faust im neumärt: rächt versext

de faust esch no luschtig gsi! aso, esch biz schwirig für mich gsi, wel ich en ja ned gläse han, drum hanis ned so pöggt. ech kenne ja nur so e grobzämefassig à la „faust in 3 sätzen“, weiss aso grob um wases gad, und han natürlich au paar berüehmti ziile ghört („nun steh ich da ich armer thor und bin so schlau wie nie zuvor“), aber so details und so hani halt ke ahnig, und drum isches amigs chli schwirig gsi.
uf jede fall gsed me als erschts s gretchen uf de bühni sitze und die labered biz vor sich hi, und denn gad s liecht uf de bühni a, und denn sitzt det en fudiblutte faust 🙂

im hindergrund heds eifach sone wissi wand gha, und denn hends det schwarzi farb drüberabe laufe la, und de dämon hed sich dere wand entlang gwurschtled und hed d farb uf dere liinwand verschmiert, das hed no geil usgseh imfall! s stuck esch rächt versext, hani gfunde, aso vor allem de erschti teil. aber irgendwie heds no passt, wel sie hend halt au demit gspilt. de faust zb spilt biz en idiot mit chleider alegge und zieht anstatt hose so en pullunder a, so dass sis schnäbi usem loch, wo eigentlich de chopf dureghört, uselamped … de mephisto esch sone art transe mit perücke, wissem ballon-artige, lange schwanz, röckli und stögelischueh wo es problem mit sinere risezunge hed wonem immer zum muul us lamped, und s gretchen hed irgend en vaterkomplex „alles für papa“, und ihre vater esch glichzitig ihre ehemaa und ihri chind send glichzitig ihri gschwüschterti, also rächt schräg … das schiint wohl de jelinek ihri moderni adaption z sii … aber alles in allem guet verpackte faust in 1,5h.

aber s neumärt theater hed voll de egge ab — jez muesmer neuerdings alli grosse täsche abgäh — aber s hed kei garderobe, s hed eifach en ruum, wo alli ihres züg inegheied. ned grad vertrauenswürdig. und am iigang stad en securitas und luegt alli so kontrollierend a. me hend üs denn gfragt, eb das esch, wel d uffüehrig a dem tag vom srf gfilmt worde esch, oder eb sie wäge terrorangscht grossi bombetäsche ned wänd im ruum ha … einewäg zimli hohl, piinlich und ärgerlich.

naja. esch trotzdem en schöne abig gsi.

Faust
Nach Goethe und Elfriede Jelinek
Regie: Tom Schneider
Theater Neumarkt (5.5.-29.6.2017)
Mit Simon Brusis, Alice Gartenschläger, Anna Hofmann, Maximilian Kraus, Sandro Ta

Steht auf, ihr lieben Kinderlein: Young Swiss Comedy Nr. 14

Zurzeit befinde ich mich einmal mehr in einer Phase, in der ich mich verstärkt mit Stand-up-Comedy beschäftige: Nachdem ich Stewart Lee für mich entdeckt und sein Buch How to Escape My Certain Fate verschlungen habe, verbringe ich nun Tag und Nacht auf YouTube und gucke mir irgendwelche obskuren britische Komiker an.
Dem International Comedy Club sei Dank kann man sich als Zürcher besagte britische Komiker ansehen, grandiose Leute wie Al Murray, Dara O Briain, Frankie Boyle, Mike Wilmot, Simon Munnery … oder natürlich Jimmy Carr.

Aber nun hat mich auch wieder interessiert, wie es eigentlich mit der hauseigenen Stand-up-Comedy aussieht. Dafür ging ich, wie schon letzthin einmal, ins ComedyHaus am Albisriederplatz. Dort lief zum Saison-Abschluss Young Swiss Comedy, ein Programm mit Nachwuchskomikern, das schon an Lozärn lacht und Züri lacht zu sehen war.
Wir sahen also die drei angekündigten Comedy-Anfänger. Nach der Pause kam ein Überraschungsgast, dann traten nochmals die ersten drei auf. Soviel zum groben Ablauf, gell.

 
Moderation: Sepp Manser

Der Appenzeller Komiker aus dem Appenzell führte als Appenzeller Moderator durch den Abend. Er stammt aus dem Appenzell. Die erste Hälfte der Show über war er okay, nach der Pause trat er jedoch als „dä Sepp“ auf, die quälend unlustige Karikatur eines Appenzeller Bauern. Da erweist sich Manser als die Sorte Komiker, die eine seltsame Aufmachung und eine verstellte Stimme bereits für witzig hält.
Zudem brachte er es als „dä Sepp“ fertig, einen der Auftritte mit einem seiner Kommentare nachträglich ein wenig zu vermiesen. Aber dazu später.

