht flüssig entziffern.
Vor allem eins wird mir bewusst: Flüssiges Lesen bedeutet nicht, dass man Buchstaben schnell erkennt, sondern Wörter. Gewisse russische Wörter erkenne ich sofort, aber bis ich jeweils ein mir unbekanntes Buchstabe für Buchstabe durchgegangen bin, ist das Taxi schon weitergefahren. Ich komm mir vor wie ein Grundschüler.

Vom Taxi aus sehen wir den Moskauer Platz, den grössten von Sankt Petersburg. Am gegenüberliegenden Ende steht ein gewaltiger Kasten im Stil des sozialistischen Klassizismus, davor, in der Mitte des Platzes, eine monumentale Statue von Lenin*. Um ihn kommt man wohl nicht herum in dieser Stadt, die von 1924 bis 1991 nach ihm benannt war.
*Alles, was man über Lenin wissen muss, erfährt man hier.

Wir checken ein im Station Hotel Z12 und stürzen uns anschliessend ins Nachtleben:

Abendessen im Restaurant-Komplex Symposium. Die Speiseräume sind eingerichtet wie eine Hausbibliothek des 19. Jahrhunderts. Ausgezeichnete Küche. Wir essen Pelmeni (russische Dumplings), Fisch und Rind.
Zum Nachtisch gibts gefüllte Cones, die in einer Schale mit ungekochtem Gries gereicht werden.

Der Newski-Prospekt ist die grosse Prachtstrasse der Stadt. Gewaltiger Verkehr, Menschenmassen, teure Restaurants, teure Läden.
In der unterirdischen Passage entdecken wir Schokoladen-Pistolen.
Wir verbringen viel Zeit im Dom Knigi (Haus der Bücher). Die Russen sind Leseratten; an allen Ecken und Enden gibts Buchhandlungen, Büchercafés und Gleichartiges.

Gegenüber des Bücherhauses, auf der anderen Seite des Newski-Prospekt, liegt die Kasaner Kathedrale. Sie ist abends geschlossen, aber neben dem Sakralbau führt eine kleine Brücke über den Gribojedow-Kanal. Auf dieser Brücke stehen ein paar junge Frauen mit Colaflaschen. Sie schütten einen Teil des Inhalts ins Wasser, um die Fläschchen anschliessend mit Rum aufzufüllen.

In einer Unterführung stossen wir auf lauter Souvenir-Stände. In der Auslage: Tassen mit der Konfertei von Lenin, Stalin und Putin.

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Moderna Museet Stockholm: Roboter, Fabelwesen, Collagen und so

Museumsbesuch | Im Rahmen des Städtetrips nach Stockholm besuchte ich auch das Moderna museet – das Museum für moderne und gegenwärtige Kunst. Ich sah böse Roboter, viele Collagen und mehr.

 
Unter anderem wollte ich das Moderna museet sehen, weil ich dachte, in jenem seien Teile von Östlunds The Square gedreht worden. Allerdings ist es wohl so, dass die Museumsinnenräume gar nicht dort, sondern in der Galleri Magnus Karlsson gefilmt wurden. Pech.
Immerhin: Angeblich basiert die Hauptfigur, Kurator Christian (Claes Bang), auf Daniel Birnbaum, dem Direktor des Moderna museet.
Und zudem: Museen für moderne Kunst gefallen mir so oder so, egal, ob sie eine Filmkulisse waren oder nicht.

Vor dem Moderna museet steht ein Kunstgarten. In Le paradis fantastique versammeln sich Skulpturen von Niki de Saint Phalle und Maschinen von Jean Tinguely. Sieht aus, als würden böse Roboter bunte Fabelwesen überfallen; man mag sich gar nicht vorstellen, was die Maschinen mit den armen Viechern anstellen. Die Gruppe entstand 1966 für die Weltausstellung in Montreal, 1971 wurde sie hier nach Schweden versetzt.

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Vier Städte an der Ostsee, Teil 3: Stockholm

Reisebericht | Im Jahr 2019 besuchten die Allerliebste und ich vier Städte, die an der Ostsee liegen: Helsinki, Tallinn, Stockholm und Sankt Petersburg. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm waren wir Ende August. Schweden kannten wir dank unseres Göteborg-Trips schon ein bisschen – dieses Mal gabs eine Pinguinjagd, eine Sandwichfabrik und einen unverkäuflichen Ikea-Wecker.


Kleine Ungeheuer an der Kreuzung Biblioteksgatan/Lästmakargatan.

 
Donnerstag

Stockholm besteht ja aus lauter Insel. Auf der Insel Kungsholmen liegt das First Hotel Fridhemsplan. Aus Spargründen buchten wir einen fensterlosen Raum im Untergeschoss. Die Gänge sind niedrig, die Teppichböden uneben. Schrill-pinke Neonbeleuchtung. Ist das ein 80er-Jahre-Science-Fiction-Film? Oder doch nur ein Puff? Jedenfalls nichts für Leute mit Klaustrophobie.

