Der Autovampir: Horror aus dem Osten

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Man stelle sich den kleinen Gregor vor, wie er die Fernsehpostille durchblättert und dabei auf einen Film namens Der Autovampir stösst. Als Gruselfan streicht er sich das selbstverständlich an und noch in derselben Nacht beguckt er sich das Lichtspielwerk in der Flimmerkiste – woraufhin er sich zuhöchst darüber empört, dass es da gar nicht um einen Vampir geht, der Autos aussaugt, sondern um ein Auto, das Menschen aussaugt, der Titel also Das Vampirauto lauten müsste. Eine tolldreiste Verhöhnung von Logik und Sprache.

Der Autovampir
Der Autovampir
Betitelung hin oder her, Der Autovampir hat sich damals in mein Gedächntnis eingeprägt, und noch Jahre später hab ich von Zeit zu Zeit daran zurückgedacht. Blöd nur, dass das verdammte Ding nirgendwo aufzutreiben war. Abgesehen von einer Fernsehausstrahlung alle paar Schaltjahre existierte keine Veröffentlichung, weder auf Kassette noch auf Silberscheibe. Was wohl daran lag, dass der Film 1981 in der Tschechoslowakei produziert wurde, als mitten im kommunistischen Osten, und im Laufe der politischen Umwälzungen in irgendeinem Bunker vergessen ging. Oder es hat sich einfach kein Schwanz dafür interessiert – zumindest im Westen.
Nun, 2009 hatten die Tschechen endlich ein Einsehen und brauchten eine DVD heraus. Zwar ohne jede Synchro oder Untertitel, aber immerhin. Die Untertitel hat dann irgendein anonymer Mensch aus dem Internet nachgeliefert, dafür sei ihm hiermit wärmster Dank ausgesprochen.
So kann ich mir heute also endlich wieder Der Autovampir ansehen – und das dazu noch passgenau zum 35-Jahre-Jubiläum des Streifens.

Disclaimer: Soweit ich Dialoge wiedergebe, habe ich sie aus dem Englischen übersetzt.

 
Der schwarze Rennwagen

Dr. Marek (Jirí Menzel) und Krankenschwester Mima (Dagmar Veskrnová*) sind als Rettungssanitäter unterwegs – sie wurden zu einem Herzinfarkt gerufen. (Ein dritter Sanitäter hockt hinten drin, aber der ist nicht weiter wichtig.) Mima sitzt am Steuer und fährt wie ein Schulbusfahrer, der nach dreissig Jahren im Beruf endlich seinen Selbstmordgedanken nachgibt. Der Doktor versucht nichtsdestotrotz, sie anzuflirten:
„Wir sollten mal in einem normalen Wagen ausfahren.“
„Du meinst, in deinem Auto?“
„Du darfst natürlich fahren.“
„Und du bist die Sirene.“

Eine Frau am Steuer? In Osten steht die Welt echt kopf.
* Dagmar Veskrnová heisst heute Dagmar Havlová, denn 1997 heiratete sie Václav Havel – der seinerseits einer der führenden Köpfe der Samtenen Revolution war, als der letzte Präsident der Tschechoslowakei diente (1989-1992) und anschliessend als erster Präsident der Tschechischen Republik (1993-2003). Ja, bei mir lernt man was.

Auf dem Weg zum Notfall nähert sich Marek und Mima ein schwarzer Rennwagen, der ein abenteuerliches Überholmanöver hinlegt und damit einen Lastwagen von der Strasse drängt, der wiederum seine gesamte Ladung über die Strasse verteilt: tausende und abertausende von Tomaten! Sympathischerweise fährt der Rennwagen einfach weiter.
Marek und Mima überwinden das Gemüse-Hindernis und sehen bald darauf den Rennwagen am Strassenrand stehen. Mima hält an, um dem Fahrer die Meinung zu geigen, doch er fährt ihr vor der Nase davon. Was für ein Arschloch!
Der Tag wird nicht besser: Die Adresse aus dem Notruf existiert gar nicht. Gewissenlose Scherzanrufe gabs demfall auch im Kommunismus (man hatte ja sonst nichts). Dafür stellt sich den beiden jetzt der Rennwagen von vorhin in den Weg. So können wir erstmals einen genauen Blick auf den Ferat Vampire RSR werfen. Und was soll ich sagen: Die Karre ist potthässlich. Zwar imitiert sie ansatzweise den Schnitt eines eleganten Sportwagens, wirkt jedoch aufgrund des eckigen Designs und der ausladenden Seitenleiste ziemlich klobig – ganz zu schweigen vom massiven Heckspoiler, der auf einem breiten Hintern montiert ist. Später sehen wir den Wagen mit sperrigen Scheinwerfern, befestigt auf der Motorhaube. Ein Auto, wie es nur sein Konstrukteur lieben kann.
Aber das Beste: Der Ferat hat keine Türen im klassischen Sinne. Um einzusteigen (oder auszusteigen, je nachdem), muss man den ganzen Vorderbau hochklappen, ähnlich wie bei einem Kampfjet. Oder wie bei einem BMW Isetta.
(Ursprünglich war dieser Ferat ein Konzeptwagen von Škoda, aber dazu erzähl ich euch weiter unten mehr.)

