Pinguine im Kasama

Die Eiszeit zeigt «Die Revolte der Pinguine» (von der Gruppe Konverter) im Kasama.

Freitag, 24. Juni 2016 | Infoladen Kasama

Barbetrieb ab 19:30 Uhr
Film «Die Revolte der Pinguine» ab 20:00 Uhr

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Die Revolte der Pinguine 2: Weltpremiere

O-Ton: „Nur Bonzen und Faschisten verleugnen die Klasse!“

Im Konvent der Pingus brodelt es: Die Mutter Oberin will bloss Profit und Gehorsam. Die Prolls organisieren sich, mit billigem Schnaps, wilder Leidenschaft und vulgärem Marxismus. Gründe gibt es, aber keine Organisation. Die Wutbürger fürchten um ihre Gartenzwerge und Renten. Schulden und Faschismus sind im Trend, Schwachsinn wird gefeiert – was heisst das für die Revolte? Können die Prolls das Ruder umschwenken, werden die Kirchen des Kapitals brennen – oder bleibt die Scheisse, die wir Alltag nennen, wie sie immer war: braun und klebrig?

Seiju Gakuen (School of the Holy Beast, oder auch Convent of the Sacred Beast) ist ein japanischer Film von 1974 von Norifumi Suzuki. Die Gruppe Konverter hat Seiju Gakuen als Vorlage genommen, unverändert im japanischen Originalton und ungeschnitten – und den Film mit Untertiteln versehen, die mit der eigentlichen Handlung und den Dialogen nichts zu tun haben. Nunmehr verhandeln die Nonnen ihre Arbeitssituation, die direkte und indirekte Ausbeutung, die sie erfahren, diskutieren die Notwendigkeit, sich zu organisieren und streiten darüber, welches die richtige Organisationsform ist. Gleichzeitig drängen die Aufseherinnen des Klosters darauf, die Kontrolle zu behalten und versuchen mittels ideologischer Tricks, Zwist zwischen den Arbeitenden herzustellen; Konsumterror und die üblichen Heilsversprechen des Kapitalismus werden ausgebreitet – als auch diese nicht mehr viel helfen, kommt die faschistische Fraktion im Kloster an die Macht (mit Segen des Kapitals).

Die Revolte der Pinguine 2: Weltpremiere!
Wann? Am 14. Juni
Um welche Zeit? Programm ab 15 Uhr, Filmpremiere um 20 Uhr
Wo? Konverter-Garage, Zürich
Hier gibt’s Infos und das Programm im Detail

Gastbeitrag: „Die Engagierten Zuschauer“

[Es handelt sich hier um einen Gastbeitrag des Kritikerclubs, der ursprünglich hier zuerst veröffentlicht wurde; gleichzeitig ist das ein Veranstaltungshinweis für deren Abschlusspräsentation diesen Freitag, 27.5. ab 19 Uhr im Literaturhaus.]

I

Es gehört zu meinen Pflichten, Schönes zu vernichten als Musikkritiker, Sollt ich etwas Schönes finden, Muß ich’s unterbinden als Musikkritiker. Mich kann auch kein Künstler überlisten, Da ich ja nicht verstehe, was er tut.“

(Georg Kreisler, Der Musikkritiker)

 

Kreislers Abrechnung mit den Musikkritikern ist selbst eine Kritik. Er drischt zwar auf dem Vorurteil herum, aber es ist ergötzlich. Auch wenn sich die Kritik seit den 60ern gewandelt hat (und vor allem die Kritiker und Kritikerinnen: Es gibt überhaupt mehr von zweiteren und erstere sind nicht mehr so alt und arrogant wie sie früher waren), so lebt das Vorurteil weiter. Es soll jetzt nicht darum gehen, dieses Vorurteil zu bedienen, aber ich möchte es doch als äussersten Punkt nehmen, von dem ich beginne. Es soll darum gehen, wie das Verhältnis zwischen Kritik und Publikum auch beschaffen sein könnte.

