Annie Hall: Einmal ohne Allen, bitte.

 
1. Aus Charles Bukowskis Kurzgeschichte Schlechte Nacht (engl. Bad Night) in der Sammlung Jeder zahlt drauf (engl. Septuagenarian Stew, 1990):

Die Situation machte Monty irgendwie nervös. Wäre er doch lieber zum Baseballspiel gegangen. Oder vielleicht lief irgendwo ein Woody-Allen-Film. Woody hatte immer Probleme mit seinen Frauen. Aber seine Frauen waren alle schön und intelligent, und sie hatten immer Zeit für lange Spaziergänge im Park und so Sachen. Und Woody hatte immer einen gutbezahlten Job, und wenn es mit einer schönen, intelligenten Frau Probleme gab, griff er einfach zum Telefon und rief eine andere schöne, intelligente Frau an. Millionen von Männern wünschten sich, sie hätten Woodys Probleme mit Frauen.

2. Der Film Annie Hall erzählt davon, wie Annie (Diane Keaton) und Alvy (Woody Allen) sich kennenlernen, ineinander verlieben und wieder auseinanderleben.

3. Woody Allen spielt Alvy Singer, einen jüdischen, aus Brooklyn stammenden Komiker. Er spielt also sich selbst. Und er geht mir unsäglich auf die Nerven. Er ist nervös und weinerlich, unfähig zu normaler Kommunikation: Wenn er den Mund aufmacht, purzeln keine Sätze, sondern Stand-up-Routinen heraus. Und er ist nonstop am Jammern: Er weigert sich, im Kino einen Film anzuschauen, der schon angefangen hat, hat Panik davor, mit Annie zusammenzuziehen, will nicht in öffentlichen Garderoben duschen.
Einmal wird er nach Kalifornien eingeladen, um in einer Fernsehshow einen Preis zu überreichen, und quängelt herum, weil es für ihn Stress bedeutet, New York zu verlassen. Menschen, die ständig was zu mäkeln haben, sind das Allerletzte. Ausserdem ist Alvy ein herablassendes Arschloch, das seine Freundinnen runtermacht (er macht sich z.B. drüber lustig, dass Annie das Wort „neat“ verwendet). Ich finde das längst nicht so charmant wie all die Frauen in diesem Film.

4. Ohne Allens Manierismen wäre Annie Hall ein grossartiges Werk. Der Film stellt im Grunde eine ganz alltägliche Liebesgeschichte dar, ohne die ganzen blöden Liebesfilmklischees. Die nonlineare Erzählweise (Zeitsprünge, Aussparrungen und so) gibt ihm Tempo und Dynamik. Annie Hall ist ein Film, der auch davon handelt, was passiert, nachdem der Junge das Mädchen kriegt. Davon, dass Beziehungen schwierig am Laufen zu halten sind, und darüber, dass Sex oft enttäuscht.
Am Ende, nachdem sich Alvy und Annie getrennt haben, fliegt Alvy extra nach Kalifornien, um Annie zurückzugewinnen. Was in einem dahergelaufenen Liebesfilm das grosse romantische Finale einläuten würde, erweist sich in Annie Hall als eine dumme Idee, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
(Gerade dieser Realismus beisst sich aber heftig mit der herumkaspernden Kunstfigur, die Allen spielt.)

5. Sehr nett ist Allens Methode, hier die Vierte Wand zu durchbrechen. Er externalisiert die Gedanken von Alvy nicht nur, indem sich dieser direkt ans Publikum wendet, nein, Alvy greift sich auch wiederholt irgendwelche Figuren aus dem Hintergrund, um mit ihnen zu sprechen – so führt er einmal ein einzelnes, zusammenhängendes Gespräch mit einer Reihe von wechselnden Hintergrundfiguren.

6. Die beste Szene geht an Christopher Walken (oder „Christopher Wlaken“, wie er im Abspann heisst). Seht sie euch an. Es ist nicht zuletzt auch die lustigste Szene des Filmes, weil Wlaken seinen Part sehr trocken spielt, ohne das aufdringliche Getue Allens.

