Attack of the Weekly Links: Kulturelle Aneignung, tödliche Hacks und der Irakkrieg

Was Sie wissen sollten, bevor Sie sich über kulturelle Aneignung aufregen | Die Brasserie Lorraine in Bern und die Bar Gleis in Zürich haben Musiker:innen ausgeladen, weil sie als Weisse Dreadlocks trugen. Das hat eine riesige Diskussion im ganzen deutschsprachigen Raum losgetreten. Und diese hat vor allem gezeigt, dass sich niemand damit auseinandersetzen will, was kulturelle Aneignung eigentlich ist.
Wer es besser machen will: Dieser Artikel von Jens Balzer bei der Republik gibt eine Einführung.
Ergänzend: Zuhören als Provokation von Kaspar Surber bei der WOZ.
Ebenfalls ergänzend: Cultural Appropriation, Revisited, ein Youtube-Video von T1J.
Apropos Gleis: Als wir beim Züritipp letzten März eine grosse Geschichte über Zürcher Bars gemacht haben, hab ich eben übers Gleis geschrieben. Siehe hier (Achtung, Paywall). Ich empfehle den Ort nach wie vor weiter.

Debunking DEADLIEST craft hack, 34 dead | Beim Fractal Burning (auch bekannt als Lichtenberg Burning oder Wood Fracking) macht man schöne Muster in Holzplatten, indem man über einen Mikrowellentrafo Strom in eben jene Holzplatten leitet. Die Australierin Ann Reardon erklärt auf ihrem Kanal How to Cook That, weshalb das eine ganz, ganz blöd Idee ist: Man arbeitet mit einer Spannung von 2000 Volt. Bei der allerkleinsten Berührung ist man sofort tot. Und wegen einer Eigenheit von Mikrowellentrafos haut es dabei nicht einmal die Sicherung raus. (Soll heissen: Wer einmal am Braten ist, bleibt am Braten.)
Übrigens, in ihren Videos nimmt Reardon weitere Hacks auseinander, die gefährlich oder einfach bloss Fake sind; in erster Linie hat sies auf gefälschte Backrezepte abgesehen.

Blowback: Season 1 | Blowback ist ein Geschichts-Podcast, der sich verschiedenen Kriegen und Konflikten der USA widmet – in der aktuellen dritten Staffel gehts um den Koreakrieg, in der davor gings um den Konflikt mit Kuba. Angefangen hat Blowback aber mit dem Irakkrieg.
Die Hosts Noah Kulwin und Brendan James rollen auf, wie sich das Verhältnis zwischen dem Irak und den USA seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelte, wie es nach 9/11 (erneut) zum Krieg kam und was die US-Armee vor Ort anrichtete.
Wer die Sache seinerzeit verfolgt hat, weiss, dass das ganze Unternehmen auf Lügen basierte, dass die Regierung Bush unglaubliche Verbrechen beging. Blowback zeigt, dass es noch viel schlimmer war, als man sich allgemein bewusst macht. Und dass Bush keineswegs eine Ausnahme war – die Politik von Clinton vor und Obama nach ihm war kaum weniger mörderisch.
Will sagen: So ein richtiger Gute-Laune-Podcast.

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Attack of the Weekly Links: Andy Fischli, Schweizer Bahnhöfe und die Riders of Filmkammer

Drei Augen sehen mehr als zwei | «Aber was soll hier dieses kosmische Pathos, das passt nun wirklich nicht zu Andy Fischli. Lassen wir deshalb lieber seine Bilder sprechen […]» Florian Keller über den Comiczeichner, der sich am 3. März das Leben genommen hat. Ein schöner Nachruf.
An der letzten Fantasy Basel hatte Fischli einen Stand. Ich ging hin, um mir Der grosse Wagen zu besorgen. Er selbst war dann aber gar nicht da. «Er kommt erst morgen», sagte sein Kollege. Ich: «Okay, ich kauf den Comic schon mal. Ich kann ihn sicher irgendwann in Zürich um eine Widmung bitten.» Dazu ist es nicht mehr gekommen.

