Attack of the Weekly Links: Andy Fischli, Schweizer Bahnhöfe und die Riders of Filmkammer

Drei Augen sehen mehr als zwei | «Aber was soll hier dieses kosmische Pathos, das passt nun wirklich nicht zu Andy Fischli. Lassen wir deshalb lieber seine Bilder sprechen […]» Florian Keller über den Comiczeichner, der sich am 3. März das Leben genommen hat. Ein schöner Nachruf.
An der letzten Fantasy Basel hatte Fischli einen Stand. Ich ging hin, um mir Der grosse Wagen zu besorgen. Er selbst war dann aber gar nicht da. «Er kommt erst morgen», sagte sein Kollege. Ich: «Okay, ich kauf den Comic schon mal. Ich kann ihn sicher irgendwann in Zürich um eine Widmung bitten.» Dazu ist es nicht mehr gekommen.

Well There’s Your Problem | Episode 65: Santiago Calatrava | Der Well There’s Your Problem Podcast läuft bei mir gerade in der Dauerschleife. Thema sind Katastrophen aus dem Ingenieurswesen – explodierende Raketen, Zugunglücke, grosse Brände, Atomunfälle und Co. Aus einer linken Perspektive. Diese Folge ist vergleichsweise harmlos, es geht einfach um den spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava und seine Projekte, die ebenso überteuert wie menschenfeindlich sind.
Oculus, mit fast 4 Milliarden Baukosten der teuerste Bahnhof der Welt, steht beim World Trade Center – während unseres New-York-Besuchs haben die Allerliebste und ich uns den auch angesehen. Wir fanden ihn eigentlich ganz schön, aber ziemlich steril. In erster Linie ist das ein Kaufhaus mit unnötigen Läden (Luxus-Zeug, das kein normaler Mensch braucht), und es gab keine Sitzgelegenheiten oder sonst irgendetwas, das zum Verweilen eingeladen hätte.
Calatrava hat aber auch den Bahnhof Stadelhofen und den Bahnhof Luzern entworfen, Orte also, die ich mindestens einmal im Monat passiere. Dass die Podcast-Jungs den Bahnhof Luzern als «schäbig» bezeichnen, find ich allerdings ungerechtfertigt. Fickt euch, Leute. Fickt euch ins Knie.

Die Rache der Filmkammer des Schreckens | Podcast zum Zweiten: Eine neue Folge der Filmkammer des Schreckens ist online. Thema ist der Mads-Mikkelsen-Film Riders of Justice.
Apropos: Demnächst einmal erscheint die zweite Folge des Arthouse-Ablegers (die erste handelte bekanntlich von The Green Knight), in dem dann wieder meine nervige Stimme zu hören sein wird.

«Die Nähe von Geburt und Tod war überwältigend» (Paywall) | Soul of a Beast ist eine wilde Mischung aus Sozialdrama, Science-Fiction und Samuraifilm. Aus Zürich! Ich hab mit Regisseur Lorenz Merz und Hauptdarsteller Pablo Caprez gesprochen.

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Attack of the Weekly Links: Latour, Kaninchen und China

Gegen die Sitzordnung von 1789 | WOZ-Artikel über das neue Buch von Bruno Latour. Sehr schönes Zitat des Philosophen: «In unseren Tagen deckt sich die Welt, in der man lebt, nur selten mit der Welt, von der man lebt

Sturz in den Kaninchenbau: Rein, aber richtig! | Und gleich noch ein WOZ-Artikel: Florian Keller über die Metapher des Kaninchenbaus (Rabbit Hole). Stammt aus Alice’s Adventures in Wonderland, wurde in The Matrix modern interpretiert und kommt heute häufiger zur Anwendung in der Beschreibung von Internet und Verschwörungstheorien.

«Evergrande ist nicht Chinas Lehman-Moment» | Und die WOZ zum Dritten. Interview mit Isabella Weber, die ein Buch über Deng Xiaopings Wirtschaftsreformen der Achtzigerjahre verfasst hat. Ergänzend zum Interview schrieb Ralf Rukus einen Artikel über die «Resolution zu grossen Erfolgen und historischen Erfahrungen des hundertjährigen Kampfes der Partei». Besagter Ralf Rukus hat übrigens ebenfalls ein Buch über China geschrieben, und dazu gibts ein Interview im Ajour Magazin: Chinas Weg in den Kapitalismus – Ralf Ruckus über Reformen und Repression. Grad im Bezug auf Hongkong pendelt der Westen zwischen Verteufelung und Verherrlichung von China, umso wichtiger sind Stimmen wie die von Weber und Rukus.

Worker Democracy | Zum Abschluss noch ein Video von Unlearning Economics. Wobei Worker Democracy (Arbeiterdemokratie) in dem Zusammenhang vielleicht nicht ganz der richtige Begriff ist; eigentlich geht es um Workplace Democracy (Unternehmensdemokratie), also um die Idee, dass ein Unternehmen nicht hierarchisch von Chefs geleitet wird, sondern demokratisch von den Angestellten. Der Begriff Worker Democracy (Arbeiterdemokratie) bezieht sich dann eher auf einen Staat, der vom Proletariat regiert wird. Aber natürlich hängt beides zusammen. So oder so, besonders interessant am Video ist die Auseinandersetzung mit konkreten Beispielen.

