„Es ist schon krass, wieviele Vorurteile man selber hat“

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Dennis steckt in einer SS-Uniform. „Würg mich“, verlangt Ruby, der israelische Choreograf – aber als Deutscher kann sich Dennis einfach nicht überwinden. Also provoziert Ruby in weiter und weiter. Bis Dennis ausflippt und den Choreografen beinahe zu Tode würgt.
Die Szene stammt aus The Holycoaster S(hit) Circus, dem ersten Film der Berner Theatergruppe Peng! Palast. Grundlage war ihr gleichnamiges Theaterstück von 2011. Fünf Jahre später ist nun ein Film daraus geworden, der sich als Dokumentarfilm über die Entstehung des Theaterprojekts ausgibt. Allerdings sind die dargestellten Ereignisse satirisch übertrieben und zur Hälfte sowieso erfunden. Quasi eine Mockumentary basierend auf realen Tatsachen. Die beiden Regisseure nennen das Ding eine Comedy-Documentary.

So sehen wir, wie die drei Schauspieler von Peng! Palast (in Begleitung eines Kameramanns) nach Jerusalem gehen, um zusammen mit der israelischen Tanzkompanie Machol Shalem ein Stück über den Holocaust zu erarbeiten. Mit urkomischen bis katastrophalen Folgen. Der Film setzt sich mit Vorurteilen zwischen Deutschen, Schweizern und Israeli auseinander, aber auch mit der Frage, wie weit man in der humoristischen Aufarbeitung des Holocaust gehen kann. Meine Kritik dazu findet ihr beim Züritipp.

Dennis Schwabenland

Geboren 1983 in Wiesbaden und aufgewachsen im Ruhrgebiet, kam er 2004 in die Schweiz für ein Schauspielstudium an der Hochschule der Künste Bern (HKB). 2008 gründete er mit Benjamin Spinnler die Theatergruppe Peng! Palast, im Jahr darauf kam Christoph Keller hinzu. Schwabenland ist Vorstandsmitglied des Schlachthaus Theater Bern und des Berufsverbandes für freie Theaterschaffende (ACT).
Offizielle Website

Dennis Schwabenland von Peng! Palast spielt nicht nur sich selbst im Film, sondern hat auch Regie geführt – zusammen mit dem deutschen Choreografen und Filmemacher Sascha Engel (Kino Kitchen). Engel lebt in Tel Aviv, weswegen er auch nicht für ein Interview zur Verfügung stand, aber Schwabenland konnte ich am Zürcher Flughafen treffen. Er kam grad aus Spanien, wo Dreharbeiten für ein anderes Filmprojekt stattfanden. Da sassen wir also in einem Café am Flughafen und sprachen darüber, wie sich die Gruppe Peng! Palast in Bern formierte, was für Erfahrungen Dennis mit Crowdfunding sammelte und was ihn dazu inspirierte, als nächstes ein Anti-SVP-Musical in Angriff zu nehmen.

 
Kulturmutant: Du bist ja im Ruhrgebiet aufgewachsen, lebst jetzt aber in Bern. Wie kam es denn dazu?

Dennis Schwabenland: Tja, wieso Bern. Ich habe da Schauspiel studiert an der HKB, der Hochschule der Künste. Als ich vorgesprochen habe, hab ich mich sehr wohl gefühlt, coole Leute. Auch der Groove der Dozenten, das hat mir entsprochen.
Wenn du auf einer Schauspielschule vorsprichst, bist du ja nie alleine, da sind hunderte andere. Bei der erste Schule hat es nicht geklappt, auch nicht bei der sechsten oder siebten. Es ist recht hart und man muss auch viel Geld investieren; gerade wenn du jung bist, hast du eigentlich keine Kohle.

Deine Kollegen von Peng! Palast, Benjamin Spinnler und Christoph Keller, haben ebenfalls in Bern studiert.

Christoph und Benni haben ein Jahr unter mir studiert. Als wir 2008 die Schule abgeschlossen haben, haben wir die Gruppe gegründet. Und Raphi* ist ja kein Schauspieler. Er hat zwar auch an der HKB studiert, aber vor unserer Zeit, an der Jazzschule. Jetzt schreibt er hauptsächlich. Er hat das Schlachthaus Theater gleitet vor Maike, von daher kennen wir ihn. Er hat unser erstes Stück eingeladen.
* Raphael Urweider, spielt im Film den Kameramann.

Du bist ja auch Vorstandsmitglied im Schlachthaus.

