Goeteborg 2017: Windige Inseln, Zombies und eine Fischkirche

Wir waren vier Tage in Schweden und haben keinen einzigen Ikea gesehen. Aber wir haben jede Menge Knäckebrot gegessen.

Es gab von der Swiss ein Sonderangebot für Flüge nach Göteborg. Also sind wir hin. Und haben gleich mal gemerkt, dass es im Grunde eine blöde Idee ist, im Herbst in den Norden zu fliegen — es war doch merklich kälter als in Zürich. Zwar ungewöhnlich warm für schwedische Verhältnisse, wie unsere Bed-and-Breakfest-Gastgeberin meinte, also konnten wir uns immer noch glücklich schätzen. Aber wir waren froh um unsere Schals und Wintermützen.
 
 
Schärengarten

Dass das Herbstklima dort oben eher rau ist, merkten wir zudem, als wir den Göteborger Schärengarten besuchten. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von bewohnten Felseninseln vor der Küste (unterteilt in einen nördlichen und einen südlichen Archipel). Wir nahmen die Färe nach Donsö, eine der südlichen Inseln. Diese ist über eine Brücke mit der Nachbarinsel Styrsö verbunden; über jene sind wir dann spaziert. Dort oben ging der Wind so stark, dass es uns fast runtergeweht hätte.
Wir waren über weite Strecken die einzigen Touristen in der Gegend. Kein Wunder, denn der Inseltourismus ist ganz und gar auf den Sommer ausgelegt. So hatten wir uns vorher ein Restaurant rausgesucht, allerdings nicht gesehen, dass jenes nur von März bis Oktober betrieb hat. Als wir dort waren, war geschlossene Gesellschaft — der örtliche Seniorenverein hatte Zusammenkunft.
Wir tranken dann kurz was in einem eher grauseligen Café (Bratten’s Wärdhus) gleich am Pier („Free Wifi!“, stand draussen angeschrieben. Denkste) und nahmen die nächstbeste Fähre zurück zum Festland.
Lustige Beobachtung am Rande: Die Leute auf den Inseln sind üblicherweise nicht mit richtigen Autos, sondern mit Golfwagen Unterwegs. Sehr süss.


 
 
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Biedermann und das Quadrat

Letzthin hab ich im Riffraff The Square gesehen, den neuen Film von Ruben Östlund, eine Satire auf den schwedischen Kunstbetrieb. Manchmal an der Grenze zur Plattheit: Ziemlich am Anfang hat Christian (Claes Bang) — Kurator eines Museums für Gegenwartskunst und Hauptfigur der Handlung — ein Interview mit einer amerikanischen Journalistin (Elisabeth Moss). Sie konfrontiert ihn mit einem Text von der Webseite des Museums (es ist der Beschrieb zu einer Ausstellung), einen Text, den Christian offenbar selbst nicht versteht. Haha, Kunsttexte sind schwer verständlich, sehr originell.

Lustiger sind da schon kleine, feine Beobachtungen. Der Raum, in dem das Interview stattfindet, enthält auch eine Installation, bestehend aus vielen Schotterhäufchen. An der einen Wand sitzt eine leicht übergewichtige Aufseherin auf einem Klappstuhl — das Bild hat etwas Rührendes. Einmal werfen Besucher einen Blick in den Raum, trauen sich aber nicht, hineinzugehen. Ein andermal kommt dann tatsächlich einer rein, so ein richtiger Hipster. Als er die Installation fotografieren will, bellt die Aufseherin, dass er das nicht dürfe. Das hat etwas von einem Roy-Anderson-Film.

Was einem aber wirklich im Gedächtnis bleibt, sind die Szenen, in denen Regisseur Östlund den Hebel bei sozialen Konventionen und Interaktionen ansetzt. Nach der Vernissage-Party schläft Christian mit der Journalistin. Ist schon der Akt in seiner alltäglichen Lächerlichkeit witzig, so wird es richtiggehend brutal, als die Frage aufkommt, wer das Kondom entsorgt — ein Abgrund der Geschlechterkriegs tut sich auf.
Die Journalistin hat übrigens einen Schimpansen zum Haustier. Es gibt nie eine Erklärung dazu, aber ich seh darin eine Anspielung auf Max, Mon Amour.