7. Apropos Wlaken: 1978 gewann er einen Oscar für The Deer Hunter — aber er ist nur einer von mehreren späteren Stars, die in Annie Hall einen Kurzauftritt haben. Shelley Duval (The Shining) gibt hier einen One-Night-Stand von Alvy. (Ist übrigens schon mal jemandem aufgefallen, dass Duval wie ein gottverdammtes Alien aussieht?) Jeff Goldblum (Jurassic Park) hat eine Minirolle als Partygast, der am Telefon hängt. Und gegen Schluss des Filmes sieht man aus der Ferne, wie Alvy und Annie sich mit ihren jeweiligen neuen Partnern vor einem Kino treffen. Alvys neue Freundin? Wird gespielt von Sigourney Weaver (Alien).

8. Die berührendste Szene: Annie versucht sich als Sängerin, tritt das erste Mal auf, in irgendeinem Club. Sie singt ein langsames, sanftes, romantisches Lied. Währenddessen unterhalten sich die Leute lärmend, eine Bedienung lässt was fallen, das Telefon läutet. Kein Schwein interessiert sich für sie. Es bricht einem das Herz.

Bonus: Vor einer Million Jahren oder so hab ich mit Dirk M. Jürgens vom Buddelfisch einen Comic über Woody Allen gemacht.

Annie Hall
USA 1977, 93 Min.
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Mit Woody Allen, Diane Keaton, Tony Roberts et al.

handicaped facing

dodlheirat

Ich kannte mal einen Schauspieler. Wir waren nicht gerade gut befreundet, aber ich mochte ihn ganz gern und begegnete ihm ab und zu. Dieser Mann spielte dann die Hauptrolle in einem Westschweizer Film über einen Autisten, eben diesen, und gewann für diese Arbeit den Schweizer Filmpreis gegen eine sehr etablierte Konkurrenz. Mich hat das damals sehr gefreut für ihn. Bis ich den Film ein Jahr später auf Arte gesehen hab und ihn nach einer halben Stunde hab ausschalten müssen, zu sehr hab ich mich fremdgeschämt für diesen fernen Freund, der da den Kasper macht für etwas, von dem er offensichtlich nichts versteht. Ein anderer Freund nannte diesen Film „Guten Zeiten, Schlechte Zeiten für Linke“.

Ich kenne mich aus persönlichen Gründen sehr gut aus mit Menschen mit Behinderung, denn ich verdienen seit Jahren mein Brot mit ihnen bzw. mit der Unterstützung von ihnen. So habe ich mir auch den Film „Wedding Doll“ angeschaut. Zum Film. Er ist solala. Es geht um eine junge Frau mit Namen Hait. Sie hat sich als Kind auf Grund eines Zwischenfalls mit anderen Kindern, mehr wird nicht verraten, eine leichte Behinderung eingefangen. Der Hauptteil dreht sich um ihre unschuldige Liebe zu einem Mitarbeiter. Dieser Part ist misslungen bzw. ziemlich langweilig. Spannender ist jener Teil, welcher sich um den Konflikt ihrer Mutter zwischen Behüten und Loslassen dreht. Dieser ist eher gelungen.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die auf dem Spiel mit Klischees beruhende amerikanische Herangehensweise total scheitert. Ob das am Thema liegt, weil der Trend eigentlich in die Richtung geht, Menschen mit Behinderung nicht mehr zu verallgemeinern, sondern in ihrer Diversität zu zu lassen, oder daran, dass der Film in Israel spielt, weiss ich nicht. Die Authentizität, die erreicht werden möchte, berührt einen höchsten ab und zu und dann peinlich. Drehbuch auf jeden Fall zero Points. Aber auch die Machart ist sehr, damit zu klassisch. Man würde wohl dem Menschen mit Behinderung gerne neue Geschichten geben, irrt aber in den üblichen Wendungen der unglücklichen Liebes- und Familiengeschichte herum, ohne Mut, aufs Ganze zu gehen.