Well There’s Your Problem | Episode 65: Santiago Calatrava | Der Well There’s Your Problem Podcast läuft bei mir gerade in der Dauerschleife. Thema sind Katastrophen aus dem Ingenieurswesen – explodierende Raketen, Zugunglücke, grosse Brände, Atomunfälle und Co. Aus einer linken Perspektive. Diese Folge ist vergleichsweise harmlos, es geht einfach um den spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava und seine Projekte, die ebenso überteuert wie menschenfeindlich sind.
Oculus, mit fast 4 Milliarden Baukosten der teuerste Bahnhof der Welt, steht beim World Trade Center – während unseres New-York-Besuchs haben die Allerliebste und ich uns den auch angesehen. Wir fanden ihn eigentlich ganz schön, aber ziemlich steril. In erster Linie ist das ein Kaufhaus mit unnötigen Läden (Luxus-Zeug, das kein normaler Mensch braucht), und es gab keine Sitzgelegenheiten oder sonst irgendetwas, das zum Verweilen eingeladen hätte.
Calatrava hat aber auch den Bahnhof Stadelhofen und den Bahnhof Luzern entworfen, Orte also, die ich mindestens einmal im Monat passiere. Dass die Podcast-Jungs den Bahnhof Luzern als «schäbig» bezeichnen, find ich allerdings ungerechtfertigt. Fickt euch, Leute. Fickt euch ins Knie.

Die Rache der Filmkammer des Schreckens | Podcast zum Zweiten: Eine neue Folge der Filmkammer des Schreckens ist online. Thema ist der Mads-Mikkelsen-Film Riders of Justice.
Apropos: Demnächst einmal erscheint die zweite Folge des Arthouse-Ablegers (die erste handelte bekanntlich von The Green Knight), in dem dann wieder meine nervige Stimme zu hören sein wird.

«Die Nähe von Geburt und Tod war überwältigend» (Paywall) | Soul of a Beast ist eine wilde Mischung aus Sozialdrama, Science-Fiction und Samuraifilm. Aus Zürich! Ich hab mit Regisseur Lorenz Merz und Hauptdarsteller Pablo Caprez gesprochen.

Attack of the Weekly Links: Soldaten und Späher, Laura Dern, Critter-Sommer

Soldiers and Scouts: Why our minds weren’t built for truth | Ein Vortrag der Philosophin Julia Galef darüber, wie unsere Gehirne Fakten verarbeiten. Ihre Unterscheidung zwischen Soldaten-Verstand und Späher-Verstand ist sehr erhellend und hilft dabei, das eigene Denken zu hinterfragen. Sehr interessant auch der Graph of Despair: eine Statistik, die zeigt, dass Klimawandel-Skepsis nichts mit fehlender Bildung zu tun hat. Will sagen, ich hab viel gelernt.
Das anschliessende Gespräch mit Moderator Stewart Brand ist allerdings ein bisschen frustrierend, da er sich sehr gerne selbst reden hört und Galef zur Stichwortgeberin degradiert, obwohl er selbt nichts zu erzählen hat, das auch bloss ansatzweise so interessant wäre.

Sie bewegt sich zwischen Indie und Mainstream | Das Xenix widmet Laura Dern eine Retrospektive, ich schrieb für den Züritipp was Kleines über ihre Biografie. Wusstet ihr Folgendes: Im selben Jahr, in dem Dern in Jurassic Park zu sehen war, spielte ihre Mutter Diane Ladd eine verrückte Wissenschaftlerin im Billig-Dino-Schrott Carnosaur.

Der Terror kommt nach Dänemark | Apropos Züritipp: Hier sind die aktuellen Kino- und Streaming-Tipps.

Hot Critter Summer | Der Youtube-Kanal Scaredy Cats ist mir immer wieder eine Freude. Ganz neu: Der Hot Critter Summer, eine Besprechung von allen fünf Critters-Teilen.
Apropos Scaredy Cats: Ich empfehle ganz ausdrücklich den Twitter-Account des Kanal-Stars, Bobby Dook.

Attack of the Weekly Links: Todesking, Tom Green und Streaming-Tipps

Währenddessen… (KW 11) | Christian Muschweck von Comicgate hat sich Jörg Buttgereits Der Todesking angeschaut: „Mit so extremen Underground-Sachen habe ich durchaus etwas Berührungsängste, deshalb hab ich ganz vorsichtig mit einer koreanischen Pressung von Todesking angefangen, die ich billig auf Ebay fand. Sogleich fand ich mich ins VHS-Zeitalter zurückversetzt bei der miesen Bildqualität dieser Kopie, den asiatischen Untertiteln und der kruden Zensur, die Genitalien durch einen fetten schwarzen Punkt wegblendet. […] Wer billig kauft, kauft zweimal.“

Tom Green Live in Philadelphia | Ein Begriff war mir Tom Green nur am Rande: Ich war zu jung, als dass ich The Tom Green Show auf MTV wirklich mitbekommen hätte, Freddy Got Fingered und Road Trip hab ich nie gesehen (mir aber sagen lassen, dass das grosse Meisterwerke der Filmkunst sind). Dann stiess ich auf seinen Auftritt bei This Is Not Happening. „I know the President. I know the President of the United States. He fired me on The Celebrity Apprentice.“ (Gemeint ist der inzwischene Ex-Präsident.) Schlicht grossartig. Und grossartig ist auch das abendfüllende Set.

