Das Brötchen der Apokalypse: Delirium Party #5

Gestern feierte das Literaturmagazin „Delirium“ das Erscheinen der jüngsten Ausgabe — mit einer Party in der Alten Kaserne. Ein Abend mit Skandalen und Brötchen.

Gleich zu Beginn der grosse Eklat: Der gelegentliche „Delirium“-Autor A.F. wird am Eingang zur Alten Kaserne abgewiesen, weil die Türsteher bei der Leibesvisitation ein Bier in seinem Rucksack finden. Zeugenaussagen zufolge löst er sich in eine schwarze Rauchwolke auf und legt einen Fluch über die Kaserne. Später am Telefon danach gefragt, meint er: „Literatur mit Türsteher? Nein danke, das geht gar nicht! Godzillas Penis soll sie alle erschlagen!“

Auf der Bühne wird derweil der Bachmann-Brötchen-Preis verliehen: Drei AutorInnen lesen vor, drei KritikerInnen zeichnen aus. Modérateur extraordinaire Andreas Hauri empfängt das Publikum mit der Wärme einer französischen grand-mère und stellt die hochkarätige Jury vor. Wolfgang Müller-Lüdenscheidt, Florian Kemphausner und Bàlint Wagner: Drei Schwergewichte aus den knittrigen Blättern des Feuilletons, die selbst der ungarischen Toilettenfrau aus der Kronenhalle ein Begriff sind.

Noch schwerer gewichtig ist allenfalls der erste Kandidat: Gian Fermat, der zweieinhalbfache Nobelpreisträger und Hochleistungshäcksler im Tannanhain der eidgenössischen Literatur. Dass er zudem ein unübertrefflicher Pornokrat ist, beweist er mit der hocherotischen Fabel einer Autorin, die einen männlichen Verehrer ihrer Werke bei sich empfängt. Ausladende Frauenleiber, von Barocker Künstlerhand gemalt, werden auf die Wände projiziert, doch es ist Fermats 80er-Jahre-Trainerjacke, die unsere Augen blendet. Der Text geht jedenfalls ans Herz und andere Teile der Anatomie, so dass man Kemphausners Begeisterung bis ins Innerste teilen und dem Zweifler Wagner eins in die Fresse hauen möchte.

Ilja Levin ist das Pseudonym eines kommunistischen Schriftstellers, der seinen Klarnamen den Mechanismen des Kapitalismus zu entziehen vorzieht. Er dichtet Kafkas „Die Verwandlung“ so clever wie sozialkritisch um: Bei ihm ist es Grigori Samsowitsch, der sich nicht in einen Käfer, sondern in eine Fabrik verwandelt: „In ihm arbeitetete es.“
Jacqueline Eberhardt schliesslich, „der Roger Köppel der Poetry-Slam-Szene“ (Hauri), trägt eine Anleitung zur Gedichte-Rezeption vor. Levin und Eberhardt geben sich Mühe, doch können sie nicht ans Fermats schwärendes Genie heranreichen.

Die Jury berät im Hinterzimmer, während Orlando Bloom einen zu Tränen rührenden Song Kemphausners auf der Gitarre begleitet. Ein letzter Skandal erschüttert schliesslich die Kaserne in ihren Grundfesten, denn anstelle von Fermat bekommt ein anderer das Preisbrötchen: Wolfgang Müller-Lüdenscheidt! Das ist noch schlimmer als 1987, als aufgrund eines verfahrungstechnischen Formfehlers ein halbvoller Aschenbecher zum Sieger gekürt wurde.
Aufs weissglühendste wütend über diese Entwicklung, stürmt der Verfasser dieser Zeilen vom Gelände, begleitet von den ersten Klängen des Balkanbeats der Winterthurer Band Sebass. Der Raum ist zum Konzertbeginn eh ziemlich voll geworden, während beim Bachmann-Brötchen-Preis noch behagliche Platzverhältnisse herrschten.
Eins ist jedenfalls klar: Das „Delirium“ pflegt weiterhin die (literarische) Kontroverse.

 
Disclaimer: Der Artikelschreiber kennt diverse Beteiligte persönlich, schrieb selbst einen Text für die aktuelle „Delirum“-Ausgabe und ist abhängig von Textmarker-Tinte.

delirium05

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