Attack of the Weekly Links: Spiel, Dunkelheit und Humor

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Comic-Collab: Ich habe einen Comic zum Thema „Spiel“ gezeichnet.

Die Dunkelheit dahinter: Kollege Albrecht hat drüben bei der Gruppe Konverter einen tollen Kurztext veröffentlicht.

Humorkritik: Hier gibts die Titanic-Humorkritik im November. Unter anderem gehts um Woody Allens neuen Film und um Wittgensteins Humor.

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Attack of the Weekly Links: Godzilla vs. Stuthe

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In mehr oder weniger regelmässigen Abständen (idealerweise jeden Sonntag) gibts hier Links zu neuem Zeug von den Kulturmutant-Leuten, Fundstücke aus dem Internet, Veranstaltungshinweise und allerlei sonstigen Quatsch, der nicht unbedingt einen eigenen Beitrag benötigt. Los gehts!

Zurich Film Festival: Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, ist am Sonntag das diesjährige ZFF zuende gegangen (sag bloss). Wir waren aber nicht die einzigen, die darüber berichtet haben: Hier gibts den Blog von Denise Bucher fürs „Frame“. Sympathischerweise konnte sie mit Stille Reserven ebenso wenig anfangen wie wir: „Statt uns vor den Kopf zu stossen, wird in «Stille Reserven» alles auserzählt und das auch noch sehr gemächlich. Es fehlt in vielerlei Hinsicht an Aggressivität.“
Übers Festival haben auch unsere Kollegen von Tsüri geschrieben: Macbeth, die Geschichte einer gefangenen Frau und Hugh Grant und sein neuer Film.

Apropos Tsüri: Guter Journalismus braucht Geld!

StuThe: „Eine Odyssee“: Eine Million Jahr vor unserer Zeit war ich ja Gründungsmitglied vom Studenten Theater Zürich – dass es wunderbar auch ohne mich auskommt, beweist eine neue Produktion. Die theaterphilen Studierenden bringen Ad de Bonts Eine Odyssee auf die Bühne, eine Homer-Adaption mit komödiantischen Untertönen.
Ab Freitag, dem 14. Oktober im Theatersaal Irchel.

Monster Madness X: Jeden Oktober (dem Monat von Halloween) stellt James Rolfe (besser bekannt als The Angry Video Game Nerd) einen Haufen Horrorfilme vor, jeden Tag mindestens einen. Hier gehts zur zehnten Ausgabe. Leider wird das auch die letzte sein.

Godzilla: Dieser Tage läuft in den USA ein neuer Godzilla-Film an: Shin Godzilla (aka Godzilla Resurgence). Hier gibts den Trailer. Nach dem durchwachsenen Erfolg der US-Version von 2014 sind die Japaner wieder selbst angetreten, um ihrem grössten Star die Ehre zu erweisen (erstmals seit Godzilla: Final Wars im Jahre 2004). Regie führen Hideaki Anno und Shinji Higuchi. Letzterer hat die Spezialeffekte für die exzellente Gamera-Trilogie der Neunzigerjahre gemacht, kennt sich mit Riesenmonstern also aus. Anno hingegen dürfte jedem Anime-Fan ein Begriff sein, ist er doch Erfinder der legenderen Anime-Serie Neon Genesis Evangelion.
Dass der Film auch hierzulande ins Kino kommt, kann man vergessen, aber ich bin schon sehr begierig darauf, die DVD in den Händen zu halten.

Lazy arthouse filmmakers: Ich habe The Greasy Stranger noch nicht gesehen (je nachdem, wen man fragt, ist der Film entweder supertoll oder allerletzte Kacke). Aber Regisseur Jim Hosking hat für The Talkhouse einen Artikel übers Filmemachen geschrieben, der auch mir (zumindest teilweise) aus der Seele spricht:

I realized that a good film can be any kind of film, as long as it is a pure expression of something genuine. It needs to have some sincerity. Also, it’s bloody hard to make something fun, funny, imaginative and visually transgressive. It’s arguably less hard to make something with topical, socially important subject matter that carries a lot of emotional weight by association. Yes, I’m talking to you, you lazy, predictable arthouse filmmakers.

Das ist etwas, das mir auch am letzten ZFF aufgefallen ist: Die allermeisten Kunstfilme sind nicht weniger schlimme Fliessbandprodukte als das Zeug aus Hollywood. Man nehme ein sozialrelevantes Thema und eine quasi-dokumentarische Kameraführung, fertig ist die neue Dutzendware fürs Arthouse-Kino. Dabei kommt sowas wie Peripherie heraus – stattdessen braucht die Welt viel mehr Filme wie Zoology.

