Disciples of Shaolin: Schlacht der Webstühle

Cheh Chang (1923–2002) war einer der ganz grossen Namen des Martial-Arts-Genres und des Hongkong-Kinos. Er stieg schon in den 1940ern ins Filmgeschäft ein, damals noch in Shanghai. Nach der Machtübernahme der Kommunisten verschlug es in nach Taiwan, weil er der Kuomintang nahestand und insbesondere Chiang Ching-kuo, einem Sohn von Parteiführer Chiang Kai-shek.
1957 zog es Chang nach Hongkong. Dort heuerte er beim Shaw Brothers Studio an und etablierte sich mit dem immensem Erfolg von One-Armed Swordsman (1967) als Regiestar.

Unter anderem führte er Co-Regie bei The Legend of the 7 Golden Vampires (1974), einer Zusammenarbeit der britischen Hammer Films mit dem Shaw Brothers Studio. Da kämpft Peter Cushing als Van Helsing in China gegen hüpfende Vampire.

Zur Erläuterung: Die Shaw Brothers waren damals die absoluten Könige der Hongkonger Filmindustrie und prägten das, was man sich unter einem Martial-Arts-Film vorstellt. Zumindest, bis das Konkurrenz-Studio Golden Harvest ihnen den Rang ablief (selbiges hatte es geschafft, einen gewissen Bruce Lee zu verpflichten).

1974 kehrte Chang nach Taiwan zurück, um seine eigene Produktionsfirma zu gründen. Wobei er den Shaw Brothers weiterhin eng verbunden blieb. Jedenfalls drehte er auf der Insel eine Reihe von Filmen (so zwanzig Stück), bis er 1976 einmal mehr die Zelte abbrach und wieder nach Hongkong ging – nach dem Tod von Chiang Kai-shek hatte dessen Sohn Chiang Ching-kuo die Macht übernommen. Wegen seiner Freundschaft zu diesem machte sich Chang sofort mächtige Feinde; eine ungemütliche Situation.
In den 80ern versuchte er es noch einmal in Taiwan, aber das ist eine andere Geschichte.

Während der drei Jahre in Taiwan machte Chang eben auch Disciples of Shaolin (1975). In der Hauptrolle: Alexander Fu Sheng. Cheng hatte ihn einige Jahre zuvor bei den Shaw Brothers entdeckt und erfolgreich zu einem Star gemacht.

Fu Sheng spielt Kuan, einen simplen Typen vom Land, der in die Stadt geht und mithilfe seines älteren Bruders Huang (Kuan-chun Chi) eine Anstellung bei der Weberei von Boss Ho (Ti Lu) findet.
Allerdings gibt es im Ort eine zweite Weberei, und deren Boss Ka (Tao Chiang) ist ein ganz fieser Geselle: Er beschäftigt eine Bande von Kung-Fu-Kämpfern, die die Arbeiter von Boss Ho verprügeln, damit die zu Kas Manufaktur überlaufen.
Da hat der Bösewicht allerdings nicht mit Kuan gerechnet, denn der Bauerntölpel ist ein Meister des Kung Fu und wischt mit den Banditen mühelos den Boden auf.

Kuan hat also alles im Griff. Komisch nur, dass Bruderherz Huang ständig sagt, er solle sich mit der Prügelei zurückhalten — dabei ist der sogar noch wesentlich besser in der Kampfkunst.

Wie wir im Verlauf der Handlung feststellen, sind Huangs Vorbehalte berechtigt. Denn je erfolgreicher Kuan im Kampf ist, je mehr Geld und Ruhm er von Boss Ho kriegt, umso dekadenter wird er. Er hängt lieber mit dem Boss als mit seinem Bruder rum, säuft ständig, lässt sich von einer lasterhaften Prostituierten (Ching-Ping Wang) bezirzen, obwohl doch eine tugendsame junge Frau (Ming Li Chen) auf ihn steht. Und ignoriert bei alledem, dass Boss Ho ebenso ein Charakterlump ist wie Boss Ka.

Soweit, so gut. Das ist ein bisschen Nuance in einem ziemlich durchschnittlichen Kung-Fu-Film. Handwerklich sehr solide, aber wenig aufregend. (Dass er in Taiwan statt in Hongkong gedreht wurde, macht keinen merklichen Unterschied.)

Die Kampfchoreografien zum Beispiel sind okay, aber wenig einfallsreich. Zudem spielt sich ein Grossteil davon auf demselben öden Stück Feldweg ab.
Überhaupt sind die Kämpfe grundsätzlich etwas langweilig, da Kuan sämtlichen Gegnern haushoch überlegen ist. Wie soll Spannung aufkommen, wenn der Held nie ernsthaft einer Gefahr ausgesetzt ist?

Dann aber kommt ein Twist, der mich doch überrascht hat.

Zum Lesen folgenden Text markieren:

Kuan wird durch einen unfairen Spielzug von Boss Ka schwer verletzt, unterliegt dadurch und wird getötet. Holla, das sieht man nicht alle Tage.

Die Folge: Huang packt endlich sein Kung Fu aus, rächt Kuan und killt die letzten Schufte.

Auch Boss Ho zeigt sein wahres Gesicht: Der Tod von Kuan geht ihm am Arsch vorbei. Auch dafür händigt Huang eine Strafe aus und tötet Boss Hos geliebte Haustiere: ein paar Grillen.

Sehr interessant, das. Blöd nur, dass Schauspieler Kuan-chun Chi hat nicht einmal ansatzweise das Charisma von Alexander Fu Sheng hat. Das nimmt dem Ende ein wenig den Imapkt.

Disciples of Shaolin ist kein Kung-Fu-Film, den man unbedingt gesehen haben muss, aber durchaus ein interessanter Vertreter seines Genres.

Fun Fact zum Schluss: Auf Deutsch heisst der Film allen Ernstes Karato – Sein härtester Schlag.

Disciples of Shaolin
Originaltitel: Hong quan xiao zi
Taiwan/Hongkong 1975, 106 Min.
Regie: Cheh Chang
Drehbuch: Cheh Chang, Kuang Ni
Mit Alexander Fu Sheng, Kuan-chun Chi, Ming Li Chen, Ching-Ping Wang, Tao Chiang, Ti Lu et al.

Ich sah Disciples of Shaolin im Zürcher Filmpodium in der Reihe Taiwan Cinema. Es gibt zwei weitere Vorstellungen.

2 Gedanken zu “Disciples of Shaolin: Schlacht der Webstühle

    • Nach „Karato: Der Knochenbrecher aus Singapur“ und „Karato: Sein härtester Schlag“ fehlen mir jetzt nur noch „Karato: Fünf tödliche Finger“, „Karato: Der Todesstoss“ und „Karato: Seine Fäuste sind der Tod“.

      Gefällt 1 Person

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