Attack of the Weekly Links: Vom New Atheismus zur Anti-SJW-Bewegung

Die heutige Linkparade ist im Grunde ein internet hole runter zu den Themen Religionskritik, Atheismus und Pseudo-Wissenschaftlichkeit. Ausgehend von einer Frage, die mich seit einer Weile beschäftigt: Wie konnte es passieren, dass wir bei atheistischem Aktivismus gestartet und bei Transfeindlichkeit gelandet sind?

Emanzipation von der Erlösung | Artikel von Benjamin von Wyl für die WOZ. Von Wyl war früher selbst in einer Freikirche, jetzt hat er vier andere Aussteiger:innen zu ihrer Emanzipation befragt. Interessante These: Wer es schafft, sich von einer Sekte zu lösen und deren Logik anzuzweifeln, durchschaut eher auch Verschwörungstheorien.
David Dubach (besser bekannt als Knackeboul): «Wenn es politisch und gesellschaftlich einen grösseren Stellenwert hätte, Leute beim Ausbruch aus solchen Gefügen zu unterstützen, wären auch weniger Menschen für Verschwörungstheorien anfällig.»
Mir scheint offensichtlich, dass religiöse Menschen (und nicht bloss streng religiöse) eher dazu tendieren als atheistische, auch an UFO zu glauben, an Homöopathie, 9/11-Inside-Job-Theorien und schliesslich die grosse Impf-Verschwörung. War zumindest lange mein Eindruck.
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Attack of the Weekly Links: Adornos Sexus, Sehnsucht nach Bunkern, Afghanistan

Theodor W. Adorno: Sexualtabus und Recht heute | Vortrag von Adorno 1967 in Wien über den Sexus in der kapitalistischen Gesellschaft.
Lustig: Adorno erwähnt, dass die Thesen von Karl Krauss zum Thema immer noch Geltung haben, so wie Adornos Thesen zum Thema heute noch Geltung haben.
Sehr interessant wirds dort, (so um die 60-Minuten-Marke herum), wo es um die schädlichen Auswirkungen von gut gemeinten Rerformen geht. („Dieses Phänomen, dass die Reform innerhalb des schlechten Ganzen eher das Schlechte verstärkt als es bessert […]“.)

Bunkerträume | Essay über Bunker, von Florian Keller in der WOZ.
„Anders als etwa in der Schweiz, aber auch anders als in Skandinavien oder der damaligen Sowjetunion war die Schutzraumplanung in den USA schon damals nicht auf einen umfassenden staatlichen Bevölkerungsschutz ausgerichtet, wie Garrett schreibt: «Die US-Regierung hat nie versucht, Atomschutzräume für alle oder auch nur einen Bruchteil ihrer Bürgerinnen und Bürger zu bauen.» Die Bunker, die gebaut wurden, waren geheim und für die Regierung und die Armeespitze bestimmt, nicht für die Allgemeinheit. Getreu der individualistischen Doktrin des Landes ermunterte man die Menschen dazu, ihre Luftschutzkeller doch selber zu bauen.“

How Did the Taliban Win In Afghanistan? | Inzwischen hat der letzte US-Soldat Afghanistan verlassen. Wie kam es zur raschen Machtübernahme durch die Taliban? Das Video von History with Hilbert scheint mir eine gute Zusammenfassung zu sein. Erhellend ist auch diese Diskussion zwischen The Cynical Historian (ein Historiker, der als US-Soldat in Afghanistan war) und Hikma History (ein Historiker, der aus Afghanistan stammt).

Attack of the Weekly Links: Stadtrundfahrt, Biennale, Uruk-hai, Skelett

Détournement einer Stadtrundfahrt | Kollege Barry hat auf dem Konverter-Blog ein bisschen was über Erich Kästners Roman Der Gang vor die Hunde gemacht.

Vom glamourösen Hotspot zum Zukunftslabor | Artikel bei der WOZ über Venedig, den Overtourismus und die Biennale in Zeiten von Corona. Darin werden auch zwei Studien des Thinktanks We Are Here Venice (WAHV) erwähnt. Die WOZ verlinkt sie nicht, aber dafür gibts ja uns: How was it for you? und Whose City Is It Anyway?.

Uruk-hai With Normal Voices | Lord-of-the-Rings-Witzvertonung von BurtBot. Keine Ahnung, weshalb ich gerade diese so verdammt amüsant finde. Ich komm aus dem Lachen nicht mehr raus.

a twelve foot home depot skeleton | Kleines Musikvideo von einem gewissen Louie Zong. Eine Hymne auf ein dreieinhalb Meter grosses Skelett aus dem Warenhaus. Auch sehr schön: i hope your cow rolls down a hill.