Halloween 2019: X: The Man with the X-ray Eyes

Das erste Mal hörte ich von X: The Man with the X-ray Eyes, wie von einigen anderen Horrorfilmen auch, in Stephen Kings Danse Macabre (1981). Dabei handelt es sich um sein grosses Sachbuch über die Geschichte des Horrorgenres. In diesem zählt er X zu den „besten Gruselfilme […], die jemals gedreht worden sind“ — er führt ihn an als Beispiel für einen sogenannten „echten Angstfilm“, also als einen Film, der nicht bloss auf oberflächliche Schocks, sondern auf tiefgreifende Ängste zielt. King fasst die Handlung wie folgt zusammen:

Es war einmal ein Mann, der erfand magische Augentropfen; mit ihnen konnte er die Karten der Spieler in Las Vegas sehen und verdiente eine Menge Geld. Er konnte bei Cocktailpartys auch durch die Kleider der Mädchen sehen, was vielleicht nicht ganz so schön war, aber Augenblick mal. Der Mann sah plötzlich immer mehr … und mehr … und mehr …

Dem wollen wir uns heute widmen.

X: The Man with the X-ray Eyes stammt von 1963, Produzent und Regisseur ist Roger Corman. Der inzwischen 93-jährige ist heute eine Legende der Filmindustrie, damals hatte er sich bereits als verlässlicher Billigfilmer (Produktion und Regie) für Drive-Ins, Bahnhofskinos und Co. etabliert – er lieferte am Laufband Schrott wie Attack of the Crab Monster (1957), Teenage Caveman (1958) oder The Little Shop of Horrors (1960) (der erst Jahre später in einer Musicalversion zu Berühmtheit gelangte, mit der Corman nicht viel zu schaffen hatte).
Corman hatte damals aber auch schon House of Usher (1960), The Pit and the Pendulum (1961) oder The Raven (1963) gedreht. Das sind Filme, die (eher lose) auf Geschichten von Edgar Allan Poe basieren, alle mit der Horrorikone Vincent Price in einer wichtigen Rolle. Mit diesen Poe-Adaptionen war Corman als ernstzunehmender Gruselregisseur aufgefallen.

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Halloween 2017: Hirnpower aus dem Weltraum

Ostern, Weihnachten und ähnlicher Quatsch kann mir gestohlen bleiben; mein Lieblingsfeiertag ist Halloween. Nicht wegen der Süssigkeiten oder der verkleideten Kinder, sondern weil das der einzige Feiertag ist, den man mit dem Schauen von Horrorfilmen begeht. Heute im Programm:

Das ist ein billiger Science-Fiction-Grusel-Heuler von 1957. Um sich den filmhistorischen Kontext vor Augen zu führen: Im selben Jahr kamen 12 Angry Man heraus, The Bridge on the River Kwai, Das siebente Siegel oder Kubricks Paths of Glory. Und eben dieses Meisterwerk der Filmgeschichte, in der ein Typ mit einer Axt auf einen riesigen Ballon in der Form eines Gehirns einschlägt. Aber der Reihe nach:

Da, schaut mal, das ist der Nuklearwissenschaftler Steve in seinem gemütlichen kleinen Wohnlabor. (Aber echt: Das ist irgendein herkömmliches Wohnzimmer, im dem Elektroschrott rumsteht.) Steve stellt auf seinen Messgeräten mehrere plötzliche Ausbrüche erhöhter Radioaktivität fest — und er weiss auch, woher selbige stammen: „Da geht irgendwas am Mystery Mountain vor sich.“ Möglicherweise etwas … Mysteriöses?

Gemeinsam mit seinem Assistenten Dan fährt Steve zum Mystery Mountain. Dort finden beiden eine Höhle, die vor ein paar Wochen noch nicht da war, meint jedenfalls Steven. Sie gehen hinein und laufen damit in ihr Verderben, denn in besagter Höhle treffen sie auf ein riesiges, schwebendes, halb durchsichtiges Gehirn. Mit Augen. Unsere Helden verlieren ein bisschen ihre Fassung, schiessen mit Pistole und Gewehr auf das komische Ding. Selbiges ist allerdings immun gegen Blei und attackiert Steve und Dan seinerseits mit einem Strahl, der den zweien das Bewusstsein raubt.