Hätte damals nicht der Kapitalismus gewonnen, hätten wir jetzt alle solche Frisuren
Am Steuer des Wagens sitzt Luisa Tomásová (Jana Brezková), eine bekannte Rennfahrerin. Sie ist bei Team Ferat unter Vertrag und testet gerade dessen jüngstes Modell. Ferat ist ein Autohersteller aus Deutschland (also grundsätzlich böse), der mit diesem experimentellen Neubau an einem grossen Rennen teilnehmen will, welches demnächst ansteht. Der Vampire RSR soll Ferat den Sieg holen, was wiederum einen netten Werbe-Effekt zeitigen würde. (Übrigens: Den Intelligenteren unter euch wird aufgefallen sein, dass es sich bei „Ferat“ um ein überaus geistreiches Wortspiel auf „Nosferatu“ handelt.)
Nun streckt Luisa unseren Rettungssanitätern den rechten Fuss unter die Nase: „Ich glaube, ich hab mir was gebrochen.“ Sieht aus wie ein riesiger Bluterguss an der vorderen Fusssohle. „Es ist, als wäre mein Fuss ins Gaspedal gesogen worden.“ Als Fahrzeugexpertin bestätigt Mima, dass das Gaspedal eine seltsame Form hat. Luisa verspricht, es überprüfen zu lassen, und fährt weiter.
Marek, Mima, hört mal … Die Frau hat eben vorhin einen mittelgrossen Unfall verursacht und Fahrerflucht begangen. Wollt ihr nicht die Polizei verständigen?

Aber wie es aussieht, hat sich das von selbst erledigt: Ein, zwei Kurven weiter stossen die Rettungssanitäter auf das Wrack des Ferat. Anscheinend ist Luisa von der Strasse abgekommen — das hauseigene Notfallteam von Ferat transportieren gerade die bewusstlose und dem Anschein nach schwerstverletzte Rennfahrerin ab.
Vor Ort sind auch Leute vom Fernsehen. Ein Reporter hält sein Mikro in das Gesicht eines gewissen Herrn Kriz (Petr Cepek), dem Leiter des Rennteams: „Könnte es an einem Konstruktionsfehler liegen?“
„Ich schliesse jeden Konstruktionsfehler kategorisch aus. Es muss ein menschlicher Fehler gewesen sein.“
Da widerspricht ihm jedoch Dr. Marek, der den Reportern vom Gaspedal erzählt. Und er holt Mima vor die Kamera: „Du hast dir den Wagen angesehen. Waren die Pedale in Ordnung?“
„Ja, sie waren in Ordnung.“
Weshalb ist sie ihrem Kollegen in den Rücken gefallen? Ganz einfach: Bevor sie Sanitätsfahrerin geworden ist, hat Mima Rennen gefahren – und ausgerechnet Kriz war ihr Mentor. Nachdem Luisa ausgefallen ist, hofft die Krankenschwester nun, zurück auf die Rennbahn zu dürfen. Schliesslich wird sie ihre Stelle beim Spital kündigen und dem Team Ferat beitreten. Schade für Marek, der sich bekanntlich in die Kollegin verguckt hatte. (Tun wir mal so, als hätte er eine Chance gehabt.)

Unser Doktor will sich Luisa ansehen, kriegt im Spital jedoch den Bescheid, dass sie verstorben sei. Krepiert, verreckt, zum Wurmfutter bestimmt. Das bestätigt ihm auch der Leichenbeschauer. Marek ist allerdings der Meinung, dessen Obduktionsbericht stimme nicht mit dem Unfallhergang überein – und als ihm der Gerichtsmediziner zum Beweis die Leiche zeigen will, ist sie verschwunden. Sehr verdächtig, das alles. Immerhin hat der Mann (also der Gerichtsmediziner) eine interessante Entdeckung gemacht:
„Es ist, als hätte ihr jemand den Fuss abgebissen.“
„Abgebissen?“
„Ja, abgebissen.“

 
Auf Vampirjagd

Alle kommunistischen Pornos fangen so an — weibliche Darsteller konnte man sich nicht leisten
Tags darauf wird Marek von einem älteren Typen Typ mit Bart und Trenchcoat aus dem Tiefschlaf gerissen. „Entschuldigen Sie, ich bin Kaplan. Ein Wissenschaftler.“
An der Stelle von Marek hätt ich mich ja zumindest darüber gewundert, wie der Kerl in mein Haus kommt (und ihm allenfalls gemeine Schläge, brutale Knochenbrüche und ganz miese Verstümmelungen angedroht), aber unser Doktor hat dafür nicht einmal ein Schulterzucken übrig.
Wie dem auch sei, Herr Kaplan (Jan Schmid) ist für heute unser Dr. Van Helsing. Er will den Ferat aus dem Verkehr ziehen, denn: „Der Wagen läuft mit Blut.“ Ein Vampirauto! … äh, Autovampir! Ein ganz gemeiner Autovampir, der seinem Fahrer durchs Gaspedal Blut entzieht. Verwunderlicherweise mag Marek diesem Typen, der in seine Wohnung einbricht und irgendwelchen Nonsens von blutsaugenden Gefährten faselt, nicht so einfach unbesehen glauben.
Zusammen gehen die beiden ins Irrenhaus – nicht, weil Kaplan verrückt wäre, sondern weil einer der Psychiater die Geschichte vom Vampirauto ebenfalls für die Wahrheit hält. „Ein Kollege von mir, ein Doktor, hat vor zehn Jahren eine Geschichte über so ein Auto geschrieben.“
(Das ist eine Anspielung auf Josef Nesvadba, der die Kurzgeschichte verfasst hat, auf jener dieser Film basiert – und der hauptberuflich tatsächlich Psychiater war. Dazu später mehr.)

