Gute Menschen, böse Umstände: A Separation

Zurzeit läuft Asghar Farhadis neuer Film The Salesman in den Zürcher Kinos. Grund genug (jedenfalls für mich), auf A Separation zurückzublicken. Jener Film bedeutete für Farhadi den endgültigen Durchbruch, gewann er damit 2012 doch den Oscar für den besten fremdsprachigen Film – das erste Mal für ein Werk aus dem Iran.

Am Anfang von A Separation begegnen wir einem Ehepaar, das vor Gericht sitzt. Simin (Leila Hatami) verlangt die Scheidung von ihrem Mann Nader (Peyman Moadi), weil sich dieser weigert, mit ihr zusammen das Land zu verlassen. Simin sieht für sich und ihre Tochter keine Zukunft im Iran. Nader dagegen hat Skrupel, seinen alzheimerkranken Vater allein zurückzulassen.

Das Gericht lehnt den Antrag der Frau ab. Ausser sich vor Wut, zieht Simin aus der gemeinsamen Wohnung aus und zurück zu ihren Eltern; die Teenagertochter bleibt beim Vater. Das fehlgeschlagene Scheidungsgesuch setzt eine unheilvolle Kette von Ereignissen in Gang, so dass sich Nader auf einmal erneut vor Gericht wiederfindet – denn er wird des Mordes angeklagt.

Farhadis Mixtur aus Scheidungsdrama und Gerichtsthriller bleibt bis zum Ende immens spannend, wenn sich die Details des Falles ganz nach klassischen Mustern allmählich aufdröseln. Dabei verzichtet der Regisseur völlig auf melodramatisches Getue und billige Effekthascherei. Ja, A Separation ist eben deshalb so packend, weil man sich zu keinem Zeitpunkt über Melodramatik oder Effekthascherei aufregen muss.

Darüber hinaus geht einem das Schicksal der Protagonisten nahe, weil sie sich allesamt zwar moralisch fragwürdig verhalten, ihre Motive aber jederzeit nachvollziehbar bleiben. „Er ist ein guter Mann“, sagt Simin dann auch über Nader beim anfänglichen Gerichtstermin. Alle sind sie gute Menschen, die an dieser unglücklichen Geschichte Beteiligten, aber angesichts der äusseren Umstände haben sie keine Chance, angesichts des Rechtsystems im Iran, angesichts von gesellschaftlichen und religiösen Regeln – oder ganz einfach angesichts von unglücklichen Zufällen.

A Separation (Jodaí-e Nadér az Simín/Nader und Simin)
Iran 2011, 123 Min.
Regie & Drehbuch: Asghar Farhadi
Mit Leila Hatami, Peyman Moadi, Sareh Bayat, Shahab Hosseini, Sarina Farhadi et al.

 

Trailer-Link

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