Die Schönheit eines zerschossenen PDF: Das Mädchen und die Spinne

Das Mädchen und die Spinne ist der Nachfolgefilm zu Das merkwürdige Kätzchen. Ein weiterer Film ist geplant, der die Tierfilm-Trilogie abschliessen soll: Der Spatz im Kamin.

Mädchen/Spinne ist der zweite Langspielfilm der Zwillingsbrüder Ramon und Silvan Zürcher. Die beiden stammen aus dem Bernischen. Gedreht haben sie in einer ehemaligen Bierbrauerei in Bern (genug Platz, um Kulissen-Wohnungen zu bauen). Vor den Fenstern standen Greenscreens, auf die später Aussichten auf Bern und Berlin aufgespielt wurden.

Eine WG. Lisa (Liliane Amuat) zieht aus und in eine eigene Wohnung, Mara (Henriette Confurius) bleibt zurück mit Markus (Ivan Georgiev). Zwischen Mara und Lisa stimmt irgendwas nicht. Mara ist sowieso seltsam drauf. Sie macht zum Beispiel ein Loch in einen Becher und lässt Rotwein über den Tisch laufen.

Lisas Mutter (Ursina Lardi) hat Freude an Möbelschlepper Jurek (André Hennicke), Umzugshelfer Jan (Flurin Giger) hat Freude an Mara, landet aber zuerst mit der Nachbarin Kerstin (Dagna Litzenberger-Vinet) im Bett und dann mit Nora (Lea Draeger), der Mitbewohnerin der Nachbarin.

Weiterlesen

Worst Movie Night: Plan 9 From Outer Space

Seit 2015 bringt die Berner Kultmoviegang Trash-Klassiker, Guilty Pleasures und Kultfilme auf die Leinwand – also Zeugs wie Troll 2, Street Fighter oder Predator. Wichtiges Filmerbe. Damit macht die Gang einen verdienstvollen Job – aber halt in Bern.

Immerhin, die Kultmoviegang kam nun nach Zürich, um auch hier regelmässig eine Worst Movie Night zu veranstalten. Beim ersten Mal war Plan 9 From Outer Space (1959) dran, einer der ganz grossen Klassiker des ganz schlechten Kinos: 1980 wurde er im Buch The Golden Turkey Awards zum schlechtesten Film aller Zeiten erkoren, sein Regisseur Edward D. Wood Jr. zum schlechtesten Regisseur. Einem breiten Publikum ist der Mann ein Begriff dank Tim Burtons (verklärendem) Biopic Ed Wood (1994); Johnny Depp hat ihn da gespielt. Wenn man von Filmen spricht, die so schlecht sind, dass sie gut sind – dafür ist Plan 9 From Outer Space das Paradebeispiel. Mit diesem Streifen begann der Kult um das Trashkino.

Beim Plan 9 im Titel handelt es sich um den Plan einer ausserirdischen Zivilisation, die Menschen davon abzuhalten, aus Versehen das Universum zu zerstören – denn sie stehen kurz vor der Entdeckung eines neuen, ungeheuer machtvollen Elements. Wie wollen die Aliens die Menschheit aufhalten? Mithilfe von Zombies. Soll heissen, sie erwecken frisch Verstorbene zum Leben und versklaven sie, damit sie die Menschheit erschrecken, sodass, äh, Profit?

Es ist eine Weile her, dass ich den Film sah, und nach dieser Auffrischung muss ich sagen: Plan 9 From Outer Space ist tatsächlich noch schlechter, als ich ihn in Erinnerung hatte. Die Handlung ergibt erschreckend wenig Sinn, der Schnitt ist vollkommen inkompetent, Kulissen und Spezialeffekte spotten jeder Beschreibung.
Dracula-Darsteller Bela Lugosi taucht in einigen Szenen auf, die ganz offensichtlich nicht für diesen Film entstanden sind. Tatsächlich starb er drei Jahre vor Drehbeginn. Ed Wood verwurstete in Plan 9 From Outer Space, was er mit dem alten Mann gedreht hatte, und dort, wo es nötig war, setzte er ein Double ein — ein Typ, der ganz klar dreissig Jahre jünger als Lugosi ist und ihm auch sonst nur entfernt ähnlich sieht, weswegen er stets sein Cape vor das Gesicht hält.

