African Mirror

Aus dem Nachlass des Berner Afrika-Experten René Gardi (1909–2000) sowie aus Archivmaterial, Tagebucheinträgen, Zeitungsartikeln, Tonaufnahmen etc. hat Mischa Hedinger diesen Dokumentarfilm montiert.

Der unzivilisierte Wilde, der erzogen werden muss. Der edle Wilde, der freier lebt als wir in der engen Schweiz.

Nackte Menschen in der Savanne. Männer im Anzug bei Vorträgen.

Kein Film für Denkfaule: Gardi wird nicht einfach als Rassist vorgeführt, sondern als komplexer Mensch in einem komplexen Kontext.

Zeitgeschichte: Französische Kolonialzeit. Unabhängigkeit. Antiimperialistische Jugend in Europa. Massentourismus kommt in Afrika an — Pauschalreisen mit Quelle.

Einerseit bekommt René Gardis Doku Mandara. Zauber der schwarzen Wildnis (1959) kein Prädikat „wertvoll“, weil die deutsche Filmbewertungsstelle den Kommentar furchtbar findet („phrasenhaft“). Andererseits geht der Film in den Kinos unter, weil Exploitationschrott wie Mondo Cane (1962) die Sensationsgier des Publikums besser stillt.

Und African Mirror hält der heutigen Schweiz den Spiegel vor — so erinnert das, was über die Inszenierung der „Wilden“ zu hören ist, an den unsäglichen Bruno-Manser-Film.

African Mirror
CH 2019, 84 Min.
Regie und Buch: Mischa Hedinger
Offizielle Website

Attack of the Weekly Links: Filmzahnarzt, Lava, Bree vs. Neubauten

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Jetzt ist er «Staatsfeind Nummer eins» | Eine tolle Geschichte vom Tages-Anzeiger über einen Zahnarzt, der gerne ein Actionfilmstar wär — und bei dessen Filmdreh in Rapperswil es einen (zum Glück nicht tödlichen) Unfall mit Platzpatronen gab. Es tauchen ja immer wieder mal solche Leute auf: Hoffnungsvolle Filmfans mit einem gewissen Grad an Selbstüberschätzung. Ich schrieb auch schon über so jemanden.
Wobei: Den fertigen Film des Zahnarztes hab ich natürlich noch nicht gesehen, also kann es sein, dass das mit der Selbstüberschätzung in diesem einen Fall nicht stimmt. Time will tell.

Lava | Dieser Strip von Three Word Phrase ist so verdammt gut, dass ich auch Jahre später regelmässig daran denken muss. Keine Panik, ich hab ihn zuerst auch nicht verstanden.
 

The Deadly Affair (1966): The Royal Shakespeare Company und der Flughafen Zürich

Geheimagent Charles Dobbs (James Mason) führt in einem Park ein Gespräch mit einem hohen Regierungsbeamten, Samuel Fennan (Robert Flemyng) — anscheinend gabs einen anonymen Brief, der Fennan als sowjetischen Spion anschwärzt. Tatsächlich war er in den 30ern Kommunist, kann Dobbs aber glaubhaft versichern, dass er diese Jugendsünde hinter sich gelassen hat. Der Agent glaubt ihm, die beiden gehen in gutem Einvernehmen auseinander.
Tags drauf schrillt bei Dobbs das Telefon. Fennan ist tot. Selbstmord.

Selbstmord? Sehr verwunderlich, findet Dobbs. Als er mit Fennans Witwe Elsa (Simone Signoret) spricht, erhält sie per Telefon einen Weckruf — obwohl sie angeblich unter chronischer Schlaflosigkeit leidet. Eine kleine Recherche ergibt, dass in Wirklichkeit ihr Ehemann besagten Weckruf am Abend seines Selbstmordes in Auftrag gab. Da ist was faul.

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