Buchstabierung 9: YouTube und Club Mate

buchstabierung09_04Von Gian Fermat (Text) und
Gregor Schenker (Bild)

Gerne verlasse ich meine Schreibstübchen, um einen kleinen inspirierenden Ausflug an die Buchstabierung zu unternehmen. Diese feine und erfrischende Lesereihe in der Bühne S, welche von Meret Bachmann schon seit Jahren organisiert wird, ist ein fester Bestandteil meines Literaturkalenders geworden. Und so ging ich auch an die Buchstabierung Nummer 9. Begrüsst wurde ich von den zarten Texten von Meret Bachmann. Sie trug Kindheitserinnerungen mit abwechselnden lustigen und ernsten Passagen vor. Die Welt, durch Kinderaugen erblickt, hat einen ganz besonderen Reiz. Es wird Alltägliches einem fremd und Fremdes allzu schnell vertraut. So lauschte ich vergnüglich diesen Erfahrungen und war dabei so manches mal an meine eigene Kindheit erinnert.

Wie schön und auch allzu schnell fanden diese Texte doch ihr Ende, und sie liessen mich zurück, mit der Gewissheit, dass von Meret Bachmann wohl noch viel zu hören sein würde. Vielleicht findet sich vereinzelt noch eine grüne Stelle, doch nach einiger Reifung an der Dichtersonne, wird diese Frucht zur vollen Reife kommen.

Es folgte Philipp Auchter, der sich weniger prosaisch bemühte, die Form der Lesung zu thematisieren. Seine Texte waren unterlegt von klassischer Musik einiger Youtube-Vvideos. Das schmeichelte meinem musikalischen Geschmack, jedoch die Fähigkeit Text und Musik zu verknüpfen, verlangt natürlich eine gewisse Vertiefungftheit und Kontemplation in die literarischen Mechanismen und Kontemplation. Nicht willkürlich lassen sich solche intermedialen Konvergenzen perfektionieren, jedoch den Ansatz empfand ich durchaus löblich, viel zu selten kann der Zuschauer an solchen totalen Ereignissen teilnehmen. Ich sprach dann noch mit Philipp Auchter und war froh, meine Tipps mit ihm zu teilen. Ein graziler Zufall war es, dass Philipp Auchters Text ebenso eine Kindheitserinnerung behandelte, genauer den seltsamen Zugang den Kinder zur Kunst haben, und, auch wenn Philipp Auchters Text etwas abstrakter sich forrmulierte, so schien es mir, kam es doch zu ganz wunderlichen Dialogen zwischen den beiden Texten und ich glaubte, dass sie sich gegenseitig kommentierten und befruchteten.

Es kam zum erfreulichsten Teil des Abends. Aurel Sieber trat an den Tisch, mit dem Dank noch an Auchters Kunststück und ich noch ganz darin versunken, war mein ganzer Apparat noch nicht bereit, für das folgende: Sätze reihten sich in wunderlichster Weise aneinander,nderder unerfreulicheren Teil des Abends. Aurel Sieber trat an den Tisch, noch mit dem Dank an Philipp Auchters Kunststück und ich noch ganz erfüllt davon, erwartete mich nun ein germanistisches Geschwurbel, von Bedeutung schwer geschwängert, dem ich, einer der Kunstfertigkeit gewidmeten Seele, schlicht nicht zu folgen vermochte. Es mag sich der Literaturwissenschaftler –- denn für niemand anderen halte glaube ich solcherlei geschrieben –- daran gütlich tun, doch es wird in meiner der Praxis der Kunst geneigten Brust mein Lebtag lang keinen Ggefallen mehr finden., Abstraktionen wurden von Abstraktionen von Abstraktionen abgelöst, kurz es war ein lyrischer Genuss höchster Kunstvergessenheit. Es mag den einen oder anderen Hörer vielleicht die Neigung entstehen, er möchte eher ein Stück, wenn nicht umrandet, so doch verwurzelt im „echten Leben“ und ja, ich gebe es zu, dies ist Poesie, die mit dem dieser Berufsgruppe grösstmöglichen germanistischen Kalkül vom Akademiker für den Akademiker verfasst ist. es war nicht , Jedoch mit welchem Recht trennt sich Akademie vom Leben? Und Leben von der Akademie? Literatur, die sich den akademischen Zusammenhang verleugnet, verleugnet auch sich selbst. Deshalb, von Aurel Siebers Text dazu gezwungen, sage ich es – und gut und gerne mag ich auch der Einzige sein: Akademiker! Schreibt! Ihr verkopften liebenswürdigen Germanisten tragt eure Erkenntnisse in die Literatur hinein, zieht sie nicht nur aus ihr heraus!

Es trat als letztes noch Alexander Robert Herren auf, ein Literat mit sympathischer Extrovertiertheit. Seine Texte waren an mancher Stelle vielleicht etwas gar schwärmerisch, aber es fand sich auch so manche überraschende Verrücktheit darin, so dass man immer wieder gerne seine Aufmerksamkeit ihm zuwandte.

Es tritt der Zuhörer gestärkt von der Buchstabierung den Heimweg an, nicht weil er von Club Mate (das Angebot erlaubte es nicht) erweckt war, sondern weil so mancher schöner Satz sich lesen liess und solche, noch das Ohr erwärmend, den Schritt erleichterten., Ddie Erinnerung des Abends hält den Beweis, dass es noch manches zu lesen und noch viel mehr zu schreiben gibt.

 
Die Buchstabierung findet regelmässig auf der Bühne S statt.
Infos und Termine findet man auf Facebook.

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Ein Gedanke zu “Buchstabierung 9: YouTube und Club Mate

  1. Wenn doch nur davon auszugehen wäre – ja, wenn doch nur davon auszugehen wäre. Ist das ein Vorschlag? Ist es dem trunkenen Dichter heilignüchterner Ernst? Es liessen sich so manche fruchtbaren Unterfangen beginnen, wenn die Akademiker und die Literaten sich nur als zwei Hälften desselben Lebens verstünden…

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