Vor allem aber die Dialoge sind des Wahnsinns. Ed Woods Drehbuch-Schreibkunst ist wahrlich erstaunlich – was seine Figuren von sich geben, hört sich an, als sei er selbst ein Alien, das versucht, menschliche Sprache zu imitieren. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich der Eröffnungsmonolog des Wahrsagers Criswell:

Grettings, my Friend. We are all interested in the future, for that is where you and I are going to spend the rest of our lives. And remember my friend, future events such as these will affect you in the future.

Und so weiter. Aber im Film finden sich noch ganz andere Schätze – vergessen (verdrängt?) hatte ich zum Beispiel die Szene, in der einer der Ausserirdischen den Menschen zu erklären versucht, weshalb das Element Solaranite so gefährlich ist. Seine Rede werd ich hier nicht spoilern, die muss man möglichst unvorbereitet erleben.

Dass der Film auf einer grossen Leinwand im Kosmos lief, liess ihn noch einmal ganz anders zur Geltung kommen – zum Beispiel sah man sehr genau, in welchen Szenen die Hintergründe schlicht aus dunklen oder hellen Leintüchern bestehen. Mit Falten und Flecken. Oder wie in den Friedhofszenen der Teppich verrutscht, der den Erdboden darstellen soll. Unfassbar.

Die Kultmoviegang gab sich Mühe, den Abend spassig zu gestalten – sie stellte Grabsteine aus Pappe auf, verteilte Masken und einen Zettel mit Mitmach-Anleitung. So sollte man „Not my Bela!“ oder „Déjà-vu!“ schreien, wenn Lugosis Double auftaucht. Das Zürcher Publikum war zunächst ziemlich verhalten und taute erst mit der Zeit auf. Wie man das halt so kennt. Aber es macht schon Spass, so einen Film in einem vollen Kinosaal zu gucken.

Am 23.11. zeigt die Kultmoviegang im Kosmos The Room. Und falls die Eintrittszahlen stimmen, soll noch einiges mehr kommen. Hoffen wir das Schlimmste.

Worst Movie Night
Do, 17.10.2019 im Kino Kosmos
Veranstalter: Kultmoviegang
Plan 9 From Outer Space
USA 1959, 79 Min.
Regie und Drehbuch: Edward D. Wood Jr.
Mit Bela Lugosi, Vampira, Tor Johnson et al.

Wieviel Judentum brauche ich?

Am „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“ gibt die Gruppe SinnSpiel ein Gastspiel in Bern. „Wieviel Judentum brauche ich?“ handelt davon, wie verschiedene Menschen ihre jüdische Identität leben.

Ich hab ja damals die Premiere im Kulturmarkt Zürich (quasi unter Zwinglis Augen) gesehen. Nachdem wir freundlich mit Tee und Gebäck empfangen wurden, stellten sich uns vier jüdische Mitmenschen vor. Ihre Hintergründe waren ebenso verschieden wie ihre Zugänge zur Religion.

Ob in kleinen Szenen, Monologen oder Gedichten: Robert Salzer (der ja mit uns verbandelt ist) und Eva Mann haben mit ihren Laiendarstellern die unterschiedlichsten Themen durchgespielt und ein Stück erarbeitet, über das wir im Anschluss noch lange diskutiert haben.
Nach x Bieren war jedenfalls klar: Jenseits von Holocaust und Israelboykotten gibt’s für den Durchschnittsschweizer noch viel zu entdecken, was jüdische Kultur anbelangt.

Datum: 6. September 2015
Zeit: 15 Uhr
Ort: Jüdische Gemeinde Bern JGB, Kapellenstrasse 2, 3011 Bern
Eintritt: Frei

Website der Gruppe SinnSpiel
SinnSpiel auf Facebook
Programm des „Europäischen Tags der Jüdischen Kultur“