Steht auf, ihr lieben Kinderlein: Young Swiss Comedy Nr. 14

Zurzeit befinde ich mich einmal mehr in einer Phase, in der ich mich verstärkt mit Stand-up-Comedy beschäftige: Nachdem ich Stewart Lee für mich entdeckt und sein Buch How to Escape My Certain Fate verschlungen habe, verbringe ich nun Tag und Nacht auf YouTube und gucke mir irgendwelche obskuren britische Komiker an.
Dem International Comedy Club sei Dank kann man sich als Zürcher besagte britische Komiker ansehen, grandiose Leute wie Al Murray, Dara O Briain, Frankie Boyle, Mike Wilmot, Simon Munnery … oder natürlich Jimmy Carr.

Aber nun hat mich auch wieder interessiert, wie es eigentlich mit der hauseigenen Stand-up-Comedy aussieht. Dafür ging ich, wie schon letzthin einmal, ins ComedyHaus am Albisriederplatz. Dort lief zum Saison-Abschluss Young Swiss Comedy, ein Programm mit Nachwuchskomikern, das schon an Lozärn lacht und Züri lacht zu sehen war.
Wir sahen also die drei angekündigten Comedy-Anfänger. Nach der Pause kam ein Überraschungsgast, dann traten nochmals die ersten drei auf. Soviel zum groben Ablauf, gell.

 
Moderation: Sepp Manser

Der Appenzeller Komiker aus dem Appenzell führte als Appenzeller Moderator durch den Abend. Er stammt aus dem Appenzell. Die erste Hälfte der Show über war er okay, nach der Pause trat er jedoch als „dä Sepp“ auf, die quälend unlustige Karikatur eines Appenzeller Bauern. Da erweist sich Manser als die Sorte Komiker, die eine seltsame Aufmachung und eine verstellte Stimme bereits für witzig hält.
Zudem brachte er es als „dä Sepp“ fertig, einen der Auftritte mit einem seiner Kommentare nachträglich ein wenig zu vermiesen. Aber dazu später.

 
Günter&Godi

Der „eidg. dipl. Meeresbiologe Günter Struchen“ ist eine Kunstfigur, in deren Namen Flavio Carrera Beschwerde- und sonstige Briefe an Behörden, Politiker oder Kinderkrippen schickt (ähnlich René Schweizer, siehe dessen Schweizerbücher).
Auch auf der Bühne trat Carrera als Struchen auf. Die Antwortbriefe las jeweils Gottfried „Godi“ Chummer (Michael Moor) vor, eine weitere Figur aus Struchens Umfeld. Die Beispiele stammen aus dem jüngsten Sammelband Fertig Robidog (erschienen 2015).

Die Struchen-Briefe sind eher so halblustig und ziehen ihren Humor vor allem aus der Verschriftung von Helvetismen wie „verbrätschen“. Wiederkehrende Manierismen wie „Losen sie einmal, es ist so“ laufen sich sehr schnell tot.
Die grössten Lacher brachte diese Anfrage an die Steuerverwaltung Bern: „Wenn ich eines Morgens mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf erwachen würde: Müsste ich dann immer noch die Steuererklärung ausfüllen, oder wäre ich per sofort zur Jagd freigegeben?“

Meist sind die Antwortbriefe deutlich witziger und hintersinniger (die Angeschriebenen merken eh fast immer, was gespielt wird). Da hat Struchen zum Beispiel einen Brief an die SBB verfasst, die Anrede lautet „Sehr geehrte Herren und Schätzelis von der SBB“. Nicht sehr geistreich. Die Antwort ist unterschrieben mit: „Ihr SBB-Schätzeli, Oliver A.“ Und zack! hat der Bürogummi den Struchen (bzw. Carrera) ebenso leichthändig wie erbarmungslos vorgeführt.

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Witze über Smartphones

Gleich als erstes tritt ein Typ mit Perücke auf. Er macht dumme Wortspiele in einem komischen Akzent. Und ich denke bloss: „Gott sei Dank gibts Alkohol.“

Gestern hab ich mir die LacherMacher angesehen – eine offene Bühne für Komik im ComedyHaus. Seitdem ich letztens über Jimmy Carr geschrieben habe (siehe hier), beschäftige ich mich wieder vermehrt mit Stand-up-Comedy, allerdings in erster Linie mit der angelsächsischen. Dabei gibts Comedy ja auch hierzulande (naja, wie mans nimmt).

Das ComedyHaus (Motto: „Für Alle, die gern lachen!“), muss man vielleicht wissen, war vorher das Boulevard, dieses kleine Theater am Albisriederplatz, das letzten Sommer eingegangen ist. Das neue Haus, vergangenen Februar eröffnet, versteht sich als reine Comedybühne, im Gegensatz zur üblichen Mischung aus Komik, Kleinkunst und anderem Zeug. Wie siehts also aus mit der angehenden Comedy in der Schweiz?

Zunächst einmal happerts noch mit der Breitenwirkung. Zwanzig bis dreissig Leute sitzen im Publikum – davon sind elf Stück die Komiker selbst. Äusserst erbaulich: die sturzbesoffenen Klatschtiere in der hintersten Reihe, die sich mit ihrem eigenen Comedyprogramm unterhalten.

Wie es sich für eine anständige offene Bühne gehört, macht das Niveau Achterbahn. Da gibts zum einen solche wie Lisa Brunner, die doch schon ziemlich bühnenerfahren und verdammt gut ist. Zum anderen gibts da solche wie den einen, von dem man kaum ein Wort versteht, weil er so nuschelt, und der jeden zweiten Witz vom Blatt abliest. Dafür hatte er auch einen Guten: „Ich war frühmorgens am Paradeplatz. Keine Menschenseele weit und breit. Um diese Zeit sind nur Banker unterwegs.“
(Sinngemäss, denn wie gesagt: akustisch versteht man ihn nur ansatzweise. Und ja, mir ist auch, als hätte ich den Witz schon mal so ähnlich irgendwo gehört, aber ich nehme halt, was kommt.)

Apropos akustisch: Dass es kein (funktionierendes) Mikro gibt, erweist sich bald als relativ katastrophal, denn insbesondere die Newcomer haben wenig Ahnung davon, wie man mit der Stimme einen Raum füllt. Da könnte manch einer Theatertraining vertragen.

Apropos Blatt: Es hilft, wenn man sein Zeug auswendig lernt.

Allgemeine Beobachtung: Nervöses Herumgehampel sieht auf der Bühne beschissen aus.

ComedyHaus
Am Albisriederplatz
Offizielle Webseite
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Und schliesslich gibt es jene, die Komik mit Chargieren verwechseln. Lustige Kostümierungen, verstellte Stimmen oder verzogene Gesichter sind keine Grundlagen für Komik – ausser, man ist Helge Schneider und spielt gerade mit der bewussten Schlechtigkeit.
Und nebenbei: Witze über die Institution Ehe oder über Smartphones bitte nur dann, wenn einem tatsächlich etwas Neues zum Thema eingefallen ist.

Alles in allem: Gerne wieder!