Herzstück des Films ist die Szene, die auch das Plakat ziert. Da hocken während eines Empfangs die ganzen reichen Gönner und Kulturmenschen herausgeputzt im Festsaal und erwarten ergebendst eine Performance. Da tritt auch schon der Künstler auf. Sein Ding: Er benimmt sich wie ein Affe. Prothesen an den Armen ermöglichen ihm einen Gang wie der eines Gorillas; er brüllt und grunzt, betatscht die Leute, benimmt sich immer wilder. Es dauert nicht lange, bis die Situation eskaliert.
Eine unglaubliche Szene, ein bitterböser Kommentar auf das Verhältnis von Künstlern und Publikum. Auf begüterte Bildungsbürger und Mäzene, die sich Künstler wie Haustiere halten, aber es gar nicht goutieren, wenn sich diese Haustiere daneben verhalten. Darauf, dass Künstler gern provozieren dürfen, dabei aber bloss nicht die gemütliche Konsumentenrolle des Publikums stören sollen. Überhaupt auf die Grenze zwischen Künstler und Publikum, auf das Rollenverständnis, auf die festgefahrenen Konventionen im herkömmlichen Kunstbetrieb.
Hat man The Square gesehen, kriegt man Lust, mit einer Fakel und einem Kanister Benzin ins nächste Kunsthaus zu rennen.

(Den Künstler spielt übrigens Terry Notary, der sich ganz wie der berühmtere Andy Serkis auf die Darstellung von Motion-Capture-Kreaturen spezialisiert hat, vor allem Affen: Kong in Kong: Skull Island, Rocket in der neuen Planet of the Apes-Trilogie.)

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Halloween 2017: Hirnpower aus dem Weltraum

Ostern, Weihnachten und ähnlicher Quatsch kann mir gestohlen bleiben; mein Lieblingsfeiertag ist Halloween. Nicht wegen der Süssigkeiten oder der verkleideten Kinder, sondern weil das der einzige Feiertag ist, den man mit dem Schauen von Horrorfilmen begeht. Heute im Programm:

Das ist ein billiger Science-Fiction-Grusel-Heuler von 1957. Um sich den filmhistorischen Kontext vor Augen zu führen: Im selben Jahr kamen 12 Angry Man heraus, The Bridge on the River Kwai, Das siebente Siegel oder Kubricks Paths of Glory. Und eben dieses Meisterwerk der Filmgeschichte, in der ein Typ mit einer Axt auf einen riesigen Ballon in der Form eines Gehirns einschlägt. Aber der Reihe nach:

Da, schaut mal, das ist der Nuklearwissenschaftler Steve in seinem gemütlichen kleinen Wohnlabor. (Aber echt: Das ist irgendein herkömmliches Wohnzimmer, im dem Elektroschrott rumsteht.) Steve stellt auf seinen Messgeräten mehrere plötzliche Ausbrüche erhöhter Radioaktivität fest — und er weiss auch, woher selbige stammen: „Da geht irgendwas am Mystery Mountain vor sich.“ Möglicherweise etwas … Mysteriöses?

Gemeinsam mit seinem Assistenten Dan fährt Steve zum Mystery Mountain. Dort finden beiden eine Höhle, die vor ein paar Wochen noch nicht da war, meint jedenfalls Steven. Sie gehen hinein und laufen damit in ihr Verderben, denn in besagter Höhle treffen sie auf ein riesiges, schwebendes, halb durchsichtiges Gehirn. Mit Augen. Unsere Helden verlieren ein bisschen ihre Fassung, schiessen mit Pistole und Gewehr auf das komische Ding. Selbiges ist allerdings immun gegen Blei und attackiert Steve und Dan seinerseits mit einem Strahl, der den zweien das Bewusstsein raubt.

Steves Verlobte Sally macht sich Sorgen um ihren angehenden Ehemann: Seit Steve zusammen mit Dan zum Mystery Mountain gefahren ist, hat sie nichts mehr von ihm gehört. Und dabei ist das schon eine Woche her!
Just in dem Moment steht Steve bei ihr auf der Veranda. Zunächst freut sich Sally, aber dann findet sie, Steve habe sich verändert: „Du hast mich noch nie so geküsst!“
Steve ist als zurück, aber was ist mit Dan? Steve erklärt: „Ach, du kennst doch Dan. Im Herzen ist er ein Playboy. Eine Woche in den Bergen, und er musste nach Las Vegas, um sich zu erholen.“ (Soll wohl heissen, im Laufe einer Woche hat es sich bei Dan soweit aufgestaut, dass er dringen die Dienste einer Prostituierten brauchte.)
Dans Samenstau hin oder her, Steve macht mit dem Küssen weiter. „Davon kribbelt meine Zunge“, sagt Sally, durchaus nicht unerfreut. Doch dann wird Steve aufdringlich und zerreisst ihr das Oberteil; Sallys Hund Georgie fängt an zu bellen und fällt Steve an, der seinerseits dem Hund einen Tritt verpasst und wütenderweise mit dem Auto davonbraust.