 
Günter&Godi

Der „eidg. dipl. Meeresbiologe Günter Struchen“ ist eine Kunstfigur, in deren Namen Flavio Carrera Beschwerde- und sonstige Briefe an Behörden, Politiker oder Kinderkrippen schickt (ähnlich René Schweizer, siehe dessen Schweizerbücher).
Auch auf der Bühne trat Carrera als Struchen auf. Die Antwortbriefe las jeweils Gottfried „Godi“ Chummer (Michael Moor) vor, eine weitere Figur aus Struchens Umfeld. Die Beispiele stammen aus dem jüngsten Sammelband Fertig Robidog (erschienen 2015).

Die Struchen-Briefe sind eher so halblustig und ziehen ihren Humor vor allem aus der Verschriftung von Helvetismen wie „verbrätschen“. Wiederkehrende Manierismen wie „Losen sie einmal, es ist so“ laufen sich sehr schnell tot.
Die grössten Lacher brachte diese Anfrage an die Steuerverwaltung Bern: „Wenn ich eines Morgens mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf erwachen würde: Müsste ich dann immer noch die Steuererklärung ausfüllen, oder wäre ich per sofort zur Jagd freigegeben?“

Meist sind die Antwortbriefe deutlich witziger und hintersinniger (die Angeschriebenen merken eh fast immer, was gespielt wird). Da hat Struchen zum Beispiel einen Brief an die SBB verfasst, die Anrede lautet „Sehr geehrte Herren und Schätzelis von der SBB“. Nicht sehr geistreich. Die Antwort ist unterschrieben mit: „Ihr SBB-Schätzeli, Oliver A.“ Und zack! hat der Bürogummi den Struchen (bzw. Carrera) ebenso leichthändig wie erbarmungslos vorgeführt.

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Onkelwahn?! Ja!!!


 

  • Es gibt bei The Simpsons diesen Hans Moleman, ein altes, verschrumpeltes Kerlchen mit dicken Brillengläsern. Homer trifft ihn einmal bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker, wo sich Hans zitternd erhebt und sich vorstellt wie folgt: „My name is Hans. Drinking has ruined my life. I’m 31 years old!“
    Daran musste ich denken, als Siggi Schwientek als Onkel Wanja auf der Bühne steht, die Wodka-Flasche in der Hand, und sagt: „Ich bin jetzt siebenundvierzig Jahre alt.“ (Schwientek ist 64, wirkt sogar noch zehn Jahre älter.)
  • Schönstes Bild: Ilja Iljitsch (Alexander Maria Schmidt) hebt Onkel Wanja hoch. Schwientek ist ja ein altes kleines Männchen, Schmidt hingegen ein fülliger Riese.
  • Diese Inszenierung ist so, als würde man Eis beim Schmelzen zuschauen.
  • Ernsthaft: Herzstück von Stéphane Laimés Bühnenbild ist eine Wand aus Eis (genauer gesagt, da steht ein Gerüst, an das einzelne Eisblöcke montiert sind). Das Auge kann zurückwandern zur Wand aus Eis und den Fortschritt des Schmelzvorgangs prüfen, immer dann, wenn das Stück, das sich davor abspielt, etwas dröge wird, was leider ziemlich oft der Fall ist bei dieser Inszenierung von Karin Henkel. (Ihren Amphitryon und sein Doppelgänger fand ich noch toll.)
  • Da ist zum Beispiel die Musik von Alain Croubalian, der auch persönlich mit E-Gitarre auf der Bühne steht, unter den Schauspielern, und öfters mal stille, atmosphärisch beunruhigende Töne anspielt, die dann den eigentlich komischen Dialogen das Leben aussaugen. Zwar handelt das Stück ja davon, wie die Welt der Protagonisten untergeht, aber wenn man dann die Melancholie anstelle der Komik betont, wirds bald einmal wehleidig. Ein bisschen weniger Jammern, etwas mehr Wahn wäre schön gewesen.
  • Apropos Weltuntergang: Darum das mit dem Eis, weil: Schmelzendes Eis –> Klimawandel. Der Arzt (Markus Scheumann) doziert in seiner Freizeit dann auch vom Waldsterben und der abnehmenden Biodiversität.
  • Lernt man hier was, dann jenes: Die Menschen waren immer schon schlecht und haben immer schon am Weltuntergang gewerkelt. Da kann man sich wirklich nur noch in ein frühes Grab saufen.

Hier gehts zur Webseite vom Schauspielhaus
Diese Kritik findet man auch beim Kritikerclub

X oder Y?

