Attack of the Weekly Links: Willkommen im Advent

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Geschichten aus den Alpen | Kollege Saile Klein hat beim Blog der Gruppe Konverter eine Sammlung von kurzen Kurzgeschichten hochgeladen. Lesebefehl.

Delirischer Adventkalender | Das delirium, dieses mehrköpfige Drachenmonster mit dem unübersichtlichen Seitenlayout, macht einen literarischen Adventkalender.

Oh Christmas Tree | Apropos Adventkalender: Katrin Felder (u.a. Buddelfisch) macht einen Weihnachtscomic.

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Attack of the Weekly Links: Buddelfisch-Zeugs und die Natur der Satire

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Comic-Jam-Wandkalender: Letzthin zeichnete ich ja am Comic Jam von diedruckerei.de teil (letzte Folge). Nun kann man sich Last Minute Hero als Kalender kaufen. Der Erlös geht sogar an einen guten Zweck, nämlich ans Refugio München.

Buddelfisch Funk, Folge 12: Vor einer Weile sprach ich mit Sebastian und Dirk vom Buddelfisch über Satire und was sie denn darf. Jetzt kann man sich das als Podcast anhören. Die Aufnahmen entstanden schon vor einer Weile, noch unter dem Einfluss des Anschlages auf die Charlie-Hebdo-Redaktion, sind aber immer noch halbwegs aktuell, würd ich mal behaupten.
Im Übrigens möchte ich alle Folgen des Buddelfisch-Funks empfehlen — insbesondere aber Folge 5: Kreisch, wenn der Krake Kraucht, wo mein perverser Schweizer Akzent hilariöse Nutzung findet.

The Limitations of Punching Up: Apropos Satire: Es heisst ja immer wieder, dass gute Satire sich über die Mächtigen lustig macht, nicht die Unterdrückten, dass gute Satire nach oben tritt, nicht nach unten. Gladstone hat einen Artikel geschrieben, in dem er diese Sichtweise hinterfragt. Der Mann gehört zu den besten Schreibern auf Cracked und hat schon mehrfach über die Natur von Satire geschrieben.
Kurzfassung: Satire, die nur nach oben tritt, lässt sich vereinnahmen. Gute Satire kritisiert beide Seiten gleichermassen. Denn „for satire to be satire it must attack not mere identity but actual vice and illogic“. Und die finden sich überall, nicht nur bei den Mächtigen.

delirium n°7 Die Beiträge der aktuellen delirium-Ausgabe sind jetzt allesamt online. Wer aber wirklich cool ist, holt sich ein gedrucktes Exemplar – dafür gibts ja auch Abos.

Delirium verleiht das Elke-Heidenreich-Schwein

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Zur Vernissage ihrer siebten Ausgabe lädt die Literaturzeitschrift delirium an die Bühne S. Dort stellt sie einen Literaturclub nach. Zwei Autorinnen (Natalie Schättin, Camena Fitz) und ein Autor (Cédric Weidmann) lesen dem Publikum ihre Texte vor. Jeder Text wird sogleich von einer der drei anwesenden Kritikerinnen (Maya Wohlgemuth, Sarah Möller, Noemi Shai) besprochen und eben diese Kritikerinnen erklären jeweils in einem Plädoyer, weshalb dem gerade gehörten Text der mit hundert Franken dotierte Elke-Heidenreich-Preis für Gestörtheit verliehen werden soll – am Ende wählen die Zuschauer den gestörtesten Text. Durch den Abend führt der insert your favourite adjective [grossartig, begnadet, dominant, witzig, überpräsent] Moderator Andi Hauri.

Hauri dankt dem Pulikum zunächst dafür, dass es die delirium-Veranstaltung einem gewissen Schülerverein-Anlass, namentlich Zürich liest, vorgezogen hat. Diese und viele weitere Scherze zementieren, was der Moderator einmal sagt, als er mit den Kritikerinnen streitet: „Das ist meine Sendung.“

Mit diesen Zetteln wurde abgestimmt
Mit diesen Zetteln wurde abgestimmt
Weder Texte noch Kritiken vermögen Hauris Vorherrschaft zu brechen; eine der Autorinnen schafft es ja nicht einmal, das Rauschen des elektrischen Heizofens zu übertönen.

Jedenfalls sucht man bei den Texten lange und bei den Kritikerinnen noch länger jene Gestörtheit, die die Verleihung des glücklichen Elke-Schweins erwarten lässt. Mit zitternden Händen und zitternden Stimmen attestieren die Kritikerinnen ihren AutorInnen eine psychische Störung. Doch die vernichtendsten Urteile sind bloss Heidenreich-Zitate. Diese Zukunft der weiblichen Literaturkritik ist Heidenreichs Vorbild nicht gewachsen – hier sitzen drei Damen, die dafür viel zu differenziert, durchacht und sorgfältig mit literarischen Texten umgehen.
Alle Versuche Hauris, die Kritikerinnen zu plakativen Generalisierungen hinzureissen, scheitern. Nicht einmal im Spiel vergessen sie ihr Handwerk. So muss Hauri Pro, Kontra und überhaupt auch alle anderen polemischen Positionen vertreten.

