Kinorückschau 2016: Die Schlechten ins Kröpfchen

kino2016_bad

Bevor der Januar schon wieder vorbei ist, will ich doch noch meinen persönlichen Rückblick auf das Kinojahr 2016 halten. Welche Filme hab ich geliebt, welche gehasst? Meine Liste ist konsequent subjektiv und vieles steht nicht darauf, weil ich es schlicht nicht geguckt habe. (Eure Ergänzungen — oder Widerreden — sind herzlich Willkommen.)
Wie dem auch sei, hier sind meine Top Worst of 2016 (und hier wär die Liste mit den Top Best). Wo ich schon mal was über den betreffenden Film geschrieben hab, hab ich verlinkt.

8. Transcending — The Beginning of Josephine
Es gibt immer wieder Leute, die vom Filmemachen träumen und auch tatsächlich die Ressourcen dafür zusammenbekommen, aber keine Ahnung davon haben, was sie da eigentlich machen. Aus dieser Karambolage von Wunsch und Realität resultiert dann Filmschrott wie Transcending — der hier nur deshalb so weit unten auf der Liste steht, weil er immerhin ein paar herrliche Momente unfreiwilliger Komik hat. Ich würde sogar sagen: Wäre der Film insgesamt nicht so zähflüssig inszeniert, hätte er ebenso gut auf meiner Bestenliste landen können.

7. Batman v Superman: Dawn of Justice
Dieser Superheldenfilm findet sich zurzeit auf vielen Schlechtesten-Listen wieder und das zurecht. Aus dieser Grundidee einen derart freudlosen und prätentiösen Quark zu machen, das muss man erst einmal hinkriegen. Jesse Eisenberg wiederum hat als Lex Luthor die mieseste Darstellerleistung abgeliefert — nicht einfach nur von 2016, sondern aller Zeiten (Arnold Schwarzenegger war damals in Hercules wenigstens amüsant).
Übrigens, darum würd ich hier auch niemals Suicide Squad anführen. Nicht, dass der Film besonders gut wäre (Jared Leto ist als Joker fast so schlimm wie Eisenberg) — aber die Selbstmordtruppe erlaubt sich zumindest ein bisschen Humor.

6. 13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi
Michael Bay ist der Donald Trump des Hollywood-Kinos. Der Beweis: Diese Actionkino-Version des Anschlags in Bengasi. (Man erinnere sich: Dort stürmten Islamisten am 11. September 2012 das US-Konsulat in Libyen und töteten einen amerikanischen Botschafter.)
Soll heissen: 13 Hours ist laut und dumm, durchtränkt von Pathos und Patriotismus, steht politisch weit rechts und foutiert sich um alle Fakten.

5. The Jungle Book
Dieses Realfilm-Remake des Zeichentrick-Originals (1967) krankt vor allem daran, dass die Verantwortlichen den Unterschied zwischen Realfilm und Zeichentrick nicht kapiert haben. Slapstickszenen und komische Figuren, die für eine Zeichentrickwelt erdacht wurden, kann man nicht einfach 1:1 in einen realen Dschungel versetzen. (Dem finanziellen Erfolg tat das indes keinen Abbruch, grummel.)

4. Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
Ein Junge lernt einen Roboter kennen, zusammen bauen sie ein All-Gelände-Fahrzeug und reisen damit über die ganze Welt. Sowas könnte lustig sein — und die Marionetten-Serie aus den Siebzigern ist es auch. Denn ihrer kruden Machart zum Trotz ist diese Serie (ihrerseits die Adaption eines Buches) hundertfach spektuakulärer und fantasievoller als das sinnbefreit modernisierte Realfilm-Remake (da, schon wieder!), das zu 80% in irgendeinem langweiligen Dorf in Norddeutschland spielt — als sie noch Marionetten waren, haben Robbi und Tobbi keine fünf Minuten damit verschwendet, daheim herumzuhängen.
Wo zudem das Original noch anarchischen Witz hatte, strotzt die Neuverfilmung vor Dumpfbackenhumor. Und so leid es mir tut: Ein miserabler Hauptdarsteller ist immer eine Bürde, auch wenn er ein Kinderdarsteller ist und daher nicht viel dafür kann (immerhin war der Junge besser als Eisenberg in Batman v Superman). Jedenfalls: Von vielen, vielen schlechten Kinderfilmen im letzten Jahr war Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt der allerschlechteste.

