ZFF 2017: You Were Never Really Here

You Were Never Really Here
Regie: Lynne Ramsay
Drehbuch: Lynne Ramsay (nach dem Roman von Jonathan Ames)
USA/F/GB 2017; 95 min.
Gala Premieren

Im Grunde ist das ja ein simpler Selbstjustiz-Thriller: Joaquin Phoenix spielt Joe — der Ex-Soldat hat sich darauf spezialisiert, entführte Kinder aus den Fängen ihrer Entführer zu befreien. Seine Methoden sind brutal, aber umso effektiver. Da legt sich Joe mit einem Ring von Kinderschändern an, an dessen Spitze ein Senator steht. Man denke an Pizzagate. Jetzt muss unser Held nicht nur irgendwelche Kriminelle, sondern Geheimdienstleute um die Ecke bringen.
Gut und böse sind schwarz und weiss, die Polizei ist korrupt, Gerechtigkeit braucht kein Gerichtsverfahren. Das erinnert an die Death Wish-Filme mit Charles Bronson. Ist ein wenig fragwürdig.

Zwei Elemente machen diesen Film toll:

1. Joaquin Phoenix. Er hat eine unglaubliche körperliche Präsenz (nicht nur wegen der vielen Kilos, die er sich für die Rolle angefressen hat), und sein Spiel ist fantastisch — gerade deshalb, weil Phoenix extrem zurückgenommen agiert, damit aber ein Maximum an Effekt generiert. So etwas beeindruckt mich immer sehr.

2. Die Inszenierung durch Regisseurin Lynne Ramsay (We Need to Talk About Kevin). Der Witz besteht darin, dass Ramsay die eigentliche Action weitgehend ausserhalb des Bildes stattfinden lässt. Wir sehen den Vorlauf, wir sehen die Konsequenzen, aber nicht die eigentliche Handlung.
Im Sinne von: Joe schleicht sich an einen Gegner heran, Schnitt, ein Typ liegt tot am Boden, während Joe davongeht.
Ramsay dreht die Konventionen auf den Kopf, aber so, dass ihr Film unerträglich spannend bleibt. Das muss man erst einmal hinbekommen.

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