Draculas kleiner Bruder frisst nichts als Blutwurst, deswegen hat ihn sein Arzt schon wieder auf Diät gesetzt
Marek ist noch immer nicht überzeugt: Wie um alles in der Welt käme denn irgendwer auf die Idee, so ein Auto zu bauen, geschweige denn zu kaufen? Dazu Kaplan: „Angesichts der gegenwärtigen Energiekrise ist Blut der billigste Treibstoff, den ich mir denken kann.“
Um Marek doch noch auf seine Seite zu kriegen, projiziert Kaplan für ihn einen alten Stummfilm. Wir sehen, wie sich Dracula aus dem Sarg erhebt und sich ins Zimmer einer jungen Frau schleicht, um sie zu beissen. Wenn ein alter 8mm-Gruselfilm kein schlagendes Argument ist, was dann?
(Das Filmchen wurde extra für Der Autovampir gedreht, eine kleine Hommage an Murnaus Nosferatu und an Bela Lugosi. Den Dracula spielt niemand Geringeres als Regisseur Juraj Herz.)
Kaplan theoretisiert im Übrigen, dass nicht bloss das Auto Blut säuft – sein Opfer wird selbst zum Untoten, zum Zombie. (Vampire, Untote, Zombies, alles dasselbe.)
„Sie meinen also, Luisa Tomasova ist nicht tot, aber auch nicht am Leben. Sie wartet auf ihr nächstes Opfer. Wollen Sie das sagen?“
„Nun, haben Sie ihre Leiche gesehen?“

Folgende Szene hielt ich zunächst für eine Traumsequenz, doch nein, das trägt sich tatsächlich so zu: Marek schleicht sich auf den Friedhof, um dem Leichenhaus einen Besuch abzustatten. In der Mitte des Raumes steht der riesige Sarg von Luisa. Kurzerhand wuchtet Marek den Deckel hoch, doch im Sarg liegt nichts als feuchte Erde. Genau in dem Moment geht hinter ihm das Tür auf – und wer steht da? Luisa! Okay, nein, es ist nicht Luisa, sondern ihre Schwester Klára. Ihre Zwillingsschwester. Sie ist der Toten wie aus dem Gesicht geschnitten, hat sogar die exakt gleiche Frisur – fast so, als sei das dieselbe Schauspielerin.
Auch Klára argwöhnt, dass es bei Luisas Tod nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, und will Marek bei der Aufklärung helfen. Sie erklärt ihm, Luisas Leiche befinde sich im Krematorium. Als er am nächsten Tag hingeht, ist es bereits zu spät – die Beerdigung ist gerade vorüber. Soll heissen, Luisas Körper ist in Rauch aufgegangen. Verdammt, Marek, hättest du nicht ein andermal ausschlafen können?

„Als Personifikation kapitalistischer Verschwendungssucht rauche ich konsequent zwei Zigaretten auf einmal.“
Dafür wird der Doktor nun von Madame Ferat (Zdenka Procházková) in ihre Firmenräume geladen. Die Dame steckt hinter allem, was mit dem Vampirauto zu tun hat, und sie ist der Hammer: Madame Ferat raucht und trinkt Whisky, sie liebt schwarze Dobermänner und umgibt sich mit Blondinen (allesamt mit Stöckelschuhen und tiefem Ausschnitt), an denen sie die ganze Zeit rumfummelt und mit denen sie die Zigaretten teilt. (Spür ich da einen Vibe à la Elisabeth Báthory?)
Was will sie eigentlich von Marek? Sie will ihm Geld geben, um einen „objektiven Bericht“ über den Ferat zu schreiben. Natürlich sagt sie ihm voraus, dass er nichts Verdächtiges finden werde.