3. Dirty Grandpa / Ride Along 2
Zwei Komödien, die in ihrem Genre auf ganzer Linie versagen, aber auf den genau entgegengesetzten Enden des Spektrums:
Das Robert-De-Niro-Vehikel Dirty Grandpa versucht derart verkrampft, obszön zu sein, dass es nur noch peinlich und ermüdend ist. De Niro als wilder Opa, der dauernd ficken will, das ist genau so abgenudelt, wie es sich anhört.
Dagegen ist Ride Along 2 derart handzahm, dass der Film sogar die Hip-Hop-Tracks auf seiner Tonspur zensiert. Auf der einen Seite eine kleingewachsene Heulsuse (Kevin Hart), auf der anderen ein knallharter Superbulle (Ice Cube), zusammen müssen sie einen Kriminalfall lösen: Daraus zog schon der erste Teil keinen einzigen originellen Einfall (und gute Gags schon gar nicht).
Wenn man schon dem Irrtum unterliegt, Kevin Hart für einen komischen Schauspieler zu halten, so gucke man an sich bitte Central Intelligence an, eine Komödie mit fast genau derselben Prämisse und ebenso witzlos — aber immerhin hat Dwayne Johnson ein bisschen Charisma, im Gegensatz zu Ice Cube.

2. Alice Behind the Looking Glass
An dieser Stelle kann ich euch nur aufs Wärmste ermpfehlen, die beiden Alice-Romane von Lewis Carroll zu lesen. Das sind wunderbare Nonsensegeschichten, bei denen man nie weiss, wohin die Reise geht, in denen man aber lauter erinnerungswürdiger Figuren begegnet.
Tim Burton hat beide Bücher verfilmt (das erste als Regisseur, dieses zweite immerhin noch als Produzent), und er hat daraus vorhersehbare Fantasy-Stories gemacht, die den Figuren jegliches Leben entziehen. Noch nervtötender als bei Alice in Wonderland war dieses Mal der plumpe feministische Subtext (Drehbuch: Linda Woolverton), der mit der Subtilität eines Panzers über die Zuschauerschaft hinwegrollt — dabei lassen bereits die Bücher eine feministische Lesart zu, halt ohne Zaunpfahl für das verdummte Publikum.
Und ein kleines Detail am Rande gibt es, das ich endlich mal erwähnen will: Im Orginal ist „looking-glass“ äusserst bewusst mit einem Bindestrich geschrieben, denn Carroll war ein hochgradig akribischer Grammatik-Nerd, der jahrzehntelang (!) über jedes einzelne Komma nachgedacht hat. Das einfach so zu übergehen, ist pures Arschlochtum, spricht aber Bände über das Verhältnis der Filmemacher zur Vorlage.

1. Der geilste Tag
Was kriegt man, wenn man Matthias Schweighöfer in ein Krebsdrama steckt und ihn nach Afrika schickt? Den cineastischen Super-GAU.
Der Film handelt von zwei unsympathischen Arschlöchern liebeswürdigen Helden, die sich in einem Krankenhaus treffen. Beide haben sie nicht mehr lang zu leben, also schliessen sie einen Pakt: Sie beschaffen sich durch einen Betrug Geld, um damit noch einmal so richtig auf die Pauke zu hauen. Wenn sie sich dann darauf einigen, den geilsten Tag aller Zeiten erlebt zu haben, wollen sie gemeinsam Selbstmord begehen. Die Suche nach diesem geilsten Tag führt sie schliesslich nach Afrika.
Lahme Witze, aufdringliche Popsongs, Kitsch, Rassismus, Sexismus, Klischees, tiefsinnig gemeinte Kalendersprüche: Der geilste Tag versammelt alles, was die deutsche Komödie nach der Schule Til Schweiger so durch und durch unterträglich macht, und setzt noch das Pathos von Krebsdramen oben drauf. Absolut unentschuldbar.

 
Hier gehts zur Bestenliste

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