Mit Rutger Hauer in der Filmkammer des Schreckens

Matthias und Sebastian von Megalife Radio Podcasts haben mich wieder in die Filmkammer des Schreckens gezerrt, wo wir uns über The Mill and the Cross (2011) unterhalten haben.
Das ist ein Film des polnischen Regisseurs Lech Majewski, ein Essayfilm über das Gemälde Die Kreuztragung Christi. Dessen Maler, Pieter Bruegel der Ältere, wird von Rutger Hauer gespielt – was für sich allein schon ein Grund ist, um sich mit dem Werk auseinanderzusetzen.

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African Mirror

Aus dem Nachlass des Berner Afrika-Experten René Gardi (1909–2000) sowie aus Archivmaterial, Tagebucheinträgen, Zeitungsartikeln, Tonaufnahmen etc. hat Mischa Hedinger diesen Dokumentarfilm montiert.

Der unzivilisierte Wilde, der erzogen werden muss. Der edle Wilde, der freier lebt als wir in der engen Schweiz.

Nackte Menschen in der Savanne. Männer im Anzug bei Vorträgen.

Kein Film für Denkfaule: Gardi wird nicht einfach als Rassist vorgeführt, sondern als komplexer Mensch in einem komplexen Kontext.

Zeitgeschichte: Französische Kolonialzeit. Unabhängigkeit. Antiimperialistische Jugend in Europa. Massentourismus kommt in Afrika an — Pauschalreisen mit Quelle.

Einerseit bekommt René Gardis Doku Mandara. Zauber der schwarzen Wildnis (1959) kein Prädikat „wertvoll“, weil die deutsche Filmbewertungsstelle den Kommentar furchtbar findet („phrasenhaft“). Andererseits geht der Film in den Kinos unter, weil Exploitationschrott wie Mondo Cane (1962) die Sensationsgier des Publikums besser stillt.

Und African Mirror hält der heutigen Schweiz den Spiegel vor — so erinnert das, was über die Inszenierung der „Wilden“ zu hören ist, an den unsäglichen Bruno-Manser-Film.

African Mirror
CH 2019, 84 Min.
Regie und Buch: Mischa Hedinger
Offizielle Website

ZFF 2016: Day Is Done

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Eine Frau vom ZDF spricht aufs Band: Man habe auf der Redaktionssitzung Imbachs Projektvorschlag besprochen, sich dann aber dagegen entschieden. „Tut mir leid.“ Währenddessen sieht man, wie ein Arbeiter von der Altmetall-Anlage gegenüber in einem Container herumklettert und Schrott sortiert.

Während fünfzehn Jahren (von 1995 bis 2010) hat Regisseur Thomas Imbach aus seinem Atelier heraus die Aussicht gefilmt, das Wetter am Himmel, die Vorgänge im Hof vor seinem Haus. Das Atelier steht beim Güterbahnhof, in der Ferne sieht man rechts das Migros-Gebäude am Limmatplatz, links den Bahnhof Hardbrücke – und in der Mitte den Kamin der Kehrichtverbrennungsanlage Josefstrasse. Tag und Nacht raucht das Ding, als sei die Stadt an sich schwer nikotinabhängig. Flugzeuge schwirren wie Fliegen um den Kamin herum. Der urbane Phallus, um den sich alles dreht.

Die Aufnahmen hat Imbach dann mit Nachrichten unterlegt, die ihm Leute auf den Anrufbeantworter gesprochen haben (die Stimmen stammen aus den Jahren 1988 bis 2003). Entstanden ist eine „fiktive Autobiografie“, wie Imbach das im Presseheft nennt: Zwar sei das biographische Material authentisch, er habe es aber soweit verdichtet und dramatisiert, dass die Figur T. sich vom realen Thomas gelöst habe.

Hinzu kommen Songs wie Bob Dylans „Born in Time“ oder „Big in Japan“ von Alphaville, die Imbach von befreundeten Musikern als Coverversionen hat einspielen lassen. Und manchmal geht er heraus aus seinem Atelier, wenn er zum Beispiel seine Grossmutter besucht und heimlich dabei filmt, wie sie sich im Badzimmer die Haare richtet. Bis sie es merkt: „Bisch en Lappi!“

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