Worst Movie Night: Samurai Cop

Endlich, endlich haben wirs wieder in eine Worst Movie Night geschafft — es ist über ein Jahr her, dass die Berner Kultmoviegang erstmals nach Zürich kam und uns Plan 9 From Outer Space zeigte. Ein grosser Moment. Es gab in der Folge eine Handvoll Vorstellungen, die wir Kulturmutanten leider verpassten, und viele weitere mussten wegen Corona abgesagt werden. In Bern selbst kann die Gang zurzeit nichts vorführen, weil der Kanton die Kinos geschlossen hat. Es sind schlimme Zeiten für den Trash.

Aber zumindest ist das Kosmos noch geöffnet, auch wenn sich nicht wahnsinnig viele Leute ins Kino getraut haben. Die Berner sind gewohnt sympathisch und verteilen vor dem Kinosaal Harakiri-Shots — rote Plastikphiolen mit hochprozentigem Inhalt. Das Fiese: Einige enthalten bloss Wasser.

Im Saal. Es fängt an mit einer kleinen Einleitung der Gang (anscheinend war Samurai Cop der allererste Film, den die Leutchen einem Publikum vorsetzten), dann kommt eine Videobotschaft von Mathew Karedas, dem Hauptdarsteller von Samuari Cop (damals noch unter dem Namen Matt Hannon). Nun gut, die Botschaft entstand nicht extra für Zürich, sondern vor einiger Zeit für eine Jubiläumsvorstellung der Kultmoviegang — trotzdem schön.

Und dann der Film selbst. Samurai Cop (1991) ist das letzte Werk von Amir Shervan. Der iranische Regisseur wanderte nach der Islamischen Revolution nach Kalifornien aus (immerhin hatte er dort in jungen Jahren Theater studiert) und drehte ultrabillige Actionfilme. Nach Samurai Cop war die Luft raus, und Shervan hat nicht mehr viel gemacht, bis er 2006 verstarb. Dass sich der Film zum Kulthit entwickelt, hat er knapp verpasst. Schade.

Worum gehts? Die Polizisten Joe (Matt Hannon) und Frank (Mark Frazer) legen sich mit der Katana-Bande an, die Los Angeles in Angst und Schrecken versetzt, mit Drogenhandel, Mord und so. Was für Rabauken! Deren Boss Fujiyama (Cranston Komuro) hat ein Auge auf die schöne Jennifer (Janis Farley) geworfen, doch Charmebolzen Joe macht sie ihm abspenstig. Das bedeutet Krieg!

Samurai Cop ist offensichtlich von Lethal Weapon (1987) abgekupfert (ihr wisst schon, die Actionkomödie mit Mel Gibson und Danny Glover). Abgekupfert von einem Ausserirdischen, für den „Filmemachen“, „Humor“ oder „menschliche Interaktion“ noch völlig neue Konzepte sind.
Liegt es am kulturellen Graben? Dass Regisseur Shervan einen typisch amerikanischen Actionfilm drehen wollte, aber als Iraner die Amerikaner und ihre Filme nur ansatzweise verstanden hat?
Ganz ähnlich ist es ja mit The Room vom Osteuropäer Tommy Wiseau oder mit Troll 2 vom Italiener Claudio Fragasso. Beides ebenfalls Filme, in denen Ausländer amerikanische (Pop-)Kultur durch ihren ganz eigenen Filter treiben, mit zuhöchst exzentrischen Ergebnissen.

(Notiz am Rande: Tommy Wiseau tritt an der Seite von Mathew Karedas in Samurai Cop 2: Deadly Vengeance auf, einem bewusst trashigen Sequel von 2015, das vom Kultstatus des Originals profitieren möchte. Vollkommen ungeniessbare Kackscheisse ohne jeden Charme.)

