Mit den Werckmeisterschen Harmonien in der Filmkammer des Schreckens

Matthias, Heiko und Sebastian von Megalife Radio Podcasts sind schuld: Sie haben mich wieder in die Filmkammer des Schreckens gezerrt – und dort dazu gezwungen, über Die Werckmeisterschen Harmonien zu reden. Es handelt sich dabei um ein Werk des ungarischen Regisseurs Béla Tarr, der verehrt wird für seine fröhlichen, bonbonbunten Feelgood-Movies.

An einer Stelle versuche ich, Musiktheorie zu erklären, und das Ergebnis dürfte jedem Menschen, der auf dem Gebiet bewandert ist, kalte Schauer über den Rücken jagen. Sorry!

Attack of the Weekly Links: Provokation und Witz, Fotos von Häusern, die Mafia in Las Vegas, Vietnams Kommunismus

Wer über Faisal Kawusi redet, muss von Comedy schweigen | Bernhard Hiergeist von Setup/Punchline über den Bezug von Provokation und Witz am Beispiel von Faisal Kawusi. «Der ist ja einer der Sorte Comedians, die lieber den Witz ausspart als die Provokation», schreibt Hiergeist und bringt ein Gegenbeispiel: Alex Stoldt, dem es um solide konstruierten Humor gehe. Wirklich sehr anguckenswert.
Allerdings würd ich dann doch anmerken: So lustig Stoldts Witze sind, fällt halt doch auf, dass die unterliegenden Vorstellungen (in dem Fall: von Beziehungen und den Geschlechtern) arg traditionell sind.

Post-Industrial England’s Boarded-Up Houses | Artikel für das Fotografiemagazin LensCulture der britischen Künstlerin Katharina Fitz. Für das Projekt Boarded-up Houses hat sie leerstehende, zugenagelte Häuser in Liverpool und Manchester fotografiert sowie gefilmt. Die Ästhetik ist gleichermassen charmant und erschreckend.

History of the Mob in Las Vegas | Der Cynical Historian über die Geschichte von Las Vegas und der Mafia. Ein Blick auf die Hintergründe des Mythos, den man aus Casino und Co. kennt.

Viet Minh? More like Viet Win | Der Podcast The Deprogram über Vietnams Kommunismus, mit der vietnamesischen Kommunistin Luna Oi als Gast. Erhellender Einblick in den real existierenden Sozialismus.

Attack of the Weekly Links: Andy Fischli, Schweizer Bahnhöfe und die Riders of Filmkammer

Drei Augen sehen mehr als zwei | «Aber was soll hier dieses kosmische Pathos, das passt nun wirklich nicht zu Andy Fischli. Lassen wir deshalb lieber seine Bilder sprechen […]» Florian Keller über den Comiczeichner, der sich am 3. März das Leben genommen hat. Ein schöner Nachruf.
An der letzten Fantasy Basel hatte Fischli einen Stand. Ich ging hin, um mir Der grosse Wagen zu besorgen. Er selbst war dann aber gar nicht da. «Er kommt erst morgen», sagte sein Kollege. Ich: «Okay, ich kauf den Comic schon mal. Ich kann ihn sicher irgendwann in Zürich um eine Widmung bitten.» Dazu ist es nicht mehr gekommen.

Well There’s Your Problem | Episode 65: Santiago Calatrava | Der Well There’s Your Problem Podcast läuft bei mir gerade in der Dauerschleife. Thema sind Katastrophen aus dem Ingenieurswesen – explodierende Raketen, Zugunglücke, grosse Brände, Atomunfälle und Co. Aus einer linken Perspektive. Diese Folge ist vergleichsweise harmlos, es geht einfach um den spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava und seine Projekte, die ebenso überteuert wie menschenfeindlich sind.
Oculus, mit fast 4 Milliarden Baukosten der teuerste Bahnhof der Welt, steht beim World Trade Center – während unseres New-York-Besuchs haben die Allerliebste und ich uns den auch angesehen. Wir fanden ihn eigentlich ganz schön, aber ziemlich steril. In erster Linie ist das ein Kaufhaus mit unnötigen Läden (Luxus-Zeug, das kein normaler Mensch braucht), und es gab keine Sitzgelegenheiten oder sonst irgendetwas, das zum Verweilen eingeladen hätte.
Calatrava hat aber auch den Bahnhof Stadelhofen und den Bahnhof Luzern entworfen, Orte also, die ich mindestens einmal im Monat passiere. Dass die Podcast-Jungs den Bahnhof Luzern als «schäbig» bezeichnen, find ich allerdings ungerechtfertigt. Fickt euch, Leute. Fickt euch ins Knie.