Genau, ja. Das ist unser Heimathafen. Es ist ein gefördertes Haus, das heisst, du kriegst auch deine Gage und Produktionsbeiträge. Dann haben wir meistens noch in anderen Städten Co-Produktionspartner. Beim Theaterstück zu Holycoaster S(hit) Circus war das Theater Chur dabei und eben das Machol Shalem Dance House in Jerusalem. Maike* hat uns das Machol Shalem vorgeschlagen, das ist tatsächlich so passiert wie im Film, auch wenn wir es dort re-enacted haben.
* Maike Lex, Leiterin des Schlachthaus Theater.

Beim Film hast du ja zusammen mit Sascha Engel Regie geführt. Versteh ich das richtig, dass du ihn auch über Maike Lex kennengelernt hast?

Den ersten Kontakt mit Sascha hatten wir schon so um 2010. Er war gerade in Zürich, glaub ich, am Tanzhaus. Er ist dann ins Schlachthaus gekommen. Benni und ich waren gerade nicht in Bern, sondern in Berlin, und so haben wir uns über Skype kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Bick (lacht). Wir haben direkt überlegt, was wir machen könnten, und haben ersteThemen in den Raum geworfen. Da kamen wir auf „Vorurteile“.

Bestand von Beginn weg die Idee, gleichzeitig einen Dokumentarfilm zu machen?

Sascha hatte schon damals ein Faible fürs Filmen und hat es teilweise in seine Stücke eingebaut. Er hat gesagt: „Komm, wir dokumentieren das, vielleicht können wir das einbauen.“ Die Idee fanden wir super. Wir von Peng! Palast waren alle das erste Mal in Israel und haben gedacht, wenn man das festhält, wird das bestimmt lustig. Weil wir ja bestimmt mit besonders vielen Vorurteilen dahin gehen. Was ja auch so war (lacht).
Als wir in Jerusalem waren, haben wir uns am ersten Abend hingesetzt und uns überlegt, was wir so für Vorurteile haben, gegenüber Tänzern, Schauspielern, gegenüber Juden und Christen. Innert kurzer Zeit hatten wir fünf Seiten voll mit Stichworten. Das ist schon krass, wieviele Vorurteile man selber kennt und hat. Wir haben dann einzelne Punkte ausgewählt und für den Film übertrieben. Wir haben uns dümmer gemacht als wir sind (lacht).

Diese Vorurteile spielt ihr dann als Leute durch, die eigentlich aus einer liberalen und offenen, linken Szene kommen.

Man muss sich da nichts vormachen. Am Anfang des Filmes steht der Spruch: „Jeder hat Vorurteile, nur man selbst nicht.“ Wenn man aber über das hinaus geht, was man gewohnt ist, kommt man schnell an seine Grenzen. Israel war schon eine ganz andere Welt, vor allem in Jerusalem. Das Religionsgehabe ist wirklich extrem, da kann man sich gegen die eigenen Vorurteile fast nicht wehren. Die gehen dann im Kopf los und du denkst zum Beispiel: „Boah, all die Juden sind aber krass gekleidet.“
In Jerusalem waren wir das erste Mal am Karfreitag, da war die Hölle los. Christen aus aller Welt waren dort und haben den Salbstein, wo Jesus angeblich gesalbt wurde, geküsst, richtiggehend abgeschleckt. Sowas hab ich noch nie erlebt.
Wir wollten aber auch die Künstlerseite reinnehmen. Vornerum gibt man sich meist weltoffen, aber oft hält sich das Theater überhaupt nicht an die Massstäbe, die es propagiert. Viele Stadtheater sind sehr hierarchisch aufgebaut und männliche Gebilde. Und divers sind Theater auch nicht, man sieht sehr selten Schauspieler mit anderen Hautfarben als Weiss. Aber wir arbeiten dran.

Das Thema Holocaust mit Humor anzugehen, ist gerade für nicht-jüdische Künstler ein Minenfeld. Mir kommt es aber so vor, als hättet ihr euch eben gerade nicht zurückgehalten, sondern dass ihr einfach geradeaus auf das Thema los seid.

