MadC 7: „Carolina“ von Spain


Spain ist eine nicht völlig unbekannte Alternative-Rock-Band aus Los Angeles. Gegründet 1993. 1995 kam das erste Album The Blue Moods of Spain — unter anderem mit dem Song Spiritual, der ein Jahr später von Johnny Cash auf Unchained gecovert wurde.

Auf dem zweiten Album, She Haunts My Dreams (1999), kam das Lied Our Live Is Gonna Live Forever vor, welches in der HBO-Serie Six Feet Under (dritte Staffel, Episode: Everyone Leaves) zu hören war.

Das ist richtig cool.

2016 erschien Spains vorletztes Studioalbum, Carolina. Und ich hasse diese CD.

Wikipedia nennt das Genre der Band „Slowcore“, und der Begriff triffts gut – gespielt mit elektrischen Gitarren und so, aber langsam und ruhig. Für mich zu langsam und zu ruhig, da nie eine träumerische Atmosphäre oder etwas in der Art entstehen würde. Auf Carolina ist langsam und ruhig bloss langweilig. Porridge ohne Marmelade. Knäckebrot ohne Belag.

Es gibt einige schüchterne Anleihen bei Folk und Country, musikalisch (es kommt mal ein Banjo vor) und inhaltlich: Tennessee erzählt eine Western-Story in Kurzform, Battle of Saratoga nimmt die Schlacht aus dem Bürgerkrieg als Metapher für Liebeskummer (oder so). Die Texte sind nie wirklich interessant, und für mich zu redundant, denn zur Hälfte bestehen sie aus Wiederholungen. Die letzten Zeilen von Apologies zum Beispiel lauten wie folgt:

There was a witness
There was a witness

There was a witness
There was a witness
There was a witness
There was a witness

There was a witness
There was a witness

Vor allem aber geht mir die Stimme des Sängers Josh Haden auf den Geist: Bei seinem weinerlichen Tonfall läuft es mir kalt den Rücken runter. Was noch um einiges schlimmer wird, wenn Haden vereinzelt mehr Energie in seine Stimme gibt. So gibt es im Song One Last Look eine Passage, in der Haden eine halbe Minute lang (ich hab nachgezählt, genau 33 Sekunden sind es) nur „Aaaahhhh!“ singt. Das hat mich an diese Szene aus Dumb and Dumber erinnert.
Das Einzige, was man zu Hadens Verteidigung sagen kann: Immerhin ist er nicht Adam Levine.

Jammerlappen-Faktor: 90%

Spains Webseite.

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alles wäre gut

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Zuerst muss ich gestehen, dass ich kein objektiver Kritiker von Hansi Hinterseer dem österreichischen Star-Schlager-Sänger bin. Ich habe Vorurteile. Ich wurde nämlich einmal in Reith bei Kitzbühel auf dem Weg zum Mittagessen auf einem Fussgängerstreifen fast von einem Audi-TT-Cabriolet überfahren. Nach dem ersten Schreck erkannte ich den Fahrer, welcher partout nicht hatte anhalten wollen, an seiner Haarpracht: Hansi Hinterseer. Da hab ich eventuell einen Groll, und das gebe ich offen zu. Dabei hat mir eine Freundin aus Kitzbühel auch erzählt, sie hätte mal im Lendenbergtunnel ein auf ihrer Spur schlecht geparktes Baustellenauto überholen müssen, und da sei ein Porsche zurückgefahren, obwohl er nicht hätte müssen, und da habe sie gestaunt, weil so was passiert selten, dass ein Porschefahrer mit KB-Nummernschild Rücksicht nimmt, und der Fahrer diese Wagen war dann ebenfalls der Hansi Hinterseer.

Doch wer ist dieser Hansi Hinterseer überhaupt? Ein ehemaliger Skirennläufer, vom Vater so gedrillt, dass er sich mit ihm für immer verkracht hat, mit 24 Jahren in Europa tritt er zurück, vielleicht weil es für die Weltspitze ganz knapp nicht reicht, und geht in die USA, um dort allerdings erfolgreich Skirennen zu fahren. Danach Sportmoderator, und erst im Alter von knapp 40 Jahren der Durchbruch als Schlagersänger. Parallel zur Schlagerkarriere arbeitet Hinterseer früh mit dem Fernsehen zusammen und macht Sendungen über sich und seine Heimat, verbunden mit Musik. Ich nehme an, dass Hinterseer durch seine Zeit in Amerika einen beachtlichen Vorsprung dahingehend hatte, was Unterhaltung alles sein könnte. Hinterseer lebt vom Brand Kitzbühel und dieser von ihm. Einer seiner besten Freunde ist der ehemalige österreichische Finanzminister und Fpblöd-Politiker Karl-Heinz Grasser, der zur Zeit wegen Korruption vor Gericht steht. Erkundigt man sich in Tirol nach Hansi, so werden besonders seine Massenwanderungen hervorgehoben. Dabei kamen bis zu 10’000 Fans zum Wandern mit Hansi nach Tirol. Diese Fähigkeit zur Mobilisation wird bewundert. Die Wanderungen gibt es aber heuer nicht mehr, weil, so heisst es, Veranstalter und Management sich über Geldfragen nicht einig geworden sind, oder anders gesagt, Kitzbühel wurden Hansis Gagenforderungen zu hoch.

