New York #7: Grünzeug

Dieser Comic erschien zuerst beim Buddelfisch.

Meinen gesamten New-York-Reisebericht gibt es hier.

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New York #6: Zombies auf der Brooklyn Bridge

Eins vorweg: Wir schauten uns zwar das One World Trade Center an, das Empire State Building, das Chrysler Building, das Rockefeller Center und das Flatiron Building — aber wir gingen nirgendwo hinauf. 35 Dollar pro Person waren uns doch etwas zuviel für ein bisschen Aussicht. Wir sind geizig. Der Dachgarten des Metropolitan Museum reicht ja auch.
Fürderhin ersparten wir uns die Tour zur Freiheitsstatue, die nicht nur teuer ist, sondern auch ausschaut, als würde man Touristen auf Boote pferchen wie Rindviecher, die reif sind fürs Schlachthaus. Stattdessen fuhren wir mit der Staten Island Ferry, die Manhattan eben mit Staten Island verbindet. Denn: Die Fähre kommt der Freiheitsstatue nahe genug, dass man einen anständigen Blick auf sie werfen kann. (Ausserdem ist die Fähre gratis.)

Meist flanierten wir einfach durch die verschiedenen Stadtteile, gingen mit grossen Augen durch den Financial District, durchs Greenwich Village oder durch das (heutzutage durchzentrifizierte) Harlem.
Ganz spannend war die High Line. Das ist ein zwei Kilometer langes Überbleibsel einer einstigen Hochbahn, die zu einer Parkanlage umgebaut wurde.

An einem Vormittag überquerten wir zu Fuss die Brooklyn Bridge (das einzige Mal, dass wir Manhattan verliessen), wobei ich an Woodoo — Die Schreckensinsel der Zombies von 1979 denken musste. Der italienische Trashregisseur Lucio Fulci verpasste damals ein paar Statisten Zombie-Make-up und liess sie dann frühmorgens über den Fussgängerweg torkeln — das sollte im Film eine weltweite Apokalypse andeuten. Unterhalb der Statisten sieht man allerdings gemütlich Autos durchfahren. (Selbstverständlich hatte Fulci keine Erlaubnis irgendwelcher Art eingeholt, geschweige denn die Brücke sperren lassen.)
2014 war die Brooklyn Bridge in den Schlagzeilen, weil zwei Berliner Künstler über Nacht die US-Flaggen gegen weisse Fahnen ausgetauscht hatten. Über die Aktion machten die zwei anschliessend einen wunderbaren Kurzfilm, der die hysterischen Reaktionen der amerikanischen Öffentlichkeit dokumentiert: Symbolic Threats.

Im Financial District (Wall Street und so) schauten wir uns auch den Charging Bull an, die Statue eines wütenden Stiers. Der kam ja seinerseits vergangenen März in die Zeitungen, weil ihm Unbekannte die Statue eines mutigen kleinen Mädchens gegenübergestellt hatten — kurz vor dem Weltfrauentag. Wie man inzwischen weiss, war das weniger ein feministisches Statement, als der Werbegag einer Investmentfirma. Dennoch ein starkes Bild.
Wie dem auch sei: Vor Ort umschwärmten Horden von asiatischen Touristinnen den Stier — denn sie liessen sich mit seinem Hodensack in der Hand fotografieren.
Nachspiel: Zwei Wochen, nachdem wir wieder weg waren, wurden Stier und Mädchen um einen pissenden Hund erweitert. Die Leute haben zuviel Freizeit.

Was ich mir nicht nehmen lassen wollte: einen Besuch des Trump Towers. Von aussen ist das Gebäude halbwegs normal anzuschauen, von innen her aber genau so geschmacklos, wie man sich das vorstellt. Alles verkleidet mit rosa Marmor und Gold; in der Lobby rauscht ein Wasserfall. Es gibt eine Trump Bar, ein Trump Restaurant und einen Trump Souvenir Shop. Verblüffend, wie viel Ego ein einzelner Mensch haben kann.
Zum Vergleich: Nicht weit vom Trump Tower ist das Rockefeller Center. Nicht, dass sich Rockefeller (seinerzeit der reichste Mann der Welt) ein sonderlich bescheidenes Denkmal gesetzt hätte — aber er liess seinen Namen nicht auf jeder freien Oberfläche anbringen und die Architektur ist zwar arg monumental, aber halbwegs elegant.

