Ferdinand und Imhotep

Vampir
Zusammenstellung der ersten vier Alben der Serie Grand Vampir
Von Joann Sfar
Übersetzung aus dem Französischen von Paula Bulling und Barbara Hartmann
Avant-Verlag 2013

The Death of Cinema?

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Man kann viel sagen gegen den Klimawandel; Eisbären sterben aus und Wespen sowie das menschliche Leben ab der Subsahara, Erde bald hin damit, aber die letzten Sommer vor dem Weltuntergang werden wir wenigstens oft im Open-Air-Kino verbracht haben, wie im Hitzesommer 2018. Immerhin ein sehr praktischer Weltuntergang. Die Welt erfriert fände ich persönlich schlimmer, nur wegen der Eisbären besser.

Jetzt ist es ebenfalls praktisch, wenn derselbe Stoff erst als Comic, dann als Film verhandelt wird, weil dann kann man vergleichen, was kann mehr leisten? Das Lesen des Comic in der Hängematten im Schatten einer austrocknenden Linde oder das Sehen des Filmes im Open-Air-Kino im Hof des ehemaligen Munitionslagers der Habsburger in Innsbruck mit dem netten Namen Zeughaus?

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Diese Welt lohnt sich

Eine Kritik zu einem Buch zu schreiben, das die nötige Aufmerksamkeit schon bekommen und dessen Vorwort Stefan Gärtner geschrieben hat, ist eigentlich reichlich sinnlos. (Nebenbei, wer nicht jeden Sonntag Gärtners kritisches Frühstück auf der Webseite der Titanic liest, oder zumindest seine monatliche Kolumne im Heft selber, kann eigentlich bei nichts mitreden.) Grad wenn man ein unbekannter Kulturblog ist, den niemand liest ausser den Betreibern selbst, so hat das was von Trittbrettfahren. Trotzdem, finde ich, kann Ruedi „Widmers Weltausstellung“ gar nicht genug rumgezeigt werden.

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„Die Mauer ist gefallt!“

The Coldest City vs. Atomic Blonde: Vom Bücherregal auf die Leinwand

Diese Woche ist Atomic Blonde in den Zürcher Kinos angelaufen. Charlize Theron spielt eine britische Agentin, die im Berlin von 1989 nach einem Mikrofilm sucht, sich dabei durch Reihen von Gegnern prügelt und eine Affäre mit einer Französin beginnt. Theron ist eine Wucht, die Zweikämpfe sind brutal und und die Filmemacher tragen dick mit dem Style der 80er auf: New-Wave-Pop, Neonfarben, modetechnische Grässlichkeiten. Als hätte Niclas Winding Refn (Drive) für ein Mainstream-Publikum gedreht. Schlicht und einfach wundervoll. Meine ausführliche Meinung gibts hier beim Züritipp.

Nun basiert Atomic Blonde auf einem Comic namens The Coldest City, und weil mir der Film so gefällt, hab ich mir die Vorlage geholt. Das hätte ich mir sparen können: Die Verfilmung hat nur noch am Rande mit dem Comic zu tun, der für sich genommen wenig bemerkenswert ist. Aber aus dem Vergleich lassen sich einige spannende Einblicke in den Adaptionsprozess ableiten.
Aber zunächst ein paar Sätze zum Comic selbst:

 
Die Künstler

Der Brite Antony Johnston (Skript) ist kein Unbekannter in der Welt des Comics und der Videospiele. Er schrob für die Daredevil-Serie, textete Wolverine: Prodigal Son (eine Version des Marvel-Helden im Mangastil), adaptierte Gedichte und Prosa von Alan Moore für Comics, und von seiner Comicserie Wasteland habe sogar ich schon gehört. Ausserdem war Johnston Schreiberling bei den Dead Space-Games.

Die Bilder lieferte Sam Hart, wie Johnston ein Brite, lebt allerdings in Brasilien. Er hat für Judge Dredd und eine Comicversion von Starship Troopers gezeichnet, hat ansonsten aber eine heftige Faszination für historische Figuren, wie mir scheint: Outlaw — The Legend of Robin Hood, Excalibur — The Legend of King Arthur , Messenger – The Legend of Joan of Arc (aktuell arbeitet er an einem Comic über Grace O’Malley, die irische Piratenkönigin).

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Elf findet magischen Ring: Die Welt des James Kochalka

James, der Elf, tanzt auf dem Weg zur Arbeit ausgelassen im Schnee. Er singt: „A dance to winter. To the cold north winds. To our amazing planet. To the unbreakable human spirit!“
In dem Moment hört er den Glockenschlag einer Kirche. „Oh Christ. Gotta catch the bus!“
James kommt zu spät, der Bus fährt direkt vor seiner Nase ab. In der Eile rutscht er aus und fällt hin. Aber da: „Hey … what’s that? A golden ring in the slush!“

kochalka_qyj02b James Kochalka (49) hat Comic-Geschichte geschrieben mit American Elf. 1998 begonnen, war das der erste, oder zumindest einer der ersten täglich erscheinenden Tagebuchcomics im Internet – und sicherlich war es der einflussreichste Comic seiner Art. American Elf bot eine Inspiration für unzählige autobiographische Webcomics, ohne Kochalka wäre die Szene in ihrer jetztigen Form gar nicht denkbar.
Bestechend an seinem Werk ist, dass Kochalka völlig alltägliche Geschichten erzählte, einfache Momentaufnahmen, meist ohne Witze oder Pointen. Aber immer aus einer ganz eigenen, fast kindlichen Perspektive (sich selbst zeichnete Kochalka stets als einen Elf, deshalb der Titel des Comics), charmant aber sehr, sehr ehrlich. Was von der Leserschaft teils mit Befremden zur Kenntnis genommen wurde. Da gab es eine Folge, in der Kochalka schilderte, wie sich sein jüngerer Sohn (damals ein Kleinkind) nackt auf seine Füsse hockte – und wie sich dabei der Hodensack des Knaben auf seiner Haut anfühlte.
Weniger umstritten war beispielsweise ein Strip darüber, wie sich Kochalka beim Zähneputzen aus Versehen Zahnpasta ins Auge spritzt.
Leider hat Kochalka American Elf Ende 2012 eingestellt, nach 14 Jahren täglichen Zeichnens. Die Strips sind auch nicht mehr gratis online abrufbar, sondern nur noch bei Top Shelf im Print erhältlich.

Dies gesagt: Die Geschichte um James und den goldenen Ring erschien erstmals 1998, noch vor der Premiere von American Elf. Beim Helden handelt es sich aber schon um Kochalkas elfisches Alter Ego. Quit Your Job ist eine längere, in sich geschlossene Story, die autobiographisch angehaucht ist, aber ein paar fantastische Elemente enthält. Der goldene Ring, der da im Schneematsch liegt, erweist sich nämlich als magisch. James merkt das, als er mit dem Ring am Finger auf eine Motte zeigt und sie sofort in Flammen aufgeht.
Der Elf nimmt das als Omen und zum Anlass, seinen Job im Peking Duck House auf der Stelle aufzugeben (der reale James hat früher tatsächlich als Kellner dort gearbeitet): „No more boring workaday same old same old day in day out drudgery!“

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