Ich hab mal vor Jahren einen Film mit lauter Kleinwüchsigen gesehen, die 120 Minuten lang mies behandelt wurden und sich auch gegenseitig mies behandelten. Leider mag ich mich nicht mehr an den Titel des Films erinnern. Der Regisseur, der später oder schon da anscheinend, so sagt es die Erinnerung, sehr erfolgreich wurde, sprang als Entschädigung als einer Art Wette und Ausgleich für die Schauspieler in einen Kaktus und hat sich lebenslänglich einen Schaden zugefügt. Die kleingewachsenen Menschen liess er einen Film lang sinnlos aufeinander losgehen, zusammen mit bösartigen Tiere. Der Film war total an den Haaren herbeigezogen und hat mir trotzdem viel über das Menschsein erzählt. Wenn es der Film ist, denn ich dann raus gegoogelt hab, der es sein könnte, mag ich mich offensichtlich nicht an viel erinnern und an das auch noch falsch.

Ganz anders „The Weeding Dools“ als handelsüblicher Samstagabendschinken mit halt einer Frau mit Behinderung zum emotionalen Zuspitzen. Die Schauspielerin Moran Rosenblatt, welche „Hait“ spielte, bekam in Israel ebenfalls einen wichtige Preis für ihre Darbietung. Ich fand diese genau so lächerlich wie jene von dem wunderbaren Schauspieler aus der Schweiz. Denn beide haben einfach mit grossen Gesten das überspielt, was als Charakter der Protagonisten hervorkommen könnte. Die Schwäche der Schauspielerei, die ich eher vom Theater her kannte, das man zu subtilem Spiel nicht fähig ist, weil man glaubt, es trage nicht genug und dass man dann mit grosser Kehle drüberfahren müsse, äussert hier einen unbewussten Blick auf Menschen mit Behinderung. Denn damit illustrieren sie, dass ein Mensch mit Behinderung immer vor allem eines bleiben kann: ein Behinderter. (Man sagt heute im deutschen Sprachraum politisch korrekt deshalb Menschen mit Behinderung, damit der Mensch vor der Behinderung kommt, auch sprachlich, im Spiel der beiden hier erwähnten Schauspieler in den jeweiligen Filmen ist es umgekehrt. )

Dabei hätte es ja durchaus kreatives Potential, sich Menschen mit Behinderung zu widmen. Diese scheitern oft an unserer kollektiven Vorstellung von Sein und Schein und wir an den ihren. Da liegen also durchaus spannende Geschichten. Aber im Gegensatz zu den meisten Filmhelden werden sie nicht irgendwann plötzlich gut oder perfekt, weil sie bleiben ja zumindest in unseren Augen behindert. Diese Problem löst man, indem Menschen mit Behinderung, wie bei „Wedding Doll“ die arme Hait, besonders gut und besonders schön sein müssen. Dabei kämpfen Menschen mit Behinderung in aktuellen politischen Prozessen gerade um Mitbestimmung und wenn nötig Hilfe, aber egal zu welchen Bedingungen. Auch Arschlöcher haben Barrierefreiheit verdient. Hier tritt ein sozialer Rassismus zutage, den solche Filme auch noch im Namen des Guten für sich zu proklamieren getrauen. Menschen mit Behinderung sind also grundsätzlich schlecht und deshalb müssen sie besonders gut sein. Und es spitzt sich an einem weiteren Punkt sogar noch zu.

Es gibt inzwischen genug professionelle Schauspieler mit einer Behinderung, die eine solche Rolle spielen könnten. Und deshalb finde ich solche Filme einfach nur noch peinlich. Sie scheitern nicht nur in ihrer Resonanz zur Realität, wo man sich mehr Mut zu fiktiven Freiraum wünscht, nein sie billigen sich selbst in diesem Scheitern als Prothese von Menschen, die besser sein müssen, als es die Gesellschaft zu sein schafft. Übel! Man traut diesen Menschen offensichtlich nicht zu, sich selbst zu spielen, und spricht ihnen damit die kulturelle Selbstdefinition ab. Dabei muss man natürlich z.B. ans Theater Hora aus Zürich denken und darf sich erstaunt fragen, ob für einmal das Theater dem Film um Jahre voraus ist.

 

Wedding Doll, Israel 2015, 82 Min
Regie & Drehbuch: Nitzan Giladi
Mit Moran Rosenblatt, Assi Levy, Roy Assaf u. a.