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New York #5: Kulturprogramm

Unseren Besuch der Late Show with Stephen Colbert hab ich ja schon geschildert. Hier ist, was wir in Sachen Kultur sonst noch so unternommen haben.

 
Sleep No More

Das Highlight unseres Aufenthalts. Ursprünglich 2003 in London entwickelt, kam das Stück 2011 nach New York. Die Ausmasse sind beeindruckend: Mehrere Stockwerke des McKittrick Hotel wurden in eine Theaterlandschaft umgebaut. (Wir sind einfach nur fürs Stück hin, man kann aber auch im Hotel absteigen.)
Jedenfalls fängt man in der Hotelbar an, wo man eine Spielkarte in die Hand gedrückt bekommt. Die Leute mit derselben Karte werden dann irgendwann aufgerufen (wenn man also mit jemandem hingeht, besteht eine gute Chance, dass man getrennt wird) und erhalten jeweils eine Maske. Mit dieser auf dem Kopf wird man ins Treppenhaus und damit ins Stück entlassen.
1. Anmerkung am Rande: Man kann an der Bar Drinks bestellen, darf diese dann aber nicht mitnehmen. Wenn nun die eigene Spielkarte aufgerufen wird, man aber noch nicht ausgetrunken hat: Keine Panik. Man leere in aller Seelenruhe sein Glas — man kann immer noch mit der nächsten Gruppe mit. „Don’t rush a good thing“, wie mir der Gastgeber sagte.
2. Anmerkung am Rande: Mit Brille sind die Masken etwas unbequem. Im Zweifelsfalle Kontaktlinsen reinmechen.

Man kann sich auf den Stockwerken frei bewegen und die ausufernden Kulissen auf eigene Faust auskundschaften. Da findet man sich plötzlich in einem Friedhof wieder, in einem verlassenen Irrenhaus oder in einem einsamen Wald. Dabei läuft man immer mal wieder den Schauspielern über den Weg, denen man nach Belieben folgen und zuschauen kann. Ab und zu greifen sich die Figuren einen einzelnen Zuschauer heraus — der Typ im Süssigkeitenladen zum Beispiel gibt einem ein Bonbon. Hat man die Geduld, kann man sogar in herumliegenden Tagebüchern oder Akten den Hintergründen der Handlung nachgehen.
Am besten kann man Sleep No More wohl als Horrorgame in real bezeichnen.

Ich würde lügen, täte ich behaupten, ich hätte das Stück verstanden. Angeblich basiert es auf Macbeth, interpretiert durch die Linse von Hitchcock (inklusive Musik aus seinen Filmen). Kostüme und Kulissen haben also einen 40er/50er-Drall, erinnern aber auch englischen Gothic Horror. Die Figuren sprechen nur selten, drücken sich vor allem in (teils beängstigend artistischen) Choreographien aus — was zur surrealen, traumwandlerischen Atmosphäre von Sleep No More beiträgt. Mehr als einmal musste ich an David Lynchs Werk denken. Und ja, man findet in der Inszenierung ebenso Gewaltexzesse wie sexuelle Perversitäten. Nichts für Zartbesaitete.

Über das Stück gibt es übrigens auch einen Gag von Stand-up-Comedian Hannibal Buress.

 
„King Arthur: Legend of the Sword“ im Regal am Timesquare

Klar, es ist schon ein bisschen witzlos, in einem fremden Land ins Kino zu gehen, allzumal in einen solchen Film — King Arthur: Legend of the Sword hätten wir genau so gut in Zürich gucken können. Aber an jenem Abend waren wir zu müde für etwas Anderes und wenn man sich schon mal im Geburtsland der modernen Kinoevent-Anlage aufhält, kann man sich doch auch mal die amerikanische Multiplex-Erfahrung geben.

Nun, viel anders als im durchschnittlichen Schweizer Multiplex wars nicht. Bloss, dass in den USA freie Platzwahl herrscht und man sich nicht mit nervigen Untertiteln herumschlagen muss. Das mit der freien Platzwahl war in diesem Fall eh egal, weil der gigantische Kinosaal beinahe leer war — kein Schwein hat sich für KA: LotS interessiert, obwohl der Film just in dieser Woche neu gestartet war. Nicht, dass das schade wäre: KA:LotS ist geradezu schockierend scheisse.

