Brecht und „Mackie Messer“ (2018)

Bertolt Brecht: Film, Theater und Publikum.

In Joachim A. Langs Film „Mackie Messer“ verschmelzen Brechts Person, sein Werk und seine Methoden auf eine Weise, die Brecht gerechter wird, als diesem vermutlich lieb wäre.

 

Zugegeben, diese Kritik kommt nicht gerade frisch daher — aber aus aktuellem Anlass (der Konverter führt diesen Donnerstag, 19.12. einen Vortrag zu Brecht durch, siehe unten) bietet es sich an, diesen verstaubten Text hervorzuholen.

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Oh My Sweet Land

Meistens schaut man sich ja was an und kommentiert dann das Gesehene. Man sitzt da in einer Reihe mit anderen Menschen und richtet die Aufmerksamkeit ganz auf das dort vorne. Solches nennt sich Kritik. Die ganze Auseinandersetzung findet im Inneren statt.

Im Rahmen des „Blickfelder“-Festivals wurde letzten Samstag „Oh My Sweet Land“ im Schiffbau gezeigt. Die deutsch-syrische Schauspielerin Corinne Jaber spielt eine deutsche Syrierin. Sie steht alleine auf der Bühne in einer Küche, bereitet Kubah vor, während sie von ihrem Geliebten Ashraf erzählt, der zuerst aus Syrien geflohen ist, dann aber wieder zurück ging. Kochend erzählt sie, wie sie ihm folgt, wie sie durch die Flüchtlingslager im Libanon und Jordanien nach ihm sucht. Dabei erzählt sie die Geschichten, die sie gehört hat; was sie erlebt hat. Die Zwiebeln brennen zwischendurch an, wie das halt passiert, wenn man Kriegsgeschichten erzählt. Es vergeht einem ja auch der Appetit.

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Gastbeitrag: „Die Engagierten Zuschauer“

[Es handelt sich hier um einen Gastbeitrag des Kritikerclubs, der ursprünglich hier zuerst veröffentlicht wurde; gleichzeitig ist das ein Veranstaltungshinweis für deren Abschlusspräsentation diesen Freitag, 27.5. ab 19 Uhr im Literaturhaus.]

I

Es gehört zu meinen Pflichten, Schönes zu vernichten als Musikkritiker, Sollt ich etwas Schönes finden, Muß ich’s unterbinden als Musikkritiker. Mich kann auch kein Künstler überlisten, Da ich ja nicht verstehe, was er tut.“

(Georg Kreisler, Der Musikkritiker)

 

Kreislers Abrechnung mit den Musikkritikern ist selbst eine Kritik. Er drischt zwar auf dem Vorurteil herum, aber es ist ergötzlich. Auch wenn sich die Kritik seit den 60ern gewandelt hat (und vor allem die Kritiker und Kritikerinnen: Es gibt überhaupt mehr von zweiteren und erstere sind nicht mehr so alt und arrogant wie sie früher waren), so lebt das Vorurteil weiter. Es soll jetzt nicht darum gehen, dieses Vorurteil zu bedienen, aber ich möchte es doch als äussersten Punkt nehmen, von dem ich beginne. Es soll darum gehen, wie das Verhältnis zwischen Kritik und Publikum auch beschaffen sein könnte.

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