New York #3: Fressen und saufen

New York ist bekannt für Hot Dogs und Pizza. Zumindest ist dies das Bild in meinem Kopf.
(Ich kann mich gut an eine Sendung der Daily Show erinnern, in der sich Jon Stewart über die Pizza von Chicago lustig machte und stattdessen die Pizza von New York als die beste der Welt pries.)
Beides hab ich probiert, und von beidem war ich nicht sonderlich begeistert. New Yorker Junkfood ist mehr Junk als Food.

Dass die Hot Dogs von den Strassenständen nicht sonderlich geil sind, geschenkt. Wir googelten dann halt nach dem „best hot dog in new york“ und wurden an die Takeaway-Kette Papaya King verwiesen. Wir versuchten es bei der Filiale in Yorkville (Upper East Side). Nun verstehe ich unter einem guten Hot Dog was mit Parisette (für Nichtschweizer: Baguette) oder gar die Laugenbrötchen-Dinger vom Brezelkönig. Beim Papaya King bekommt man jedoch dieselben Billig-Brötchen aus Schaumstoff wie auf der Strasse. Ich hab mir einen Hot Dog mit Käsesauce geholt; die hat mit Käse wenig zu tun, dafür viel mit Chemie. Eklig.
Zum Dessert probierten wir einen fritierten Twinkie. Die vom Papaya King nehmen also so einen Twinkie, stecken den auf ein Holzstäbchen, umhüllen ihn mit Vanillesauce und Bierteig und stecken das Ding in die Fritöse. Danach kippen sie ein halbes Kilo Puderzucker drüber. Geil ist das schon, so für die Geschmacksnerven, aber der innere Gourmet guckt einem dabei böse an.
Der Papaya King ist darüber hinaus für seine Milchshakes bekannt. Wir nahmen den mit Papaya-Geschmack, aber der Shake schmeckte noch übler nach Chemie als die Käsesauce.
Wer übrigens in Zürich einen anständigen Hot Dog will, der ist am besten bedient mit dem „Heisse Hund“ aus dem Kino Stüssihof.

Pizza holten wir von einem Takeaway-Schuppen gleich um die Ecke unserer Unterkunft. Little Italy nannte sich das Ding („Open 24 hrs“), hat aber anscheinend nichts mit der berühmten Little Italy Pizza zu tun. Es gab haufenweise Topping-Varianten in grosszügigen Mengen, die durchaus schmeckten — aber die Pizzen troffen derart vor Fett und Öl, dass sie mir den ganzen Tag wie Ziegelsteine im Magen lagen. Von der knackig-leichten Art einer anständigen italienischen Pizza keine Spur. Jon Stewart kann mich mal am Arsch lecken.

Mit dem Kaffee siehts ähnlich aus wie in London — der Espresso ist mir eine Idee zu konzentriert gebrüht, dafür ist der komune Filterkaffee arg schwächlich. Am meisten Glück hatte ich jeweils mit dem Americano (den es allerdings micht überall gibt). Auch hier liegt mir die italienische Tradition näher als die angelsächsische.
Immer wieder ein Ärgernis: Selbst wenn man einen „small“ bestellt, kriegt man einen Riesenbehälter. Da hab ich Buden mit Selbstbedienung zu schätzen gelernt, wo ich meinen Becher auch nur bis zur Hälfte auffüllen konnte.

Freilich war nicht alles schlecht. Highlight: Die Sake Bar Hagi. Die liegt in der Nähe des Time Square, man läuft aber glatt dran vorbei, wenn man nicht auf den Kellerzugang achtet. Unten gibts keine Fenster, dafür beengte Verhältnisse, Lärm und Chaos, ganz so, wie man sich eine asiatische Rumpel-Knelle vorstellt. An schlacksige Langnasen wie mich hat da keiner gedacht.
Der Sake war fantastisch (soweit ich das als Sake-Total-Amateur einschätzen kann), dazu gabs Sushi und sonstige asiatische Spezialitäten, die uns einen Geschmackrezeptoren-Orgasmus verschafften, wie es der frittierte Twinkie niemals gekonnt hätte.

Zudem auch sehr grossartig: Gazala’s Place. Das ist ein winziger libanesischer Laden mit den entsprechenden Spezialitäten. Charmant eingerichtet, das Essen der Hammer. Eine Entdeckung ist zudem das hauseigene Tamarindengetränk.

 
Weitere Etablissements, die man gern mal ausprobieren kann:

Leo’s Beagles: „Full uncut beagles“ unter „rabbinical observation“. Liegt mitten im Financial District. Unbedingt den Hummus probieren.

Friedman’s: Wir waren am Standort im Hell’s Kitchen, in der Nähe der Haltestelle Hudson Yards. Tolle Sandwiches. Wenn es vor der Toilette eine Schlange hat: Die Treppe runter schleichen, dort gibt es ein zweites Klo.

Alice’s Tea Cup — Chapter II: Der Name lässts vermuten: Teil einer Kette von Alice-in-Wonderland-Themen-Bistros, wo man Tee kriegt. Dazu gibts auch Scones (nicht so gut wie die besten in London, aber fast) und Sandwiches — sehr geil war das Sandwich mit Pumpernickel und Schimmelkäse.

Xi’an Famous Foods: XFF ist eine Kette von chinesischen Fast-Food-Restaurants (wir waren in dem an der Upper East Side). Die haben breite, selbstgemachte Nudeln, wie man sie so sonst im Westen aus der chinesischen Küche nicht kennt. Fast-Food vom allertollsten.

Lalito: Aussen siehts völlig heruntergekommen aus, innen ist elegant eingerichtet. Das Lalito serviert modern interpretierte mexikanische Küche. Wer allerdings Koriander nicht mag, hat hier ein Problem.

Whiskey Tavern: Nahe vom Lalito gelegen. Ein Pub, in dem ich mich ziemlich zuhause fühlte — und die Whiskey-Auswahl ist schon geil. Für den Anfang halte man sich an das Monats-Special (blöderweise hab ich mir nicht aufgeschrieben, was für einen Whiskey ich da hatte).

The Edge Harlem: Etwas hipsterig, aber toll zum Brunchen. Wenn man eine Waffel oder Pancakes bestellt: Unter allen Umständen nach einer Extraportion der Rum-Spiced Whipped Cream fragen (und dafür ein grosszügiges Trinkgeld geben). Eine bessere Schlagsahne gibts auf der ganzen Welt nicht.
Bonus: Der Laden hatte die sauberste Toilette, die wir in New York erlebten.

The Fat Cat: Zugegeben, ich weiss nicht einmal mehr, was ich da getrunken habe, aber die Bar ist trotzdem toll. Ihr Konzept besteht darin, Jazz mit Spielen aller Art zu verbinden. Wir haben dort also einen Abend lang Livemusik gehört und dazu Scrabble gespielt.

 
Zwei, drei allgemeine Hinweise zum Schluss:
– In den New Yorker Restaurants hat man es zum grössten Teil mit engen Unisextoiletten zu tun, von denen man nicht allzu viel Sauberkeit erwarten sollte.
– Achtung: Die Essenspreise mögen nicht allzu hoch erscheinen, aber man muss stets 20% Trinkgeld hinzurechnen.
– Wenn man sich an den Tisch setzt, kriegt man erst einmal (gratis) Leitungswasser (an den besseren Orten ists Mineralwasser).
– Im Vergleich zu London kommt man in New York meist auch dann gut rein, wenn man nicht reserviert.

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