Wir waren nicht jüdisch von unserer Seite, aber das Machol Shalem natürlich schon. Judenwitze und sowas, das kam durchaus von Ruby*. Und von Christoph. Er nimmt im Film ja eher die Position ein, dass er das nicht zu weit treiben will. Bei den Proben vom Theaterstück war das aber so, dass er das wollte und ich nicht. Für mich als Deutscher war das schwierig. Da mussten Ruby und Christoph Überzeugungsarbeit leisten.
Im Theaterstück erzählen wir zehn Minuten lang Judenwitze, ziemlich schlimme. Die haben wir nicht erfunden, die kann man so im Internet finden. Die Szene ist schwierig, die Zuschauer halten es auch fast nicht aus. Das wird gehasst auf der Bühne.
Aber ja, ich glaube, geradeaus ist ein guter Weg. Alles andere wäre ein bisschen brav gewesen. Wir haben schon geguckt, wo die Grenzen sind, sie aber auch bewusst übertreten.
* Rudy Edelmann, Gründer und Co-Leiter von Machol Shalem.

Die Frage, wie weit man dabei gehen kann, thematisiert ihr ja auch im Film.

Wenn man es in einer reflektierten Art und Weise macht, dann geht das schon. Aber es gibt auch unreflektierte Leute, die rassistische Witze lustig finden und selber nicht merken, dass sie Rassisten sind.
Durch Humor kann man halt leichter Grenzen überschreiten und herausfinden, wie weit diese Grenzen reichen. Natürlich gibts auch Leute, die das überhaupt nicht lustig finden. Für Deutsche liegen diese Grenzen anderswo als für Israeli. In Deutschland wurden wir eher angegangen.

Im Film sieht man auch Ausschnitte aus dem Theaterstück, das die Ausgangslage war. Soweit ich das verstehe, war der Theaterabend in zwei Teile geteilt: Das Publikum sah zuerst einen kurzen Film, eine Art Making-of – dann kam eine Live-Performance. Habt ihr den Filmteil dann auch für den Langfilm verwertet?

Teilweise. Insgesamt hatten wir 80 Stunden Filmmaterial, einen Grossteil haben wir ja improvisiert. Für den Langfilm haben wir auch andere Szenen genommen und wir haben nachgedreht. Wir haben zum Beispiel ein Intro gemacht, das erklärt, wer wir vom Peng! Palast überhaupt sind. Das weiss ja sonst keiner (lacht).
Im Theater fing nach dem Filmteil das Stück an. Und das war dann sehr provokativ und konfrontativ. Ich komme da im Stechschritt auf die Bühne und wir sprechen mit dem Publikum, nehmen auch Leute mit auf die Bühne.

The Holycoaster S(hit) Circus habt ihr also einmal als Theaterstück gemacht und einmal als Film. Was waren für euch denn die grössten Unterschiede zwischen den Medien?

Das Spiel mit der Wirklichkeit ist ein anderes. Film ist in sich geschlossen, aber im Theater haben uns die Leute live gesehen. Zuerst haben sie eben dieses Making-of gesehen, wo wir Dinge verfälscht und Sachen gesagt haben, die wir sonst nicht sagen würden. Wir haben eine Wahrheit kreiiert, nach der uns die Zuschauer bewertet haben. Sonst geht der Vorhang auf – auch wenn man heute keinen Vorhang mehr hat, ausser vielleicht im Pfauen (lacht) – und das Publikum steht einem relativ neutral gegenüber. Wir haben sie aber auf eine falsche Fährte gelenkt und ihnen die Möglichkeit gegeben, sich ein Bild zu machen, also Vorurteile zu machen über uns. Und mit diesen Vorurteilen haben sie uns gesehen, sobald wir auf die Bühne kamen.
Im Film hast du diese Konfrontationsebene natürlich nicht. Du weisst, es kommt jetzt kein Naziclown aus der Leinwand gesprungen und greift dich an.

Mit dem Stück seid ihr über die halbe Welt getourt, auch nach Singapur. Gerade dort hat man wahrscheinlich einen ganz anderen Zugang zum Thema, wenn überhaupt.

Wir haben da natürlich auch unsere Vorurteile gehabt. „Das asiatische Publikum reagiert wahrscheinlich verhalten und versteht das gar nicht. Macht es überhaupt Sinn, dort zu spielen?“
Aber wir haben dort gespielt und die gingen ab wie Sau, die sind richtig ausgeflippt und nachher noch geblieben. Völllig gegen unsere Erwartungen. Da haben uns die Leute auch erzählt, dass sie das, was wir gemacht haben, als Metapher für ihre Situation gesehen haben. Es gibt dort Menschen aus Indonesien, die recht arm sind und als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Die Malaysier sind ein bisschen besser ausgebildet, aber nicht so gut wie die Einheimischen. Diese ganze Thematik mit dem Fremden, Hass und Vorurteile haben die also genau so wie wir, nur unter anderen Vorzeichen.