Nicht weit vom Hotel findet sich das Agnes. (Die genaue Schreibweise ist wohl agnes., aber davon lassen wir uns nicht abschrecken.) Ein nettes kleines hippes Lokal. Plättchenboden. Wir erhalten gerade noch zwei Sitzplätze an der Bar. (In Stockholm muss man vorneweg reservieren.)
Die Karte ist auf Schwedisch und Englisch. Wir bestellen turbot — zwar wissen wir, dass das ein Fisch ist, allerdings nicht, welche Sorte genau. Nicht weiter schlimm, wir lassen uns überraschen.
Jedenfalls: Der Kellner bringt uns einen ganzen verdammten Steinbutt. Dabei handelt es sich um einen Plattfisch, ähnlich der Flunder. Und das Viech ist gigantisch. (Auf Empfehlung haben wir einen Fisch für zwei Personen bestellt; wir sind jetzt froh drum.)
Natürlich haben wir nicht die geringste Ahnung davon, wie man solch ein Monstrum filetiert. Lieberweise entfernt der Kellner für uns die Haut; der Rest ist nicht sonderlich kompliziert. Als wir die eine Hälfte gegessen haben, geht der Fisch nochmals in die Küche, wird umgedreht, weiter zerlegt und kommt zurück zu uns.
Als Beilage gibts Kartoffeln, Erbsen, Eierschwämme und grillierte Zitronen.

Wir unternehmen einen Spaziergang am Kungsholmen-Strand entlang. Dort, wo die Barnhusviken (Waisenhaus-Bucht) unsere Insel vom Stadtteil Norrmalm trennt, stossen wir auf eine kleine Parkanlage. Wir schauen Ratten beim ausgelassenen Herumtollen am Wasser zu.
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Vier Städte an der Ostsee, Teil 2: Tallinn

Reisebericht | Im Jahr 2019 besuchten die Allerliebste und ich vier Städte, die an der Ostsee liegen: Helsinki, Tallinn, Stockholm und Sankt Petersburg. Das hier sind die Berichte dazu. Von Helsinki aus nahmen wir die Fähre nach Tallinn, Estland. Dort waren wir Ende Juli, Anfang August.

 
Das Klackern unserer Reisekoffer auf dem Kopfsteinpflaster. Wir sind in der Altstadt von Tallinn. Dort steht das St. Olav Hotell. Nach dem Einchecken gehen wir auf Entdeckungsreise, denn das Gebäude ist riesig und verschachtelt, man verliert in den verwinkelten Gängen schnell die Orientierung. Knarrende Holztreppen, Sackgassen. Irgendwo im fünften Stock geht ein Dachbalken mitten durch den Gang; man muss sich drunter hindurch ducken.
Die Einrichtung ist wundervollster Brockenhaus-Kitsch: Antike Möbel, Ölgemälde, prunkige Spiegel, Kronleuchter. Spannteppiche in den Gängen; der Boden darunter ist uneben und voller Stolperstellen. Einen Lift gibt es nicht.
Unser Zimmer liegt im Innenhof. In die Tür ist ein Fenster eingelassen; die dünne, durchsichtige Gardine schützt weder gegen Licht noch Blicke. Wir montieren den Bettüberwurf drüber, um schlafen zu können.

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Vier Städte an der Ostsee, Teil 1: Helsinki

Reisebericht | Im Jahr 2019 besuchten die Allerliebste und ich vier Städte, die an der Ostsee liegen: Helsinki, Tallinn, Stockholm und Sankt Petersburg. Ich will berichten, was wir dort erlebten. Den Anfang macht Helsinki, Finnland, wo wir Ende Juli waren. Eine Reise zwischen Rekordhitze und Eisbrechern.

 
Wir nehmen keinen Direktflug nach Finnland, sondern legen in Riga einen Zwischenstopp ein. Den Flughafen kennen wir noch von unserem Lettland-Besuch.
Es gibt ja Leute, die finden, alle Flughäfen der Welt sähen gleich aus – Marc-Uwe Kling zum Beispiel tut irgendwo in seinen Känguru-Chroniken darüber unken. Das ist zwar kulturkritisch wohlfeil, stimmt aber nicht. Den Rigaer Flughafen zum Beispiel erkennt man an den Holzlatten. Überall Holzlatten. Eine Würdigung der enormen Bedeutung der Holzindustrie für das Land.

In den Gängen ist ein Putzroboter unterwegs. Ein überkanditelter Roomba, sperrig und knallend orange. Es blinkt warnend, weicht Menschen aber auch von selbst aus. Das Star Wars-Universum war uns noch nie so nah.

Von Riga nach Helsinki nehmen wir eine Propellermaschine. Knapp 90 Passagiere haben Platz. Es ist das kleinste Flugzeug, in dem ich je unterwegs war, und ich liebe daran, wie stark man die Bewegungen der Maschine spürt.