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Bier oder Wein?
Gold oder Diamanten?
Vor deinen Eltern Sex haben oder vor deinen Kindern?
Frankreich oder Italien?
Putin oder Trump?
Hitler oder Mussolini?
Ed Gein oder Ted Bundy?
Phil Hayes oder Peter Tate?
In die Gessnerallee gehen oder Farbe beim Trocknen zusehen?
Dem anschliessenden Publikumsgespräch beiwohnen oder im Stall 6 den Frust wegsaufen?
Deine Mutter mit blossen Händen erwürgen oder deinem Vater den Schwanz lutschen?
Den Leuten die Zeit stehlen oder rechtzeitig aufhören?

These Are My Principles… If you don’t like them I have others*
Performance von First Cut Productions
Mit Phil Hayes und Nada Gambier
Vom 24. Nov bis 3. Dez 2016 in der Gessnerallee
Webseite

* Groucho Marx (hat das nicht verdient)

Dogville im Schauspielhaus Zürich

dogvilleb03 Illustration: Gregor Schenker

Die Vorlage könnte aktueller nicht sein. Da kommt eine Frau in ein kleines Städtchen und bittet um Schutz und Unterkunft. Wovon sie flieht und ob sie gute Absichten hat, weiss niemand. Um sie zu testen, wird ihr zunächst zwei Wochen provisorisch Unterkunft gewährt, dann will die Gemeinschaft darüber entscheiden, ob sie länger bleiben darf. Als Zeichen ihres guten Willens, hilft sie den Bewohnern von Dogville bei ihrer täglichen Arbeit. Im heutigen Jargon würde man sagen, dass sie sich so gut wie es geht zu integrieren versucht, um eine definitive Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus zu erhalten. Die Gastfreundschaft (Willkommenskultur?) des Dorfes schlägt aber ziemlich schnell in Gewalt und Ausbeutung um.

Lars Van Triers Spielfilm aus dem Jahr 2003 zeichnet ein düsteres Bild des Menschen. Obwohl der Film in den Rocky Mountains und in den 30er-Jahren spielt, erinnert er uns heute mühelos an brennende Flüchtlingsheime und an schreiende „besorgte Bürger“. Der Film erlangte auch wegen seiner speziellen Machart Bekanntheit: Die Häuser Dogvilles sind mit weisser Kreide auf eine schwarze bühnenähnliche Fläche eingezeichnet, auf jegliche Illusion wird verzichtet. Van Trier soll sich dazu unter anderem von Bertolt Brechts epischem Theater inspiriert haben lassen.

Wie soll man eine solche Vorlage, die bereits im Original theatrale Mittel nutzt, auf einer eigentlichen Bühne umsetzen? Im Pfauen steht kein gezeichnetes Dorf, sondern die Handlung spielt in einem an einen Container oder Frachtschiff erinnernden Bühnenbild. Es bietet eine Vielzahl an Leitern, Luken und Vorsprüngen, welche die Stadtbewohner wie selbstverständlich umturnen. Das führt dazu, dass die Einheimischen gerade zu Beginn einen sehr verspielten und athletischen Wesenszug bekommen und dadurch auch eine ironische Distanz zu ihren Figuren. Es wird allgemein viel getanzt in diesem Dogville, beispielsweise im Gleichschritt an den Dorfversammlungen oder wenn zu Beginn jeder Stadtbewohner mit einem eigenen Song vorgestellt wird.

Zusätzlich erzeugt ein Solomusiker (Michael Verhovec), der zusammen mit seinen Instrumenten sichtbar in einer Nische sitzt, Geräusche und Stimmung. Der als Schauspieler anwesende Erzähler (Nils Kahnwald) gibt ihm dazu das Kommando und bestimmt so die Atmosphäre der Szenen. Dieser Erzähler, welcher gleichzeitig auch noch kleinere Rollen übernimmt, beispielsweise den Wachhund Moses, schaut dem Treiben zu und kommentiert es. „Das war nicht die Schuld von Dogville. Aber so war es nun mal“, sagt er einmal. Auch die anderen Stadtbewohner sprechen hin und wieder über sich selbst in der dritten Person. Das schafft einen zusätzlichen Abstand zur Handlung, rückt Dogville noch weiter vom Zuschauer weg und lässt selten Identifikation mit einer Figur zu.

Regisseur Stephan Kimmig übersetzt den Stoff nicht ins heutige Europa und überlässt die Übersetzungsleistung dem Zuschauer. Die spielerische und erzählerische Distanzierung hilft dabei nicht. Zwar strotzt die Inszenierung vor Spielfreude und szenischen Ideen, lässt uns den Kopf schütteln über die Thematik, aber so ratlos zurück wie wenn wir in den Nachrichten Flüchtlingsheime brennen sehen.

Der Vorhang ist zu, viele Fragen bleiben offen. Dabei wären gerade jetzt Antworten gefragt, aber die kann und will das Theater nicht geben, oder?

 
Nächste Vorstellung am 7.11.
Dogville auf der Schauspielhaus-Seite