Grob gesagt, hat Guy Ritchie (Snatch, Sherlock Holmes) versucht, eine Fantasystory frei nach der König-Arthur-Legende aufzumotzen, indem er sie erzählt wie seine Gangsterfilme — also mit vielen Regiesperenzchen (Zeitsprünge, Zeitraffer und so) und Figuren, die die ganze Zeit herumprollen wie irgendwelche Hooligans.
Geradeheraus erzählt wäre Kalots einfach ein banaler, konsequent unorigineller Fantasyfilm gewesen, wie sie seit dem ersten Lord of the Rings zu Abertausenden in die Videotheken gespült werden. (Der originellste Bildeinfall aus Kalots sind ein paar Kriegselefanten, die Ritchie natürlich aus The Return of the King geklaut hat.)
Ritchie versucht aber derart verzweifelt, cool zu erscheinen, dass ihm jegliches handwerkliches Können entgleitet — so beginnt Kalots mit einer ewig langen, zähen exposition dump, die jeglichen Enthusiasmus erstickt, den das Publikum allenfalls hätte haben können. Und Richie schafft es immer wieder, emotionale Momente derart auseinanderzureissen, dass ihnen jeglicher impact verloren geht.

Der absolute Tiefpunkt ist allerdings Jude Law als Bösewicht. Anscheinend völlig im Stich gelassen vom Regisseur, beschränkt sich seine Schauspielerleistung auf sinnloses Herumbrüllen. Meistens flucht er einfach wie ein cholerischer Vierjähriger, der gerade das Wort „fuck“ für sich entdeckt hat. Zum Fremdschämen.

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New York #4: Besuch bei Stephen Colbert

Late Shows sind ein Grundbaustein des amerikanischen Fernsehens. Hosts wie David Letterman, Jon Stewart oder John Oliver kennt man auf der ganzen Welt. Und selbst wenn man kein Englisch kann und einem US-TV am Arsch vorbei geht, ist einem das Konzept der Late-Night Talk Show hierzulande dank der Harald Schmidt Show oder, gottseibeiuns, Giacobbo/Müller bekannt.

Lettermans Late Show auf CBS war stets die coolere Alternative zur erfolgreicheren Tonight Show with Jay Leno auf NBC. Nachdem Letterman schliesslich in Pension ging, übernahm für ihn Stephen Colbert (vorher Host des Colbert Report, der Schwesternsendung zu Jon Stearts Daily Show) im September 2015. Derweil wurde bei der Tonight Show Jay Leno durch Jimmy Fallon abgelöst.
Zunächst sah es aus, als würde Fallon Colbert abhängen wie seinerzeit Leno Letterman, doch dann wurde Trump zum Präsident gewählt — und Colbert profilierte sich als scharfer Kritiker der grossen blonden Orange, so dass er inzwischen unumstritten auf dem ersten Platz hockt.

Soviel dazu, was The Late Show with Stephen Colbert überhaupt ist. Wir hatten jedenfalls das Glück, VIP-Tickets für eine der Sendungen zu kriegen (indem wir einen Mitarbeiter mit Schweizer Schokolade bestachen). So gehen wir gegen 14 Uhr (denn natürlich werden diese Sendungen nicht am Abend live übertragen, sondern vorher aufgezeichnet) zum Ed Sullivan Theatre, das ganz in der Nähe des Time Square liegt. Und wir sehen: Wer kein VIP-Ticket hat, muss stundenlang anstehen. Aber auch wir müssen ein wenig warten, bis wir in den Saal eingelassen wurden. Wenigstens wird man in der Schlange von TV-Bildschirmen und aufgestellten Angestellten bespasst.

Wenn dann mal alle drinnen sitzen, erklärt uns ein Produzent das ganze Vorgehen (wenn er zum Beispiel mit dem Zettel in seiner Hand winkt, sollen wir alle total ausflippen) und bringt uns ein Warm-Up-Comedian in die nötige Feierlaune. Die Live-Band stellt sich vor und spielt füs uns, anschliessend tritt Colbert selbst auf und plaudert ein wenig mit dem Publikum. (Wer kein VIP-Ticket hat, muss zwar lange warten, darf dafür aber im Parkett in Griffweite von Colbert sitzen.) Immer und immer wieder bläut man uns ein, dass wir möglichst viel und laut klatschen und lachen sollen. Als schliesslich die eigentliche Aufzeichnung beginnt, ist es halb vier.