Schliesslicht nimmt der dem tiefsten delirium-Filz entstammende Cédric Weidmann (er ist Redakteur des Magazins) das Elke-Schwein entgegen. Heimvorteil nützt immer.

Attack of the Weekly Links: Die 1000 Tentakel des Delirium

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delirium N°07: Die Kollegen vom delirium feiern die Vernissage der jüngsten Ausgabe. Das Konzept des Hefts besteht darin, jeweils einen literarischen Text direkt einer Kritik gegenüber zu stellen. Die Vernissage wiederum beinhaltet meist irgendein performatives Element – ich bin jedenfalls gespannt, was die Leute diesmal anstellen.
Wann? Freitag, 28.10. um 20 Uhr
Wo? Bühne S (beim Bahnhof Stadelhofen)

Schweizer Buchjahr: Am 13. November wird der Schweizer Buchpreis vergeben — darüber kann man sich unter anderem auf dem Blog Schweizer Buchjahr informieren. Es handelt sich dabei um ein Projekt der Uni Zürich, genauer gesagt der Dozenten Christoph Steier und Philipp Theisohn. Die leiten dieses Semester ein Modul, bei dem die Studierenden allerlei Formen der Online-Rezension ausprobieren. (Zu den Partnern des Projekts gehören unter anderem die erwähnten Kollegen vom delirium.) Die Seitennavigation vom Schweizer Buchjahr ist zwar etwas schitter, aber die Beiträge sind spannend.

Leben in Brasilien: Drüben bei den Kollegen von der Gruppe Konverter schrob Roebu über seine Erfahrungen in Brasilien: „Hunde, Katzen, aber auch Pferde, Kühe und Esel laufen frei durch Jericoacoara. Wenn man etwas angeheitert von einer Party nach Hause wankt und einem ein Stier entgegenkommt, kann das schon etwas angsteinflössend sein.“

Pepe zum Zweiten: In der letzten Linkparade sprach ich ja auch von Pepe dem Frosch und seinem Missbrauch durch die Rechte. Nun hat sein Schöpfer Matt Furie einen neuen Comic zum Thema gezeichnet.

Verwesung: Jemand von Tsüri.ch hat ein Museum besucht, das nach Verwesung riecht.

Das Brötchen der Apokalypse: Delirium Party #5

Gestern feierte das Literaturmagazin „Delirium“ das Erscheinen der jüngsten Ausgabe — mit einer Party in der Alten Kaserne. Ein Abend mit Skandalen und Brötchen.

Gleich zu Beginn der grosse Eklat: Der gelegentliche „Delirium“-Autor A.F. wird am Eingang zur Alten Kaserne abgewiesen, weil die Türsteher bei der Leibesvisitation ein Bier in seinem Rucksack finden. Zeugenaussagen zufolge löst er sich in eine schwarze Rauchwolke auf und legt einen Fluch über die Kaserne. Später am Telefon danach gefragt, meint er: „Literatur mit Türsteher? Nein danke, das geht gar nicht! Godzillas Penis soll sie alle erschlagen!“

Auf der Bühne wird derweil der Bachmann-Brötchen-Preis verliehen: Drei AutorInnen lesen vor, drei KritikerInnen zeichnen aus. Modérateur extraordinaire Andreas Hauri empfängt das Publikum mit der Wärme einer französischen grand-mère und stellt die hochkarätige Jury vor. Wolfgang Müller-Lüdenscheidt, Florian Kemphausner und Bàlint Wagner: Drei Schwergewichte aus den knittrigen Blättern des Feuilletons, die selbst der ungarischen Toilettenfrau aus der Kronenhalle ein Begriff sind.

Noch schwerer gewichtig ist allenfalls der erste Kandidat: Gian Fermat, der zweieinhalbfache Nobelpreisträger und Hochleistungshäcksler im Tannanhain der eidgenössischen Literatur. Dass er zudem ein unübertrefflicher Pornokrat ist, beweist er mit der hocherotischen Fabel einer Autorin, die einen männlichen Verehrer ihrer Werke bei sich empfängt. Ausladende Frauenleiber, von Barocker Künstlerhand gemalt, werden auf die Wände projiziert, doch es ist Fermats 80er-Jahre-Trainerjacke, die unsere Augen blendet. Der Text geht jedenfalls ans Herz und andere Teile der Anatomie, so dass man Kemphausners Begeisterung bis ins Innerste teilen und dem Zweifler Wagner eins in die Fresse hauen möchte.

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