Kurz zur Finanzierung: Den Film habt ihr ja zu einem guten Teil über Crowdfunding finanziert.

Ein Teil war übers Theater schon vorhanden. Als wir uns entschieden haben, einen ganzen Film daraus zu machen, wars für Filmförderung zu spät, weil eben das Stück schon stand. Und gerade im Low-Budget-Sektor ist es nicht so leicht, weil es immer grad um grosse Budgets geht. Und da musst du wiederum bestimmte Auflagen erfüllen. Deswegen haben wir uns gesagt: „Crowdfunding.“
Damit hatten wir einen Betrag, um nachzudrehen und den Film grösstenteils fertig zu stellen. Aber viel Geld war es nicht, nur so neuntausend Franken, und einen Teil musst du an die Plattform abgeben. Für einen Film ist das nicht viel.
Ehrlich gesagt, ich bin kein grosser Fan von Crowdfunding. Hier in der Schweiz funktioniert das nur bedingt, weil die Leute, die wirklich Geld haben, nichts über Crowdfunding zahlen. Es zahlen nur die, die man eh schon kennt, Verwandte und Freunde, die man halt anbettelt. Das ist ein komisches, ekliges Gefühl. Es ist nicht die Aufgabe von Verwandten, einen Film zu finanzieren. Das ist eine professionelle Sache, und da wollen wir nicht gerade von ihnen abhängig sein.
Es gibt ja Bestrebungen für eine Low-Budget-Förderung. Das finde ich sinnvoll, da so mehr Filme entstehen könnten, die keinen grossen kommerziellen Anspruch haben.
Und Crowdfunding ist wahnsinnig viel Arbeit. Man muss die ganze Zeit irgendwelche Sachen verschicken oder Leute zum Abendessen einladen. Die Verausgabung ist sehr hoch. Dazu ärgern sich dann die Leute, wenn der Film nicht so schnell fertig wird. Aber Film braucht halt Zeit.
In Amerika und so funktioniert das besser, wo sie ein ganz anderes Kulturförderungssystem haben – also gar kein Kulturförderungssystem haben. Die haben keine Tradition wie in Europa, wo die Aristokraten Geld an Künstler gespendet haben, und jetzt macht das halt der Staat.
Wenn du zudem so einen thematischen Bezug hast zu Schweiz, Holocaust und Israel, das interessiert keinen. Wir haben dann versucht, Firmen anzuschreiben, aber die interessieren sich null für sowas.
Mit dem Crowdfunding konnten wir jedenfalls so 80 bis 90 Prozent fertig machen. Dann haben wir Postproduktions-Förderung beantragt.

Das war über das Migros-Kulturprozent, nicht?

Wir konnten das Colorgrading und Tonmischung bezahlen, oder Musikrechte. Viele konnten wir uns aber nicht leisten, das ist schweineteuer. Es gibt Lieder, die hätten unser gesamten Postproduktions-Budget aufgefressen. Bei einer Riesenfirma wie Warner müssen wir mit unserem Mini-Budget gar nicht erst kommen. So haben wir entschieden, selber Musik zu machen.

Ihr habt unter anderem eine Coverversion eingespielt von Gute Freunde kann niemand trennen. Das läuft mir seit Tagen im Kopf herum.

Ja, das ist ein mega Ohrwurm. Man muss ja immer zwei Rechte abklären: Die Rechte für die Komposition, also für das Werk selbst, und die Rechte für die Aufnahmen, das Masterrecht. Und manchmal liegen die beiden Rechte nicht bei derselben Firma. Bei Gute Freunde haben wir die Rechte für das Lied selbst bekommen, und da war es günstiger, das selbst einzusingen. Wir sind ins Studio gegangen, ich habe Gitarre geschrummelt, die Mitbewohnerin von jemandem hat noch Geige gespielt. Und die Freundin vom Soundmischer hat Vocals im Background gemacht.

Dazu hattet ihr auch befreundete Musiker aus Bern.

Ja, Greis ist dabei, oder Steff la Cheffe. Oder Jeans for Jesus, beziehungsweise Demian Jakob von der Band. Der war Lichttechniker vom Schlachthaus, von daher kannten wir ihn. Und Raphi hat natürlich auch geholfen, er ist ja auch Mundart-Rapper.