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British Comedy @ Miller’s: Simon Munnery und Co.

I have the brain of an eagle, the heart of a lion, the engorged member of a rampant hippopotamus — all I need now is some glue.
Simon Munnery

Letzthin hab ich Stewart Lee für mich entdeckt, den man wohl als intellektuellen Stand-up-Comedian bezeichnen kann (jedenfalls mach ich das), einer also, der sehr bewusst mit den Mitteln der Stand-up-Comedy arbeitet und deren Grenzen austestet, der nicht nur unfassbar lustig ist, sondern mit How I Escaped My Certain Fate auch ein Buch geschrieben hat, das ich jedem unbedingt ans Herz lege, der sich tiefgehender mit britischer Komik auseinandersetzen möchte.
Lee ist auch zu verdanken, dass mir Simon Munnery ein Begriff ist. Die beiden sind frühe Weggefährten und haben als solche den Aufstieg moderner britischer Stand-up-Comedy in den Achtzigern und Neunzigern miterlebt und mitgeprägt. Sie sind zusammen aufgetreten (zum Beispiel in Cluub Zarathustra, einem avantgardistischen Kabarett) oder haben die BBC-Serie Attention Scum! geschaffen.

Nun ist Simon Munnery in Zürich aufgetreten, genauer gesagt im Miller’s. Im Auftakt zur Reihe British Comedy @ Millers. Diese organisiert Hanspeter Kuenzler, ein Schweizer, der vierzig Jahre lang in London lebte. (Mehr dazu hier.)

Weder Lee noch Munnery waren jemals echte Comedy-Stars wie Jimmy Carr, Eddie Izzard oder Russell Brand, dafür sind die zwei ein wenig zu anspruchsvoll, vor allem Munnery, der seinem Publikum mitunter einiges abverlangt. Der Unterschied zwischen Munnery und seinen etwas gefälligeren Kollegen liess sich am Abend in Miller’s wunderbar beobachten.

Die Show war klassisch arrangiert, mit Munnery als Headliner und zwei weniger bekannten Komikern als Vorprogramm. Ganz am Anfang trat schnell Kuenzler auf die Bühne, um einerseits dem Publikum kurz das Konzept des Abends zu erklären, denn wie sich herausstellte, hatte nur etwas die Hälfte der Leute Erfahrungen mit solchen Comedy-Abenden (die andere Hälfte bestand zu einem guten Teil aus britischen Expats, schien mir). Andererseits erklärt Kuenzler, dass die Band nicht auftreten würde, denn die steckte irgendwo mit dem Flugzeug fest. (Da sich der Abend eh etwas in die Länge zog, war das wohl nicht das Allerschlechteste.)

Dann ging die eigentliche Show los, und zwar mit dem opener, bzw. dem MC (master of ceremonies), einem gewissen Ben Van der Velde. Seine Aufgabe bestand darin, durch den Abend zu leiten und das Publikum aufzuwärmen. Van der veldes Akt war ganz klassisch; er erzählte ein bisschen von sich, machte sich über seine holländische Herkunft sowie über die Unterschiede zwischen England und der Schweiz lustig, unterhielt sich ein wenig mit dem Publikum. Da sass zum Beispiel in der vordersten Reihe eine Frau in dicken Wintersachen, anscheinend, weil sie erkältet war; eine dankbare Steilvorlage für den Komiker. Und natürlich: Brexit, Brexit, Brexit. Das Herzstück dieser Art von Komik sind lustige Alltagsbeobachtungen (observational comedy).
Auf van der Velde folgte als feature (middle) Masud Milas, der grundsätzlich dasselbe machte wie van der Velde, allerdings noch ein bisschen mehr Humor aus seinem speziellen kulturellen Hintergrund zog — denn Milas wuchs als Kind eines britischen Vaters und einer kenianischen Mutter in Hongkong auf.
van der Velde und Milas waren beide witzig und hatten kein Problem damit, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Ihre Komik ist nicht besonders herausfordernd, aber es braucht dafür doch jemanden mit Persönlichkeit und Schlagfertigkeit — und ganz einfach guten Witzen. (Dass das gar nicht so einfach ist, konnte man an der letzten Young Swiss Comedy sehen.)