Die Rache der Filmkammer des Schreckens | Podcast zum Zweiten: Eine neue Folge der Filmkammer des Schreckens ist online. Thema ist der Mads-Mikkelsen-Film Riders of Justice.
Apropos: Demnächst einmal erscheint die zweite Folge des Arthouse-Ablegers (die erste handelte bekanntlich von The Green Knight), in dem dann wieder meine nervige Stimme zu hören sein wird.

«Die Nähe von Geburt und Tod war überwältigend» (Paywall) | Soul of a Beast ist eine wilde Mischung aus Sozialdrama, Science-Fiction und Samuraifilm. Aus Zürich! Ich hab mit Regisseur Lorenz Merz und Hauptdarsteller Pablo Caprez gesprochen.

Attack of the Weekly Links: Harry Potters Sklaven und Stalins Sterben

Harry Potter | Der Youtuber Shaun hat alle Harry Potter-Bücher gelesen und sich die Verfilmungen angeschaut, und was er darin gefunden hat war Neoliberalismus-Propaganda und Sklaverei-Apologie. Uffza. Apropos: Schon etwas älter, aber nichtsdestotrotz erhellend ist Sarah Z‘ Video über Rowlings Transfeindlichkeit (falls sich jemand noch gefragt hat, was eigentlich hinter der Sache steckt).

The Death of Stalin W/The Proles of the Roundtable | Dass The Death of Stalin historisch äusserst fragwürdig ist, wusste ich schon. Nicht, weil ich mich mit der Sowjet-Geschichte auskennen würde, sondern weil ich das Video vom Cynical Historian gesehen hab. Und jetzt das: Der Left Media Podcast bespricht den Film aus marxistisch-leninistischer Sicht, und die werten Leute lassen kein gutes Haar am Film. Ist das Stalin-Apologie? Kann sein. Interessant ist die Perspektive auf jeden Fall. Ergänzung zum Thema: Genosse Klein hat The Death of Stalin und den zugrundeliegenden Comic hier mal besprochen.

Video der Woche

Mit dem Grünen Ritter in der Filmkammer

Einmal mehr haben mich die lieben Leute von Megalife Radio Podcasts in ihre Filmkammer des Schreckens gelockt. Und dort haben wir ausführlich über The Green Knight gesprochen – David Lowerys Verfilmung eines mittelalterlichen Epos.

Den Film hab ich bekanntlich (?)für den Tages-Anzeiger positiv besprochen und auf den ersten Platz meiner Kinorückschau 2021 gesetzt. Aber können die Kammerknechte Matthias und Heiko ebenfalls was mit dem Werk anfangen?

Attack of the Weekly Links: Echte Superhelden, Übersetzungs-Schwierigkeiten, trans Athlet:innen und eine Podcast-Empfehlung

I Was a Real Life Superhero | Chris Piers von Comic Tropes bespricht Comics, zeichnet sie, und nicht nur das: Er war mal ein echter Superheld, und zwar im Team von Phoenix Jones. In seinem neusten Video erzählt Piers davon, und es ist faszinierend.

Übersetzen wider die Weltliteratur | Nicholas Glastonbury über die Schwierigkeit, Weltliteratur zu übersetzen und dann auch noch interessierte Verlage dafür zu finden.
«Die Herausforderung, der ich mich mit diesem Buch trotz all seiner Qualitäten […] gegenübersah, bestand darin, dass es nicht den vorherrschenden Erwartungen und Mustern entsprach, die der Markt der Weltliteratur der türkischsprachigen Literatur zugewiesen hat: Es gab darin kein „Osten trifft auf Westen“, kein „Tradition trifft Moderne“. […]
Der Prozess des Verlegens sortiert übermäßig viele Autor*innen aus, deren Werk eine weltweite Leser*innenschaft verdient hätte, wobei die allergrößten Ausnahmen dazu herangezogen werden, das falsche Bild einer Weltliteratur als globale Utopie der multikulturellen Harmonie aufrechtzuerhalten.»