 

Dario Argentos „Opera“: Raben, Heidi, Blut

Arg selten tritt der Fall ein, dass ein Film von Dario Argento in einem Zürcher Kino läuft. Letzthin aber zeigte das Houdini Opera (1987), „erstmals in digital restaurierter Fassung“. Juhui! Und dazu noch in der ungekürzten italienischen Originalversion. Der Film war ja bis 2015 in Deutschland indiziert, was wiederum heisst, dass er auch in der Schweiz nicht so ohne weiteres erhältlich war. Was unter anderem deswegen fies ist, weil die Schweiz im Film eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt. Aber dazu später.

Die Handlung von Opera dreht sich um eine Inszenierung von Verdis Macbeth (in italienischer Aussprache „Maggebett“). Das Werk steht anscheinend im Ruf, verflucht zu sein, und tatsächlich: Die Sopranistin wird von einem Auto angefahren, so dass die junge, unerfahrene Betty (Cristina Marsillach) ihre Rolle übernehmen muss. Wider Erwarten meistert die Nachwuchssängerin die Aufgabe mit Bravour. Dafür zieht sie nun die Aufmerksamkeit eines Killers auf sich — Schockschwerenot!

Besagter Killer hat einen einigermassen schrulligen modus operandi: Er überwältigt jeweils Betty aus dem Nichts heraus, knebelt sie und bindet sie irgendwo fest. Daraufhin befestigt er eine Reihe von Nadeln solchermassen an ihren Augenlidern, dass sie jene nicht mehr schliessen kann. Während er Betty damit zum Hinsehen zwingt, greift sich der Killer das nächstgelegene Opfer (unter anderem Bettys Freund) und bringt dieses blutig um.
Das mit den offen-geklebten Augen erinnert ein wenig an A Clockwork Orange und ist nicht zuletzt ein ironisches Spiel mit dem Voyeurismus der Horrorfilmfans. Und diesen Voyeurismus bedient Argento dann auch ausgiebig, mit viel Kunstblut und makaberem Humor. So arbeitet der Opernregisseur im Film, Marco (Ian Charleson), mit Raben — die Poe-Anspielung liegt auf der Hand, und es versteht sich von selbst, dass irgendwann im Laufe der Handlung einer der Vögel jemandem ein Auge auspickt.

Apropos Ironie: Eben jener Opernregisseur war ursprünglich ein Horrorfilmregisseur. Das gibt Argento Raum für ein paar Seitenhiebe auf sich selbst sowie auf die Geringschätzung der Hochkultur für Horror. Schade jedoch, dass Argento den Regisseur nicht selbst spielte; das wär doch ein netter Gag gewesen.
Jedenfalls dauerte es bis 2013, bis Argento seine Filmfantasie in Realität umsetzte und tatsächlich eine Oper inszenierte — und zwar den Macbeth. Was denn auch sonst.
Darüber hinaus fabrizierte er 1998 eine Filmversion vom Phantom der Oper (ein weiterer merklicher Einfluss auf Opera), aber die ist dem Vernehmen nach kein sonderliches Meisterwerk.

Wie dem auch sei, zurück zu Opera: Jenseits von Splatter und Selbstironie ist schon ziemlich auffällig, dass sich Argento weder um Figuren mit nachvollziehbarer Motivation noch darum kümmert, ob sich die Handlung am Ende schlüssig auflöst. Was den Killer angetrieben hat, muss man sich jedenfalls selbst zusammenreimen, und Bettys Verhalten ist derart frustrierend blöde, dass es verdammt schwer ist, für sie irgendwelche Empathie aufzubringen.

Dafür hat Opera ein herzallerliebstes Finale: Nachdem der Killer während eines Brandes umgekommen ist, macht Betty Ferien in den Schweizer Bergen (Rekonvaleszenz und so). Was Argento konsequenterweise wie einen kitschigen Heidi-Film darstellt. Mit blühenden Wiesen, blauem Himmel und lieben Tierchen. Dabei bleibt es auch, als das Böse noch ein letztes Mal in Betty Leben tritt (Überraschung!). Unfassbar.

Für Zürcher Horrorfilm-Fans lohnt es sich wohl, ein Auge auf das Houdini zu halten — da kommt ab und zu mal Grusel und Splatter in einer Einzelvorstellung. Irgendwer in der Belegschaft hat wohl etwas übrig für das Zeug.