Nach der Pause heizte van der Velde das Publikum noch einmal ein bisschen an, und dann kam endlich der closer, der headliner, der star act: Simon Munnery. Kuenzler hatte im Vorfeld behauptet, das schweizerische Schulenglisch reiche aus, um die Show zu verstehen, aber mir war sofort klar gewesen, dass das im Bezug auf Munnery arg optimistisch gedacht war. Ich hatte unzählige YouTube-Videos von Munnery gesehen, hatte aber immer noch Schwierigkeiten mit seiner schnellen, dabei leicht nuscheligen und akzentschwangeren Aussprache; ganz zu Schweigen davon, dass seine Witze zu einem guten Teil aus semantischen Spielereien bestanden, so dass man schon verdammt sattelfest in der englischen Sprache (sowie der britischen Kultur) sein musste, um alles mitzukriegen.
Es wurde schnell klar, dass ein guter Teil des Publikums damit leicht überfordert war. Und eben, Munnery ist sowieso kein Komiker, der es seinem Publikum leicht macht. Eher ist er einer, der auch mal das Risiko eingeht, dass ein Gag völlig flach fällt.
(Nicht, dass seine Nummer an jenem Abend völlig avantgardistisch abgehoben gewesen wäre, nicht wie zu seinen besten Zeiten als Alan Parker: Urban Warrior oder als League Against Tedium.)
Er hat auch durchaus observational comedy drin, hat beispielsweise von seinen Töchtern erzählt (wie die eine der anderen mal den Fuss ins Gesicht gekickt hat), oder von dem Nervenschaden in seiner linken Hand, wegen dem er nicht mehr beide Hände gleichzeitig zum Hitlergruss heben könne.
Aber dann hat er eben auch zusammen mit den Zuschauern ein schottisches Volkslied gesungen, wobei die Zuschauer bis zuletzt darin versagten, den gesamten Refrain zu wiederholen. Das war dann auch der Witz, wenn man das überhaupt als Witz bezeichnen kann: Dass das Publikum den Refrain nicht hinkriegte.
Oder da gab Munnery zum Ende hin einen Dialog zum Besten, in dem ein Pärchen sich bei seinem ersten Date übers Skifahren unterhielt. Es gab da keinen Witz im engeren Sinne, sondern nur die Absurdität eines Gesprächs, dass sich immer stärker um immer obskurere Details bezüglich Winterjacken, Bindungen oder Preisvergleiche drehte. Es zog sich scheinbar ewig hin, Leute verliessen den Saal, ich selbst driftete in Gedanken davon — aber Munnery blieb knallhart dabei. Und so scheidet sich der Meister von den Möchtegerns.

 
Linkparade:

Munnery-Interview von Kuenzler zum Miller’s-Auftritt
Munnery als Kirche von England
Munnery im Jahre 2013
Zur Struktur von Comedy-Shows
Mehr britische Komik in Zürich: International Comedy Club
Noch mehr britische Komik in Zürich: English Stand-up im Comedyhaus

Wien Commando: Angriff der Zürich-Mutanten (2)

Hier gehts zu Teil 1.

Freitag

Das Foltermuseum Wien probiert den Spagat zwischen Boulevard und Anspruch, was schon die Namenstafel draussen demonstriert – einerseits prangt da in grossen, roten Buchstaben das Wort „Folter“. Andererseits lautet der Untertitel „Museum für mittelalterliche Rechtsgeschichte“. Die wollen also das Publikum mit dem Versprechen wohliger Schauer anlocken, weisen aber zugleich auf staatliche Gewalt in der heutigen Zeit hin, oder in der aktuellen Sonderausstellung auf die Zustände in Guantanamo.
Herzstück der Ausstellung sind lebensgrosse Dioramen von verschiedenen Foltermethoden und Strafmassnahmen; man stelle sich eine Mischung aus Museum und Geisterbahn vor. Die Erbauer hatten sicher ihren Spass daran. Aber irgendwann überkommt einen dann die Erkenntnis: Das haben tatsächlich Menschen anderen Menschen angetan, und ähnliche Dinge passieren heute noch. Gute Laune.
Eher unfreiwillig komisch ist der Bombenraum: Das Foltermuseum befindet sich in einem ehemaligen Schutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, und eines der Zimmer ist eingerichtet wie dazumal; aus Lautsprechern ertönen dann die Geräusche von Fliegern und Explosionen. Gelebte Geschichte oder ein kleiner Prater?

