Josef Hader: Delfine und die Kartoffelernte

josef_haderdelfin05

Ein so schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis hat sonst nur Starbucks.
Josef Hader

Es ist ja schon ein paar Monate her, dass Kollege Saile über Josef Haders aktuelles Bühnenwerk schrob. Damals trat Hader in Innsbruck auf, gerade eben war er im Zürcher Kaufleuten. Bis auf den hinterletzten Patz war die Bude ausverkauft. In der langen Schlange vor der Kasse unterhielt man sich natürlich über die Brenner-Krimis, die Hader vor allem berühmt gemacht haben – und über Vor der Morgeröte, wo Hader den Schriftsteller Stefan Zweig spielt und dessen Weg zum Selbstmord nachgeht. Österreich hat den Film als offiziellen Kandidat für die Oscarverleihung ins Rennen geschickt.

Ohne Vor der Morgeröte schon gesehen zu haben, würde ich mal sagen, die Rolle des lebensmüden Künstlers passt zu Hader, der auf der Bühne die Persona des alten Grantlers gibt, der nur deshalb nicht dauerwütend ist, weil ihm das Energie abverlangen würde, weswegen er zur Kapitulation tendiert. Dem es dann auch zu blöd ist, für das Publikum den Hampelmann zu spielen: „Ich weiss ja, der Job des Kabarettisten besteht darin, sich hinzustellen und zu sagen, wer schuld ist. Aber ich kann das nicht.“
Der Durchschnittsmensch dürfe ja differenzieren, wenn es um Politiker geht („Also, der ist ganz schlimm, der aber ein bisschen weniger, der wäre ganz gut, wird aber nicht hochgelassen“), aber im Kabarett müssten alle Politiker schlecht sein, ausnahmslos, Politiker sind alle schlecht, weg mit dem Parlament – da ist er bereits in den Tonfall einer Hitlerparodie gewechselt. (Wobei er zugibt, das einzige Wort, bei dem er eine überzeugende Hitlerparodie hinkriege, sei „Kartoffelernte“.)

Hader hat ja kein Problem damit, das Publikum ein wenig vor den Kopf zu stossen. „Nicht so blöd lachen bei meinem gesellschaftskritischen Teil“, faucht er mal. Und wenn er die Pause oder das Ende der Show ankündigt, dann aber immer wieder hinauszögert, spürt man eine steigende Agressivität unter den Leuten. Trotzdem singen sie ganz am Schluss mit, wenn er am Klavier „In der Nachbarschaft“ intoniert (dabei hat er doch gesagt, man solle ruhig schon gehen, während das Lied spielt).

Ein paar der Witze, die sich auf die österreichischen Verhältnisse beziehen, laufen etwas ins Leere – das schweizerische Publikum kann in den Momenten halt befreit mitlachen, so nach dem Motto: „Das betrifft nicht uns, sondern die doofen Ösis.“ Aber ein paar treffende Seitenhiebe hat er dann doch: „Wer bin ich, dass ich den Schweizern den Humanismus erklären will.“

Am Ende stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis halt schon, selbst bei den teuren Ticketpreisen in der Schweiz. Saile schrieb ja von Lachkrämpfen in Innsbruck, und in Zürich war das nicht anders, ob Hader jetzt „eine beinahrte Nummer über Erdbeerjoghurt“ gemacht oder sich über Delfine aufgeregt hat, diese Arschlöcher mit ihren listigen Äuglein und dem doofen Grinsen.

Leider hab ich zum Abschluss keine Pointe zu bieten wie Saile, also lest nochmal seinen Artikel.

Hader spielt Hader
Kaufleuten Zürich
8. Oktober 2016
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s