ZFF 2017: On Body and Soul

On Body and Soul (Testről és lélekről)
Regie & Drehbuch: Ildikó Enyedi
Ungarn 2017; 116 min.
Neue Welt Sicht: Ungarn

In diesem Film bekommt man zu sehen, wie im Schlachthof einer Kuh der Kopf abgeschnitten wird. Ausserdem ist On Body and Soul ein wunderschöner Liebesfilm.

Auf der einen Seite sehen wir da immer wieder eine Hirschkuh und einen Hirsch, die zusammen in einem winterlichen Wald unterwegs sind — Naturbilder von einer Schönheit, die weh tut (Kamera: Máté Herbai), unterlegt von ebensolcher Musik (Komponist: Adam Balazs). Ich will gar nicht dran denken, wieviel Mühe und Geduld es brauchte, um das so auf Film zu bannen.

Auf der anderen Seite ist da ein Schlachthof. Dort arbeitet Endre (Géza Morcsányi; eigentlich kein Schauspieler, sondern Drehbucharbeiter) in der Finanzabteilung; er ist schön älter, sein linker Arm ist gelähmt. Eines Tages kommt Mária (Alexandra Borbély) in den Betrieb als Ersatz für eine schwangere Qualitätskontrolleurin. Mária ist eine junge, äusserst attraktive Frau, scheint allerdings autistisch zu sein. Jedenfalls hat sie ein ernsthaftes Problem mit sozialer Interaktion und eine Zwangsneurose, dafür aber ein phänomenales Gedächtnis.

Wie nun die beiden Hirsche und die beiden Angestellten zusammenhängen, ist im Grunde simpel, trotzdem will ich es hier nicht verraten. Es genügt zu wissen, dass es Endre und Mária in näheren Kontakt bringt und dass sich eine zarte Liebesgeschichte entwickelt. Auch wenn sich die beiden Liebenden selbst im Weg stehen: Der latent verbitterte Endre hat mit den Frauen eigentlich längst abgeschlossen, Mária hat schon Schwierigkeiten damit, wenn sie auf der Strasse jemand aus Versehen an der Schulter berührt.

Ildikó Enyedi ist eine genaue Beobachterin poetischer Alltagsmomente, ringt diesen einen subtilen Humor ab — die Witze in On Body and Soul gründen in erster Linie auf winzigen Gesten, auf kleinen und kleinsten Momenten, die die Regisseurin wie nebenbei zeigt. Und trotzdem habe ich schon lange nicht mehr so lachen müssen — der Film lief im vollständig ausverkauften Filmpodium, das Publikum hatte ein Fest.

Aber Ildikó Enyedi scheut sich auch nicht, dem Publikum einen reinzuwürgen, aber so richtig — seien es nun die geschlachteten Kühe, oder … äh … wie gesagt, ich will nicht zuviel verraten.

 
Hier gibts mein Interview mit der Regisseurin.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s