Attack of the Weekly Links: Fundi-Zeichner, Galileo und Star-Trek-Intakes

Fred Carter ist gestorben | Anfang Mai ist Comiczeichner Fred Carter gestorben, mit 84 Jahren. Ich kann nicht sagen, dass es besonders schade um ihn wäre – er war ein christlicher Extremist, und sein berühmtestes Werk sind die Zeichnungen für die Chick Tracts. Menschenverachtendes Fundi-Zeugs. Das aber halt gut gezeichet ist. Der verlinkte Facebook-Thread bietet ein paar Beispiele für Carters Schaffen.

The Story of Galileo’s Trial | «Und sie dreht sich doch.» Was hat es eigentlich mit dem Galileo-Prozess auf sich? Irgendwas mit Kirche gegen Wissenschaft. John C. Hamer geht in seinem Vortrag von weit verbreiteten, aber verfälschten Vorstellungen aus und erklärt, wie es damals wirklich war.

Starfleet Believes in the Prime Directive | Die Idee ist genial: Der Mensch von Ryan’s Edits nimmt Outtakes aus den Star Trek-Serien, also Versprecher, Unfälle, Blödeleien etc. der Schauspieler:innen. Diese Outtakes schneidet er in die fertigen Szenen rein. Intakes nennt er das.
Weitere Beispiele: Worf is a Famed Klingon Warrior. Data Can’t Cope With Precognition. Archer Knows His Enemy. Geordi and Worf are In Sync. Data Doesn’t Handle Rejection Well. Yuta Takes Riker’s Breath Away.

Attack of the Weekly Links: Provokation und Witz, Fotos von Häusern, die Mafia in Las Vegas, Vietnams Kommunismus

Wer über Faisal Kawusi redet, muss von Comedy schweigen | Bernhard Hiergeist von Setup/Punchline über den Bezug von Provokation und Witz am Beispiel von Faisal Kawusi. «Der ist ja einer der Sorte Comedians, die lieber den Witz ausspart als die Provokation», schreibt Hiergeist und bringt ein Gegenbeispiel: Alex Stoldt, dem es um solide konstruierten Humor gehe. Wirklich sehr anguckenswert.
Allerdings würd ich dann doch anmerken: So lustig Stoldts Witze sind, fällt halt doch auf, dass die unterliegenden Vorstellungen (in dem Fall: von Beziehungen und den Geschlechtern) arg traditionell sind.

Post-Industrial England’s Boarded-Up Houses | Artikel für das Fotografiemagazin LensCulture der britischen Künstlerin Katharina Fitz. Für das Projekt Boarded-up Houses hat sie leerstehende, zugenagelte Häuser in Liverpool und Manchester fotografiert sowie gefilmt. Die Ästhetik ist gleichermassen charmant und erschreckend.

History of the Mob in Las Vegas | Der Cynical Historian über die Geschichte von Las Vegas und der Mafia. Ein Blick auf die Hintergründe des Mythos, den man aus Casino und Co. kennt.

Viet Minh? More like Viet Win | Der Podcast The Deprogram über Vietnams Kommunismus, mit der vietnamesischen Kommunistin Luna Oi als Gast. Erhellender Einblick in den real existierenden Sozialismus.

Attack of the Weekly Links: Harry Potters Sklaven und Stalins Sterben

Harry Potter | Der Youtuber Shaun hat alle Harry Potter-Bücher gelesen und sich die Verfilmungen angeschaut, und was er darin gefunden hat war Neoliberalismus-Propaganda und Sklaverei-Apologie. Uffza. Apropos: Schon etwas älter, aber nichtsdestotrotz erhellend ist Sarah Z‘ Video über Rowlings Transfeindlichkeit (falls sich jemand noch gefragt hat, was eigentlich hinter der Sache steckt).

The Death of Stalin W/The Proles of the Roundtable | Dass The Death of Stalin historisch äusserst fragwürdig ist, wusste ich schon. Nicht, weil ich mich mit der Sowjet-Geschichte auskennen würde, sondern weil ich das Video vom Cynical Historian gesehen hab. Und jetzt das: Der Left Media Podcast bespricht den Film aus marxistisch-leninistischer Sicht, und die werten Leute lassen kein gutes Haar am Film. Ist das Stalin-Apologie? Kann sein. Interessant ist die Perspektive auf jeden Fall. Ergänzung zum Thema: Genosse Klein hat The Death of Stalin und den zugrundeliegenden Comic hier mal besprochen.