Wenn das mal kein sexy Geschöpf ist. Und die Frau hat ein nettes Kleid.
Marek geht zu Klára, um ihr mitzuteilen, dass er das Angebot von Madame Ferat annimmt.
„Ich verstehe“, meint Klára.
„Gar nichts verstehst du“, sagt Marek. Er nehme den Job bloss an, um leichter an Beweise zu kommen.
Eher wir uns versehen, zieht sich Klára aus, um Marek genital zu dingsen. Eine der verblüffenderen Szenen der Filmgeschichte: Klára ist ja eine äusserst attraktive Frau (auch wenn sie raucht wie ein Fabrikschlot), Marek hingegen sieht aus wie der König aller Steuerberater. Seine Mine zeigt nichts anderes als permanenten Halbschlaf, er trägt einen grauenhaften Seitenscheitel auf dem Kopf und auf der Nase die Brille mit den dicksten und grössten Gläsern, die man sich überhaupt vorstellen kann. Und seine Krawatte reicht gerade mal bis zum Bauchnabel. Mit anderen Worten: Wenn Klára ein luxuriöser Sportwagen ist, so ist Marek das Auto von Mr. Bean. (Übrigens: Hab ich schon erwähnt, dass Marek privat einen Fiat fährt? So eine Schuhschachtel auf Rädern?)
Oh, während die beiden ihren Trieben Auslauf geben, werden sie von Kláras uralter Grossmutter beobachtet. Die Mumie ist an den Rollstuhl gebunden und derart senil, dass sie Kláras ständig mit der toten Luisa verwechselt, aber das Spannen hat sie noch immer so gut drauf wie damals, als sie ein pubertierender Knabe war.
Das angefangene Liebesspiel nimmt ein vorschnelles Ende, nicht weil Marek seine Herrensahne zu früh verspritzt, sondern weil sich unter dem Pärchen eine Blutlache bildet. Sie beiden sind völlig verschmiert. Wie sich herausstellt, befinden sich unter dem Sofa lauter Flaschen mit Blut, die unser Paar beim Herumwälzen auf dem Teppich versehentlich zerschlagen hat.
Ihr wundert euch, was es mit diesen Flaschen auf sich hat? Tja, ich mich auch.

Das kommt davon, wenn man die Batterie aus Spargründen selber wechseln will.
Zeit für eine echte Traumsequenz. Marek träumt zunächst, wie er von Autos über eine nächtliche Strasse gehetzt wird. Daraufhin findet er sich in den Firmenräumen von Ferat wieder, wo er jäh dem Vampirauto vor die Scheinwerfer stiefelt. Dessen Motorhaube hebt und senkt sich, als würde der Wagen atmen. Also schneidet Marek mit dem Taschenmesser ein Loch in die Haube (dabei spritzt im Blut ins Gesicht) und greift hinein. Aber da, irgendwas packt ihn am Arm! Das Auto will ihn fressen! Welch Ungemach! Doch bevor ihn ein gräulich Schicksal im Bauch des Teufelswagen blüht, kommt er wieder frei. Zwecks Rache reisst er die Motorhaube auf, so dass blutige Innereien zum Vorschein kommen.

Den Traum noch frisch im Gedächtnis, rennt Marek zu Kaplan. Auf dem Weg überquert er einen einen Zebrastreifen – just über denselben trippelt auch eine alte Frau. Sie befindet sich noch mitten auf der Strasse, als die Ampel von Grün auf Rot umschlägt. Verschreckt erstarrt die Alte an Ort und Stelle, während links und rechts von ihr die Autos vorbeirauschen. Das ist zuviel für ihr Herz: Sie bricht zusammen. Marek kann nur noch ihren Tod feststellen.
„Keiner der Autofahrer hat angehalten“, klagt er später Kaplan.
„Im Grunde werden sie alle mit dem Fuss ins Gaspedal gesogen“, sagt jener. „Und Fussgänger sind bloss Feinde, die sie vom Rasen abhalten.“

Ferat vs. Fiat
Item. Marek und Kaplan begeben sich mit Mareks Fiat zur Rennstrecke, wo Kriz und Mima mit dem Vampire RSR üben. Unsere Helden stellen sich ihnen in den Weg. „Dr. Marek hat die Erlaubnis, den Wagen zu untersuchen!“, brüllt Kaplan.
Marek sorgt sich um Mimas allgemeinen Gesundheitszustand, denn sie macht einen blümeranten Eindruck. Kriz seinerseits ärgert sich, dass ihm fast die Mütze von der Birne fliegt: „Sie können den Wagen ein andermal inspizieren.“ Und wrrrumm, fährt der Ferat davon.

So behelfen sich Marek und Kaplan halt anderweitig und schleichen sich heimlich zur Lagerhalle von Team Ferat und steigen unbürokratisch durch ein Fenster ein, nachdem sie es mit einem Stein eingeschlagen haben. Da steht er, der Ferat, der Teufelskarren, der Autovampir. Unser Doktor lauscht an der Motorhaube und tatsächlich: Er hört ein Atmen, ganz ähnlich wie in seinem Traum. Vom Steuer aus öffnet Kaplan die Haube – und aus dem Motorraum heraus springt ein Wachhund, der Marek an die Gurgel zu gehen droht. Der Lärm ruft das ganze Team herbei, eine von Madame Ferats Blondinen pfeift den Hund zu sich, bevor es Marek an den Kragen geht.
Jesses. Also: Es handelt sich bei dem Ferat um den Wagen, mit dem Luisa verunfallt ist – nicht um den Wagen, mit dem Kriz und Mima gerade herumgefahren sind. Die Mechaniker haben den Motor schon längst ausgebaut, um ihn zu untersuchen. Und stattdessen hat irgendwer den Wachhund unter die Motorhaube gesperrt. Jesus Taliban, was für ein Tierquäler macht denn sowas!
(Übrigens: Natürlich haben die Filmemacher nicht extra den Motor rausgenommen, um diese Szene zu drehen – in Wirklichkeit sitzt der Motor bei diesem Wagen schlicht im Heck.)