Ein Trio übt den Aufstand | Die aktuellen Streaming-Tipps des Züritipps. Ich empfehle Die Woche der Nominierten und Im Reich der Sinne.

Attack of the Weekly Links: Sam vom Dach und ein paar Tagi-Artikel

Up on the Roof | Wegen Corona konnte der Komiker Sam Morril kein Special in einem Club drehen. Also hat er Dächer in Beschlag genommen. Sehr lustig. Er ist aber auch im Club gut, siehe hier: I Got This.

Das Frosch zeigt keine Filme mehr | Das Kino Frosch im Zürcher Niederdörfli geht endgültig zu, sofern sich kein Kinobetreiber erbarmt, es zu übernehmen. Ich hab viel herumtelefoniert und darüber geschrieben. Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Ein wahnsinniger Verlust ist das nicht, gehörte das Frosch doch zur Blue-Cinema-Gruppe (früher Kitag). Das ist kein Liebhaberkino, sondern Massenabfertigung. Ich würde mich allerdings freuen, wenn eine andere Betreiberin einspringen würde. Was wiederum nicht wahrscheinlich ist angesichts der Tatsache, dass es den Kinos nicht wahnsinnig gut geht (erst recht nicht in der Coronakrise). Aber wer weiss.

Warum ist es um die Kultur so still geworden? | Zum Frosch-Kino und zur Situation der Kinos äussere ich mich auch in der neusten Ausgabe des Tagi-Corona-Podcasts Und jetzt?. Wer also hören will, wie ich dummes Zeug rede, hat endlich die Chance. Zum Glück hat auch Kulturredaktorin Susanne Kübler teilgenommen, die tatsächlich was zu sagen hat.

Ein New Yorker in Italien | Die Kinos zittern, aber auf den Streaming-Plattformen ist noch immer viel los. In der neusten Ausgabe der Züritipp-Streaming-Tipps empfehle ich unter anderem We Are Who We Are, eine grandiose Serie von Luca Guadagnino (Call Me By Your Name).

Attack of the Weekyl Links: The Stand, Fan Ho, Aliens

«Und plötzlich war das unsere Realität» | Letzten Dezember startete in den USA die Miniserie The Stand, eine Neuverfilmung des Stephen-King-Buches. Ich hab schon drauf hingewiesen (und mir nochmal das Buch angeschaut). Jetzt hatte ich die Chance, für den Züritipp Owen Teague zu interviewen, der Harold Lauder spielt.

Fan Ho Photography | Leider bin ich ja ein ziemlicher Kunstbanause, weswegen mir Fan Ho (1931-2016) bisher kein Begriff war — dabei war der ein extrem bedeutender Fotograf, bekannt in erster Linie dafür, dass er in den 50ern und 60ern das Leben auf den Strassen von Hongkong festhielt. Seine Website gibt einen guten Einblick in sein Schaffen; mehr über Fan Ho gibts hier, hier und hier.

Aliens zügeln in die Vorstadt | Die Streaming-Empfehlungen vom Züritipp. Unter anderem gehts um Solar Opposites, der neuen Serie der Macher von Rick and Morty.

Attack of the Weekly Links: Wishmaster, misogyne Kritik, Streaming-Empfehlungen

Why Wishmaster Rules | Ich schätze Thought Slime als politischen Kommentator, aber er hat auch einen Kanal über Horrorfilme, Horrorgames und Co.: Scaredy Cats. Unter anderem hat er die Wishmaster-Reihe besprochen.
 

Schweig, Autorin – Misogynie in der Literaturkritik | 54books mal wieder, diesmal zum äusserst interessanten Thema Frauenfeindlichkeit in der Literaturkritik. Autorin Nicole Seifert bietet unter anderem ein schönes How-Not-To für Kritiker*innen:

  • „In einem ersten Schritt wird im Genre „Etablierter Literaturkritiker verreißt erfolgreiche junge Autorin“ also das durch die Kolleg*innen bereits aufgebaute Renommee der Autorin demontiert.“
  • „Im zweiten Schritt werden die Themen der Romane beanstandet, die Geschichte als solche, mit der die Kritiker in allen betrachteten Fällen nichts anfangen können.“
  • „In einem dritten Schritt werden in solchen Rezensionen schließlich Stil, Sprache und Form abgewertet, allerdings – interessante Gemeinsamkeit –, ohne dass nach einer möglichen Bedeutung überhaupt gesucht würde.“

 
Rachefeldzug in Liverpool | Tim Roth als kaputter Sheriff in Tin Star, englische Proletarier und (Ray & Liz) und andere Streaming-Empfehlungen beim Züritipp.
 