Opera (dt. Terror in der Oper)
Italien 1987, 107 Min.
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento, Franco Ferrini
Mit Cristina Marsillach, Ian Charleson, Urbano Barberini, Daria Nicolodi, William McNamara et al.

„Am Anfang hatte die Vogelscheuche noch zwei Beine“

Letzten Freitag hat Rafael Sommerhalder mit seinem animierten Kurzfilm Au revoir Balthazar den Schweizer Filmpreis für den besten animierten Kurzfilm gewonnen. Wir haben ihn ein paar Tage zuvor in seinem Atelier besucht, und er war so freundlich, uns ein paar Fragen zu beantworten. Er hat uns davon erzählt, wie er mit Claude Barras (Ma vie de Courgette) in einer WG wohnte, und wie er auf das Design seiner Hauptfigur gekommen ist.

Und da liegt sie auch in einem Kistchen, die kleine Vogelscheuche, zusammen mit den anderen Figuren aus Au revoir Balthazar. Sommerhalder führt mich gerade durch die Räume von Crictor (das kleine Studio hat er zusammen mit Zita Bernet gegründet).
Letzten September sah ich den Film am Fantoche und war rechtschaffend begeistert. Da geht es um eine Vogelscheuche namens Balthazar (ein grandioses Gebastel aus Holzabfällen und Schrott), die während eines Schneesturms aus der Erde gerissen wird. Am Boden liegend, findet Balthazar eine Muschel und hört darin das Rauschen des Meeres – als ihm eine Krähe diese Muschel entreisst, nimmt er die Verfolgung auf. Der Anfang einer langen Reise.
 

Rafael Sommerhalder
Kulturmutant: Du warst mit deinen Filmen ja immer wieder am Fantoche, hast 2007 den Trailer gemacht oder mit Flowerpots gewonnen. Bist du dem Festival besonders verbunden?

Rafael Sommerhalder: Ich habe in Lausanne eine „klassische“ Filmschule besucht, bevor ich angefangen habe, mich für den Animationsfilm zu interessieren. Und das Fantoche war einer der wenigen Orte in der Schweiz, wo man sich animierte Filme anschauen konnte. Um 2000 gab es ja weder Vimeo noch YouTube.

Dein Abschlussfilm an der Kunsthochschule in Lausanne (der ECAL), Ely & Nepomuk, war dann auch dein erster Animationsfilm, nicht?

Es wurde erwartet, dass man einen Spielfilm oder Dokumentarfilm macht. Dann ist mir irgendwann diese Geschichte in den Sinn gekommen, und es hat sich anerboten, diese als Animationsfilm zu realisieren. Die Schule hatte glücklicherweise nichts dagegen.
Claude Barras (der Regisseur von Ma vie de Courgette) war in Lausanne mein Mitbewohner. Er war auch an der ECAL, aber in einer anderen Abteilung. Sie hatten ein keines Labor für Computeranimation, wo sie hauptsächlich gerendert haben (lacht).

Und jetzt seid ihr beide am Schweizer Filmpreis nominiert.

Stimmt. Claude hat an der ECAL angefangen, mit After Effects zu arbeiten [einer Software für Computereffekte und Animation]. Es hat mich fasziniert, dass man da derart die Kontrolle hat – du kannst dir etwas ausdenken und das einfach am Computer umsetzen. Du musst nicht erst Kameras beschaffen oder ein Filmteam suchen.
Claude hat mich stark dahingehend beeinflusst, dass ich mich überhaupt für Animationsfilm zu interessieren begann. So habe ich Ely & Nepomuk mit Flash gemacht.

Später hast du in London Animationsfilm studiert.

Zuerst Zita Bernet und ich Crictor gegründet. Wir sind beide so um 2000 fertig geworden in Lausanne, wir haben Sachen für die Expo gemacht und dokumentarische Auftragsarbeiten. Ich hatte aber Lust, noch einmal in die Schule zu gehen, auch weil mich die Welt des Animationsfilms immer stärker interessiert hat, und habe mich in London am Royal College of Art beworben. Das erste Mal hat es nicht geklappt. Dann habe ich ein Jahr später nochmals die gleiche Bewerbung eingeschickt und einfach das Datum angepasst (lacht). Glücklicherweise hat es dann funktioniert.

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