Eure Gruppe Peng! Palast habe ich vorher ja gar nicht gekannt. Aber ihr habt eine coole Projektliste, mit Stücken über Die 120 Tage von Sodom, Stephen King oder Fight Club.

Unsere Arbeitsmethode ist die, dass wir von einer Vorlage ausgehen und Improvisationen machen. Dann überlegen wir uns ein Thema dazu oder fokusieren uns auf ein bestimmtes Element. Unser erstes Stück war zum Beispiel Hamlet MASSIV, da haben wir den Hamlet genommen und uns überlegt, dass er doch eigentlich einer ist, der getrieben wird, der die Fäden selber nicht in der Hand hat. Das haben wir dann in ein Arbeitslosen-Setting verlegt. Und wir haben uns gesagt: „Wir haben nicht einen Hamlet, sondern drei Hamlets.“ Die dann in einer Hartz-IV-Wohnung leben, drei Brüder, und wir haben jedem einen Charakterzug von Hamlet gegeben. Einer war enthusiastisch, einer war extrem fatalistisch und einer sehr naiv. Wir haben dann in der Metaebene den Hamlet so behandelt, dass der eine den im Schauspielunterricht vom Arbeitslosenprogramm gelernt hat und das den anderen vorspielt.

Als nächstes ist ja ein Musical über die SVP geplant.

Es ist ein Anti-SVP-Musical. Das ist aber nicht mit Peng! Palast. Ich mache das mit Raphi und Matto Kämpf, der ja Experiment Schneuwly im SRF gemacht hat. Letztes Jahr habe ich in New York ein Musical gesehen, The Book of Mormon von den South-Park-Machern. Etwas in der Art habe ich ihnen vorgeschlagen.

Oha, das habe ich erst letzten Monat in London gesehen. Das Musical ist fantastisch. Da habt ihr euch aber ein grosses Vorbild genommen.

Man merkt auch, wir kommen da nicht ran. Einerseits sind das Millionenbudgets, und andererseits sind die wirklich gut, so richtig, richtig gut. Und die wissen halt genau, was sie machen. Wir versuchen es auf unsere Art, auf Schweizer Niveau.
Mich stört die Politik in der Schweiz. Wie überall in Europa ist es inzwischen normal, dass neokonservative, rechte Politiker sehr viel bestimmen. Es ist krass, wie die mit den Emotionen spielen, während es ihnen klar um neoliberale Interessen geht. Da sitzen sehr reiche Leute wie Herr Blocher in der Partei, eine wahnsinnige Finanzmacht. Die winken im Nationalrat ein Gesetz nach dem anderen durch, das ihnen noch mehr Geld in die Tasche spült. Gleichzeitig machen sie Ausländer verantwortlich, reden von „Dichtestresse“ und so einem Quatsch. Dann sparen sie bei den Schulen, der SBB oder bei der Polizei, bis sie nicht mehr funktionieren. Und dann heisst es: „Wir müssen die Bahn privatisieren, damit sie im Wettbewerb bestehen kann.“ Dabei wird alles einfach nur beschissener.
Dagegen machen wir dieses Stück. Jetzt kann man hier sagen: „Kommen da nicht eh nur die Leute, die das genauso sehen wie ihr?“ Das kann sein, aber es ist auch gut, eine Gruppe zu bilden, in der man sagt: „Wir finden das doof.“ Damit man nicht so alleine dasteht.
Und dann gibts noch die Wechselwähler, die sich vielleicht ein bisschen davon beeinflussen lassen. Sonst stimmen sie gegen die grüne Wirtschaft wie bei der letzten Abstimmung. Eigentlich eine gute Idee, bei der man denkt: „Hey, die Schweiz kann sich leisten, sowas zu machen. Wieso macht ihr das nicht?“ Aber dann hört man: „Es schadet der Wirtschaft.“ Das ist immer das Totschlagargument für alles.
Von diesem Gedanken muss man wegkommen. Es gibt andere Sachen, die mehr zählen, zum Beispiel das soziale Zusammenleben. Dafür tut diese Partei nichts. Ich glaube, das kann man den Menschen mitgeben: An oberster Stelle sollte stehen, dass wir miteinander was machen, und nicht mehr gegeneinander.

The Holycoaster S(hit) Circus
Schweiz/Israel 2016, 73 Min.
Regie: Sascha Engel & Dennis Schwabenland
Writer’s Table und Spiel: Ruby Edelmann, Sascha Engel, Christoph Keller, Dennis Schwabenland, Benjamin Spinnler & Raphael Urweider

 

Bilder von Peng! Palast

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