Zugegeben, irgendwas scheint Marek richtig zu machen.
Versagen auf ganzer Linie, würd ich mal behaupten. Auch im weiteren Verlauf seiner Untersuchungen findet Marek nichts von Belang heraus. Sackgasse. Da kriegt er eines Abends Besuch von Mima. Sie duscht in seiner Wohnung und legt sich nackt in sein Bett – die hat wohl Hintergedanken. Und tatsächlich, sie wirft sich ihm an den Hals. Buchstäblich. Mit ihren Zähnen. Aber keine Sorge, sie hat ihm bloss einen Knutschfleck gemacht, und das rote Zeug ist kein Blut, sondern Lippenstift. Jedenfalls bittet sie Marek darum, sie in Ruhe zu lassen, bis das Rennen vorbei ist. Daraufhin macht sie sich schnell aus dem Staub und lässt Marek allein zurück mit seinem Knutschfleck (und blauen Eiern).

Darüber hinaus hat Mima aus Versehen ein Pillenfläschchen in seiner Wohnung vergessen.
„Feronat“, identifiziert ein Arztkollege von Marek die Pillen. „Jeder Blutspender kriegt die.“
„Ich frage mich“, sagt Marek, „ob Mima ein Zombie ist.“ (Wie gesagt: ob Vampir ob Zombie, alles dasselbe. Ist nicht so, als würden wir nochmal darauf zurückkommen.)

 
Das grosse Rennen

Endlich findet das Rennen statt. Teams aus aller Welt sind angereist für die grosse Škoda-Rallye von ’81. (Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass Škoda Partner der Filmproduktion war?) Und wir merken, dass der Ferat Vampire RSR nicht wirklich für diese Art von Geländerennen gebaut ist – die ganzen richtigen Rallye-Wagen sind kompakter und schmaler und dem Anschein nach deutlich wendiger in der Navigation als das Vampirauto.
Dennoch kommt der Ferat natürlich als erster ins Ziel. Ein grosser Erfolg für das Team.
Madame Ferat ist übrigens höchstselbst im Ferat-Übertragungswagen angereist, um das Rennen aus der Nähe zu beobachten. Im Inneren des Wagens hat sie zwei Plakate aufhängen lassen – eines zeigt Brüste, das andere einen nackten Frauenhintern.
(Das Plakat mit dem Hintern ist ein Werbeplakat der deutschen Textilfirma Trigema. „Trigema setzt Zeichen“ — auf den Hintern ist das Logo der Firma angebracht. Wir erinnern uns, Team Fermat kommt aus Deutschland.)

Mit dieser Scheinwerferanlage kann man unter anderem spontane proktologische Untersuchungen an Fussgängern durchführen
Nach dem Rennen versuchen Marek und Kaplan, an das Auto heranzukommen, allerdings erfolglos. Die beiden bekommen immerhin mit, dass die Fahrerin des Wagens mit hohem Blutverlust ins Hospital eingeliefert worden sei.
Kaplan bleibt vor Ort und dringt in den Fuhrpark der Rennteams ein, um das Vampirauto höchstselbst in Augenschein zu nehmen. Allerdings kriegt er bloss einen harmlosen Zwilling des Vampirautos in die Finger, soll heissen, ein anderer Ferat mit einem völlig unauffälligen Motor.
Damit verabschiedet sich Kaplan stillschweigend aus dem Film. Tschüss, Herr Kaplan. Bleiben Sie gefälligst von meinem Schlafzimmer fern.

Derweil macht sich Marek mit dem Fiat gen Krankenhaus auf – bleibt unterwegs aber im Stau stecken. Und nicht nur das: Er gerät zwischen zwei Laster, die seinen Kleinwagen in die Zange nehmen und zerquetschen. Marek entkommt im letzten Augenblick, indem er mit den Füssen die Frontscheibe einschlägt und rausklettert. Armer kleiner Fiat.
Notgedrungen geht Marek zu Fuss ins Spital. Dort erfährt er, dass auch diese Ferat-Fahrerin bereits verstorben ist und im Leichenschauhaus liegt.

So, nun geht’s dem Ende entgegen, weswegen ich vorsorglich eine Spoilerwarnung ausspreche. (Was das anbelangt, herrscht heutzutage ja eine richtiggehende Hysterie.) Wer sich denn gar nichts verraten lassen will (glaubt mir, es kommt nicht drauf an), möge zum nächsten Zwischentitel springen.

Völlig verschwitzt kommt Marek im uns bereits bekannten Leichenschauhaus an und spricht mit dem Gerichtsmediziner.
„Es ist, als als hätte ihr jemand den Fuss abgebissen,“ sagt jenerwelcher.
„Ihr Kollege sagte mir letzte Woche dasselbe.“
„Das ist unmöglich, wir warten seit Monaten auf Unterstützung. Ich bin der einzige hier, der Autopsien durchführt.“
Freundlicherweise zeigt der Gerichtsmediziner Marek die Leiche. Es ist Klára!
„Nein, das ist nicht Klára“, sagt der Leichenbeschauer. „Das ist Luisa Tomásová, die einzige Tochter von Professor Tomás. Er war ein grossartiger Pathologe. Hat mich zweimal durch die Prüfung fallen lassen.“
Was hat das zu bedeuten?