Video der Woche

Attack of the Weekly Links: Feuersteins Müllschwein, Klischees über den Islam und Sean Connery in Scandinavia

Julio Torres: On Labor and Management | Julio Torres, geboren 1987 in El Salvador, aktiv in den USA, ist einer meiner Lieblingskomiker. Unter anderem wegen Nummern wie dieser. Es handelt sich dabei um einen Monolog des Müllschweins, das unter der Spüle der Flintstones hockt und deren Abfall frisst. Ein berührender Hilferuf an die Adresse von Wilma.

Islamische Homophobie als erfundene Tradition | Soziologe und Webentwickler Georg Klauda über die Vorstellungen des Westens von der Homophobie in der islamischen Welt. Er zeigt auf, wie das Bild des schwulenfeindlichen Islam nicht mit der Realität übereinstimmt und zugleich die Schwulenfeindlichkeit des Westens unter den Teppich kehrt. Klauda hielt den Vortrag bereits 2008 an einer Antifa-Konferenz in Köln; bemerkenswert, wie selten entsprechende Argumente im öffentlichen Diskurs zu hören sind. Eine schriftliche, erweitere Version des Votrags von 2009 gibts hier. Neu auf meiner Leseliste: Klaudas Buch Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt.

Spinoff #12: Forbidden City Cop in Scandinavia | Marco und Haiko von der Filmkammer des Schreckens schwätzen über eine Hong-Kong-Komödie sowie über einen Thriller mit Sean Connery, der als Sicherheitschef in Scandinavia (gemeint ist nicht Skandinavien, sondern ein fiktives Land namens Scandinavia) gegen Terroristen kämpft.

Attack of the Weekly Links: Echte Superhelden, Übersetzungs-Schwierigkeiten, trans Athlet:innen und eine Podcast-Empfehlung

I Was a Real Life Superhero | Chris Piers von Comic Tropes bespricht Comics, zeichnet sie, und nicht nur das: Er war mal ein echter Superheld, und zwar im Team von Phoenix Jones. In seinem neusten Video erzählt Piers davon, und es ist faszinierend.

Übersetzen wider die Weltliteratur | Nicholas Glastonbury über die Schwierigkeit, Weltliteratur zu übersetzen und dann auch noch interessierte Verlage dafür zu finden.
«Die Herausforderung, der ich mich mit diesem Buch trotz all seiner Qualitäten […] gegenübersah, bestand darin, dass es nicht den vorherrschenden Erwartungen und Mustern entsprach, die der Markt der Weltliteratur der türkischsprachigen Literatur zugewiesen hat: Es gab darin kein „Osten trifft auf Westen“, kein „Tradition trifft Moderne“. […]
Der Prozess des Verlegens sortiert übermäßig viele Autor*innen aus, deren Werk eine weltweite Leser*innenschaft verdient hätte, wobei die allergrößten Ausnahmen dazu herangezogen werden, das falsche Bild einer Weltliteratur als globale Utopie der multikulturellen Harmonie aufrechtzuerhalten.»

Ist das noch fair? Über Sport und Transition | Passend zur Winterolympiade, die heute zu Ende geht:
Je nachdem ein Schreckensszenario oder ein Ziel blöder Witze: trans Frauen, die Athletinnen sind. Ist das wirklich unfair gegenüber «richtigen» Frauen? Der Artikel vom Aufbau gibt ein paar grundsätzliche Aspekte zu bedenken. Zum Beispiel:
«Eine Studie mit amerikanischen Militärangehörigen kam beispielsweise zum Schluss, dass sich die Leistungsfähigkeit von trans Frauen zwei Jahre nach dem Beginn einer Hormontherapie jener von cis Frauen in vielen Bereichen annähert […]. Was bleibt ist ein überschaubarer Vorteil im Kraftbereich, der sich, nebenbei bemerkt, auch in umgekehrter Richtung zeigte: trans Männer waren zu durchschnittlich mehr Sit-ups fähig als die mit ihnen verglichenen cis Männer.»
Ein paar Quellenangaben wären schön gewesen, aber es ist zumindest mal ein Anfang.
Etwas mehr in die Tiefe geht ein Faktencheck bei der Deutschen Welle: Sind Transgender-Athleten bei Olympia im Vorteil? Der Artikel geht nimmt den Fall der Gewichtheberin Laurel Hubbard zum Anlass, die als erste trans Frau zum entsprechenden Wettbewerb zugelassen wurde. (Gewonnen hat sie übrigens nicht.)