Ist das noch fair? Über Sport und Transition | Passend zur Winterolympiade, die heute zu Ende geht:
Je nachdem ein Schreckensszenario oder ein Ziel blöder Witze: trans Frauen, die Athletinnen sind. Ist das wirklich unfair gegenüber «richtigen» Frauen? Der Artikel vom Aufbau gibt ein paar grundsätzliche Aspekte zu bedenken. Zum Beispiel:
«Eine Studie mit amerikanischen Militärangehörigen kam beispielsweise zum Schluss, dass sich die Leistungsfähigkeit von trans Frauen zwei Jahre nach dem Beginn einer Hormontherapie jener von cis Frauen in vielen Bereichen annähert […]. Was bleibt ist ein überschaubarer Vorteil im Kraftbereich, der sich, nebenbei bemerkt, auch in umgekehrter Richtung zeigte: trans Männer waren zu durchschnittlich mehr Sit-ups fähig als die mit ihnen verglichenen cis Männer.»
Ein paar Quellenangaben wären schön gewesen, aber es ist zumindest mal ein Anfang.
Etwas mehr in die Tiefe geht ein Faktencheck bei der Deutschen Welle: Sind Transgender-Athleten bei Olympia im Vorteil? Der Artikel geht nimmt den Fall der Gewichtheberin Laurel Hubbard zum Anlass, die als erste trans Frau zum entsprechenden Wettbewerb zugelassen wurde. (Gewonnen hat sie übrigens nicht.)

The Deprogram | Ein Podcast von drei Breadtubern, Anti-Kapitalismus aus der Perspektive der USA (Second Thought), dem Irak (Hakim) und dem Balkan (Yugopnik). Dieser internationale Blick ist sehr spannend (üblicherweise ist Lefttube stark US-zentriert). Wenig Neues für eingefleischte Marxisten, aber eine Einführung in die alltäglichen Auswüchse des Kapitalismus. Zudem sind die drei witzig.

Weihnachten mit Spider-Man


 

 
Das schönste Weihnachtsgeschenk für alle Ohren: Die lieben Leutchen von Megalife Radio Podcasts haben mich in ihre Filmkammer des Schreckens entführt eingeladen. Dort sprachen wir über Spider-Man: No Way Home. (Also, ich hab vor allem Blödsinn geredet in meinem unverständlichen Akzent.) Und ihr könnt euch das jetzt anhören.

Attack of the Weekly Links: Norm Macdonald, der Untergang Roms, das Patriarchat in der psychischen Entwicklung

Norm Macdonald: Moth Joke | Norm Macdonald ist gestorben, mit 61 Jahren an Krebs. Er ist einer meiner Lieblingskomiker. Der Motten-Witz, den er bei Conan erzählte, gibt einen guten Eindruck seines Humors. Sehr schön (und kürzer) sind natürlich auch die Weekend Updates bei Saturday Night Live.

Is the „fall“ of the Roman Empire a myth? The Rise and Fall of the Ostrogoths | Sieben, fünf, drei: Rom schlüpft aus dem Ei. Vier, sieben, sechs: Rom ist ex. So hab ichs in der Schule gelernt. Dass das Römische Reich keineswegs im Jahr 476 untergegangen ist, war mir schon länger klar. Aber in dieser Vorlesung geht der Historiker John C. Hamer näher auf das Thema ein, und dabei hab ich einige neue Sachen darüber gelernt. Unter anderem: Wenn man will, kann man den endgültigen Untergang des Römischen Reiches auf 1806 setzen.