Steves Verlobte Sally macht sich Sorgen um ihren angehenden Ehemann: Seit Steve zusammen mit Dan zum Mystery Mountain gefahren ist, hat sie nichts mehr von ihm gehört. Und dabei ist das schon eine Woche her!
Just in dem Moment steht Steve bei ihr auf der Veranda. Zunächst freut sich Sally, aber dann findet sie, Steve habe sich verändert: „Du hast mich noch nie so geküsst!“
Steve ist als zurück, aber was ist mit Dan? Steve erklärt: „Ach, du kennst doch Dan. Im Herzen ist er ein Playboy. Eine Woche in den Bergen, und er musste nach Las Vegas, um sich zu erholen.“ (Soll wohl heissen, im Laufe einer Woche hat es sich bei Dan soweit aufgestaut, dass er dringen die Dienste einer Prostituierten brauchte.)
Dans Samenstau hin oder her, Steve macht mit dem Küssen weiter. „Davon kribbelt meine Zunge“, sagt Sally, durchaus nicht unerfreut. Doch dann wird Steve aufdringlich und zerreisst ihr das Oberteil; Sallys Hund Georgie fängt an zu bellen und fällt Steve an, der seinerseits dem Hund einen Tritt verpasst und wütenderweise mit dem Auto davonbraust.

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Mein Herrchen ist ein Tintenfisch

Grundsätzlich ist Pallas oder die Heimsuchung ein Invasionsroman: Eine technisch weit überlegene Rasse überfällt die Erde, tötet einen Grossteil der Bevölkerung und macht alles kaputt. Ein paar hundert oder tausend Menschen lassen die Aliens (die Tintenfischen ähneln) jedoch am Leben und nehmen sie mit auf ihren Heimatplaneten Pallas. Nach und nach stellt sich heraus, oder lässt sich zumindest vermuten, dass der Plan der Palladier schlicht darin besteht, sich die überlebenden Menschen als Schosstiere zu halten. Das erinnert an H.G. Wells‘ War of the Worlds, nur dass die Überlegenheit der Palladier total ist: Die Menschheit ist in kürzester Zeit unterworfen und es gibt keinen deus ex machina in Form irgendwelcher Grippeviren, die die Erde vor den Invasoren retten würde.

Die Handlung schildert uns ein Ich-Erzähler aus seiner äusserst beschränkten Perspektive. Er versucht verzweifelt, aus den Vorgängen einen Sinn zu ziehen, doch die Aliens und ihre Welt sind ihm als Menschen derart fremd, dass ihm das auch nach Jahrzehnten nicht gelingt. Wenn er den Palladiern irgendwelche Motive oder Beweggründe unterstellt, drängt sich der Verdacht auf, dass er sie unzulässig vermenschlicht — dessen ist sich der Erzähler allerdings auch selbst bewusst.
Die Übermacht der Ausserirdischen beisst sich mit dem Chauvinismus des Erzählers: Als patriotischer Franzose und Ex-Soldat fühlt er sich Schwarzen oder Frauen überlegen, ergibt sich umgekehrt aber auch einer Art Sklavenmentalität der tintenfischenen Herrenrasse gegenüber. Nichts wünscht er sich sehnlicher, als den Palladiern seine Intelligenzu zu beweisen, zumindest ansatzweise eine Kommunikation auf Augenhöhe herzustellen — doch es bleibt dabei: Für die Palladier sind die Menschen nicht viel mehr als das, was ein Chihuahua für uns ist.

Ebenso eindrücklich wie die Fremdheit der Aliens, ist in Pallas auch der Untergang der menschlichen Zivilisation beschrieben. Die entführten Menschen haben nicht mehr bei sich als die Kleidung auf dem Leib, und diese ist nach ein paar Jahren verrottet. Sie konnten keine Werkzeuge oder sonst irgendwelche Gegenstände mitbringen. Der Planet selbst bietet bloss flachen Boden, iglu-artige Häuser und Steine, die alle aus demselben, leicht weichen Material bestehen — unmöglich, hier irgendwas herzustellen. Oder irgendwas aufzuschreiben. Nackt und untätig stromern die Menschen herum. Die Palladier füttern sie mit einem Brei, alle Ausscheidungen werden vom Boden automatisch absorbiert. Weil es sonst nichts zu tun gibt, haben die Leute viel Sex. Den unerwünschten Nachwuchs sortieren die Palladier aus.
Die übrigen Kinder wachsen heran — und für sie ist das Leben auf Pallas ganz normal; die Erde kennen sie nur noch aus Erzählungen. Mehr und mehr erkennt der Ich-Erzähler, dass die Menschheit der Zukunft eine völlig andere sein wird. Die Niederlage ist komplett, Hoffnung gibt es keine.

