Sei ein Neider im Wind

Dass eine Schweizer Band in meinem Wohnort Innsbruck spielt, ist eher selten, dass das Konzert Wochen vorher schon ausverkauft ist, kommt eigentlich nie vor. So bin ich über Faber gestolpert, und wenn man erst jetzt von dieser Band gehört hat, ist das vor allem Ausdruck dafür, dass man keine Ahnung von Musik hat, und das ist bei mir ja so. Ich bin nämlich furchbar heikel bei den Klängen, und das ist wie beim Essen nicht Ausdruck von Geschmack, sondern von Ignoranz. Eine Freundin hatte Tickets für das Konzert und fragte mich ob ich mitkommen würde. Ich hab mir die Musik dann auf Youtube angehört, das ganze Album und auch die älteren Sachen. Ich ging dann nicht ans Konzert, aber das lag daran, dass ich ein paar Tage davor von einem Hund heftig in die Hand gebissen worden war.

Mit Faber ist es schwierig. Ich mag die Band nicht besonders, aber ich habe keine Ahnung wieso. Dieser softe Akustikgitarren-Balkangroove-Mix klingt ja super. Die Texte berühren mich nicht besonders, aber es sind tolle Pop-Ballade mit der Möglichkeit zur vielfältigen Auslegung und versuchen dabei aber nicht mehr zu sein, also anstrengend klug oder politisch oder slang. Nein, sie sind witzig und nachdenklich und leicht und schwer manchmal. Die Stimme des Sängers kommt zwar für einen so jungen Kerl viel zu alt daher. Vielleicht stört mich ja das, dass der singt, als wäre er 60, in Wirklichkeit aber 24 oder 25 ist. Dazu passend, dass es in einem Lied um ein 16-jähriges Mädel geht.

Und natürlich wiederholen sich gewisse Themen etwas gar oft, und ja, „Das Meer hätte ich mir grösser vorgestellt“ ist der älteste Witz über Zürich den es gibt, anderseits auch ein schönes Lokalzitat, also was solls, grad wenn jemand Hochdeutsch singt, doch super. Stört mich etwa, dass sie Hochdeutsch singen und dabei so klingen wie die später ins Deutsche synchronisierte Schweizer Filme? Nein, die Fremdheit welche dadurch entsteht, passt gut zu dieser exotischen Stimme und macht etwas eigenes aus, das stimmig ist.

Für das Album „Sei ein Faber im Wind“ haben Faber jedes Lied in ein lustiges Video gepackt. Immer aus einer einzigen Kameraeinstellung gedreht. Auch das finde ich gut und lustig und kreativ und halt alles was es für eine tolle Band braucht, trotzdem stösst mich das nur ab. Ob es an der Frisur des Sängers liegt? Nein, ich mag doch tiefschwarze Wuschelhaare, und dass der Keyboarder wie der junge Bob Dylan aussieht, ist weder ein Qualitätsmerkmal noch irgendein Problem.

Mich nervt das wirklich. Es ist wie Alkohol, den ich nicht vertrag, den ich aber sehr gerne trinke und nach dessen Genuss es mir oft sehr schlecht geht. Ich höre Faber gern, aber diese Musik macht mich unendlich depressiv. Ich werde traurig und abgestumpft, während mein Körper diametral dagegen ganz nervös wird, so eine Mischung ohne Hunger im Zuckermangel landen und immer noch keinen Appetit haben, sich schwach fühlen und lust auf eine Runde Joggen haben. (Ich jogge nie.) Ich höre jetzt grad Faber, während ich diesen Text schreibe, um da möglichst nahe ranzukommen an das Phänomen. Ab und zu schütteln mich auch Ekelanfälle und ich stosse leicht Galle auf. Bin ich zu alt für neue Musik? Bin ich jetzt an dem Punkt, wo man alles was nachkommt nicht mehr so gut findet wie das früher? Das kann nicht sein, dafür haben sich zuviele Bands im letzten Jahr einen neuen Platz in meinem Herzen erspielt. Und da ich die Erklärung einfach nicht finde, kann es nur einen Grund dafür geben:

Ich nehme an es liegt daran, dass sie Schweizer sind wie ich bzw. in der Schweiz aufgewachsen sind wie ich bzw. in Zürich aufgewachsen sind und ich nur auf dem Land. Also entweder nur Neid oder auch noch etwas lokal kolorierter Minderwertigkeits-Rassimus. Und deshalb bin ich eifersüchtig und super kritisch mit ihnen. Während ich halbgare Rockbands wie Wanda aus Wien sofort feier wie blöd, kritisiere ich Faber noch dafür, dass sie mir kein Fleisch am Knochen zum Hassen geben, weil dafür ist das alles viel zu offen und weich. Verdammte Scheisse. Deprimieren tun sie mich trotzdem, und deshalb muss ich jetzt ganz schnell umstellen auf harten Techno oder die älteren Sachen der Toten Hosen. Tut mir ehrlich leid.

FABER, Sei ein Faber im Wind, CH/DE 2017
http://www.fabersingt.com/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s