Oldboy: You Only Live Thrice

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Goto kommt in einem Stadtpark zu sich. Er hat keine Ahnung, wo er sich befindet, oder wie genau er dorthin gekommen ist. Aber für ihn ist dieser Park ein Wunder — denn seit zehn Jahren hat er kein Gras mehr unter den Füssen gespürt, hat den Sternenhimmel nicht mehr gesehen, keine frische Luft geatmet. Zehn Jahre lang war er eingesperrt in einer kleinen Zelle, einem kargen Raum in einer Art Privatgefängnis. Jetzt treibt ihn nur noch eine Frage um: „Wer hat mir das angetan? Und zu welchem Zweck?“
In der Bar, in der er sein erstes Bier seit langer Zeit trinkt, lernt er Eri kennen, eine junge Kellnerin. „Alter Knabe … Wenn Sie deshalb nicht schlecht von mir denken … Möchten Sie zu mir kommen?“ Er wird ihr Liebhaber, sie hilft ihm dabei, seinen Peiniger ausfindig zu machen.

Die Mangaserie Orudo Boi packt einen von den ersten Seite an mit einem faszinierenden Rätsel, und bis zur letzten Seite bleibt es spannend, Goto und Eri bei der Detektivarbeit zu begleiten. Zum Beispiel: In den Jahren der Gefangenschaft hat Goto stets denselben Frass aus demselben chinesischen Restaurant essen müssen. Wenn er das Restaurant findet, hat er eine Spur zu seinem Gefängnis und damit zu den Leuten, die ihn weggesperrt haben. Seine Geschmacksnerven werden ihm den Weg weisen: „Glaubst du, ich vergesse den Geschmack der Gerichte, die ich zehn Jahre lang jeden Tag gegessen habe?“
Zwar gibt es tausende von Chinesen in der Stadt. Doch dank eines Fitzelchen, den Goto einmal in seinem Essen gefunden hat, weiss er den Namen des Restaurants: Blauer Drache. Davon gibt es nicht ganz so viele. Zusammen mit Eri besucht er alle davon und probiert jeweils die Teigtaschen. „Ich finde, es gibt kein chinesisches Gericht, dass sich so sehr von Laden zu Laden unterscheidet.“
Blöd nur, dass keines der Restaurants die richtigen Teigtaschen macht. Doch da hat Eri einen Geistesblitz …

Wie es sich für ein anständiges Mystery gehört, wirft jede Frage, die die beiden beantworten können, zwei weitere auf. Gar nicht so einfach, diese Manga wieder aus der Hand zu legen. Nur bei der Auflösung bin ich mir etwas unschlüssig – nach über 1600 Seiten erscheint sie seltsam antiklimaktisch, allerdings scheint gerade das der Punkt zu sein.

 
Von Japan nach Südkorea

Hier kommt nun Park Chan-wook ins Spiel. Der südkoreanische Filmemacher feierte 2000 in seinem Heimatland einen gewaltigen Erfolg mit Joint Security Area — in dem Krimidrama untersucht eine Offizierin aus der Schweiz (!) eine Schiesserei an der Grenze zwischen Nordkorea und Südkorea, bei der zwei nordkoreanische Soldaten umgekommen sind. Es war der bis dahin erfolgreichste südkoreanische Film.
Das gab Park die Chance, seine Rache-Trilogie in Angriff zu nehmen: Zuerst Sympathy for Mr. Vengeance (2002), zuletzt Lady Vengeance (2005) und dazwischen eben Oldboy (2003).

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