Wir hatten einen guten Tag erwischt: Im Eingangs-Monolog schilderte Colbert, wie ihn Trump höchstpersönlich angegriffen hatte — und freute sich diebisch darüber, dass der Präsident der Vereinigten Staaten sich dazu hatte provozieren lassen, abfällig über ihn (also Colbert) zu sprechen.

Die Show wird speditiv runtergekurbelt. Wo später in der Ausstrahlung die Werbeblöcke kommen, gibts während der Aufzeichnung eine Pause, in der die Band für uns spielt. Inzwischen bereitet Colbert mit den Produzenten und Assistenten das nächste Segment vor. Ab und zu gibts einen zweiten Take, wenn unser Host sich zum Beispiel bei einer Ansage verspricht, und es wird am Ende nicht das gesamte Material verwertet, aber insgesamt dauert das Aufnehmen nicht viel länger als die fertige Sendung.

Abschluss ist ein kurzer Stand-up-Auftritt des muslimischen Komikers Ramy Youssef — ebenso tiefsinnig wie lustig, eine echte Entdeckung.

Als brüllendes Klatschvieh zu dienen, wird mit der Zeit ganz schön anstrengend. Am Ende hatten wir wunde Hände und heisere Stimmen und wurden wieder in die freie Natur entlassen.

New York #3: Fressen und saufen

New York ist bekannt für Hot Dogs und Pizza. Zumindest ist dies das Bild in meinem Kopf.
(Ich kann mich gut an eine Sendung der Daily Show erinnern, in der sich Jon Stewart über die Pizza von Chicago lustig machte und stattdessen die Pizza von New York als die beste der Welt pries.)
Beides hab ich probiert, und von beidem war ich nicht sonderlich begeistert. New Yorker Junkfood ist mehr Junk als Food.

Dass die Hot Dogs von den Strassenständen nicht sonderlich geil sind, geschenkt. Wir googelten dann halt nach dem „best hot dog in new york“ und wurden an die Takeaway-Kette Papaya King verwiesen. Wir versuchten es bei der Filiale in Yorkville (Upper East Side). Nun verstehe ich unter einem guten Hot Dog was mit Parisette (für Nichtschweizer: Baguette) oder gar die Laugenbrötchen-Dinger vom Brezelkönig. Beim Papaya King bekommt man jedoch dieselben Billig-Brötchen aus Schaumstoff wie auf der Strasse. Ich hab mir einen Hot Dog mit Käsesauce geholt; die hat mit Käse wenig zu tun, dafür viel mit Chemie. Eklig.
Zum Dessert probierten wir einen fritierten Twinkie. Die vom Papaya King nehmen also so einen Twinkie, stecken den auf ein Holzstäbchen, umhüllen ihn mit Vanillesauce und Bierteig und stecken das Ding in die Fritöse. Danach kippen sie ein halbes Kilo Puderzucker drüber. Geil ist das schon, so für die Geschmacksnerven, aber der innere Gourmet guckt einem dabei böse an.
Der Papaya King ist darüber hinaus für seine Milchshakes bekannt. Wir nahmen den mit Papaya-Geschmack, aber der Shake schmeckte noch übler nach Chemie als die Käsesauce.
Wer übrigens in Zürich einen anständigen Hot Dog will, der ist am besten bedient mit dem „Heisse Hund“ aus dem Kino Stüssihof.

Pizza holten wir von einem Takeaway-Schuppen gleich um die Ecke unserer Unterkunft. Little Italy nannte sich das Ding („Open 24 hrs“), hat aber anscheinend nichts mit der berühmten Little Italy Pizza zu tun. Es gab haufenweise Topping-Varianten in grosszügigen Mengen, die durchaus schmeckten — aber die Pizzen troffen derart vor Fett und Öl, dass sie mir den ganzen Tag wie Ziegelsteine im Magen lagen. Von der knackig-leichten Art einer anständigen italienischen Pizza keine Spur. Jon Stewart kann mich mal am Arsch lecken.

