Riga: Jugendstil, Impressionismus und Falstaff

Es hilft, sich Folgendes vor Augen zu führen, immer wenn man irgendwohin reist: Du bist bloss ein doofer Tourist, also pass auf mit vorschnellen Urteilen. Beispiel: Als wir in Riga ankamen, hats geregnet, und tags drauf auch. Ich also: „Okay, das ist dann wohl der typische baltische Sommer.“
Ein Ortsansässiger, den wir über eine Bekannte kennenlernten und der uns nicht nur vom Flughafen abholte, sondern auch einmal einen halben Tag in der Stadt herumführte, stellte richtig, dass Lettland normalerweise durchaus tolles Sommerwetter hat. Es ist nicht die Arktis. Man denke nur mal daran, dass Jurmala – ein Städtchen, 25 km westlich der Hauptstadt – einer der beliebtesten Badeorte der Sowjetunion war. Und siehe da: Sobald es aufhörte zu regnen, wurde es in Riga so richtig sonnig und heiss.

Anderes Beispiel: Uns fiel auf, dass die Altstadt voll war mit Etablissements amerikanischer Ketten sowie mit amerikanisch inspirierten Lokalen. Subway. KFC. T.G.I. Friday’s. Pizza Hut. Ribs & Rock. Crazy Donuts. Pubs und Steakhäuser noch und nöcher. Eine Bar mit den Namen Moonshine. Kommt hinzu, dass wir in unserer Zeit in Riga nur einen einzigen Letten trafen, der kein Englisch konnte.
Ich ging also davon aus, dass die Letten nach dem Ereichen der Unabhängigkeit 1990 einen heftigen Tick für den Westen entwickelten. Aber auch hier rückte der erwähnte Ortsansässige meine Vorstellung gerade und sagte, es verhalte sich eher so, dass internationale Firmen Lettland nach dessen EU-Beitritt 2004 überrannt hätten. Die ganzen Subways und Co. seien eine relativ junge Entwicklung, und in ganz Lettland gibts nur diesen einen Pizza Hut, den wir da sehen. Wieder was gelernt.

Behaltet das also im Hinterkopf, wenn ich nun schreibe: Hier sind unsere Eindrücke von Riga.

Weiterlesen

Advertisements

Notizen aus Prag

 Folgender Text enthält definitiv Spuren von Sarkasmus und Zynismus. Der Autor möchte darauf hinweisen, dass er keinen Therapeuten braucht und sich des Lebens erfreut. Manchmal.

Prag, 20.6-23.6

  • Sonnenschein, heisse Temperaturen, Touristenmassen. Eindrücke eines dreitägigen Aufenthaltes in Prag mit einer Reisegruppe. (Mea culpa, mea maxima culpa!) Altersdurchschnitt: Mitte fünfzig?
     
  • Das Antlitz des real-existierenden Kapitalismus ist in Prag dasselbe wie in Paris oder Rom. (Souvenirs, Krimskrams, spektakularistisch konstruierte „Sehenswürdigkeiten“.)
     
  • Vielleicht ist Prag das Paris des ehemaligen Ostblocks. In wievielen Jahren wird die Karlsbrücke zusammenzubrechen drohen unter der Last der von Liebespaaren angebrachten Schlössern?
     
  • Wenn sich ein solches Paar trennt, fährt eine/r der beiden nach Prag, findet das Schloss, welches sie damals anbrachten, und fräst es ab?
     
  • In vielen Restaurants werden die Touristen mit der Gleichgültigkeit behandelt, die sie verdienen.
     
  • Eine Spezialität schweizer TouristInnen: nur sie können sich auf einer Pauschal-Reise auch noch so angenehm wohltätig fühlen: schliesslich sind die armen bedauernswerten Menschen auf ihr Geld angewiesen. Gut, gibt’s die Schweizer Touristen.

Weiterlesen