Die Welt der Salarymen aus der Vogelperspektive (Japan 2019)

Im März 2019 reisten Armada und Rogerg nach Japan, wo sie eine gute Woche in Tokio und Kyoto verbrachten. Das sind ihre Erlebnisse.

Wir befinden uns im 40sten Stockwerk des Tokyo World Trade Center. Rundherum eine Fensterfront; sie ermöglicht einen Blick auf den Hafen von Tokio und auf den Tokyo Tower. Früher sah man bei gutem Wetter den Fuji, allerdings wurden inzwischen einige Wolkenkratzer in den Weg gestellt, wir entdecken nur noch den Fuss des heiligen Berges.
Auch ohne den Fuji ist die Aussicht spektakulär. Die Stadt reicht weit in die Ferne — 10 Millionen leben hier, in der Metropolregion sinds 40 Millionen. Von hier oben sieht Tokio genau so aus wie in den Godzilla-Filmen.

Wir sind am Morgen am Flughafen Narita angekommen und mit der S-Bahn hierhin ins Viertel Hamamatsucho gefahren, wo auch unser Hotel liegt. Zu Mittag hatten wir Soba-Nudeln aus Buchweizen. Man isst sie kalt. Bis heute eins meiner liebsten Sommergerichte.

Ganz in der Nähe, im angrenzenden Stadtteil Shibakoen, gibts eine grosse Park- und Tempelanlage, wo auch der erwähnte Tokyo Tower steht. Dabei handelt es sich um eine freche Kopie des Eiffelturms, allerdings etwas farbenfroher als das Original. Als der Tower 1958 eröffnet wurde, war er das zweithöchste Bauwerk der Welt (nach dem Empire State Building in New York). Er hat eine Aussichtsplattform, aber weil uns der Eintritt zu teuer ist, lassen wirs sein und gehen später eben aufs World Trade Center.

Der Zojoji ist ein wichtiger buddhistischer Tempel. Es ist noch Mittagspause, als wir vorbeischauen. Für die Besucher gibts Klappstühle. Auf einem sitzt ein junger Mann im Geschäftsanzug und spielt auf seinem Handy Candy Crush.

Apropos Anzug: Die Gegend am Hafen gehören zu den Geschäftszentren von Tokio. Es ist das Refugium der Salarymen, der einfachen Büroangestellten. Um den Mittag herum strömen sie auf die Strassen und in die Restaurants und Parks. Etwas weniger zahlreich (oder auffällig) sind die Office Ladys.
Die Salarymen tragen alle mehr oder weniger die gleichen dunklen Anzüge. Wenn sie sich voneinander unterscheiden, dann durch ihre Handtaschen. Auffallend viele Salarymen tragen Handtaschen anstelle von Aktenkoffern.
Im Nachhinein fällt mir zudem auf, dass sehr viele Salarymen und auch sonst viele Menschen mit Mundschutz unterwegs sind. Wohl ein Grund dafür, dass hier später die Corona-Pandemie nicht allzu schlimm zuschlagen wird.

Zu Mittag hatten wir Soba, zum Abendessen gibts Ramen, also Nudelsuppe. Man bestellt nicht bei einer Person, sondern an einem Automaten — alles ist konsequent auf Japanisch angeschrieben, doch zum Glück gibts auch Bilder. Es sind die besten Ramen, die ich je hatte. Ich liebe das Gericht, auch wenn es für mich als Bartträger nicht einfach zu essen ist. Wenigstens ist lautes Schlürfen erlaubt.
Am Nebentisch putzt sich ein japanischer Gast die Nase. Das irritiert mich, weil ich dachte, Japaner*innen tun so was in der Öffentlichkeit nicht. So viel dazu.

Vom Hotelzimmer aus sehen wir einmal mehr den Tokyo Tower. In der Nacht ist er hell erleuchtet.
Unser Zimmer hat am Eingang einen tiefergelegten Bereich, wo man die Schuhe auszieht und hinstellt. In Japan gibts tatsächlich kein grösseres Verbrechen, als mit Strassenschuhen einen Wohnraum zu betreten.
Angenehme Überraschung im Bad: Der Klositz ist geheizt. Sämtliche Toiletten, denen wir begegnen werden, sind Hightech-Geräte. Die Bidetfunktion vermisse ich bis heute.

Der erste Eindruck von Tokio: Es ist eine überraschend stille Stadt, selbst hier im Zentrum. Die Strassen sind noch sauberer als in Zürich. Die Autofahrer*innen rasen nicht und hupen nicht. Links stehen, rechts gehen: Alle halten sich konsequent daran. Eine Stadt, zürcherischer als Zürich.

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