Attack of the Weekly Links: Feuersteins Müllschwein, Klischees über den Islam und Sean Connery in Scandinavia

Julio Torres: On Labor and Management | Julio Torres, geboren 1987 in El Salvador, aktiv in den USA, ist einer meiner Lieblingskomiker. Unter anderem wegen Nummern wie dieser. Es handelt sich dabei um einen Monolog des Müllschweins, das unter der Spüle der Flintstones hockt und deren Abfall frisst. Ein berührender Hilferuf an die Adresse von Wilma.

Islamische Homophobie als erfundene Tradition | Soziologe und Webentwickler Georg Klauda über die Vorstellungen des Westens von der Homophobie in der islamischen Welt. Er zeigt auf, wie das Bild des schwulenfeindlichen Islam nicht mit der Realität übereinstimmt und zugleich die Schwulenfeindlichkeit des Westens unter den Teppich kehrt. Klauda hielt den Vortrag bereits 2008 an einer Antifa-Konferenz in Köln; bemerkenswert, wie selten entsprechende Argumente im öffentlichen Diskurs zu hören sind. Eine schriftliche, erweitere Version des Votrags von 2009 gibts hier. Neu auf meiner Leseliste: Klaudas Buch Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt.

Spinoff #12: Forbidden City Cop in Scandinavia | Marco und Haiko von der Filmkammer des Schreckens schwätzen über eine Hong-Kong-Komödie sowie über einen Thriller mit Sean Connery, der als Sicherheitschef in Scandinavia (gemeint ist nicht Skandinavien, sondern ein fiktives Land namens Scandinavia) gegen Terroristen kämpft.

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Attack of the Weekly Links: Literaturkritik, Seuchen, Verschwörungen und die Antifa

Nicht mitgemeint – Olivia Wenzels ‘1000 Serpentinen Angst’ im ‘Literaturclub’ | In einer Ausgabe des Literaturclubs wurde Olivia Wenzels Roman 1000 Serpentinen Angst besprochen. Darüber nun hat Maryam Aras auf dem Blog 54 Books eine Kritik der Kritik geschrieben. „Um das Konzept des literarischen Universalismus, wenn auf diese Weise ins Feld geführt, zu kritisieren und als Universalismus des zumeist weißen männlichen Kritikers bloßzustellen, müssen wir nicht unbedingt auf die Schwarze Literatur aus den USA schauen.“ Hier gibts übrigens die Kritik von 54 Books zu Wenzels Buch.

The Great Plagues: Epidemics in History from the Middle Ages to the Present Day | Eine Vorlesungs-Reihe des Gresham College über die grossen Seuchen der Menschheit. Die Reihe stammt von 2013/2012, entstand also Jahre vor der Corona-Krise, ist im Bezug auf die Gegenwart aber nichtsdestotrotz sehr erhellend. Und sie ist noch eine schöne Ergänzung zu meiner Kritik zu Stephen Kings The Stand.

Conspiracy Theories: A Threat to Democracy? | Und noch eine lohnende Vorlesung des Gresham College, diesmal eine über Verschwörungstheorien. Hat zumindest für mich einiges klarer gemacht und ein paar falsche Vorstellungen behoben.

The Philosophy of Antifa | Nachdem Trumpisten das Capitol stürmten, haben viele Leute in den Medien, auf Twitter und Co. gesagt, dass es genau wegen so etwas die Antifa braucht. Gleichzeitig haben sich viele beeilt, zu warnen, dass die Antifa auch nicht besser sei als die Trumpisten. Aber was ist die Antifa überhaupt, und was will sie? Dieses Video von Philosophy Tube scheint mir ein guter, unterhaltsamer Einstieg ins Thema.

Und morgen die ganze Welt

Bevor die Zürcher Kinos wieder geschlossen wurden, war ich noch ein letztes Mal im Riffraff. Angesehen hab ich mir Und morgen die ganze Welt (ein Drama über die Antifa/der deutsche Kandidat für die nächste Oscarverleihung). Regisseurin Julia von Heinz verarbeitet darin ihre Erfahrungen in der Antifa in den 90ern und kommentiert die gegenwärtige politische Situation in Deutschland. Der Titel spielt auf ein berüchtigtes NS-Lied an.

Mannheim: Luisa (Mala Emde) kommt aus gutem, gar adeligem Hause, studiert Jura und kommt dank ihrer Freundin Batte (Luisa-Céline Gaffron) in einer Besetzung unter. Und hilft sogleich bei einer Störaktion gegen eine Politikerin der Liste 14 (gemeint ist die AfD). Es kommt zu einem Scharmützel mit dem „Sicherheitsdienst“ der Politikerin, der sich aus Neonazis rekrutiert — Luisa erbeutet dabei das Handy eines Rechtsextremen. Unsere Helden erhalten damit Zugriff auf Nazi-Kontakte.

Frage am Rande: Ist es nicht ein wenig hasenfüssig, dass anstelle der AfD eine fiktive Partei entworfen wird?

Am Anfang des Films steht ein Zitat aus dem deutschen Grundgesetz:

„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. […] Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Die Frage ist nun: Welche Art von Widerstand? Für Batte ist ganz klar: Nur friedlichen, bitte. Anders siehts Alfa (Noah Saavedra) — er organisiert bei der nächstbesten Gelegenheit eine Aktion, bei der Antifa-Aktivist*innen Autos von Neonazis kaputtschlagen und, wenn man schon mal dabei ist, die Neonazis selbst angreifen. Luisa wird dabei verletzt, aber abschrecken lässt sie sich davon nicht. Dietmar (Andreas Lust) flickt sie wieder zusammen, ein Bekannter von Alfa, ein Altlinker, der früher Bomben legte, sich nach einem Gefängnisaufenthalt aber weitgehend ins Private zurückgezogen hat.

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