Interessant an Samurai Cop ist nun, dass der Film dank des Shervan-Filters aus Versehen zu einer Satire auf gerade das verkommt, was er eigentlich sein soll.
Der Titelheld zum Beispiel ist ein dumpfer Mundatmer, der jede Frau, die ihm vor die Augen kommt, mit den plumpsten Sprüchen anbaggert, die das Universum zu bieten hat. („I may stop by, so keep it warm.“) Und doch liegt ihm jede Frau schleunigst zu Füssen (abgesehen von einer Krankenschwester, die seinen Schwanz zu klein findet).
Zwischendurch wird Joe zum Sprachrohr des War on Drugs à la Ronald Reagan: „This is the land of opportunity for legitimate business, not for death merchants who distribute drugs to our children through schools and on the streets.“
Am Ende findet die Handlung ihre Auflösung, indem die „Helden“ einfach alle Bösewichte mit Pistolen und Säbeln niedermachen und totkillen. Die Bösen im Grab, die Frau im Bett: Happy End.
Weil Amir Shervan amerikanische Filme nicht verstanden hat, hat er den amerikanischsten Film aller Zeiten gedreht.

Und sonst? Samurai Cop ist einer jener wunderbaren Trashfilme, die nie langweilig werden. Immer gibts irgendwas Wahnwitziges zu entdecken: Haarsträubende Dialoge, hanebüchene Spezialeffekte, ein Filmschnitt wie mit der Heckenschere, Gags zum Davonlaufen. (Immerhin hat Samurai Cop einen Witz von derart unterirdischer Schlechtigkeit, dass es dafür im Kosmos spontanen Szenenapplaus gibt.)

Ein paar Highlights:

  • Als wir Boss Fujiyama das erste Mal sehen, hält er sein Gesicht direkt ins Bild — und in seiner Sonnenbrille spiegelt sich dick und fett das Filmteam. Kommt auf der grossen Leinwand im Kosmos besonders schön.
  • Einmal liefern sich unsere Helden eine Verfolgungsjagd mit ein paar Mitgliedern der Katana-Bande; dabei geht der Van der Bösen zu Bruch, und der Fahrer gerät in Flammen. Als sich der brennende Stuntman zu Boden wirft, blickt er direkt in die Kamera — er gleicht dem Darsteller des Fahrers nicht im Geringsten.
  • Einen Gutteil der Laufzeit läuft Joe mit einer lächerlichen Langhaarperücke herum. Hintergrund: Nach dem Ende der Dreharbeiten liess sich Matt Hannon die Haare schneiden. Erst dann kam es Shervan in den Sinn, dass es noch Nachdrehs braucht. Die Perücke sollte den Friseurbesuch kaschieren.
  • Einige Dialoge musste nachvertont werden — um Kosten zu sparen, hat Regisseur Shervan die meisten davon selbst eingesprochen; teils übernimmt er gleich zwei Gesprächspartner in derselben Szene.

Dazu haben sich die Jungs von der Kultmoviegang dann auch wieder ein paar schöne Mitmach-Anweisungen ausgedacht. So soll man immer „Wig!“ rufen, wenn Joe die Perücke trag, oder „Double Amir!“, wenn Shervan in einer Szene zwei Figuren zugleich nachvertont.

Wunderlich nur, wie Rober Z’Dar und Gerald Okamura in diesen Filmkäse sondergleichen geraten sind. Die beiden sind ja richtige Schauspieler, die in richtigen Filmen aufgetreten sind: Z’Dar, der Mann mit dem grössten Kinn der Welt, balgte sich in Tango & Cash mit Kurt Russell und Sylvester Stallone, und in der Rolle des Maniac Cop hatte er seine eigene Filmreihe.
Okamura hatte es ebenfalls mit Russell zu tun: In Big Trouble in Little China war er ein Mitglied der Wing-Kong-Bande. Und er war ein Vampir in Blade.
Und doch: Ist es nicht eine Ehre, dass sie in Samurai Cop auftreten durften?

Wann die nächste Worst Movie Night in Zürich stattfindet und ob es überhaupt dazu kommt, ist anscheinend noch offen. (Hoffen wir das Beste.) In Bern aber macht die Kultmoviegang fleissig weiter, sobald die Kinos wieder aufgehen. Hier gibts das Programm.

Worst Movie Night
Sa 28.11.2020 im Kino Kosmos
Veranstalter: Kultmoviegang
Samurai Cop
USA 1991, 96 Min.
Regie und Drehbuch: Amir Shervan
Mit Mathew Karedas (als Matt Hannon), Robert Z’Dar, Gerald Okamura, Mark Frazer, Janis Farley et al.
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