Eine Bekannte, die in Wien lebt und die wir vor unserer Reise in der Schweiz getroffen hatten, empfahl uns das Büchercafé Phil. Dort bekommt man Kaffee, Snacks oder ein kleines Frühstück, aber man kann eben auch Bücher kaufen. Ausserdem sind dort neben den üblichen Zeitungen literarische Zeitschriften ausgelegt. Ein schöner Ort, um ein oder zwei Stunden zu vertun. Am Ende hab ich dann Die Goldgruber Chroniken mitgenommen, eine Sammlung autobiographischer Comics von Nicolas Mahler.

Derselbe Mensch unserer Gruppe, der ins Nachtasyl wollte, wollte auch ins Hotel Sacher, um dort die originale Sachertorte zu probieren. Da es inzwischen regnete, hatten wir nichts dagegen, uns irgendwo reinzusetzen. Allerdings waren wir nicht die einzigen Touristen mit der Idee, und so warteten wir eine Viertelstunde in der Schlange, bis wir uns in die Sacher Stube setzen konnten.
Roter Samt, Gemälde, Spiegelkästen, uniformierte Kellner: Es ist der Prunk vergangener Tage, aus heutiger Sicht ungefähr so authentisch wie die Österreich-Abteilung im Europapark. Eine Touristenfalle. Und die originale Sachertorte schmeckt durchaus anständig, aber es ist keinesfalls so, als hätte sie uns vom Stuhl gehauen – da beeindruckte mich das Frühstück im Phil stärker.

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Wien Commando: Angriff der Zürich Mutanten (1)

Letzthin machten wir von der Gruppe Konverter einen kleinen Kulturausflug – und zwar nach Wien. Knapp fünf Tage haben wir uns dort herumgetrieben, uns Zeug angeschaut und Pubs besucht. Hier sind ein paar meiner Impressionen.

 
Mittwoch

Noch am ersten Abend gingen wir an den Prater, genau gesagt, an den Wurstelprater, diese Riesenchilbi mit Ganzjahresbetrieb (exklusive Winter). Ihr wisst schon, da steht auch das bekannte Riesenrad (das wir allerdings aus unerfindlichen Gründen ausgelassen haben). Unter anderem besuchten wir eine Dinosaurier-Bahn: Der Jurassic Park. Untertitel: Urgewalt der Giganten (das könnte auch der Titel eines Godzillafilms sein). Eine Bahn mit geklautem Videomaterial, billigen Gummisauriern und schauderhaften Geisterbahneffekten. Trash pur. Ich war zufrieden.
Natürlich liess ich es mir nicht nehmen, mit der Wilden Maus zu fahren, jener Achterbahn, der Josef Hader einen Film gewidmet hat. (Da kleben denn auch überall Filmposter.) Meine Begleiter amüsierten sich sehr darüber, dass mir diese Achterbahn für Kinder fast schon zu hart war.
Am allerbesten gefiel mir die Geisterbahn Hotel Psycho, die alles hatte, was zu einer anständigen Geisterbahn gehörte, inklusive verkleideter Angestellter, die einen zu erschrecken versuchen. Im Übrigen fiel mir auf, dass mehrere der Geisterbahnen die Titelmusik der Filmreihe Saw als Soundtrack verwendeten.

Wir hatten ein Viererzimmer im Wombat’s Hostel beim Westbahnhof gebucht. Als wir spätnachts nach Hause kamen, stiessen wir beim Bahnhof auf einen Rollstuhlfahrer, der besoffen herumbrüllte. Wenn ich mich recht erinnere, war der Mann nackt. Eine Ecke weiter stand hingegen einer von asiatischer Herkunft, der einen schnittigen Anzug trug. Der drohte dann allerdings: „I will kill everyone.“

Bevor wir ins Zimmer raufgingen, um uns schlafenzulegen, testeten wir die Bar im Keller des Hostels. (The Lounge.) Da kann man Riesen-Jenga und anderen Quatsch spielen. Ausserdem stellte ich erfreut fest, dass der Alkohol in Wien signifikant billiger ist als in Zürich. Gut waren die Drinks auch noch. Geschmacklich, meine ich, nicht für meinen Gesundheitszustand. Ich trank also Tequila Sunrises und Gin Tonics durcheinander; dabei hatte ich doch schon am Prater Fanta gesoffen sowie Zuckerwatte gefressen und anderen Süsskram. Ergebnis: Mitten in der Nacht musste ich aufstehen, um die Toilette in unserem Viererzimmer vollzukotzen. Man wird nicht jünger.

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