Notizen aus Prag

 Folgender Text enthält definitiv Spuren von Sarkasmus und Zynismus. Der Autor möchte darauf hinweisen, dass er keinen Therapeuten braucht und sich des Lebens erfreut. Manchmal.

Prag, 20.6-23.6

  • Sonnenschein, heisse Temperaturen, Touristenmassen. Eindrücke eines dreitägigen Aufenthaltes in Prag mit einer Reisegruppe. (Mea culpa, mea maxima culpa!) Altersdurchschnitt: Mitte fünfzig?
     
  • Das Antlitz des real-existierenden Kapitalismus ist in Prag dasselbe wie in Paris oder Rom. (Souvenirs, Krimskrams, spektakularistisch konstruierte „Sehenswürdigkeiten“.)
     
  • Vielleicht ist Prag das Paris des ehemaligen Ostblocks. In wievielen Jahren wird die Karlsbrücke zusammenzubrechen drohen unter der Last der von Liebespaaren angebrachten Schlössern?
     
  • Wenn sich ein solches Paar trennt, fährt eine/r der beiden nach Prag, findet das Schloss, welches sie damals anbrachten, und fräst es ab?
     
  • In vielen Restaurants werden die Touristen mit der Gleichgültigkeit behandelt, die sie verdienen.
     
  • Eine Spezialität schweizer TouristInnen: nur sie können sich auf einer Pauschal-Reise auch noch so angenehm wohltätig fühlen: schliesslich sind die armen bedauernswerten Menschen auf ihr Geld angewiesen. Gut, gibt’s die Schweizer Touristen.

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Karl’s kühne Gassenschau: Sektor 1 – Ein rühriges Spektakel

Karl’s kühne Gassenschau (oder wie die eingefleischten Fans es verkürzt nennen: KKG) ist eine feste Grösse, so heisst es. Eine Grösse in welchem Bereich?

Seit 1984 gibt es die Truppe, und während frühere Produktionen tatsächlich einst als Gassenschau funktionierten, zeichnen sich die Produktionen der letzten Jahre dadurch aus, dass es immer grösser, aufwendiger, bombastischer und spektakulärer zu- und hergeht.

„Sektor 1“ ist die 22. Produktion und das dritte Mal, dass wieder im Industriepark in Oberwinterthur gespielt wird. Hauptsponsor ist Coop, und die Stadt Winterthur übernimmt das Patronat. Das letzte Stück, „Fabrikk“, wurde von über 580.000 Zuschauer besucht. Die Macher nennen ihr aktuelles Stück einen „theatralen Höllenritt voller traumhafter Bilder, waghalsiger Maschinen, atemberaubender Stunts und intensiver Gefühle.“ Es geht um „eine Vision von modernem Volkstheater für ein breites Publikum.“ Die Zuschauer sollen „unterhalten, berührt und zum Nachdenken verführt“ werden.

Da gibt es ein Festgelände, auf welchem über 1000 Personen verköstigt werden können, Leuchtgirlanden, einen Souvenirshop. Der Körper will wie der Geist gefüttert werden. Die Logistik ist formidabel, die Preise verhältnismässig moderat (bis auf den Eintritt selber, kann man einwerfen). Die Winterthurer Verkehrsbetriebe bieten Sonderbusse an, der Stadtrat freut sich über KKG als kulturelle Erweiterung des eigenen Standortportfolios. Die Produktion ist jetzt schon ausgebucht und wurde für 2017 verlängert.

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