Les couilles sur la table: Ce que le patriarcat fait à l’amour | In dieser englischen Folge des französischen Podcasts Les couilles sur la table spricht Victoire Tuaillon mit der Genderforscherin Carol Gilligan («Why Does Patriarchy Persists?»). Es geht darum, wie das Patriarchat die psychische Entwicklung von Männern im Kindesalter beeinflusst.

Attack of the Weekly Links: Sam vom Dach und ein paar Tagi-Artikel

Up on the Roof | Wegen Corona konnte der Komiker Sam Morril kein Special in einem Club drehen. Also hat er Dächer in Beschlag genommen. Sehr lustig. Er ist aber auch im Club gut, siehe hier: I Got This.

Das Frosch zeigt keine Filme mehr | Das Kino Frosch im Zürcher Niederdörfli geht endgültig zu, sofern sich kein Kinobetreiber erbarmt, es zu übernehmen. Ich hab viel herumtelefoniert und darüber geschrieben. Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Ein wahnsinniger Verlust ist das nicht, gehörte das Frosch doch zur Blue-Cinema-Gruppe (früher Kitag). Das ist kein Liebhaberkino, sondern Massenabfertigung. Ich würde mich allerdings freuen, wenn eine andere Betreiberin einspringen würde. Was wiederum nicht wahrscheinlich ist angesichts der Tatsache, dass es den Kinos nicht wahnsinnig gut geht (erst recht nicht in der Coronakrise). Aber wer weiss.

Warum ist es um die Kultur so still geworden? | Zum Frosch-Kino und zur Situation der Kinos äussere ich mich auch in der neusten Ausgabe des Tagi-Corona-Podcasts Und jetzt?. Wer also hören will, wie ich dummes Zeug rede, hat endlich die Chance. Zum Glück hat auch Kulturredaktorin Susanne Kübler teilgenommen, die tatsächlich was zu sagen hat.

Ein New Yorker in Italien | Die Kinos zittern, aber auf den Streaming-Plattformen ist noch immer viel los. In der neusten Ausgabe der Züritipp-Streaming-Tipps empfehle ich unter anderem We Are Who We Are, eine grandiose Serie von Luca Guadagnino (Call Me By Your Name).

Attack of the Weekly Links: Filmzensur, Babylon, Filmkammer des Schreckens und Co.

Filmzensur Ost-West | Ein wahnsinnig interessantes Forschungsprojekt darüber, wie DDR-Filme in der BRD zensiert wurden — zuständig war der Interministerielle Ausschuss für Ost/West-Filmfragen. In den 50ern und 60ern begutachtete der Ausschuss Filme aus dem Ostblock und urteilte, ob man sie dem westdeutschen Publikum zumuten kann oder nicht. hier oder hier erfährt man mehr über die Hintergründe.

Black Vibes Matter. „Babylon“ als antirassistischer Musikfilm in Thatchers England | Das Schweizer Online-Magazin Geschichte der Gegenwart hat sich ausführlich mit Babylon auseinandergesetzt, einem britischen Reggae-Film von 1980 — auf den haben wir hier und hier kurz hingewiesen. GdG ist übrigens auch sonst sehr empfehlenswert.

RE-Infiziert in der Filmkammer des Schreckens | Die Filmkammer des Schreckens ist ein äusserst lauschiger Podcast über eher abseitige Filme (Hongkong-Kino, Horror, Trash etc.). Sehr zu empfehlen. (Aufmerksame Leser haben die Filmkammer vielleicht schon in unserer Link-Liste entdeckt.) In Folge 11 gehts um „Dracula A.D. ’72“ (zu Deutsch: „Dracula jagt Minimädchen“), „Vampire Hunter D: Bloodlust“ und „Prophecy“ (nicht zu verwechseln mit „The Prophecy“). Inzwischen hat die Filmkammer auch einen Ableger.

Massel & Matt Mysteries | Apropos Podcasts: Matt aus der Filmkammer-Crew hat auch eine andere Show, zusammen mit einem gewissen Massel (from Brussel?). Da schnacken sie über ihre Faszination für UFOs, Bigfoot und Co. — nicht aus gläubiger, sondern skeptischer Perspektive (Stichwort „Bullshit“).