Vollgeld-Initiative: Der Flyer

Mein Briefkasten ist nicht der einzige, in dem dieser Tage die Broschüre zur Vollgeld-Initiative lag. Vermute ich. Den Inhalt besagter Initiative lasse ich mal beiseite. Irgendwas mit nur noch die Nationalbank darf unsichtbare Franken machen, Privatbanken soll das verboten werden. Immerhin: Da ich linkes Gesocks bin, ist mir das Anliegen nicht völlig unsympathisch. Was mir aber unsympathisch ist: wenn mir eine Broschüre ins Haus flattert, die mich offensichtlich für einen Volltrottel hält. (Hm … Volltrottel-Initiative?)

Da gibt es in der Broschüre einen Fragebogen mit so gar nicht suggestiven Fragen wie: „Wollen Sie, dass das Geld auf Ihrem Privatkonto bei Bankenkrisen so sicher ist wie Bargeld?“
Oder: „Sollen Geschäftsbanken genauso wirtschaften wie alle anderen Unternehmen, nämlich ohne Privilegien?“
Antworten kann man jeweils mit „Ja“ (2 Punkte), „Nein“ (0 Punkte) oder „weiss nicht“ (1 Punkt). Auf der nächsten Seite soll man dann die Punkte zusammenzählen. Weil ich mich der manipulativen Fragestellung verweigerte und durchgehend „Nein“ wählte, erhielt ich dieses Resultat:

0 – 3 Punkte: Nicht Abstimmen
Sie erkennen den Sinn der Vollgeld-Initiative noch nicht. Sie haben sich entschlossen, nicht abzustimmen. ;-)

Der sauglatte Zwinker-Smiley am Ende ist ebenso original wie das grossgeschriebene „Abstimmen“. Dieses kumpelhafte Rangeschmeisse nervt mich. Und die Initianten können nicht erwarten, dass ich sie mir danach noch als zurechnungsfähige Erwachsene vorstelle.

Auf der Rückseite besagter Broschüre dann finden sich ein paar (mutmasslich) gescheite Köpfe mit Zitaten, sogenannte „Stimmen zur Vollgeld-Initiative“. Da ist zum Beispiel Reinhold Harringer, ein Wirtschaftswissenschaftler und „ehem. Leiter Finanzamt Stadt St. Gallen“. („Vollgeld bringt sichere Bankkonten, in die wir vertrauen können!“)
Oder da ist Dr. Emma Dawnay, Naturwissenschaftlerin und Mutter. („Die Vollgeld-Initiative verwirklicht, was die meisten Menschen heute schon für Realität halten.“)
Mal abgesehen, dass Naturwissenschaftler in meinen Augen auch nicht unbedingt Experten für Finanzfragen sind: Weshalb genau ist Dr. Dawnays Muttersein eine Erwähnung wert? „Hallo, ich bin Mutter, deswegen kenn ich mich mit der Weltwirtschaft aus.“ Und ich hoffe doch sehr, dass das nicht so ein Fall ist, wo die männlichen Kollegen zwar auch Kinder haben, aber im Gegensatz zu den Frauen nicht übers Elternsein definiert werden.

Zugegeben: Auf der Webseite zur Initiative stiess ich auch auf einen „kant. anerkannte[n] Homöopathe[n]“, der zudem als „zweifacher Vater“ vorgestellt wird. Nochmal: Kinderhaben ist keine finanzwissenschaftliche Qualifikation. Lustig aber sein Zitat: „Geldschöpfung aus dem Nichts muss entschieden in Frage gestellt werden, es widerspricht allen Naturgesetzen.“
Ein Homöopath erklärt mir, dass etwas den Naturgesetzen widerspricht. Sagenhaft.

Apropos Mutter: Zu den „Stimmen“ in der Broschüre gehört eben auch die Landesmutter Helvetia. Und genau hier schalte ich endgültig ab, denn ich muss davon ausgehen, dass auch Harringer, Dawnay und die anderen Köpfe fiktive Figuren sind, denen man einfach irgendwas in den Mund gelegt hat. Zumindest aber fühle ich mich verarscht. Ich bin kein Achtjähriger, dem Globi beibringen muss, wozu die Polizei eigentlich gut ist.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Vollgeld-Initiative: Der Flyer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s