Mit dem Kaffee siehts ähnlich aus wie in London — der Espresso ist mir eine Idee zu konzentriert gebrüht, dafür ist der komune Filterkaffee arg schwächlich. Am meisten Glück hatte ich jeweils mit dem Americano (den es allerdings micht überall gibt). Auch hier liegt mir die italienische Tradition näher als die angelsächsische.
Immer wieder ein Ärgernis: Selbst wenn man einen „small“ bestellt, kriegt man einen Riesenbehälter. Da hab ich Buden mit Selbstbedienung zu schätzen gelernt, wo ich meinen Becher auch nur bis zur Hälfte auffüllen konnte.

Freilich war nicht alles schlecht. Highlight: Die Sake Bar Hagi. Die liegt in der Nähe des Time Square, man läuft aber glatt dran vorbei, wenn man nicht auf den Kellerzugang achtet. Unten gibts keine Fenster, dafür beengte Verhältnisse, Lärm und Chaos, ganz so, wie man sich eine asiatische Rumpel-Knelle vorstellt. An schlacksige Langnasen wie mich hat da keiner gedacht.
Der Sake war fantastisch (soweit ich das als Sake-Total-Amateur einschätzen kann), dazu gabs Sushi und sonstige asiatische Spezialitäten, die uns einen Geschmackrezeptoren-Orgasmus verschafften, wie es der frittierte Twinkie niemals gekonnt hätte.

Zudem auch sehr grossartig: Gazala’s Place. Das ist ein winziger libanesischer Laden mit den entsprechenden Spezialitäten. Charmant eingerichtet, das Essen der Hammer. Eine Entdeckung ist zudem das hauseigene Tamarindengetränk.

 
Weitere Etablissements, die man gern mal ausprobieren kann:

Leo’s Beagles: „Full uncut beagles“ unter „rabbinical observation“. Liegt mitten im Financial District. Unbedingt den Hummus probieren.

Friedman’s: Wir waren am Standort im Hell’s Kitchen, in der Nähe der Haltestelle Hudson Yards. Tolle Sandwiches. Wenn es vor der Toilette eine Schlange hat: Die Treppe runter schleichen, dort gibt es ein zweites Klo.

Alice’s Tea Cup — Chapter II: Der Name lässts vermuten: Teil einer Kette von Alice-in-Wonderland-Themen-Bistros, wo man Tee kriegt. Dazu gibts auch Scones (nicht so gut wie die besten in London, aber fast) und Sandwiches — sehr geil war das Sandwich mit Pumpernickel und Schimmelkäse.

Xi’an Famous Foods: XFF ist eine Kette von chinesischen Fast-Food-Restaurants (wir waren in dem an der Upper East Side). Die haben breite, selbstgemachte Nudeln, wie man sie so sonst im Westen aus der chinesischen Küche nicht kennt. Fast-Food vom allertollsten.

Lalito: Aussen siehts völlig heruntergekommen aus, innen ist elegant eingerichtet. Das Lalito serviert modern interpretierte mexikanische Küche. Wer allerdings Koriander nicht mag, hat hier ein Problem.

Whiskey Tavern: Nahe vom Lalito gelegen. Ein Pub, in dem ich mich ziemlich zuhause fühlte — und die Whiskey-Auswahl ist schon geil. Für den Anfang halte man sich an das Monats-Special (blöderweise hab ich mir nicht aufgeschrieben, was für einen Whiskey ich da hatte).

The Edge Harlem: Etwas hipsterig, aber toll zum Brunchen. Wenn man eine Waffel oder Pancakes bestellt: Unter allen Umständen nach einer Extraportion der Rum-Spiced Whipped Cream fragen (und dafür ein grosszügiges Trinkgeld geben). Eine bessere Schlagsahne gibts auf der ganzen Welt nicht.
Bonus: Der Laden hatte die sauberste Toilette, die wir in New York erlebten.

The Fat Cat: Zugegeben, ich weiss nicht einmal mehr, was ich da getrunken habe, aber die Bar ist trotzdem toll. Ihr Konzept besteht darin, Jazz mit Spielen aller Art zu verbinden. Wir haben dort also einen Abend lang Livemusik gehört und dazu Scrabble gespielt.

