Die schlimmen Witze von Jimmy Carr

Der Kniff von Jimmy Carr besteht darin, aufzutreten wie ein britischer Gentleman – dann aber die schlimmstmöglichen Witze zu erzählen. Je obszöner und asozialer, desto besser. Am 17. April kam der englische Komiker mit seinem aktuellen Programm nach Zürich, „Funny Business“ heisst es. Grund genug, um sich ein paar Gedanken über Humor zu machen.

I like those black-and-white films where no one says anything: interracial porn.

Trotz Nieselwetter und Kälte: Vor dem Volkshaus bildet sich eine lange Schlange (nicht, weil’s noch Tickets gäbe, sondern weil freie Platzwahl herrscht). Die Hütte ist derart voll, dass man für ein Bier zwanzig Minuten ansteht. Erwartungsgemäss hat’s haufenweise Leute aus der angelsächsischen Welt, vor allem Briten. Aber Carr ist schon seit fünfzehn Jahren aktiv und gehört zu den Erfolgreichsten seiner Zunft, das hat sich inzwischen auch unter den Schweizern herumgesprochen – da dürfte nicht zuletzt YouTube geholfen haben (ich selbst bin ja auch dort auf ihn gestossen).

Der Abend fängt mit leichter Verspätung an, aber dafür entschuldigt sich Carr auch höflichst. Und er witzelt gleich los, zum Beispiel über den Kinderumzug (der an eben jenem Sonntag stattfand, wie immer am Tag vor dem Sechseläuten): „It’s like a parade for pedophiles!“

Weiterlesen

Werbung

Das Brötchen der Apokalypse: Delirium Party #5

Gestern feierte das Literaturmagazin „Delirium“ das Erscheinen der jüngsten Ausgabe — mit einer Party in der Alten Kaserne. Ein Abend mit Skandalen und Brötchen.

Gleich zu Beginn der grosse Eklat: Der gelegentliche „Delirium“-Autor A.F. wird am Eingang zur Alten Kaserne abgewiesen, weil die Türsteher bei der Leibesvisitation ein Bier in seinem Rucksack finden. Zeugenaussagen zufolge löst er sich in eine schwarze Rauchwolke auf und legt einen Fluch über die Kaserne. Später am Telefon danach gefragt, meint er: „Literatur mit Türsteher? Nein danke, das geht gar nicht! Godzillas Penis soll sie alle erschlagen!“

Auf der Bühne wird derweil der Bachmann-Brötchen-Preis verliehen: Drei AutorInnen lesen vor, drei KritikerInnen zeichnen aus. Modérateur extraordinaire Andreas Hauri empfängt das Publikum mit der Wärme einer französischen grand-mère und stellt die hochkarätige Jury vor. Wolfgang Müller-Lüdenscheidt, Florian Kemphausner und Bàlint Wagner: Drei Schwergewichte aus den knittrigen Blättern des Feuilletons, die selbst der ungarischen Toilettenfrau aus der Kronenhalle ein Begriff sind.

Noch schwerer gewichtig ist allenfalls der erste Kandidat: Gian Fermat, der zweieinhalbfache Nobelpreisträger und Hochleistungshäcksler im Tannanhain der eidgenössischen Literatur. Dass er zudem ein unübertrefflicher Pornokrat ist, beweist er mit der hocherotischen Fabel einer Autorin, die einen männlichen Verehrer ihrer Werke bei sich empfängt. Ausladende Frauenleiber, von Barocker Künstlerhand gemalt, werden auf die Wände projiziert, doch es ist Fermats 80er-Jahre-Trainerjacke, die unsere Augen blendet. Der Text geht jedenfalls ans Herz und andere Teile der Anatomie, so dass man Kemphausners Begeisterung bis ins Innerste teilen und dem Zweifler Wagner eins in die Fresse hauen möchte.

Weiterlesen