Attack of the Weekyl Links: The Stand, Fan Ho, Aliens

«Und plötzlich war das unsere Realität» | Letzten Dezember startete in den USA die Miniserie The Stand, eine Neuverfilmung des Stephen-King-Buches. Ich hab schon drauf hingewiesen (und mir nochmal das Buch angeschaut). Jetzt hatte ich die Chance, für den Züritipp Owen Teague zu interviewen, der Harold Lauder spielt.

Fan Ho Photography | Leider bin ich ja ein ziemlicher Kunstbanause, weswegen mir Fan Ho (1931-2016) bisher kein Begriff war — dabei war der ein extrem bedeutender Fotograf, bekannt in erster Linie dafür, dass er in den 50ern und 60ern das Leben auf den Strassen von Hongkong festhielt. Seine Website gibt einen guten Einblick in sein Schaffen; mehr über Fan Ho gibts hier, hier und hier.

Aliens zügeln in die Vorstadt | Die Streaming-Empfehlungen vom Züritipp. Unter anderem gehts um Solar Opposites, der neuen Serie der Macher von Rick and Morty.

Attack of the Weekly Links: Kleinstpoetik mit Raumschiffen und Co.

Was Lyrik will, ist ein gesichertes Einkommen | 54books hat ein Manifest von „Lytter“ veröffentlicht. „Lytter“ ist „ein Magazin, das auf Twitter veröffentliche Lyrik sammelt, abdruckt und illustriert“. Bisher ist eine Ausgabe erschienen.

Twitter-Lyriker*innen | Dass es auf Twitter eine kleine Szene von Kurz-Dichter*innen gibt, war mir natürlich vorher schon bekannt. Der werte Kollege Albrecht veröffentlicht dort Kleinstpoetik. Besonders toll finde ich zudem Liebe Katastrophe oder Väterchen Frost.
Nach dem 54books-Artikel hab ich auf Twitter nach Empfehlungen zu Twitter-Lyriker*innen gefragt, und es sind viele coole Tipps gekommen.

Video der Woche

Nicolas Bouvier und die Japaner

Letzten Herbst war ich mit der Gruppe Konverter im Tessin. In der kleinen Bibliothek unserer Unterkunft fand sich unter anderem Der Skorpionsfisch (1982) von Nicolas Bouvier (1929–1998); einer aus der Gruppe las uns anderen immer mal wieder aus dem Buch vor, meistens um das Abendessen herum. Wir hörten wundersame Geschichten über Ceylon (heute Sri Lanka). Bouvier war ein Reiseschriftsteller und Fotograf; 1955 lag er mehrere Monate in der Hafenstadt Galle flach: Malaria. In seiner Erzählung mischen sich Realität, Fieberträume und Mythen. Ich hatte den Skorpionsfisch bereits vor einigen Jahren mit Begeisterung gelesen, und mit ebenso viel Begeisterung entdeckte ich ihn neu.

Speziell für mich: Bouviers Buch ist eben ein Reisebericht über Sri Lanka, und während der Tessiner Woche hab ich einen Grossteil meiner eigenen Sri-Lanka-Texte geschrieben. (Freilich halten die keinem Vergleich stand.)

In meinem eigenen Buchregal steht der Skorpionsfisch gleich zweimal: in der Erstübersetzung von Barbara Erni sowie in der Neuübersetzung von Stefan Zweifel. Sobald ich dazu komme, Letztere zu lesen, werd ich was darüber schreiben. Heute jedoch gehts um etwas anderes: Um zwei Bücher von Bouvier über Japan. Das wären die Japanische Chronik (1975) sowie Das Leere und das Volle (2004). Ich hab mir gedacht, dass das ein schöner Vorgeschmack auf meinen eigenen Japanbericht wäre, der demnächst mal folgen soll. (Er wird ebenfalls nicht ans Vorbild heranreichen, aber was soll ich machen.)

Bouvier kam erstmals 1955 nach Japan, direkt von Ceylon her — das erwähnt er dann auch in der Japanischen Chronik. Da beschreibt er, wie er mit der MM Kambodscha im Hafen von Yokohama (nicht weit von Tokio) ankommt. Eine Horde von Journalisten stürzt sich auf die Neuankömmlinge und interessiert sich besonders für den „[…] in Ceylon eingeschifften Irgendwer, der im Schiffsbauch niedrige Arbeiten erledigte, um das Geld für seine Passage zusammenzukratzen […]“ (JC, S. 131). Damals waren Reisende aus dem Westen noch ein Thema von Interesse.

Einer [der Journalisten] war Yuji. „Es wird hart sein, sehr hart, es wird nicht von selbst gehen“, begrüsste er mich […]. „Wissen Sie überhaupt, wie man hier lebt?“
Hart? Hier war es zumindest kühl! Ich hatte acht Monate Tropen hinter mir, wegen der Hitze und der Malaria in einem wurmstichigen Gasthaus eingesperrt, das die Termiten geräuschvoll in Sägemehl verwandelten. Die Luft von Yokohama schlürft man gierig wie Champagner.“

JC, S. 133

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Attack of the Weekly Links: Wishmaster, misogyne Kritik, Streaming-Empfehlungen

Why Wishmaster Rules | Ich schätze Thought Slime als politischen Kommentator, aber er hat auch einen Kanal über Horrorfilme, Horrorgames und Co.: Scaredy Cats. Unter anderem hat er die Wishmaster-Reihe besprochen.
 