Über den Autor: Informationen zu Edward de Capoulet-Junac findet man nicht so ohne weiteres. Angeblich ist er 1930 geboren und hat neben Pallas nur einen weiteren Roman geschrieben: L’ordonnateur des pompes nuptiales (1961) — anscheinend wurde dieser nie auf Deutsch übersetzt. Ab und an liest man Mutmassungen darüber, dass „Edward de Capoulet-Junac“ ein Pseudonym sei. Aber Autor und Werk sind wohl schlicht zu unbekannt, als dass man darüber jemals Näheres erfährt.

Pallas oder die Heimsuchung (Pallas ou la tribulation)
Von Edward de Capoulet-Junac
Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985
Erstveröffentlichung 1967 (Frankreich)

Französische Kritik zum Roman.

Rogue One: Eine mühsame Geschichte

Achtung, Achtung, ich spoilere hier gnadenlos. (Zu dem Thema möchte ich hiermit anmerken, dass mir die ganze Spoilerhysterie tierisch auf die Nerven geht — und wer bei dieser Hysterie mitmacht, macht sich in meinen Augen zum Knecht der Marketingabteilung Disneys. Kampf der Maus!)

Als letzter Mensch auf der Welt habe ich mir also Rogue One: A Christmas Carol angesehen. Und wie alle anderen bestehe ich darauf, meine Gedanken dazu ins Internet zu blasen. Hier habt ihr sie.

  • Darüber, dass der Todesstern eine derart offensichtliche Schwäche eingebaut hat, haben sich selbstgefällige Nerds seit 1978 immer wieder lustig gemacht. Jetzt hat man einen ganzen verdammten Film gedreht, nur um jenen eins reinzuwürgen.
     
  • Wieviele Star-Wars-Prequels braucht die Welt eigentlich noch? Haben wir uns nach den Episoden I bis III nicht darauf geeinigt, dass Prequels ganz grundsätzlich eine dumme Idee sind? So auch hier: Um die Continuity nicht durcheinander zu bringen, kommt Rogue One zum Beispiel gar nicht darum herum, sämtliche Protagonisten umzubringen (wie gesagt: Achtung, Spoiler) — was in der inflationären Häufung der Heldentode bald einmal noch mühsamer und billiger wird als bei Game of Thrones. Emotionale Wucht? Keine Spur.
     
  • Die einzige Figur, um die es schade war, um die ich tatsächlich geweint habe, war K-2SO (Alan Tudyk), jener imperiale Droide, der zwar erfolgreich zum Rebell umprogrammiert wurde, sich seither aber fast ausschliesslich in trockenem Sarkasmus mitteilt. Damit legt er genau jene Geisteshaltung an den Tag, die ich als Zuschauer gegenüber Rogue One notgedrungen einnehme, wird also zur idealen Identifikationsfigur. Damit ist er auch interessanter als die kugelrunde R2-D2-Kopie aus The Force Awakens. Umso übler nehme ich es den Filmemachern, dass sie K-2SO eben umgebracht haben, noch nicht einmal aus der Logik der Geschichte oder der Figur heraus, sondern, wie gesagt, den Zwängen eines Prequels folgend. Prequels sind ein Scheiss, will ich damit sagen.
     
  • Just als ich mir den Film im Kino angesehen habe, las ich in der Pause auf meinem Smartphone, dass Carrie Fisher gestorben ist. Wahrscheinlich war das nur ein Zufall, aber etwas unbehaglich ist mir jetzt schon. Jedenfalls kam mir danach das Ende besonders schräg rein (wo mithilfe von CGI eine junge Prinzessin Leia auftritt, gell. Wie gesagt, Spoiler und so).
     
  • Dass in Rogue One auch Tarkin auftaucht und dafür Peter Cushing mit CGI-Technik zu neuem Leben erweckt wurde (verstorben ist er schon 1994), wusste man ja. Das computergenerierte Gummigesicht fand ich keine Sekunde lang überzeugend, aber anscheinend ging das vielen Leuten anders. Für mich jedenfalls ist Zombie-Tarkin das perfekte Symbol für die Disney-Ära des Kriegs der Sterne: Es fühlt sich schon irgendwie nach dem Original an, aber im Grunde seines Herzens spürt man, dass da irgendwas nicht stimmt, dass wir da keinen lebendigen Film vor uns haben, sondern ein Frankenstein-Monster aus wiederverwerteten Teilen, gerade so zusammengehalten von Nostalgie. (Übrigens, Cushing hat seinerzeit in mehreren Filmen der Hammer-Studios Doktor Frankenstein verkörpert.)
     