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Sei ein Neider im Wind

Dass eine Schweizer Band in meinem Wohnort Innsbruck spielt, ist eher selten, dass das Konzert Wochen vorher schon ausverkauft ist, kommt eigentlich nie vor. So bin ich über Faber gestolpert, und wenn man erst jetzt von dieser Band gehört hat, ist das vor allem Ausdruck dafür, dass man keine Ahnung von Musik hat, und das ist bei mir ja so. Ich bin nämlich furchbar heikel bei den Klängen, und das ist wie beim Essen nicht Ausdruck von Geschmack, sondern von Ignoranz. Eine Freundin hatte Tickets für das Konzert und fragte mich ob ich mitkommen würde. Ich hab mir die Musik dann auf Youtube angehört, das ganze Album und auch die älteren Sachen. Ich ging dann nicht ans Konzert, aber das lag daran, dass ich ein paar Tage davor von einem Hund heftig in die Hand gebissen worden war.

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MadC 6: „Mein Beethoven“ von Dieter Ilg


madc006Wer zum Teufel kommt auf die Idee, aus Beethovens Ode an die Freude Fahrstulmusik zu machen? Dieter Ilg heisst der skrupellose Übeltäter, der dieses Verbrechen an Musik und Kultur begangen hat, und er hat verdient, dass man mit dem nackten Finger auf ihn zeigt.

Mein Beethoven ist, wie ihr unschwer erratet, Ilgs Auseinandersetzung als Jazzmusiker mit dem Werk des grossen Komponisten. Dass sich Jazzer der Klassik annehmen, ist nichts Neues, und die Idee, den alten Säcken neue Seiten abzugewinnen, findet durchaus mein Gefallen – Ilg selbst gibt ein gutes Beispiel ab, wenn er auf seiner Scheibe die Sturmsonate neu interpretiert („Sturm“). Da stürmt’s dann auch tatsächlich.

Aber eben, zuerst kommt „Ode“, ein zutiefst verdammenswerter Track, der aus einer legendär pompösen Hymne, die vor Energie und Euphorie nur so strotzt, sterbenslangweiligen Smooth Jazz macht, der als Hintergrundberieselung bei Ikea nicht schlecht aufgehoben wäre. Das ist ungefähr so, als würde Bob Ross ein Gemälde von Munch neu malen.

Wisst ihr, was besser als diese CD ist? Das hier in einer zehnstündigen Dauerschleife. Seinen Beethoven kann Dieter Ilg jedenfalls behalten.

Fahrstuhlmusik-Faktor: 65%

Dieter Ilgs Webseite.

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MadC 5: „A Pyramide Made of Music“ von Jaeger-Gisler-Rainey


Am 23. November 2012 spielten Jaeger-Gisler-Rainey am Zürcher Jazzfestival unerhört!, woraus diese Live-CD entstanden ist. Das Trio aus Zurich-Basel-New York hört sich an, als sei es einer Zeitmaschine entstiegen, jedenfalls denke ich bei der Musik an eine urzeitliche Landschaft, die hundert von Millionen Jahren in der Vergangenheit liegt, als es noch nicht einmal Saurier gab.

Farne und frühe Nadelbäume schaukeln im Wind, ferne Vulkane donnern und machen die Insekten nervös. Ein Diplocaulus watet im seichten Wasser eines Seeufers, als plötzlich ein Dimetrodon mit seinem Sonnensegel durchs Dickicht platzt und das querköpfige Amphibium in den Nacken beisst. Während sich der Diplocaulus verzweifelt windet und sein Blut in den Boden sickert, stieben Vorfahren der Kakerlaken davon und flüchten primitive Libellen durch die Lüfte. Und dann klatschen die Zuhörer. Das Leben auf diesem immer noch rohen Planeten ist kurz und brutal.
So viele Bilder, entstanden allein mithilfe von Bass (Gisler), Schlagzeug (Rainey) und Saxophon/Klarinette (Jaeger).

Auf der Innenseite der CD-Hülle schildert Michael Jeager – der wohl auch eine schriftstellerische Ader hat – eine kleine autobiographische Notiz, ein Treffen des Trios, bei dem sie die Natur ihres Jazz auseinanderdröseln.
„Ist unsere Musik nicht bloss der kleine Teil eines grossen Ganzen?“, fragt da Fabian Gisler. „Ist sie nicht einfach die Spitze einer Pyramide, die aus ganz viel anderem besteht?“ Aus dem Konzertraum zum Beispiel, sagt er, oder den Musikern, die spielen.
Diese Pyramide besteht auch aus der Gesellschaft, ergänzt Rainey, oder dem Publikum.
Gisler: „Die Zuhörer als Teil unserer Musik. Cool!“ Und weiter: „Musik ist immer auch eine Unterhaltung, die man gemeinsam führt. Sie ist ein Mittel der Kommunikation und dazu noch ein uraltes. Als Publikum sind wir ein aktiver Teil der Musik und sie wird zu einem Teil von uns.“

Dimetrodon-Faktor: 73%

Bandcamp-Seite des Trios

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MadC 4: „Speak Easy“ von Aie Ça Gicle


Hm, hrmpf, schulterzuck, naja.

Indiepop aus Basel, was soll man schon gross dazu sagen? Die neun Songs auf der CD hören sich alle ungefähr gleich an und zwar so, wie Indiepop halt klingt, dem jedes Alleinstellungsmerkmal abgeht. Abgesehen vom Hook in What a Girl gibt’s jedenfalls nichts, was mir aus dem geschrammelten Einheitsbrei entgegengeflogen wäre.

Viel spannender als die Musik ist fraglos das Coverartwork (siehe Bildchen), weswegen ich das Album ja überhaupt in die Hand genommen habe. Der Künstler Tobias Madison ist zwei bis drei Blicke wert, schaut euch seine Sachen ruhig mal an.

08/15-Faktor: 98,7%

Facebookseite der Band

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