Schweig, Autorin – Misogynie in der Literaturkritik | 54books mal wieder, diesmal zum äusserst interessanten Thema Frauenfeindlichkeit in der Literaturkritik. Autorin Nicole Seifert bietet unter anderem ein schönes How-Not-To für Kritiker*innen:

  • „In einem ersten Schritt wird im Genre „Etablierter Literaturkritiker verreißt erfolgreiche junge Autorin“ also das durch die Kolleg*innen bereits aufgebaute Renommee der Autorin demontiert.“
  • „Im zweiten Schritt werden die Themen der Romane beanstandet, die Geschichte als solche, mit der die Kritiker in allen betrachteten Fällen nichts anfangen können.“
  • „In einem dritten Schritt werden in solchen Rezensionen schließlich Stil, Sprache und Form abgewertet, allerdings – interessante Gemeinsamkeit –, ohne dass nach einer möglichen Bedeutung überhaupt gesucht würde.“

 
Rachefeldzug in Liverpool | Tim Roth als kaputter Sheriff in Tin Star, englische Proletarier und (Ray & Liz) und andere Streaming-Empfehlungen beim Züritipp.
 

The Comedy Industry Has a Big Alt-Right Problem | Via Setup/Punchline. Artikel über die Verschränkung von Comedy-Szene und Rechtsextremismus in den USA. Überraschung, Überraschung: Die Anti-Political-Correctness-Bewegung spielt eine wichtige Rolle. Man beachte auch Autor Seth Simons‘ Website.

The X-Files, Season 1: Aliens, Monster und Verschwörungen

Zurzeit guck ich mit der Allerliebsten The X-Files an; grad sind wir mit der ersten Staffel fertig geworden. Ich kann mich noch erinnern, wie die Folgen ganz neu ins Schweizer Fernsehen kamen — oder zumindest meine ich, dass ich mich daran erinnere. Es müsste 1994 gewesen sein, damals war ich grad mal zehn Jahre alt. Hätten meine Eltern das erlaubt? Auf jeden Fall weiss ich, dass ich ziemlich jung war, als ich erstmals Akte X sah, und dass ich eine Menge Schiss hatte.

Trotzdem hab ich die Serie über Jahre hinweg verfolgt, war auch im ersten Kinofilm, hab mir aber nie die Mühe gemacht, alles systematisch von Anfang bis Ende durchzugehen. Und spätestens in der achten Staffel, als Fox Mulder zur Nebenfigur wurde, verflüchtigte sich mein Interesse an der Serie. Ich bekam dann nur noch am Rande mit, wie sie sich mit Ach und Krach ins Jahr 2002 schleppte und nach der neunten Staffel eingestellt wurde. Den zweiten Film (I Want to Believe, 2008) hab ich ebenso ausgelassen wie den Neustart der Serie 2016 (der nach zwei Staffeln auch schon wieder gegessen war).

Aber vielleicht krieg ich jetzt die Disziplin auf, das alles nachzuholen. Wieso das plötzliche Interesse? Wegen der Corona-Krise ist das Phänomen von Verschwörungstheorien stark in den Fokus geraten, und es scheint mir recht augenfällig, dass The X-Files Verschwörungsdenken popularisiert hat wie kein anderes Produkt der Kulturindustrie — im Fiktionalen wie im Realen. Ohne The X-Files keine 9/11-Truther, ohne 9/11-Truther keine Theoretiker*innen einer inszenierten Corona-Pandemie, zumindest nicht in diesem Ausmass.

Natürlich gabs Verschwörungstheorien schon vor den X-Files, und auch die Popkultur hatte bereits einen grossen Verschwörungs-Moment mit Oliver Stones Film JFK (1991) (über das Kennedy-Attentat). Aber ich würde behaupten, dass The X-Files der grösste Katalysator war. Für mich ein guter Grund, mich näher damit zu beschäftigen.

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Hongkong 2018: Die Übersicht

Im Dezember 2018 waren die Allerliebste und ich in Hongkong. Vor den 2019-Revolten, vor dem Coronavirus. Wir haben den Weihnachtswahnsinn erlebt und in Schuhschachteln gewohnt, die Glücksspieler*innen in Macau angeguckt, den Buddha auf der Insel Lantau besucht, Jackie Chans Handabdrücke gesehen, den Victoria Peak erklommen und Allerlei gegessen.

Teil 1: Landung im Weihnachtswahn
Teil 2: Ein Abstecher nach Macau
Teil 3: Der Buddha von Lantau
Teil 4: Elektrisiert in den Chungking Mansions
Teil 5: Das Hollywood an der Perlflussmündung
Teil 6: Der Victoria Peak und das zerbrochene Handy

Hongkong 2018, Teil 6: Der Victoria Peak und das zerbrochene Handy


Blick vom oberen Central auf den Wolkenkratzer The Center.

 

Dienstag, 11. 12. 2018

Heute wollen wir zum Victoria Peak. Also setzen wir einmal mehr mit der Star Ferry rüber zum Central District.

Bevor wir den Peak erklimmen, frühstücken wir im Brunch Club.
Armada bekommt Eggs Benedict, ich den Mix Grill: Sauerteig-Brot, Eier, Schinken, Pouletbrust, Schweinswürstchen, Pilze, Tomaten, Bohnen, Hash Browns. Das sollte reichen zur Stärkung.

Das Brunch Club liegt an der Grenze zu den Mid-Levels, also dort, wo Hongkong allmählich so richtig steil wird, wo man als Fussgänger*in bevorzugt die Rolltreppen des Central Elevated Walkway benutzt.
Man geht auf steilen Strassen, während sich rundherum Wolkenkratzer in den Himmel strecken. Sehr desorientierend. Es hat was von der Traumstadt in Inception, die sich zusammenfaltet.


Wohntürme an der Grenze zu den Mid-Levels.

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