Die Rache des Spotttölpels

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Die grosse Überraschung des Kinojahres 2014 war für mich The Hunger Games: Mockingjay — Part 1 (ein Titel, der von der Zunge rollt wie eine Bowlingkugel). Teil eins und zwei der Hunger-Games-Saga hatten mich noch weitgehend kalt gelassen – nette Unterhaltung, aber nichts, was man im Gedächtnis behalten müsste. Die Filmemacher konnten dankbar dafür sein, dass der Herrgott ihnen Jennifer Lawrence geschickt hatte.

 
Redundante Introspektion

Auch die Buchvorlage von Suzanne Collins hatte mich nicht übermässig begeistert. Der erste Roman war wenigstens noch auf die Handlung konzentriert und bündig erzählt, während sich Collins beim zweiten plötzlich eine Todsünde der Trivialliteraten angewöhnt hatte, nämlich etwas, das ich als Redundante Introspektion bezeichne. (Achtung, Abschweifung voraus!) RI liegt vor, wenn eine Erzählinstanz in ausführlichem Masse die Gedanken der Hauptfigur wiedergibt, diese Gedanken aber in erster Linie darin bestehen, die Handlung wiederzukäuen und/oder die Gefühle besagter Hauptfigur im Bezug auf die Handlung hin und her zu wälzen. Knackpunkt daran ist, dass die/der jeweilige Autor/in nicht genügend Talent hat, um diese innere Reflexion auf interessante Art und Weise zu gestalten und stattdessen seitenweise mit banalem Geschwätz nervt. Am Ende guckt dabei nichts heraus, das sich die Leserschaft nicht von selbst hätte denken können.

Wolfgang Hohlbein ist ein Spezialist dafür und der erste, bei dem mir das negativ aufgefallen ist. Ein positives Gegenbeispiel wäre Patricia Highsmith: Ihr Mr. Ripley tendiert in seinen Geschichten ebenfalls dazu, viel nachzudenken, aber seine Gedanken sind erstens interessant und dienen zweitens der Charakterbildung oder der Handlungsentwicklung, statt Bekanntes zu Wiederholen. (Ende der Abschweifung.)

Jedenfalls nahm ich mir die Freiheit heraus, die Lektüre des zweiten Romans nach der Hälfte abzubrechen – das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher. Filme stehlen weniger Zeit.

 
Falsche Häme

Als angekündigt wurde, dass der letzte Teil der Roman-Trilogie auf zwei Kinofilme aufgeteilt werden würde, waren die hämischen Kommentare nicht weit – ähnlich wie bei Harry Potter oder Twilight mockierte man sich darüber, dass die Division allein finanzielle Gründe habe. Irgendwie müsse man den Teenagermädels ja das Geld aus der Handtasche ziehen.

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