Rogue One: Eine mühsame Geschichte

Achtung, Achtung, ich spoilere hier gnadenlos. (Zu dem Thema möchte ich hiermit anmerken, dass mir die ganze Spoilerhysterie tierisch auf die Nerven geht — und wer bei dieser Hysterie mitmacht, macht sich in meinen Augen zum Knecht der Marketingabteilung Disneys. Kampf der Maus!)

Als letzter Mensch auf der Welt habe ich mir also Rogue One: A Christmas Carol angesehen. Und wie alle anderen bestehe ich darauf, meine Gedanken dazu ins Internet zu blasen. Hier habt ihr sie.

  • Darüber, dass der Todesstern eine derart offensichtliche Schwäche eingebaut hat, haben sich selbstgefällige Nerds seit 1978 immer wieder lustig gemacht. Jetzt hat man einen ganzen verdammten Film gedreht, nur um jenen eins reinzuwürgen.
     
  • Wieviele Star-Wars-Prequels braucht die Welt eigentlich noch? Haben wir uns nach den Episoden I bis III nicht darauf geeinigt, dass Prequels ganz grundsätzlich eine dumme Idee sind? So auch hier: Um die Continuity nicht durcheinander zu bringen, kommt Rogue One zum Beispiel gar nicht darum herum, sämtliche Protagonisten umzubringen (wie gesagt: Achtung, Spoiler) — was in der inflationären Häufung der Heldentode bald einmal noch mühsamer und billiger wird als bei Game of Thrones. Emotionale Wucht? Keine Spur.
     
  • Die einzige Figur, um die es schade war, um die ich tatsächlich geweint habe, war K-2SO (Alan Tudyk), jener imperiale Droide, der zwar erfolgreich zum Rebell umprogrammiert wurde, sich seither aber fast ausschliesslich in trockenem Sarkasmus mitteilt. Damit legt er genau jene Geisteshaltung an den Tag, die ich als Zuschauer gegenüber Rogue One notgedrungen einnehme, wird also zur idealen Identifikationsfigur. Damit ist er auch interessanter als die kugelrunde R2-D2-Kopie aus The Force Awakens. Umso übler nehme ich es den Filmemachern, dass sie K-2SO eben umgebracht haben, noch nicht einmal aus der Logik der Geschichte oder der Figur heraus, sondern, wie gesagt, den Zwängen eines Prequels folgend. Prequels sind ein Scheiss, will ich damit sagen.
     
  • Just als ich mir den Film im Kino angesehen habe, las ich in der Pause auf meinem Smartphone, dass Carrie Fisher gestorben ist. Wahrscheinlich war das nur ein Zufall, aber etwas unbehaglich ist mir jetzt schon. Jedenfalls kam mir danach das Ende besonders schräg rein (wo mithilfe von CGI eine junge Prinzessin Leia auftritt, gell. Wie gesagt, Spoiler und so).
     
  • Dass in Rogue One auch Tarkin auftaucht und dafür Peter Cushing mit CGI-Technik zu neuem Leben erweckt wurde (verstorben ist er schon 1994), wusste man ja. Das computergenerierte Gummigesicht fand ich keine Sekunde lang überzeugend, aber anscheinend ging das vielen Leuten anders. Für mich jedenfalls ist Zombie-Tarkin das perfekte Symbol für die Disney-Ära des Kriegs der Sterne: Es fühlt sich schon irgendwie nach dem Original an, aber im Grunde seines Herzens spürt man, dass da irgendwas nicht stimmt, dass wir da keinen lebendigen Film vor uns haben, sondern ein Frankenstein-Monster aus wiederverwerteten Teilen, gerade so zusammengehalten von Nostalgie. (Übrigens, Cushing hat seinerzeit in mehreren Filmen der Hammer-Studios Doktor Frankenstein verkörpert.)
     
  • Regisseur Gareth Edwards hat zuletzt Godzilla (2014) gemacht — und das merkt man, nämlich im Finale, wo sich Rebellen und Imperiale eine Schlacht liefern, wobei plötzlich einige AT-AT ins Geschehen eingreifen (das sind jene Roboter-Mammuts, die man aus The Empire Strikes Back kennt). Diese Riesenmaschinen aus dem Blickwinkel von Bodentruppen zu erleben, das ist schon gruselig. Ansonsten hat mir die ganze Inszenierung etwas zuviel Wackelkamera à la Saving Private Ryan (1998).
     
  • Wir haben Rogue One im Abaton gesehen, diesem Kitag-Multiplex am Escher-Wyss-Platz. Ich muss schon sagen, gerade die Kitag tut alles in ihrer Macht stehende, um einem den Kinobesuch zu vergällen. Bevor der Film anfing, gabs erst einmal eine halbe Stunde Werbung, wobei die Hälfte davon für Autos warb. (Ich glaube, es wurde auch ein einzelner Filmtrailer gezeigt, aber ich würde dafür nicht meine Hand ins Feuer legen.) Weiterhin unterschieden sich die Werbefilmchen der verschiedenen Automarken kaum voneinander — abgesehen davon, dass es sich grundsätzlich um immer dieselbe Edel-Ästhetik handelt, schauen die Marketingleute sich sogar spezifische Ideen voneinander ab: Gleich dreimal bestand der Bildeinfall darin, die Zeit rückwärts laufen zu lassen.
     
  • Merke zudem: Wenn man einen Staubsauger Männern verkaufen will, so muss man diesen ebenfalls in der Ästhetik einer Autowerbung darstellen — inklusive Nonsens-Technik-Geschwätz („Vortex-Technologie“).
     
  • Wer auch immer im Projektor-Raum des Kinosaals stand, brachte dann ein besonderes Kunststück fertig: Die Pause begann mitten in einem Satz — und nach der Pause ging der Film mitten im Satz weiter. Ich ziehe meinen Hut.
     
  • Ich hätte ja fast schon vorgeschlagen, Rogue One ins Houdini gucken zu gehen, aber dort bekommt man den Film nur in 3-D zu sehen — und dazu noch in einem anderen 3-D-System als bei der Kitag oder den Arena Cinemas. Alternative Kinos in allen Ehren, aber ich hab bereits eine Schublade voller 3-D-Brillen zuhause, verdammt nochmal!
     
  • Und zuletzt: Wenn der nächste Star-Wars-Film schon wieder von einem Todesstern (oder einer dem Todesstern ähnlichen Einrichtung) handelt, schreie ich! DENKT EUCH WAS NEUES AUS HIMMELHERRGOTTNOCHMAL!

 

Rogue One: A Star Wars Story
USA 2016, 133 Min.
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Chris Weitz, Tony Gilroy, John Knoll, Gary Whitta
Mit Felicity Jones, Diego Luna, Donnie Yen, Alan Tudyk, Forest Whitaker, Mads Mikkelsen, James Earl Jones et al.

 
Hier gibts die Kritik zum Film bei den Kollegen vom Buddelfisch.

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2 Gedanken zu “Rogue One: Eine mühsame Geschichte

  1. Geh nächstes Mal ins Houdini! Die Brille bekommst du da und gibst sie nach dem Film wieder ab. Da hast du auch keine Pause drin. Zudem ist das Dolby Atmos System wirklich gelungen. Soll nicht Reklame fürs Houdini sein, aber wenn du ins falsche Kino gehst, hat das nichts mit dem Film zu tun.
    Ich hab mich auf jeden Fall wie ein kleines Kind gefreut als die Rebellen gegen die Sternenzerstörer ins Feld gezogen sind.
    Der Extremistenführer war aber die totale Witzfigur! 😦

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