 
Zwei, drei allgemeine Hinweise zum Schluss:
– In den New Yorker Restaurants hat man es zum grössten Teil mit engen Unisextoiletten zu tun, von denen man nicht allzu viel Sauberkeit erwarten sollte.
– Achtung: Die Essenspreise mögen nicht allzu hoch erscheinen, aber man muss stets 20% Trinkgeld hinzurechnen.
– Wenn man sich an den Tisch setzt, kriegt man erst einmal (gratis) Leitungswasser (an den besseren Orten ists Mineralwasser).
– Im Vergleich zu London kommt man in New York meist auch dann gut rein, wenn man nicht reserviert.

New York #2: Wilder wohnen

Als verwöhnter Schweizer wundere ich mich teils über die Verhältnisse in New York, eigentlich doch ein Finanzzentrum der westlichen Welt. Über die schütteren Strassen habe ich mich bereits ausgelassen; hinzu kommt die nicht viel gesündere Subway (immerhin, es gibt ein paar Prestige-Stationen, die in Schuss gehalten werden, und die New Yorker Subway ist nicht so übel feuchtwarm wie die Londoner Tube).

Oder man nehme unsere Wohnung: Wie unser Gastgeber sagt, wurde das Gebäude 1989 erbaut (ein Backsteinklotz mit fünf oder sechs Stockwerken), es macht jedoch eher den Eindruck, es sei in den 30ern hochgestampft und irgendwann innenrum notdürftig renoviert worden. Wo man im Erdgeschoss den Knopf drückt, damit der Fahrstuhl kommt, sitzt die Wandplatte locker. Tritt man auf unserem Stockwerk in den Flur hinaus und sucht den Weg zur richtigen Tür, kommt man an einer Nische mit Waschmaschinen und Trockner vorbei, die dem Anschein nach provisorisch hingestellt und verschaltet wurden. Ich bin mir fast sicher, die Nische wurde nachträglich in die Wand gerissen.
Die Böden in der Wohnung: unebener Spannteppich, der stellenweise Wellen wirft oder sich an den Rändern aufrollt und bei jedem Schritt knarzt. Auch beim Waschbecken. Die Dusche/WC-Kammer ist so eng bemessen, dass ich die Stirn gegen die Tür lehnen kann, während ich auf dem Klo sitze.
Der Wasserdruck des Duschhahns bleibt sich immer gleich schwach; mit dem Auf- und Zudrehen reguliert man lediglich die Temparatur — je weiter man aufdreht, desto kälter. Sehr intuitiv ist das nicht, und weil dazu jede Änderung der Temparatur eine Ewigkeit dauert, habe ich beschämend lange gebraucht, bis ich das System durchschaut habe.
Die Toiletten in den USA sind im Ruhezustand anscheinend bis zur Hälfte mit Wasser gefüllt, das ist hier normal. Habe ich mich auch erst dran gewöhnen müssen.
Das Badezimmer ist ziemlich verschimmelt, was zum einen mit der schlechten Lüftung, zum anderen aber mit unserem verhängten Gastgeber zu tun hat. Zu ihm später mehr.

Die Tür zu unserem Zimmer hängt schräg in der Angel und lässt sich von aussen nicht mehr abschliessen. New Yorker Betten sind eher hoch gebaut (wie halt auch die Häuser, hahaha), mit hohem Gestell, hohen Matratzen und voluminösem Kopfteil. Wenn man schon aus einem Bett fällt, dann richtig.
Der Lärm von Baustellen (auf dem Nachbargrundstück wird grad ein neues Haus errichtet), hupenden Autos, Verkehrsrauschen und Sirenen (gleich um die Ecke liegt ein Spital), der rund um die Uhr lärmig lärmt, fördert keinen Tiefschlaf. So ist das halt mitten im Finanzdistrikt; für die zentrale Lage haben wir auf Nachtruhe verzichtet. (Es gibt sicher gut isolierte Gebäude in der Gegend; unsere Bude gehört nicht dazu.)

Die Wohnung ist zweistöckig, wobei das ursprünglich mal zwei übereinanderliegende Wohnungen waren. Den Boden des oberen Wohnzimmer hat man herausgerissen und nur eine Galerie übrig gelassen, die man über eine abenteuerlich steile Treppe erreicht. Da oben gibts ein Bad und zwei Schlafzimmer; im hinteren wohnen wir. Die Koffer da hoch zu kriegen, ist nicht ganz einfach.

