Theater Spektakel 2018: Reverend Billy and The Stop Shopping Choir

Schon seit den Neunzigern ist der Amerikaner William Talen als Reverend Billy unterwegs. Der Reverend ist eine Parodie auf evangelikale Priester, singt und predigt mit seinem Stop Shopping Choir gegen Konsumwahn, Krieg oder Umweltzerstörung, führt diverse politische Aktionen durch. (Aktuell wäre da Bikes Against Deportation, eine regelmässige Demo gegen die Ausschaffungsbehörde in New York.) Die Grenzen zwischen Ironie und Ernst sind fliessend.

In Zürich gabs eine grosse Show auf der Seebühne, daneben aber auch mehre öffentliche Messen auf der Zentralbühne. Eine davon besuchten wir (soll heissen, wir bekamen zufällig mit, wie sie anfing, und gingen hin). Der Reverend und sein Chor waren schon deshalb auffällig, weil sie allesamt in rosaroter Aufmachung unterwegs waren. Dies in Reaktion auf die rosarote, aufblasbare Kapelle, die sich auf dem Gelände befindet. Wir sprachen nach der Show mit einem der Sänger*, und er erklärte uns, dass die Kirche tatsächlich nicht von Reverend Billy, sondern vom Spektakel stammte. Aber die Gäste wussten vorher davon und richteten sich entsprechend ein. Sie machten die Gummi-Kirche dann auch zu einem Teil ihrer Performance — nach dem Beginn auf der Zentralbühne wechselten Billy und der Chor mit dem Publikum in die Kirche, wo wir alle miteinander rhythmisch klatschten und sangen. War der Beginn draussen etwas verhalten gewesen, hatten die Zuschauer nur zögerlich mitgemacht, so kam in der Kapelle ein mitreissendes Gemeinschaftsgefühl auf. Dieses Twitter-Videogibt einen Eindruck davon.

Das Gemeinschaftsgefühl dürfte auch damit zusammenhängen, dass man sich im Inneren der Kapelle so sicher vorkommt wie im Uterus; Reverend Billy wies dann auch darauf hin, dass die Eingangspforte deutlich an eine Vagina erinnert.
An den sonstigen Inhalt seiner Predigt kann ich mich freilich nur noch vage erinnern. Es ging, wie gesagt, gegen Konsumwahn, Krieg und Umweltzerstörung, explizit auch gegen Trump. Und statt „Hallelujah!“ hiess es jeweils „Earthalujah!“. Die Leute in Zürich dazu aufzufordern, mit dem Shoppen aufzuhören, ist natürlich besonders passend.

* Der Sänger war übrigens ein Brite, der sonst bei der Gruppe BP or not BP? mitmacht. Diese wurde 2012 von Theatermachern gegründet, die es störte, dass BP das Royal Shakespeare Festival sponserte. Die Gruppe führt immer wieder Aktionen im British Museum durch, für das der Ölkonzern ebenfalls ein wichtiger Sponsor ist.

Zum Abschluss: Hier sieht man Reverend Billys Demo „Tourists Against Trump“, die er auch nach Zürich brachte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s