Dieser Fiat fährt vermutlich nicht mehr
Marek kehrt zur Lagerhalle zurück, aber Team Ferat hat längst alle Zelte abgebrochen. Unser Held findet bloss Kriz vor, der ihm aus einer Zeitung vorliest: „’Ferat mordet‘, sagt Dr. Marek. Diese Beschuldigung hat grosses Interesse an dem sonst unbekannten Wagen geweckt. Die Firma Ferat unterzeichnet täglich neue Verträge und die Tatsache, dass der Wagen bereits sein erstes Opfer gefunden hat, hat die Verkäufe nur noch mehr angekurbelt.“
Kriz schimpft Marek einen Trottel: „Hunderte von Leute freuen sich auf den Nervenkitzel, in einem Ferat zu sterben. Sie haben geholfen, ihn in der ganzen Welt bekannt zu machen.“
Welch eine infame Schurkerei: Madame Ferat hat von Anfang an alles inszenieren lassen. Der falsche Notruf war nur dazu da, um Marek und Mima zum Vampirauto zu locken. Luisas Unfall war gestellt, beim ersten Rechtsmediziner handelte es sich um einen Schauspieler. Marek sah keine Leiche, weil es damals noch keine gegeben hat. Und es existierte zwar in der Tat eine Zwillingsschwester namens Klára, die segnete das Zeitliche aber schon mit sieben Jahren. Luisa hat sich ihre Identität angeeignet, um Marek reinzulegen. Die senile Grossmutter hat ihre Enkelin somit gar nicht verwechselt, sondern faktisch mit ihrem richtigen Namen angesprochen.
Von Luisa stammten auch die Blutflaschen unter dem Sofa: „Die Bluttransfusionen waren das einzige, was sie am Leben erhielt. Es hätte nicht gut ausgesehen, wenn da Publikum sie an der Ziellinie gesehen hätte. Darum hat Mima das Rennen beenden müssen.“
Mima startete also mit der harmlosen Ausführung des Ferat und fuhr damit ins Ziel, allewo Luisa mit dem Vampirauto heimlich ihren Platz eingenommen hat und das eigentliche Rennen gefahren ist.
Apropos, wo ist Mima jetzt? Nun, nachdem das Rennen beendet war, hatte Madame Ferat keine Verwendung mehr für sie und hat sie gefeuert. Daraufhin hat Mima das Vampirauto gestohlen und ist damit davongerast. Der Film deutet an, dass der Wagen ihr das Blut aussaugt, bis sie stirbt. Happy End!

 
Ein Psychiater schreibt in seiner Freizeit

Man darf ja keinesfalls den Einfluss der Tschechen auf die phantastische Literatur unterschätzen. Beispiel: Dem Science-Fiction-Autor Karel Čapek (1890-1938) und seinem Theaterstück R.U.R. (1920) verfdanken wir den Begriff „Roboter“.
Eine schöne Hommage an Čapeks Drama ist Die absolute Maschine, eine Kurzgeschichte, in der es einem Hobby-Wissenschafter gelingt, die Bühnenidee des künstlichen Menschen in die Realität umsetzt. Der Text stammt von Josef Nesvadba (1926-2005), dem wohl wichtigsten Fantastik-Schriftsteller der tschechischen Nachkriegszeit. Hauptberuflich arbeitete er als Psychiater, fing nebenher aber mit der Übersetzung von englischen Gedichten an – und schrieb schliesslich selbst, in erster Linie satirische Science Fiction. Einige Seiner Werke wurden in der Tschechoslowakei verfilmt, einschliesslich der Kurzgeschichte Vampir Ltd., die Vorlage zu Der Autovampir.

Buchcover
Buchcover
Vampir Ltd. beginnt wie folgt:

Wenn ich mich heute, ein Jahr später, an meine Reise nach England erinnere, denke ich eigentlich vor allem an die Automobile. In Westeuropa scheint eine neue Invation erfolgt zu sein. Die Motoristeninvasion.

London erscheint dem Ich-Erzähler als Höllenvision des Strassenverkehrs:

Ich verliess die Untergrundbahn und wollte mich nach der Strasse erkundingen, in der meine Freundin wohnte. Aber ich fand niemanden. Das heisst, auf dem Gehsteig war niemand, auf der Fahrbahn hingegen kroch eine vier Kolonnen breite Schlange von Stahlbüchsen dahin, die ihre Lenker so gründlich isolierten, dass von draussen weder Fragen noch Geschrei zu ihnen dringen konnten.

Der Ich-Erzähler will eigentlich an eine Konferenz, verpasst jedoch den Zug. Also versucht er sich als Anhalter. Zu seinem Glück hält ein englischer Lord, der ihm kurzerhand seinen Wagen ausleiht. Die Karre ist ein grandioses Gefährt, schnell wie eine Rakete und ehrfurchtgebietend:

Die anderen Wagen hielten respektvoll, wenn ich kam. Sämtliche Austins, Fords, Rolly-Royces, Peugeots, Chevrolets und wie sie sonst heissen mögen, dieser ganze Automittelstand hielt ehrfurchtsvoll vor meinem Aristokraten. Sogar die Polizisten auf ihren Krafträdern salutierten.

