Hund frisst Katze: Space Dogs vs. Stray

Space Dogs ist ein drastischer Film. Die Doku folgt einigen Strassenhunden in Moskau, schildert deren Alltag. Es ist kein schöner Alltag: Die Tiere durchwühlen Mülltonnen, werden von Hundefängern verfolgt. Einmal fressen ein paar Welpen vergiftete Köder und verenden daran. Ein andermal jagen zwei der Hunde eine Katze und erlegen sie. Die Kamera hält beim Todeskampf drauf.
Ich sah den Film in der Pressevorführung in Locarno; bei dieser Szene verliessen reihenweise Kolleginnen und Kollegen den Saal.

Dazwischen Archivaufnahmen aus der russischen Weltraumforschung. Moskauer Strassenköter wurden in den Fünfzigern eingefangen, operiert und in Raketen gesetzt. Laika erlangte Berühmtheit als das erste Lebewesen, das Menschen ins All schossen. Dort im All starb sie dann auch.

Stray ist ein nicht ganz so drastischer Film. Die Doku folgt einigen Strassenhunden in Istanbul, schildert deren Alltag. Einmal stossen zwei der Hunde auf eine Katze und jagen sie. Sie entkommt auf einen Baum. Auch wenn die Begegnung harmlos ausgeht: Mit der Erinnerung an Space Dogs im Hinterkopf musste ich schlucken.

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Wilder Elefant

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Eine Kritik über eine Film zu schreiben, den man nicht mochte ist viel einfacher, als wie eine zu zum Beispiel „Wilde Maus“. Dies ist der neue Film von und mit Josef Hader. Die Kritik an dem Film wird also viel langweiliger als der Film selbst, denn dieser ist durchweg gelungen. Besonders zu erwähnen ist das fast perfekte Drehbuch in welchem vom Rhythmus bis zu den Dialogen einfach alles passt. Auch die Vielseitigkeit der Charaktere kann hervorgehoben werden. Gutes Handwerk, ja fast perfektes Handwerk und wenn man denn etwas kritisieren will, so wäre es, dass es fast ein Streberwerk ist und ihm dadurch etwas an Charme fehlt den auch ein Hader mit seiner ewigen Tollpatschigkeit in Understatement nicht ausgleichen kann. So jetzt ist der Abschnitt dieser Kritik schon mal geschafft. Wie ich das hasse, wenn man den Texten ansieht, dass der Autor zwar zum Thema schreiben möchte, aber eigentlich nichts zu sagen hat dazu. Und davon  gibt es in dieser Zeit wo jeder irgendwas mit Kunst machen will ja soviel wie Sand am Meer. Völlig unpassende Metapher jetzt Sand am Meer. „Wilde Maus“ spielt in Wien.

Der Film ist ein spannendes Abbild unserer Zeit und behandelt eine paar Grundkonflikte dieser, aber auch der menschlichen Existenz auf sehr unterhaltsame Weise und in einem gemeinsamen authentischen Kontext. (Naja die langen Sätze machen es jetzt auch nicht besser.) Es gelingt dem Film dabei berührend, tragisch und sehr lustig gleichzeitig zu sein. (Wieder ein Satz der mehr aussagen würde, wenn er nicht dastünde.) Mich würde sehr interessieren, wie der Film in 10 Jahren auf mich wirkt. Ob es die Aktualität ist, welche mich so flashte, oder doch eher die sehr gut gemachte Geschichte. (Ok, das stimmt, das geht so.) Es kann also doch gelingen sehr viele Themen anzusprechen, ohne dabei zu verallgemeinernd  zu werden oder auf das, vor kurzem hier kritisierte, Kalenderspruch-Niveau, zu fallen. Und falls dies trotzdem passiert, liegt auch die richtige Antwort im Dialog parat: „Halt die Pappen!“ (Bald…)

Hm… echt so voll gähn diese Kritik, ob da überhaupt jemand bis hier hin gelesen hat? Was soll man auch sagen zu einem Film, über den man nichts verraten will, weil wäre schade drum, den man aber empfehlen möchte. Hm… ein Hund war im Kino. Er war den ganzen Film über ruhig, hat aber beim Hinausgehen die Leute angebellt. Im Film selber kommt kein Hund vor, dafür ein Musikkritiker, eine Psychotherapeutin, ein politisch super korrekter Schwuler, ein schleimiger Chef, eine Rumänin, die gut Italienisch spricht, ein schlecht ausgebildeter Handwerker, ein freundlich pragmatischer Kredithai und ein sehr netter Waffenverkäufer. Und natürlich Bilderbuch. Diese tolle österreichische Popband, über die Hader sagte, er hätte eigentlich nur super nervige junge Musik im Film haben wollen, die ein studentischer Nachbar der Hauptfigur viel zu laut höre, sei aber auf der Suche nach dem nervigsten Song von Bilderbuch dummerweise ein Fan geworden, weil diese, wie Beethoven der in dem Film auch oft vorkommt, Typen seien, „die sich nichts scheissen“. Na dann… ich scheiss mi jetzt au goar nix und veröffentliche diese dürftige Kritik zu einem durchweg tollen Kinoerlebnis.

Wilde Maus
Österreich 2017, 103 Min
Regie & Drehbuch: Josef Hader
Mit Josef Hader, Pia Hierzegger, Georg Freiderich, Jörg Hartmann u. a.

Hier gehts zu Gregors Kontra zum Film.