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Filmstelle: Grizzly Man

Kommenden Dienstag zeigt die Filmstelle Werner Herzogs Grizzly Man. Persönlich hab ich den Film noch nicht gesehen, aber erstens ist er von Werner Herzog und zweitens geht es darin um einen kanadischen Jäger, der von einem radioaktiv verseuchten Bären gebissen wird und gegen das Verbrechen kämpft (hat mir mein Gärtner erzählt).
Ausserdem gibt es Vodka-Bärchen, eine Einfährung durch den Bärenexperten David Bärtner Bittner sowie den Vorfilm Teddy has an Operation von Ze Frank — den hab ich schon mal gesehen und ich bin sehr gespannt darauf, wie das Publikum reagiert.

Was: Grizzly Man
Wann: Di 3. Mai um 20 Uhr
Wo: Stutz2
Offizielle Website der Filmstelle

„The House of Friction“ – Unterhaltung der anderen Art

Ich stehe wieder draussen an der frischen Luft. Zurück in der Realität. Leicht wankend gehe ich retour zur Kasse der Lokremise und gebe der Empfangsdame den Schlüssel zurück. An meinen Schuhen klebt Taubenkot, meine Kleider sind staubig und ich frage mich: „Was zur Hölle war denn das?“

Ich bin in Christoph Büchels Falle getappt. Wie so viele vor mir. Der Schweizer Künstler schlägt sich ein Schnippchen und lässt die Kunstszenis über verstaubte Dachböden klettern, Bauröhren hinabrutschen und Feuerwehrleitern runter in die Scheisse gleiten. Und damit auch niemand haftet, weder Künstler noch Institution, wenn doch mal etwas schief geht, signiert man als Besucher vorher ein Formular mit Warnhinweisen.

Doch vielleicht male ich hier alles zu schwarz.

Die Installation im Wasserturm der Lokremise in St. Gallen wurde 2002 im Rahmen der Ausstellung „House of Fiction“ durch Christoph Büchel erbaut. Damals war die Lokremise noch nicht Teil des St. Galler Kunstmuseums, sondern wurde von der Galerie Hauser & Wirth für ihre Sommerausstellungen genutzt. Die Werke der Ausstellung von namhaften Künstlern wie Dan Graham, Pipi Lotti Rist, Ugo Rondinone, Fischli & Weiss setzen sich mit dem Thema Fiktion auseinander und kreieren künstliche Welten im White Cube, auf welche man sich als Betrachter einlassen kann.

Christoph Büchel unterwandert mit seinem Werk „House of Friction“ die klassische Form der Ausstellung. Er erbaute im Wasserturm einen Kosmos aus Räumen und Durchgängen, die scheinbar früher bewohnt wurden und nun aus unerfindlichen Gründen so zurückgelassen wurden. Das Werk wurde daraufhin für 10 Jahre geschlossen und ist 2013 im Rahmen der Ausstellung „Home Sweet Home!“ (vom (un)heimeligen Zuhause in der Kunst) des St. Galler Kunstmuseums wieder eröffnet worden. Das Werk ist in der Zwischenzeit gealtert. Staub hat sich in allen Ecken eingenistet und Tauben haben Einzug gehalten. Es wird erzählt, dass Junkies sich in dieser Zeit im Wasserturm installiert haben und ihre Überreste jetzt noch dort zu finden sind. Doch auch vorher schon glichen die Räume gammeligen Müllhalden. Es ist schwer zu sagen, welche Geschichten wahr, welche erfunden sind. Der Künstler, Christoph Büchel, äussert sich zu seinen Werken nicht. So gibt auch die Lokremise keine weiteren Auskünfte zu Werk und Künstler.

Die Installation wird erst durch mich, die Betrachterin, die sich in diese Welt begibt, zum Kunstwerk erhoben. Alleine betrete ich das Werk und stelle mich den fiktiven Geschichten, die Büchel mir mittels seiner Installation erzählt. Die verlassenen Zimmer, verstaubten Gegenstände suggerieren mir Geschichten von möglichen ehemaligen Bewohner. Getrieben von Neugier und Furcht gehe ich von Raum zu Raum, jeder Durchgang ist eine neue Herausforderung, die es zu erklimmen gilt. Als Besucher bin ich physisch gefordert und in das Werk eingebunden. Und irgendwann gibt es kein Zurück mehr.