Mit dem Auto beeindruckt er auch eine junge Frau, die bei ihm einsteigt und ihm Avancen macht. Der Erzähler ist ein unscheinbarer älterer Mann, aber der Wagen steigert seine Sexiness ins Unermessliche. Während einer Teepause kommen die beiden mit einer Marchesa ins Gespräch. Auch die Adelige ist eine Auto-Närrin, was unserem Erzähler allmählich auf die Nerven geht.

Ich sagte ihr nur, dass ich diesen Automobilkult im Westen für eine Krise des Individualismus halte, denn da jeder Einzelne sein eigenes Verkehrsmittel haben wolle, würden am Ende alle Strassen und Gassen verstopft sein, so dass eigentlich überhaupt niemand etwas davon habe. Dass diese Flut an Automobilen lediglich ein Symptom für die Krise der Persönlichkeit in unserer Zeit ist. Sie verstand mich nicht.

Die Marchesa fordert ihn zu einem Rennen heraus, das er natürlich hochhaus gewinnt. (Wenn man dauernd gewinnt, macht’s viel mehr Spass!) Das regt die Libido seiner jungen Begleiterin aufs Äusserste an, doch gerade als sie ihm in die Hosen steigen will, kippt er aus den Latschen. Wie sich herausstellt, hat er eine frische Wunde an seinem Fuss und durch eben diese viel Blut verloren. Der Ich-Erzähler untersucht den Wagen und entdeckt, dass das Gefährt mit Blut läuft, das dem Fahrer über das Gaspedal entzogen wird. (Soweit kennen wir das ja.) Die beiden lassen den Höllenwagen stehen und gehen zu Fuss weiter. Doch je weiter der Wagen zurückliegt, umso mehr ist die junge Frau geneigt, die Theorie des Erzählers abzutun.

Wieder lächelte sie, wieder begann sie das Ganze anzuzweifeln, sie sah nur die Annehmlichkeiten der technischen Zivilisation. Die Annehmlichkeiten, die an der Oberfläche der Dinge liegen und von denen man sich an Ort und Stelle überzeugen kann. Schliesslich begannen wir zu streiten.

Die junge Begleiterin lässt sich von einem anderen Autofahrer mitnehmen und verschwindet damit aus dem Leben des Ich-Erzählers. Er jedoch gelangt zufällig in das Dorf, aus dem der Höllenwagen stammt. Und er findet dort die Sekretärin des Autobauers, der das Vampirauto noch vor dem Zweiten Weltkrieg eigenhändig zusammengeschraubt hat und damit eines Tages verschwunden ist. Zum Bestürzen des Erählers schwärmt die Sekretärin von dem Wagen, obwohl sie genau weiss, dass er seine Fahrer tötet.
Unser Held begegnet dort auch der Marchesa von vorhin wieder, die den Wagen unbedingt haben will.

“Ich sage Ihnen, wo der Wagen steht, selbstverständlich, aber ich warne Sie. Diese Maschine bringt Sie um …“ Und ich erzählte ihr alles, was ich erlebt hatte.
„Wie interessant …“, nickte sie höflich.
„Es ist ein Vampir, haben Sie das nicht verstanden? Er saugt Ihnen mit dem Gaspedal das Blut aus dem Leib …“ Sie lachte.
„Dann ist er wirklich sein Geld wert. Haben Sie eine Ahnung, wie ich für die anderen zahlen musste, die ich fuhr? Wofür habe ich mein Benzin gekauft, wofür habe ich sie wirklich bekommen? Ich musste mich preisgeben, um solche Wagen zu besitzen. Und wie kompliziert das war! Durch diesen hier wird nun alles einfacher. Ich will nur ein einziges Mal in meinem Leben Le Mans gewinnen, vor allen anderen. Dann kann ich ruhig sterben. […]“

 
Vom Papier zum Streifen

Vielleicht habt ihrs ja nicht mitbekommen, aber Nesvadbas Kurzgeschichte hat einen sachte gesellschaftskritischen Unterton. Ich möchte fast schon behaupten, Vampir Ltd. grenze ans Moralinsaure, und es fällt nicht sonderlich schwer, darin eine kommunistische Kritik am kapitalistischen Westen zu erkennen. Schon dass Nesvadba den Vampir reaktiviert, passt da ins Konzept: Der Kapitalist als Blutsauger, der vom Proletarier lebt, das ist ein gewohnter Anblick in der sozialistischen Bildsprache. Die frühen Klassenkämpfer schöpften dafür dankbar aus älteren Quellen, denn was sonst erzählt Dracula als die Geschichte eines Adeligen, der sich von den Bauern auf seinem Land ernährt? Ob ökonomische Ausbeutung oder Blutsaugen, am Ende läuft es auf dasselbe hinaus.