The Deprogram | Ein Podcast von drei Breadtubern, Anti-Kapitalismus aus der Perspektive der USA (Second Thought), dem Irak (Hakim) und dem Balkan (Yugopnik). Dieser internationale Blick ist sehr spannend (üblicherweise ist Lefttube stark US-zentriert). Wenig Neues für eingefleischte Marxisten, aber eine Einführung in die alltäglichen Auswüchse des Kapitalismus. Zudem sind die drei witzig.

Attack of the Weekly Links: NFT, Bog Bird und Verrisse

Line Goes Up – The Problem With NFTs | So ganz kapiere ich nicht, wie Bitcoin und NFT funktionieren. Aber dieses Video von Folding Ideas ist die verständlichste Erklärung, die mir bisher untergekommen ist. Vor allem wird da aufgezeigt, dass das ganze Krypto-System von Grund auf korrupt ist (und nicht bloss wegen einiger schwarzer Schafe).
Ebenfalls interessant zum Thema: Why are NFTs so Ugly? von Solar Sands und The INSANE Capitalist Cult of NFT Bros von The Kavernacle.

Bog Bird | «Big Bird? Close. I’m Bog Bird! Welcome to Sesame Swamp!» Comedy-Auftritt von Eric Feurer.

Feuilleton und Schadenfreude | Eine Ausgabe des Newsletters Kultur & Kontroverse von Johannes Franzen. Thema: Verrisse.
«Weil es sich um ein zwielichtiges Vergnügen handelt, ist der Genuss am Verriss meinem Empfinden nach eher untertheoretisiert. Dabei handelt es sich um eine der feuilletonistischen Gattungen, die zuverlässig am meisten Aufmerksamkeit erzeugt.»

Attack of the Weekly Links: Latour, Kaninchen und China

Gegen die Sitzordnung von 1789 | WOZ-Artikel über das neue Buch von Bruno Latour. Sehr schönes Zitat des Philosophen: «In unseren Tagen deckt sich die Welt, in der man lebt, nur selten mit der Welt, von der man lebt

Sturz in den Kaninchenbau: Rein, aber richtig! | Und gleich noch ein WOZ-Artikel: Florian Keller über die Metapher des Kaninchenbaus (Rabbit Hole). Stammt aus Alice’s Adventures in Wonderland, wurde in The Matrix modern interpretiert und kommt heute häufiger zur Anwendung in der Beschreibung von Internet und Verschwörungstheorien.

«Evergrande ist nicht Chinas Lehman-Moment» | Und die WOZ zum Dritten. Interview mit Isabella Weber, die ein Buch über Deng Xiaopings Wirtschaftsreformen der Achtzigerjahre verfasst hat. Ergänzend zum Interview schrieb Ralf Rukus einen Artikel über die «Resolution zu grossen Erfolgen und historischen Erfahrungen des hundertjährigen Kampfes der Partei». Besagter Ralf Rukus hat übrigens ebenfalls ein Buch über China geschrieben, und dazu gibts ein Interview im Ajour Magazin: Chinas Weg in den Kapitalismus – Ralf Ruckus über Reformen und Repression. Grad im Bezug auf Hongkong pendelt der Westen zwischen Verteufelung und Verherrlichung von China, umso wichtiger sind Stimmen wie die von Weber und Rukus.

Worker Democracy | Zum Abschluss noch ein Video von Unlearning Economics. Wobei Worker Democracy (Arbeiterdemokratie) in dem Zusammenhang vielleicht nicht ganz der richtige Begriff ist; eigentlich geht es um Workplace Democracy (Unternehmensdemokratie), also um die Idee, dass ein Unternehmen nicht hierarchisch von Chefs geleitet wird, sondern demokratisch von den Angestellten. Der Begriff Worker Democracy (Arbeiterdemokratie) bezieht sich dann eher auf einen Staat, der vom Proletariat regiert wird. Aber natürlich hängt beides zusammen. So oder so, besonders interessant am Video ist die Auseinandersetzung mit konkreten Beispielen.

Attack of the Weekly Links: Vom New Atheismus zur Anti-SJW-Bewegung

Die heutige Linkparade ist im Grunde ein internet hole runter zu den Themen Religionskritik, Atheismus und Pseudo-Wissenschaftlichkeit. Ausgehend von einer Frage, die mich seit einer Weile beschäftigt: Wie konnte es passieren, dass wir bei atheistischem Aktivismus gestartet und bei Transfeindlichkeit gelandet sind?

