„Eddie hat gefragt, ob er mitkommen kann“

Der Skispringer Andreas Küttel über den Film Eddie the Eagle

Heute kommt Eddie the Eagle in die Zürcher Kinos. Die Komödie erzählt von Eddie Edwards (Spitzname „The Eagle“), der 1988 als Skispringer an der Winterolympiade Furore machte. Wirklich Ahnung vom Sport hatte er keine und so fuhr er miserable Resultate ein – aber als Underdog, der niemals aufgab, wurde er zum Publikumsliebling. Der Film geht teilweise recht frei mit den wahren Begebenheiten um – Hugh Jackman zum Beispiel spielt die Nebenrolle eines versoffenen Trainers, der sich des hilflosen Amateurs annimmt, aber in Wahrheit nie existiert hat. Dennoch, als Hommage an die Sportfilme der 80er ist Eddie the Eagle ziemlich toll. Und ja, am Ende hatte ich eine Träne der Rührung im Auge. (Eine ausführlichere Kritik von mir findet sich beim Züritipp.)

Nun habe ich mir den Film zusammen mit Andreas Küttel angeschaut und ihn nach seinem Eindruck gefragt. Der Scheizer Skispringer war fünfzehn Jahre lang als Profi im Sport aktiv, hat sich 2009 gar den Weltmeistertitel geholt und ist dazu ein guter Freund von Simon Ammann.
Küttel erzählt von seiner Begegnung mit dem realen Eddie, vom Spunten in Garmisch-Partenkrichen — und vom entscheidenden Moment vor dem Sprung.

 
Kulturmutant: Wie hast du Eddie the Eagle kennengelernt?

Andreas Küttel: Ich hatte gerade mit dem Skispringen angefangen und so im ersten Winter sind wir mit dem Skiclub-Bus nach St. Moritz gefahren. Eddie the Eagle – oder Eddie Edwards, wie er ja richtig heisst — hat meinen Vater kontaktiert und ihn gefragt, ob er mitkommen kann. Er hatte kein Team oder einen Trainer; ihm ging es darum, dass er irgendwo springen kann und Erfahrungen sammeln. Wir waren dann in einer Jugendherberge und Eddie war mit uns zusammen im Massenschlag.
Ich kann mich erinnern, dass er eher für sich allein gewesen ist; wir haben auch nicht gross kommunizieren können wegen der Sprachbarriere. Er hat sich immer seriös aufgewärmt und du hast schon gemerkt, dass er einen Zugang zum Sport hat. Wir haben gewusst, dass er ein Ski-Stuntman gewesen ist, der hat schon gewusst, wie er fallen muss (lacht).

Andreas Küttel

1979 in Einsiedeln geboren, hat Küttel als Skispringer an mehreren Weltcups und Winterolympiaden teilgenommen. An der Weltmeisterschaft 2009 in Tschechien gewann er die Goldmedaille an der Grossschanze. Eine lange Freundschaft verbindet ihn mit seinem Landsmann Simon Ammann, der immer noch aktiv ist — Küttel hingegen stieg 2011 aus dem Profisport aus und zog nach Dänemark, wo seine Frau eine Stelle als Ärztin antrat. Zurzeit schreibt er seine Doktorarbeit an der Institut für Sport und Biomechanik an der Southern University of Denmark.
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In welchem Jahr war das denn?

Das muss ’86 gewesen sein, ich hatte wirklich grad angefangen, mit sieben oder acht Jahren. Eddie war dann auf der nächstgrössten Schanze – ich bin auf der 15er gewesen und er auf der 30-m-Schanze, so ungefähr.
Zwei Jahre später haben wir ihn dann im Fernsehen gesehen und gedacht: „He, den kennen wir doch!“ Da waren wir natürlich stolz, dass er mit uns zusammen seine Karriere gestartet hat.

Im Film heisst es ja, man müsse mit fünf Jahren anfangen.

Simon [Ammann] hat glaub sogar ein bisschen später angefangen, so mit acht oder neun. Man sollte schon vor zehn oder zwölf Jahren anfangen. Wenn du mit fünfundzwanzig noch nie auf den Ski gestanden bist, dann kannst du nicht zum Skispringen gehen. Aber Eddie ist schon vorher Ski gefahren und er war eben Stuntman, da hatte er gewisse Voraussetzungen. Er wird ja oft als Anti-Talent beschrieben, aber mit dem Begriff „Talent“ muss man aufpassen, im Sport und auch anderswo. Wie definiert man Talent überhaupt? Die Fähigkeit, sich aufzurappeln und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Wenn man das auch als Talent auffasst, so war Eddie ein tolles Talent. Wenn auch nicht von der körperlichen Form oder der Koordination her.
Wichtig finde ich auch diese emotionale Pressekonferenz im Film, wo sich Eddie dazu äussert, dass er nicht unbedingt den Kasperli spielen will.

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