Nesvadba treibt die Idee weiter, aktualisiert sie für den modernen Konsumkapitalismus: Nun lassen sich die Menschen gar bereitwillig aussaugen, um ihre Konsumwünsche zu befriedigen. Man hat nichts dagegen, ausgebeutet zu werden, solang dabei ein schickes Auto rausspringt. Denn wer das dickste Auto hat, wer also am meisten zu konsumieren vermag, der kriegt Respekt bezeugt und steigert seinen sexuellen Marktwert. Doch jener Konsumwahnsinn muss im Kollaps enden, nicht nur für jeden einzelnen Menschen, sondern für das gesamte System: “[…] da jeder Einzelne sein eigenes Verkehrsmittel haben wolle, würden am Ende alle Strassen und Gassen verstopft sein.“ Der Kapitalismus frisst sich dick und fett, bis seine Arterien verkalken und er einen Herzinfarkt bekommt.

DVD-Cover
DVD-Cover
Wie man den ausführlichen Schilderungen oben entnehmen kann: Regisseur Juraj Herz und sein Drehbuchautor Jan Fleischer werfen die Handlung der Kurzgeschichte weitgehend über Bord, spielen aber mit Nesvadbas Ideen. Zunächst einmal erweitern sie die Szene der privaten Autofreunde um die aufregende Welt des Rennsports. Es geht auch nicht mehr um einen alten Autobauer, der irgendwann mal einen einzelnen Vampirwagen hergestellt hat, sondern um einen Konzern, der die ganze Welt mit blutsaugenden Autos beliefern will, und damit Erfolg hat – den Errungenschaften des modernen Marketings sei Dank, das die Kundenmanipulation perfektioniert hat.

Herz-Fleischer übernehmen auch die Vereinzelung des Individuums in der Stahlbüchse des Autos. Sei es beim Unfall mit dem Tomaten-Laster oder beim Tod der alten Frau auf dem Zebrastreifen: Stets gucken Leute durch die Fenster ihrer Autos zu, unternehmen aber nichts. Selbst als am Ende Dr. Marek fast getötet wird, als sein Fiat zwischen die beiden Laster gerät, bleiben sie indifferente Gaffer. (Lustigerweise ist jedes Mal dieselbe Familie unter diesen herzlosen Individuen zu finden.)

Blöd ist halt nur eins: Obwohl der Film versucht, die Gefahren der Autogeilheit anzuprangern, befeuert er den Mythos des Autos. Denn der Star von Der Autovampir ist nicht etwa Jirí Menzel als Marek – Star des Filmes ist der Ferat Vampire RSR. Gerade das Gefährliche macht ihn cool. Und das funktioniert nicht nur innerhalb der Filmwelt.

 
Der Škoda Ferat Vampire RSR

Sein Leben begann das Vampirauto als Prototyp eines Sportwagens: 1971 hat der Autohersteller Skoda den Škoda 110 Super Sport entwickelt. In Serie ging das Ding nie. Das Design war zwar hübsch futuristisch, überzeugte die Branche aber nicht wirklich. Und die Leistung soll selbst für einen Sportwagen von damals eher schwach gewesen sein (im Film macht sich sogar einmal ein Mechaniker darüber lustig). Zudem ist die Karre alles andere als eine Schönheit, wie ich ja schon in der Inhaltswiedergabe anmerkte.

So landete der Prototyp also in einem Lagerhaus von Škoda – bis er für den Film entdeckt wurde. Und ich rede hier noch gar nich von Der Autovampir: Bereits 1977 hatte der Super Sport einen Auftritt in einer Josef-Nesvadba-Verfilmung, und zwar im Science-Fiction-Film Zítra vstanu a oparím se cajem. Zu Deutsch ungefähr: Morgen wache ich auf und verbrenne mich mit heissem Tea. Ich weiss gar nicht, ob es der Film jemals nach Deutschland geschafft hat — aber die Inhaltsangabe klingt grandios.

Schliesslich und endlich rezyklierte Herz‘ Team den Prototypen für Der Autovampir. Der ursprünglich weisse Wagen wurde schwarz gespritzt (mit roten Highlights), bekam den Heckspoiler und die Seitenleiste verpasst. Genau so kann man sich den Wage noch heute im Škoda-Museum in Mladá Boleslav anschauen. Die Leute von Škoda wissen durchaus, was für einen Schatz sie da haben. Anlässlich des eingangs erwähnten 35-Jahre-Jubiläums schickten sie an der diesjährigen Rallye Bohemia (die moderne Fassung der Škoda-Rallye) einen modernen Wagen im Ferat-Look ins Rennen. Der verdammte Autovampir ist einfach nicht totzukriegen.

Bonus: Tschechischer Fernsehbericht zum Jubiläum.
 

Der Autovampir
Originaltitel: Upír z Feratu
Internationaler Titel: Ferat Vampire
Tschechoslowakei 1981, 94 Min.
Regie: Juraj Herz
Drehbuch: Jan Fleischer, Juraj Herz, nach der Kurzgeschichte Vampir Ltd. von Josef Nesvadba
Mit Jirí Menzel, Dagmar Havlová, Jana Brezková, Petr Cepek, Jan Schmid, Zdenka Procházková et al.
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