  • Regisseur Gareth Edwards hat zuletzt Godzilla (2014) gemacht — und das merkt man, nämlich im Finale, wo sich Rebellen und Imperiale eine Schlacht liefern, wobei plötzlich einige AT-AT ins Geschehen eingreifen (das sind jene Roboter-Mammuts, die man aus The Empire Strikes Back kennt). Diese Riesenmaschinen aus dem Blickwinkel von Bodentruppen zu erleben, das ist schon gruselig. Ansonsten hat mir die ganze Inszenierung etwas zuviel Wackelkamera à la Saving Private Ryan (1998).
     
  • Wir haben Rogue One im Abaton gesehen, diesem Kitag-Multiplex am Escher-Wyss-Platz. Ich muss schon sagen, gerade die Kitag tut alles in ihrer Macht stehende, um einem den Kinobesuch zu vergällen. Bevor der Film anfing, gabs erst einmal eine halbe Stunde Werbung, wobei die Hälfte davon für Autos warb. (Ich glaube, es wurde auch ein einzelner Filmtrailer gezeigt, aber ich würde dafür nicht meine Hand ins Feuer legen.) Weiterhin unterschieden sich die Werbefilmchen der verschiedenen Automarken kaum voneinander — abgesehen davon, dass es sich grundsätzlich um immer dieselbe Edel-Ästhetik handelt, schauen die Marketingleute sich sogar spezifische Ideen voneinander ab: Gleich dreimal bestand der Bildeinfall darin, die Zeit rückwärts laufen zu lassen.
     
  • Merke zudem: Wenn man einen Staubsauger Männern verkaufen will, so muss man diesen ebenfalls in der Ästhetik einer Autowerbung darstellen — inklusive Nonsens-Technik-Geschwätz („Vortex-Technologie“).
     
  • Wer auch immer im Projektor-Raum des Kinosaals stand, brachte dann ein besonderes Kunststück fertig: Die Pause begann mitten in einem Satz — und nach der Pause ging der Film mitten im Satz weiter. Ich ziehe meinen Hut.
     
  • Ich hätte ja fast schon vorgeschlagen, Rogue One ins Houdini gucken zu gehen, aber dort bekommt man den Film nur in 3-D zu sehen — und dazu noch in einem anderen 3-D-System als bei der Kitag oder den Arena Cinemas. Alternative Kinos in allen Ehren, aber ich hab bereits eine Schublade voller 3-D-Brillen zuhause, verdammt nochmal!
     
  • Und zuletzt: Wenn der nächste Star-Wars-Film schon wieder von einem Todesstern (oder einer dem Todesstern ähnlichen Einrichtung) handelt, schreie ich! DENKT EUCH WAS NEUES AUS HIMMELHERRGOTTNOCHMAL!

 

Rogue One: A Star Wars Story
USA 2016, 133 Min.
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Chris Weitz, Tony Gilroy, John Knoll, Gary Whitta
Mit Felicity Jones, Diego Luna, Donnie Yen, Alan Tudyk, Forest Whitaker, Mads Mikkelsen, James Earl Jones et al.

 
Hier gibts die Kritik zum Film bei den Kollegen vom Buddelfisch.

ZFF 2016: Stille Reserven

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„Sie wissen, was mit Ihnen geschieht, Herr Kramer, wenn Sie verschuldet sterben? Sie werden künstlich am Leben erhalten und müssen Ihre Schulden abbezahlen.“
Im Wien der Zukunft ist nicht einmal das Sterben gratis. Wer seinen Tod nicht abgesichert hat, der wird als biologischer Computer verwertet, als Leihmutter oder Organbank.
Baumann (Clemens Schick) ist Angestellter eines mächtigen Konzerns, der seinen Kunden Todesversicherungen verkauft – das Recht, in Frieden zu Ruhen. Die Firma regiert mehr oder weniger das Land (ganz Europa?), einen Überwachungsstaat, wo jeder Bürger einen ID-Chip im Arm hat.
Auf der anderen Seite steht Lisa (Lena Lauzemis), Teil des Widerstands. Mit ihren Kumpanen kämpft sie für das „Recht auf Tod“.
Als Baumann einen Job vermasselt und degradiert wird, kriegt er von seiner Chefin die Chance, sich zu rehabilitieren: Er soll die Widerstandszelle auffliegen lassen, indem er sich an Lisa heranmacht.