Emanzipation von der Erlösung | Artikel von Benjamin von Wyl für die WOZ. Von Wyl war früher selbst in einer Freikirche, jetzt hat er vier andere Aussteiger:innen zu ihrer Emanzipation befragt. Interessante These: Wer es schafft, sich von einer Sekte zu lösen und deren Logik anzuzweifeln, durchschaut eher auch Verschwörungstheorien.
David Dubach (besser bekannt als Knackeboul): «Wenn es politisch und gesellschaftlich einen grösseren Stellenwert hätte, Leute beim Ausbruch aus solchen Gefügen zu unterstützen, wären auch weniger Menschen für Verschwörungstheorien anfällig.»
Mir scheint offensichtlich, dass religiöse Menschen (und nicht bloss streng religiöse) eher dazu tendieren als atheistische, auch an UFO zu glauben, an Homöopathie, 9/11-Inside-Job-Theorien und schliesslich die grosse Impf-Verschwörung. War zumindest lange mein Eindruck.
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Attack of the Weekly Links: Taschenbücher, Hören in Innsbruck, die Mormonen in ihrem historischen Kontext

Die Nacht der untoten Riesenbücher – Lesenswerter Schund | Gerrit Wustmann über Quentin Tarantino und den Untergang des Taschenbuch-Formats.
«Überhaupt ist dieser Trend zu immer größeren, dickeren, wuchtigeren ‘Taschenbüchern’, die garantiert in keine Tasche mehr passen, eine Plage.»

Hören und Spazieren in Innsbruck | Beiträge aus einem Hörspiel-Workshop, geleitet von Niki Matita. Die Teilnehmer:innen machten kleine Hörstücke in und über Innsbruck. Schüttelbrot, Goldenes Dachl, Brunnenplätschern, ein:e Strassenmusiker:in an der Geige. Gerüchten zufolge hat jemand aus dem Kulturmutant-Umfeld am Projekt teilgenommen.

The Book of Mormon’s 19th Century Context / Authorship of the Book of Mormon / Meaning of the Book of Mormon Today | Schon in der letzten Linkparade hab ich eine Vorlesung auf der Youtube-Plattform von Centre Place empfohlen. Diesmal empfehle ich eine dreiteilige Vorlesung von John C. Hamer über das Book of Mormon – nicht über das Musical von Matt Stone und Trey Parker, sondern das eigentliche Buch Mormon. Aus welchem Kontext heraus ist der Text entstanden, was hatte es mit Joseph Smith auf sich, wie geht die Kirche Christi mit den äusserst problematischen Elementen des Buches um? Hamer ist selbst ein Pastor der Kirche, aber eben auch Historiker, und so hat er kein Problem damit, das Buch mit grosser Ehrlichkeit zu beurteilen.

Attack of the Weekly Links: Norm Macdonald, der Untergang Roms, das Patriarchat in der psychischen Entwicklung

Norm Macdonald: Moth Joke | Norm Macdonald ist gestorben, mit 61 Jahren an Krebs. Er ist einer meiner Lieblingskomiker. Der Motten-Witz, den er bei Conan erzählte, gibt einen guten Eindruck seines Humors. Sehr schön (und kürzer) sind natürlich auch die Weekend Updates bei Saturday Night Live.

Is the „fall“ of the Roman Empire a myth? The Rise and Fall of the Ostrogoths | Sieben, fünf, drei: Rom schlüpft aus dem Ei. Vier, sieben, sechs: Rom ist ex. So hab ichs in der Schule gelernt. Dass das Römische Reich keineswegs im Jahr 476 untergegangen ist, war mir schon länger klar. Aber in dieser Vorlesung geht der Historiker John C. Hamer näher auf das Thema ein, und dabei hab ich einige neue Sachen darüber gelernt. Unter anderem: Wenn man will, kann man den endgültigen Untergang des Römischen Reiches auf 1806 setzen.

Les couilles sur la table: Ce que le patriarcat fait à l’amour | In dieser englischen Folge des französischen Podcasts Les couilles sur la table spricht Victoire Tuaillon mit der Genderforscherin Carol Gilligan («Why Does Patriarchy Persists?»). Es geht darum, wie das Patriarchat die psychische Entwicklung von Männern im Kindesalter beeinflusst.