Annemarie Schwarzenbach Goes Bern

Erst vor ein paar Wochen schrob ich über die Afghanistan-Texte von Annemarie Schwarzenbach. Danach stellte ich fest, dass es zeitgleich im Zentrum Paul Klee eine Ausstellung über ihr fotografisches Werk gibt — denn sie hat über ihre Reisen nicht nur geschrieben, sondern dabei auch Bilder geschossen. Also bin ich nach Bern gefahren.

Aufbruch ohne Ziel bietet einen griffigen Überblick über Schwarzenbachs Leben und ihr Schaffen ab 1933, als sie mit Marianne Breslauer nach Spanien reiste — ihr Anfang als Fotojournalistin.

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Komisches und Tragisches im Zentrum Paul Klee

Im Zentrum Paul Klee läuft derzeit eine Ausstellung, die das Schaffen von Klee jenem von Jacques Ernst Sonderegger und Charlie Chaplin gegenüberstellt. Der Titel dieser Ausstellung lautet Jenseits von Lachen und Weinen, und sie untersucht, grob gesagt, den Zusammenhang zwischen Komik und Tragik im Werk eben jener drei Künstler. Das klingt ziemlich schwamming, und das ist es auch. Ist aber auch egal, denn spannend ist das gezeigte Zeug dennoch.

Eigentlich hätte die Ausstellung nur bis im Mai laufen sollen, ist aber bis September verlängert worden. Wegen Corona, nehm ich an. Ist mir recht, denn sonst hätt ich nicht die Chance gehabt, sie zu sehen. Obzwar mich ein paar Sachen gestört haben, aber dazu später.

 
Paul Klee (1879-1940)

Ich mag die Strichmännchen und Bauklötze von Klee, deswegen wollte ich auch schon lange mal ins Zentrum, das ihm gewidmet ist.
In Jenseits von Lachen und Weinen sind in erster Linie Kritzeleien zu sehen: Witzige Porträts und Tierfiguren, satirische Bilder. Dazu aber auch Gemälde, Handpuppen oder vollgezeichnete Schulbücher. Schön abwechslungsreich. Einiges drunter, was mir noch unbekannt war.

Vereinzelt begegnet man bekannten Klassikern, zum Beispiel der Radierung Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich (1903). Die beiden Männer auf dem Bild sind nackt (FKK-Strand?), tragen also keine äusseren Abzeichen ihres Status – von ihren extravaganten Bärten mal abgesehen. Jedenfalls gehen sie auf Nummer sicher und verbeugen sich tiefstmöglich.

Es gibt sehr, sehr viele tolle Ausstellungsstücke; zu meinen liebsten gehört Drei Fische (1939).

 
Jacques Ernst Sonderegger (1882-1956)

Aus dem Ausstellungsführer: Ausgangspunkt dieser Ausstellung ist die wenig bekannte Freundschaft Paul Klees mit dem Schweizer Karikaturisten Jacques Ernst Sonderegger, von dem der junge Klee wichtige künstlerische Hinweise erhielt.

Und: Klee und Sonderegger verband ein gemeinsames Verständnis von Humor: Das damals blühende Genre der Karikatur stellt das gesellschaftliche und politische Leben überspitzt dar und kommentiert es ironisch. Im Gegensatz dazu ist das Medium Karikatur für Klee und Sonderegger eine Möglichkeit, sich Grundfragen des menschlichen Lebens zu stellen.

Und: Klee und Sonderegger lernten sich 1906 kennen und pflegten ab diesem Zeitpunkt eine Freundschaft, die aus ihrer Korrespondenz bis 1914 rekonstruiert ist.

Sonderegger war mir vor der Ausstellung tatsächlich kein Begriff, aber ich bin den Paul-Klee-Leuten dankbar, dass sie diese Bildungslücke bei mir geschlossen haben. Besonders grandios sind Sondereggers Illustrationen zu den Geschichten von Edgar Allan Poe – denen ist in der Schau eine ganze Wand gewidmet. Anscheinend hat er seine Passion für Poe auch Klee vermittelt.

 
Charlie Chaplin (1889-1977)

Wieder der Ausstellungsführer: «Wenn er Chaplin sah, hinter dessen Lachen tiefer Ernst stand, war er glücklich.» So schreibt Paul Klees Sohn Felix über die Bewunderung seines Vaters für den einflussreichsten Komiker der Filmgeschichte.

Und: Obwohl von Paul Klee keine wesentlichen Aussagen zu Chaplin überliefert sind, finden sich in seinem Werk erstaunliche motivische Parallelen zu Chaplins Filmen.

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