Ist die Katz aus dem Haus, lügt die Maus

Muss man denn schon wieder über Josef Haders Regiedebüt schreiben? Das läuft doch schon längst im Kino (in Zürich im Riffraff), das finden doch sowieso alle gut (auch der Kollege Saile). Ja, sogar ich finde den Film supertoll und megageil – und zumindest die eine Szene ist eine der lustigsten Szenen, die ich jemals gesehen hab, ich wär fast erstickt vor Lachen (wer Wilde Maus gesehen hat, weiss genau, was ich meine). Ich hab mir den Film nach der Pressevisionierung sogar ein zweites Mal angesehen (ich bin sonst einer, der Filme nie ein zweites Mal guckt), als Hader persönlich nach Zürich an die Vorpremiere kam, und ich fand Wilde Maus bei diesem zweiten Mal sogar noch besser als beim ersten Mal.

Aber weil so viel Konsent und Gutfinden langweilig ist (was ja auch Saile angemerkt hat), will ich hier mal nur darüber schreiben, was ich an Wilde Maus eben nicht gut fand, was mich an dem Film geärgert hat. Und zwar so richtig.

An der Vorpremiere erzählte Hader, dass er bei Wilde Maus Regie geführt habe, „weil ich zum ersten Mal ein Drehbuch ganz allein geschrieben habe“. Und Ausgangspunkt für dieses Drehbuch sei die Idee gewesen, dass einer entlassen wird, zuhause aber nichts davon sagt. „Das war die ganze Idee am Anfang.“
Und das ist auch mein Problem mit dem Film, denn dass einer entlassen wird, seiner Frau aber nichts davon sagt, das ist ein ganz schlimm abgenudeltes Klischee. Schlimmer noch, wir haben hier eine Variante des liar revealed, das vielleicht ärgerlichste Klischee aller Zeiten. Grob gesagt dreht sich in einer entsprechenden Geschichte alles darum, dass der Protagonist eine Lüge tätigt, versucht, diese Lüge aufrecht zu erhalten, schliesslich aber auffliegt und die Leute, die er getäuscht hat, zurückgewinnen muss. Diese Storystruktur ist voraussehbar und abgenutzt wie keine andere, ein Armutszeugnis der Kreativität und Originalität, sollte allen Geschichtenerzählern als böses No-Go auf die Nase tätowiert werden und ist weit unter der Würde eines Josef Haders.

Hans Metz von der Titanic-Humorkritik fand den Film auch nicht nur gut.: „So wie man, um all die Pracht und den Prunk und die schnörkelige Herrlichkeit der Sancta Romana Ecclesia genießen zu können, viel Unsinn schlucken muß […], so muß man wohl auch, um der »Wilden Maus« etwas abzugewinnen, einige Steilheiten akzeptieren.“

Ekkehard Knörer war enttäuscht über den Film und hat das Hader sogar noch ins Gesicht gesagt.: „Mein Gefühl ist aber, dass es sich der Film dann doch immer wieder zu leicht macht, nämlich da, wo es wirklich existienziell bitter wird […]“

Wilde Maus
Österreich 2017, 103 Min.
Regie & Drehbuch: Josef Hader
Mit Josef Hader, Pia Hierzegger, Georg Freiderich, Jörg Hartmann u. a.
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