T2 Trainspotting

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In die Urinale der Kitag-Kinos sind kleine Bildschirme eingebaut. So kann man sich Werbeclips ansehen, während man pinkelt. Da läuft zum Beispiel (sinnigerweise) Werbung für irgendein Urologie-Zentrum: „Mann! Läuft’s nicht mehr?“
Oder aber der Trailer zu T2 Trainspotting. Und das finde ich durchaus stimmig, denn diejenigen, die den Film gemacht haben, sowie diejenigen, an die sich der Film in erster Linie wendet, kommen allmählich in ein Alter, wo die Prostata anfängt, Probleme zu bereiten.

Danny Boyle und Ewan McGregor, die damals im fernen Jahre 1996 mit Trainspotting ihren internationalen Durchbruch hatten, waren bekanntlich jahrelang verstritten, weil Boyle in The Beach (2000) anstelle von McGregor Leonardo DiCaprio besetzt hatte. Vor ein paar Jahren haben sie sich versöhnt, womit die Fortsetzung zu Trainspotting ihren Lauf nahm.
Die Handlung setzt 20 Jahre nach den Ereignissen des ersten Films ein: Renton (Ewan McGregor) hat sich mit dem Geld, das er den anderen geklaut hat, nach Amsterdam abgesetzt, mit den Drogen aufgehört, einen Job gekriegt, eine Frau geheiratet — doch inzwischen ist er geschieden und gekündigt, zudem erleidet er einen Herzinfarkt. So geht er zurück nach Schottland, um seine Taten wieder gutzumachen. Spud (Ewen Bremner) freut sich ehrlich über das Wiedersehen, Sick Boy (Jonny Lee Miller) schlägt Renton erstmals zusammen, während Begbie (Robert Carlyle) — der eben aus dem Gefängnis geflüchtet ist — sich das simple Ziel setzt, Renton umzubringen.

T2 Trainspotting ist lockerflockig inszeniert und den Schauspielern ist anzumerken, wieviel Spass es ihnen bereitet hat, nach zwanzig Jahren in die alten Rollen zurückzukehren. Der Film ist aber auch nicht viel mehr als eine abgefilmte Klassentreffen mit extremen Tendenzen zur Nostalgie — ein gefühltes Viertel des Films besteht aus Archivmaterial aus dem ersten Teil. Was nicht so schlimm wäre, hätten die Beteiligten aus diesem Thema der Nostalgie etwas mehr herausgeholt als die Erkenntnis, dass es den ersten Teil gegeben hat.

Und es ist dann schon etwas schal, wenn die Beteiligten noch einmal die nonkonformistische Attitüde von Trainspotting vom Estrich herunterholen. Dazumal konnte man ihnen das durchaus noch abnehmen, aber heutzutage, wo Ewan McGregor zu den berühmtesten Schauspielern der Welt gehört und Danny Boyle es so weit gebracht hat, dass er die Eröffnung der Olympischen Spiele inszeniert und dafür sogar mit der Queen filmt, ja, da kann man den beiden, wenn sie allen Ernstes gegen das Establishment stänkern, nur noch den Mittelfinger entgegenstrecken.

Was sagst du, Ewan McRenton? Die Kids von heute hängen zuviel auf Facebook rum? Ach, lass dich doch einsalzen, Opa.

Am schönsten ist dahingehend noch die Szene, in der Sick Boy und Renton in einen Club gehen, wo sie unter all den jungen Leuten wie zwei Dinosaurier ausschauen — aber ganz einfach mittanzen, und zwar zu Radio Ga Ga von Queen. Da scheint etwas durch, was über die Nostalgieparade hinaus geht.
Nachgerade grandios ist die Szene, in der die beiden einen Liederabend schottischer Nationalisten unterwandern, das erreicht tatsächlich die Schärfe von 1996, dazu will ich hier gar nichts mehr sagen.

T2 Trainspotting
Grossbritannien 2017, 117 Min.
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: John Hodge (nach Irvine Welshs Romane Trainspotting und Porno)
Mit Ewan McGregor, Robert Carlyle, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller, Anjela Nedyalkova et al.
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