Authentisches Guatemala zum Einschlafen

Chiquitos — Eine Reise zu den Kindern Guatemalas
Ein Dokumentarfilm von Thomas Rickenmann, CH 2015, 88 Min.
Schlafkritik

Bravo, ein toller Einschlaffilm. Man könnte ihn in 10-Minuten-Stückchen immer wieder ansehen, wenn man Mühe hat Ruhe zu finden. Leider fehlt jeder roten Faden. Ein Mischmasch aus Geschichten und Bilder aus Guatemala plätschert (Notitz an mich selber, nicht in jeder zweiten Schlafkritik das Wort „plätschern“ benutzen) so dahin. Es wird am Anfang klar, dass wohl das Ziel war, etwas über die Mayas und ihren Kalender im Jahr 2012 zu machen, als dieser einen 5200 Jahre alten Zyklus beschloss. Nur war das wohl irgendwie zu wenig spannend oder ergab zu wenig Material. Mir scheint, die Filmemacher haben sich zu wenig Zeit gelassen; für ein so langsames Land wie Guatemala bräuchte man für eine Dokfilm wohl 10 Jahre und viel Schlaf.

Die Geruhsamkeit, die Langsamkeit des guatemaltekischen Alltags ist trotz vieler authenischer Aufnahmen selten erfasst worden. Ein klassisches Problem: die Filmcrew lebt nicht da, sondern war dann auf Besuch, als ein Hähnchen geschlachtet wurde, ein selbstverursachter Kausalzusammenhang sozusagen. Dabei ist es schon was Besonderes, einen Truthahn zu schlachten. Man isst sonst Tortillas mit Bohnen und Reis. Aber das ist nicht das Problem. Der Film versucht sich praktisch ohne „Off Kommentar“. Das ist ein Fehler; es unterstützt zwar das Gefühl neutraler Beobachter zu sein, verhindert aber das Dargestellte irgendwie einschätzen zu können. Ausser man kennt sich in dem Land aus, und dann sagen die Bilder und Geschichten eigentlich gar nichts aus. Der Film wird zu Nebensächlichkeit und man bestaunt das reiche guatemaltekische Kuriositätenkabinett.

Weiterlesen

Werbung