Lustig ists, wenn wir spätnachts aus der Stadt zurückkommen, denn auf der Strasse bei unserem Block wuselt es vor lauter Ratten. Dicke, freche Viecher sind das, die einem nicht so ohne weiteres aus dem Weg gehen. Keine Frage, wem die Stadt tatsächlich gehört.
Die New Yorker stellen ihren Müll ja einfach in Plasticksäcken auf die Strasse. Da liegt also so ein Haufen von Müllsäcken auf dem Trottoir, in dem es raschelt und quiekt, als fresse sich da eine ganze Kolonie den Bauch voll.
Und aus dem Fahrstuhl kommt uns eine grosse Kakerlake entgegen. New York!

Die schönste Zugabe ist aber unser Gastgeber. Ein ziemlicher Hippie, wenn man ihn sich so anschaut, mit langen Haaren und Blumenhemd (meistens läuft er oben ohne rum, damit man sein Tattoo sieht). Allerdings arbeitet er als eine Art Kredithai. Er ist die ganze Zeit mit Gras am vapen, seine Freunde ebenso, dementsprechend riecht die Wohnung. Dann pfeift er sich wieder Koks rein, in einer urgemütlichen Selbstverständlichkeit, so richtig klassisch: Mit der Kreditkarte Lines zurechtrücken und mit der aufgerollten Dollernote hochziehen. Hab ich bisher tatsächlich nur aus dem Fernsehen gekannt. New York!

New York #1: Fliegen und Türme

Fliegen ist toll: Das Achterbahngefühl bei Start und Landung, oder wenn das Flugzeug eine enge Kurve nimmt. Der Blick auf die Welt dort unten.

Und man kann Filme gucken, „Manchester by the Sea“ zum Beispiel. Casey Affleck hat seinen Oscar wohl wirklich verdient, auch sonst kommt die Schauspielerei hin — die Figuren wirken real, obschon der Film einen Hang zum Komödiantischen hat (da tritt Matthew Broderick als strenggläubiger Christ auf). Gerade das gefällt mir, diese Mischung aus Drama und Komödie. Regisseur/Drehbuchautor Kenneth Lonergan liebt das Lächerliche im Tragischen.
Da verliert eine Frau ihre Kinder bei einem Brand und wir sehen, wie die Sanitäter Probleme damit haben, die Liege mit ebenjener Frau in den Krankenwagen zu kriegen; die Stelzen wollen einfach nicht einrasten. Fast wie bei Charlie Chaplin. Weil das im echten Leben auch so ist, trifft es ins Herz.
Allerdings, die Filmmusik ist etwas gar dick aufgetragen und überbetont das Drama. Und die Sache mit dem Winter einerseits und der Gefühlskälte des Protagonisten andererseits — nur bedingt subtil.

Halbwegs warm war es aber in New York, als wir dort ankamen. Wärmer sicher als in Zürich, wo der verregnete April sich noch in den Mai hineingeschleppt hatte.
Wir hatten über Airbnb ein WG-Zimmer unweit des World Trade Center gefunden. Die erste Sightseeing-Station war also das 9/11-Memorial. Wo einst die beiden Türme standen, sind jetzt zwei gewaltige Brunnen mit quadratischem Grundriss, in die von den Seiten hinein Wasser in den Abgrund fliesst. (Anscheinend sind das die grössten menschgemachten Wasserfälle der USA.) Ein starkes Bild. An den Rändern sind die Namen der Opfer in die Brüstung eingelassen.

Von unserer Wohnung aus müssen wir auch nur auf die Strasse treten, um einen Blick auf One World Trade Center zu werfen, den sogenannten Freedom Tower. 514 Meter hoch ist das Ding; der grösste Wolkenkratzer der westlichen Welt. (Wieso 514 Meter? Weil das 1776 Fuss entspricht — und 1776 war das Jahr, in dem die Gründerväter der USA die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben.)
Mit den Wolkenkratzern habens die New Yorker. Als Tourist legt man oft den Kopf in den Nacken. Dafür sind die Strassen in einem eher schütteren Zustand (zumindest wenn man sie mit jenen aus Zürich vergleicht), gerade auch im milliardenschweren Finanzdistrikt.