 
Tervetuloa!

Ich geb zu, der Flughafen von Helsinki ist mir nicht gross in Erinnerung geblieben. Wir nehmen den Citybus in die Innenstadt und steigen am Hauptbahnhof aus. Ein Alkoholiker schläft auf einer Kellertreppe. Eine Frau ist am Containern. Fast wie in einem Kaurismäki-Film. Nur, dass die Sonne hell vom Himmel brennt: Es ist der Höhepunkt des Hitzesommers. Willkommen in Helsinki.

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Mailand 2020: Kampf gegen den Faschismus. Fressen und Saufen.

Reisebericht | Ulla M. Brella wohnt vorübergehend in Mailand. Die Gruppe Konverter besucht sie dort um das Wochenende vom 11./12. Januar 2020. Ein Protokoll aus der Sicht von Armada und Rogerg.

Armada und Rogerg kommen am Busbahnhof Lampugnano an. Dank extensivem Sonnenschein erscheint ihnen die Station nicht ganz so traurig wie letztes Mal.

Die zwei fahren mit der M1 ins Zentrum. Raus aus der Metro, rauf an die Sonne. Auf der einen Seite das Castello Sforzesco. Auf der anderen Seite ein Reiterdenkmal von Guiseppe Garibaldi – sein Pferd streckt Armada und Rogerg den Hintern entgegen.

Zmittag in der Vecchia Brera, einem alten verwinkelten Restaurant. Es herrscht feuchte Wärme. Die Besucher nehmen auf roten Ledersitzen Platz. An den Wänden Täfelung mit eingelassenen Spiegeln. Ein Oberlicht aus Bleiglasfenstern. In der hintersten Ecke eine enge Wendeltreppe.
Risotto mit Scampi und Limette für Armada. Ein Cotoletta alla milanese für Rogerg. Nicht überragend, aber okay.

Auf dem Weg zum Hotel Ornato im Stadtteil Niguarda: Ein Wandgemälde. Niguarda antifascista, entstanden 2014 im Auftrag der Associazione Nazionale Partigiani d’Italia (ANPI), also der Nationalen Vereinigung der Partisanen von Italien. Das Werk ist insbesondere Gina Galeotti Bianchi (1913–1945) gewidmet. Die Frau war zusammen mit ihrem Mann, Bruno Bianchi, im antifaschistischen Widerstand engagiert (Kampfname Lia) und wurde am 25. April 1945 in der Nähe des Hospital Niguarda von deutschen Soldaten niedergeschossen. Sie war auf dem Fahrrad unterwegs, zusammen mit Stellina Vecchio (1921–2011, Kampfname Lalla). Vecchio engagiert sich auch nach dem Krieg noch jahrzehntelang in der Politik, unter anderem in der ANPI. Galeotti Bianchi war zum Zeitpunkt ihres Todes schwanger.
In Nigaurda liegt auch der Giardino Gina Galeotti Bianchi, ein kleiner Park, der 2005 nach ihr benannt wurde.
Dort, wo Gina Galeotti Bianchi erschossen wurde, hängt eine Plakette zu ihrer Erinnerung – man findet dies Plakette an der Via Imperatore Graziano, 32, gegenüber dem Ristorante Auto Club.
Das Wandgemälde wurde schon mehrmals mit Hakenkreuzen besprayt, die Gedenktafel am Giardino Gina Galeotti Bianchi wurde mindestens einmal zerstört. Umso wichtiger ist es, sich an die Frau zu erinnern.

Znacht. Un posto a Milano war früher ein Bauernhof – heute ists ein Kulturort mit Hotel und Restaurant. Letzteres: Ein hoher Raum mit Backsteinwänden. Neben den KellnerInnen kümmert sich ein Sommelier um die Gäste. Er schenkt regelmässig nach, was einerseits gastfreundlich ist, andererseits ständig das Gespräch am Tisch unterbricht. Eine unnötige Marotte besserer Restaurants.
Chefkoch: Nicola Cavallaro. Highlights unter den Esswaren:

  • Stracciatella di bufala mit Sardellen
  • Längliche Ravioli mit Kürbiskernfüllung, Scampi und Tomaten
  • Faraona-Roulade mit Kastanien (Faraona = Perlhuhn)
  • Semifreddo (Eisparfait) mit Nuss und Salz

Danach: Ein sogenannter caffè cuccagna für Rogerg. Es kommt eine Tasse mit einem Filter, darin Kaffeepulver, dazu eine Kanne mit heissem Wasser. Also ein Filterkaffee zum Selbermachen am Platz. Rogerg passt nicht auf, die Tasse überläuft.
Im Sommer ist der Ort sicher noch etwas schöner, wenn der Garten in Blüte ist und Tische draussen stehen.

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