The Comedy Industry Has a Big Alt-Right Problem | Via Setup/Punchline. Artikel über die Verschränkung von Comedy-Szene und Rechtsextremismus in den USA. Überraschung, Überraschung: Die Anti-Political-Correctness-Bewegung spielt eine wichtige Rolle. Man beachte auch Autor Seth Simons‘ Website.

Attack of the Weekly Links: Citoyen Nobel, Sekuritas

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Citoyen Nobel | Die Doku Citoyen Nobel begleitet den pensionierten Biophysiker Jacques Dubochet, der 2017 den Nobelpreis für Chemie gewonnen hat. Für den Züritipp hab ich eine Kritik geschrieben.

Interview zu Sekuritas | Züritipp, Teil 2: Die Zürcher Regisseurin Carmen Stadler hat mit Sekuritas ihren ersten Langfilm abgeliefert. Darin wünscht sich ein alter Bürokomplex, vor seinem Abriss eine Liebesgeschichte zu erleben. Ich hab mit Stadler über ihr Werk gesprochen.

„Motherless Brooklyn“ und die Karriere von Edward Norton

© 2019 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Der Film noir Motherless Brooklyn kommt diese Woche ins Kino; es ist das neue Werk von Edward Norton — wobei er nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern auch das Drehbuch schrieb und Regie führte. Viel mehr Norton geht nicht. Grund genug, um auf die Karriere des 50-jährigen Schauspielers zurückzublicken. Und am Ende sag ich, was der neue Film taugt.
Vorbemerkung: Das ist die ausführlichere Version einer Liste, die ich usprünglich für eine Filmkritik im Züritipp machte. Diese Kritik ist hier zu finden.
 

Primal Fear
Von Gregory Hoblit, USA 1996; 125 min.
Der Bostoner Norton war ein völlig unbekannter Theaterschauspieler, als er für dieses Gerichtsdrama besetzt wurde — seine erste Filmrolle überhaupt. (Zuvor war er bloss in einem Sprachlehr-Video aufgetreten.) Er spielt einen schüchternen, stotternden Messdiener, der wegen dem Mord an einem Bischof angeklagt ist. Ein Anwalt (Richard Gere) versucht ihn freizubekommen, indem er beweist, dass der junge Mann eine gespaltene Persönlichkeit hat.
Norton wurde mit einem Schlag ein berühmter Charakterdarsteller; er gewann einen Golden Globe und war für einen Oscar nominiert.

 

American History X
Von Tony Kaye, USA 1998; 114 min.
Eine Oscarnominierung brachte ihm auch dieser Film ein: Ein Neonazi (Edward Norton) kommt nach dem Mord an zwei Schwarzen ins Gefängnis, wo bei ihm ein Umdenken einsetzt. Nach der Entlassung versucht er, seinen kleinen Bruder von seiner rechtsradikalen Gang wegzuholen.
Die berüchtigte Bordstein-Szene hat sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt. In der Postproduktion arbeitete Norton am Filmschnitt mit, wobei er sich mit Regisseur Tony Kaye heftig überwarf und in der Folge den Ruf erhielt, ein schwieriger Schauspieler zu sein.

 
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Attack of the Weekly Links: Comic Jam und Eigenwerbung

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Last Minute Hero: diedruckerei.de hat einen Comic Jam ins Leben gerufen. Allerlei Webcomic-Schaffende wie Schlogger, Sarah Burrini oder Hillerkiller haben an dieser Fortsetzungsgeschichte um den Last Minute Hero mitgearbeitet. Dabei sind auch die Buddelfische: Nicht nur Katrin Felder, sondern auch Sebastian Kempke und eben ich waren am Werk.

Züritipp: Bei einem Pro und Kontra zu Swiss Army Man hab ich den Film zu verteidigen versucht.

In eigener Sache: Um es mal gesagt zu haben: Wir sind ja auch auf Facebook und Twitter unterwegs, wie es für moderne Menschen üblich ist. Und wir freuen uns über sämtliche Likes, Retweets und gar Abbonements.
Und ganz nebenbei: Wer sich selbst mal als Kritiker versuchen möchte, kann sich bei uns jederzeit melden unter: kulturmutant[affenschwanz]gmail.com