Gruppe Konverter: Auf unserem Schwesternblog feiert man den Oktober (mit Socken), gehts um Bildschirme auf Urinalen und macht man sich Gedanken über den Fortschritt der Technik im Kapitalismus.

Humorkritik: Immer, aber auch wirklich immer die Lektüre wert: Die Humorkritik in der Titanic.

Der Ritter im Baum

Auf nichts warte ich sehnlicher jeden Monat, als auf die Humorkritik des „endgültigen Satiremagazins“ Titanic. Was habe ich mir nicht alles schon angesehen/gekauft/eingeführt, nur weil Hans Mentz es mir empfohlen hat!

So auch Horst Brunners Von achtzehn Wachteln und dem Finkenritter — Deutsche Unsinnsdichtung des Mittelalters. Ich habe sowohl eine Schwäche für lustigen Quatsch als auch eine für mittelalterliche Literatur (letzteres nicht zuletzt studiumsbedingt), also habe ich mir das nette kleine Reclam-Büchlein bestellt und mich durch die Sammlung altertümlicher Lügendichtung gelesen.

Im Urteil bin ich weniger hart als Mentz, denn seien wir ehrlich: Wenn wir uns nur schon durch unseren Facebook-Feed klicken und uns ein paar der kursierenden Memes angucken, erscheint es uns doch recht arrogant, gegenüber den mittelalterlichen Humoristen den Snob raushängen zu lassen.
Zudem: Wenn die Lektüre der Kompilation etwas anstrengend ist, hat das weniger mit den simplen Strickmustern der Lügendichtung zu tun, sondern mehr damit, dass die verschiedenen (meist anonymen Autoren) sehr oft direkt aufeinander aufbauen (wie es seinerzeit üblich war), so dass einem dieselben Ulke gleich mehrfach begegnen. „Der Hase fesselt den Löwen“: Das ist beim fünften Mal zwangsläufig nicht mehr ganz so witzig.

Mentz hat aber unbedingt recht damit, dass „Der Finkenritter“ (anonymer Dichter, um 1560) die beste Story des Büchleins ist, und wer sich nicht allzu tiefgehend mit vormodernem Humor auseinandersetzen, aber trotzdem mal reingucken will, tut gut daran, sich auf diese zu beschränken (übrigens, auch der Ritter schöpft ausgiebig aus früheren Geschichten). Wobei ich dem halbwegs interessierten Leser zumindest noch „Die Geschichte des Backofens“ und Hans Sachs‘ „Das Schlauraffenland“ empfehlen möchte.

Nun aber ein kurzer Ausschnitt aus „Der Finkenritter“:

da fande ich einen vbergrossen / dicken / geschmeidigen/ kleinen Eychbaum / darein was ein Ymme geflogen / ich gedacht / da würde ich honig finden / vnnd schloffe zuo dem selbigen loch hinein inn den baum / die Ymmen erschracken flogen herauß / vnd hatten mir die Augen zerstochen / das mir mein hinder gesicht so gar krumb ist worden / als ein sichel / Wie ich aber gleich wieder herauß wolt / vnd jhnen entlauffen / da was mir das loch vil zuo klein worden / kundte nicht auß dem Baum mehr kommen / ich war zornig / lieff bald heym / vnd holt ein axt / vnd hüwe den Baum ab / vnnd schloff also durch die Wurztel heraus

Hier Brunners Übersetzung derselben Stelle:

Da fand ich einen riesigen, dicken, biegsamen, kleinen Eichbaum. Da hinein war eine Biene geflogen. Ich dachte, ich würde da Honig finden und schlüpfte durch dasselbe Loch hinein in den Baum. Die Bienen erschraken, flogen heraus und hatten mir die Augen zerstochen, dass meine Hinternansicht so krumm wurde wie eine Sichel. Wie ich aber umgehend wieder heraus wollte, um vor ihnen davonzulaufen, da war das Loch für mich viel zu klein geworden, ich konnte nicht mehr aus dem Baum hinauskommen. Ich war zornig, lief rasch heim, holte eine Axt, fällte den Baum und schlüpfte durch die Wurzel heraus.

 
Das Buch auf der Reclam-Seite