Stille Reserven hat den Preis im deutschsprachigen Wettbewerb gewonnen, aber ich weiss wirklich nicht, wieso. Ich hab so den leisen Verdacht, dass die Jury schlicht aus lauter Leuten besteht, die wenig Ahnung vom Genrefilm haben (Bettina Reitz, Micha Lewinsky, Nathalie Borgers, Joel Basman, Devid Striesow).
Denn Stille Reserven bedient sich grosszügig und ausführlich in der Geschichte des Science-fiction-Films, bei 1984 und Gattaca, bei Blade Runner und Coma, bei THX 1138 und Equilibrium, bei Solaris und Matrix, ja sogar bei The Big Sleep und Batman Returns.
Was an sich nichts Schlimmes ist, denn ein Spiel mit Zitaten kann immer reizvoll sein – nur erinnert jedes Zitat bloss daran, wie unendlich viel besser das Original im Vergleich ist. Das österreichische Derivat zeigt eine graue, langweilige Welt, die grau und langweilig anzusehen ist, und er hat weder die Geschichte noch die Dialoge noch die Schauspieler, um das herauszureissen. Man hat alles schon gesehen, und man hat es besser gesehen. Am ehesten erinnert Stille Reserven an die Durchschnittlichkeit eines In Time, doch selbst jener Film hatte Justin Timberlake (den man als Schauspieler um Himmels Willen nicht unterschätzen sollte) und ein paar Schauwerte.

Stille Reserven ist filmgewordenes Porridge ohne Konfitüre, eine fade Suppe, ein Haufen von Science-Fiction-Klischees ohne Alleinstellungsmerkmal. Sich Stille Reserven anzusehen ist so, als wäre man bei lebendigem Leib tot.
 

Stille Reserven lief in der Kategorie Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich / Wettbewerb
Stille Reserven
Österreich/Deutschland/Schweiz 2016, 96 Min.
Regie & Drehbuch: Valentin Hitz
Mit Clemens Schick, Lena Lauzemis et al.

Valérian et Laureline, Teil 1: Apokalypsen und Uhren

Anfangs Januar gabs die Ankündigung, dass die Dreharbeiten zu Valerian and the City of a Thousand Planets begonnen hätten. Regisseur und Produzent Luc Besson (The Fifth Element, Lucy) höchstpersönlich verfilmt die legendäre französische Comicserie Valérian et Laureline. Just am Tag der Nachricht drückte mir ein Bekannter (hoi Albi!) ein paar Exemplare eben jener bandes dessinées in die Hand – dieser Zufall ist für mich Grund genug, um mich kritikermässig daran auszutoben.

 
Die Grundlagen

Schon seit 1967 läuft Valérian et Laureline und gehört damit zu den langläufigsten französischen Comicserien (2010 erschien theoretisch der Abschlussband, aber 2014 zum Beispiel gabs ein neues Album mit Kurzgeschichten).
Der Zeichner Jean-Claude Mézières und der Texter Pierre Christin, Freunde seit Kindertagen, haben sich damals die Science-Fiction-Abenteuer für die Zeitschrift Pilote ausgedacht (der Heimat von Asterix, Lucky Luke oder Isnogud); ab 1970 erschienen die Geschichten als Alben.
Valérian und Laureline (auf Deutsch Valerian und Veronique, weiss der Teufel wieso) sind zwei Agenten des Raum-Zeit-Service von der Erde der 28. Jahrhunderts. Im Auftrag der Hauptstadt Galaxity sind sie um die Sicherheit des irdischen Imperiums besorgt; hierzu reisen sie durchs halbe Universum und in verschiedene Epochen.

 
Die Stadt der tosenden Wasser/La Cité des eaux mouvantes (Bd. 1, 1970)

Galaxity ist die Hauptstadt des irdischen Sonnensystems. Seit der Erfindung der Reisen in die Rau-Zeit hat sich die Gesellschaftsstruktur grundlegend geändert. Die Zeit des Müssigganges hat begonnen. Nur die Agenten des Raum-Zeit-Service, für den Valerian und Veronique arbieten, haben ständig zu tun.

Tatsächlich lümmeln Valerian und Veronique (ich bleib mal bei den deutschen Namen) in der freien Natur herum und spielen 3-D-Schach, da werden sie auch schon ins Büro berufen: Ein gewisser Kombul sei geflohen. „Er hat eine Raum-Zeit-Maschine gestohlen und bewegt sich so frei in der ganzen Weltgeschichte“, erklärt der Chef. „Er kann unsere Vergangenheit ändern.“

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