Es ist eine Grenzerfahrung weg vom Massenkonsum. Ich sitze nicht sicher zuhause auf meiner Couch. Falle ich von einer Leiter, falle ich wirklich. Beinahe hyper-realistisch mutet mich diese Kunstform an. Sie bedient sich naturalistischer Mittel, Alltagsgegenstände, und kreiert ein realistisches Abbild unserer Welt. Genau so könnten grossmütterliche Wohnzimmer, verstaubte Dachböden aussehen. Und doch muss ich mich auf Büchels Geschichten einlassen, um nicht einfach eine Ansammlung von Schrott zu sehen. Durch die Unmittelbarkeit, die fehlende Distanz zum Werk als Betrachter, ist keine rationale Reflexion mehr möglich. Ich bin zurückgeworfen auf mich selbst, auf meine eigenen Emotionen, die realer nicht sein könnten. Geläutert, gereinigt verlasse ich den Wasserturm – wie durch die Katharsis der antiken Tragödie in tausendfacher Verstärkung. Oder einfach verängstigt, vom Künstler gezwungen, durch den Staub zu kriechen? Büchel übt mit seiner Kunstform eine immense Macht aus. Er erhebt Abfall zu Kunst und zwingt den Kunstbetrachter in die Knie.

Voraussichtlich ist die Installation von Christoph Büchel am Sonntag, 8. November 2015 zum letzten Mal offen. Jedoch wurde sie bis anhin im Frühling wieder für Besucher geöffnet. Hoffen wir, dass es auch dieses Mal wieder der Fall ist – und sonst unbedingt noch ein letztes Mal am 8. November vorbeigehen. Wagemutige vor!

Büchel_Aussen_2002

„The House of Fiction“ ist eine Installation von Christoph Büchel, zu sehen in der Lokremise des St. Galler Kunstmuseums, geöffnet jeweils sonntags von 11 bis 18 Uhr. Zur Begehung der Installation wird geschlossenes Schuhwerk und robuste Kleidung dringend empfohlen. Bitte beachten Sie ausserdem, dass die Installation erst ab 18 Jahren zugänglich ist!

Schaustellerei Vol. 3

An der nächsten Schaustellerei im Dynamo gibt’s Musik, Kunst und eine Fassaden-Taufe (die haben das Dynamohaus ja ganz neu gemacht).
Da gibt’s auch eine Ausstellung der Perspektive, unter anderem mit Comics und Illus von Mitmutant Gregor.

Ort: Jugendkulturhaus Dynamo, Wasserwerkstr. 21, Zürich
Datum: Samstag, 5. September
Zeit: Ab 18 Uhr
Eintritt: frei

Wieviel Judentum brauche ich?

Am „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“ gibt die Gruppe SinnSpiel ein Gastspiel in Bern. „Wieviel Judentum brauche ich?“ handelt davon, wie verschiedene Menschen ihre jüdische Identität leben.

Ich hab ja damals die Premiere im Kulturmarkt Zürich (quasi unter Zwinglis Augen) gesehen. Nachdem wir freundlich mit Tee und Gebäck empfangen wurden, stellten sich uns vier jüdische Mitmenschen vor. Ihre Hintergründe waren ebenso verschieden wie ihre Zugänge zur Religion.

Ob in kleinen Szenen, Monologen oder Gedichten: Robert Salzer (der ja mit uns verbandelt ist) und Eva Mann haben mit ihren Laiendarstellern die unterschiedlichsten Themen durchgespielt und ein Stück erarbeitet, über das wir im Anschluss noch lange diskutiert haben.
Nach x Bieren war jedenfalls klar: Jenseits von Holocaust und Israelboykotten gibt’s für den Durchschnittsschweizer noch viel zu entdecken, was jüdische Kultur anbelangt.

Datum: 6. September 2015
Zeit: 15 Uhr
Ort: Jüdische Gemeinde Bern JGB, Kapellenstrasse 2, 3011 Bern
Eintritt: Frei

Website der Gruppe SinnSpiel
SinnSpiel auf Facebook
Programm des „Europäischen Tags der Jüdischen Kultur“