New York #6: Zombies auf der Brooklyn Bridge

Eins vorweg: Wir schauten uns zwar das One World Trade Center an, das Empire State Building, das Chrysler Building, das Rockefeller Center und das Flatiron Building — aber wir gingen nirgendwo hinauf. 35 Dollar pro Person waren uns doch etwas zuviel für ein bisschen Aussicht. Wir sind geizig. Der Dachgarten des Metropolitan Museum reicht ja auch.
Fürderhin ersparten wir uns die Tour zur Freiheitsstatue, die nicht nur teuer ist, sondern auch ausschaut, als würde man Touristen auf Boote pferchen wie Rindviecher, die reif sind fürs Schlachthaus. Stattdessen fuhren wir mit der Staten Island Ferry, die Manhattan eben mit Staten Island verbindet. Denn: Die Fähre kommt der Freiheitsstatue nahe genug, dass man einen anständigen Blick auf sie werfen kann. (Ausserdem ist die Fähre gratis.)

Meist flanierten wir einfach durch die verschiedenen Stadtteile, gingen mit grossen Augen durch den Financial District, durchs Greenwich Village oder durch das (heutzutage durchzentrifizierte) Harlem.
Ganz spannend war die High Line. Das ist ein zwei Kilometer langes Überbleibsel einer einstigen Hochbahn, die zu einer Parkanlage umgebaut wurde.

An einem Vormittag überquerten wir zu Fuss die Brooklyn Bridge (das einzige Mal, dass wir Manhattan verliessen), wobei ich an Woodoo — Die Schreckensinsel der Zombies von 1979 denken musste. Der italienische Trashregisseur Lucio Fulci verpasste damals ein paar Statisten Zombie-Make-up und liess sie dann frühmorgens über den Fussgängerweg torkeln — das sollte im Film eine weltweite Apokalypse andeuten. Unterhalb der Statisten sieht man allerdings gemütlich Autos durchfahren. (Selbstverständlich hatte Fulci keine Erlaubnis irgendwelcher Art eingeholt, geschweige denn die Brücke sperren lassen.)
2014 war die Brooklyn Bridge in den Schlagzeilen, weil zwei Berliner Künstler über Nacht die US-Flaggen gegen weisse Fahnen ausgetauscht hatten. Über die Aktion machten die zwei anschliessend einen wunderbaren Kurzfilm, der die hysterischen Reaktionen der amerikanischen Öffentlichkeit dokumentiert: Symbolic Threats.

Im Financial District (Wall Street und so) schauten wir uns auch den Charging Bull an, die Statue eines wütenden Stiers. Der kam ja seinerseits vergangenen März in die Zeitungen, weil ihm Unbekannte die Statue eines mutigen kleinen Mädchens gegenübergestellt hatten — kurz vor dem Weltfrauentag. Wie man inzwischen weiss, war das weniger ein feministisches Statement, als der Werbegag einer Investmentfirma. Dennoch ein starkes Bild.
Wie dem auch sei: Vor Ort umschwärmten Horden von asiatischen Touristinnen den Stier — denn sie liessen sich mit seinem Hodensack in der Hand fotografieren.
Nachspiel: Zwei Wochen, nachdem wir wieder weg waren, wurden Stier und Mädchen um einen pissenden Hund erweitert. Die Leute haben zuviel Freizeit.

Was ich mir nicht nehmen lassen wollte: einen Besuch des Trump Towers. Von aussen ist das Gebäude halbwegs normal anzuschauen, von innen her aber genau so geschmacklos, wie man sich das vorstellt. Alles verkleidet mit rosa Marmor und Gold; in der Lobby rauscht ein Wasserfall. Es gibt eine Trump Bar, ein Trump Restaurant und einen Trump Souvenir Shop. Verblüffend, wie viel Ego ein einzelner Mensch haben kann.
Zum Vergleich: Nicht weit vom Trump Tower ist das Rockefeller Center. Nicht, dass sich Rockefeller (seinerzeit der reichste Mann der Welt) ein sonderlich bescheidenes Denkmal gesetzt hätte — aber er liess seinen Namen nicht auf jeder freien Oberfläche anbringen und die Architektur ist zwar arg monumental, aber halbwegs elegant.

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