ZFF 2016: Sixty Six

zff2016_logo04

14_sixtysix02

„Wenn Sie sich fragen, ob Sies verstanden haben, dann haben Sies verstanden“, erklärt uns Lewis Klahr, bevor sein Film beginnt. Wir sitzen im gemütlichen kleinen Corso 3, wo geradezu ein intimes Feeling herrscht. „Es geht gerade darum, dass Sie sich diese Frage stellen.“

Sixty Six ist eine Zusammenstellung von zwölf Episoden, die Klahr seit 2002 gemacht hat. Es sind Collagen aus (animiertem) Bild und Ton, Filmcollagen halt:
– Figuren, ausgeschnitten aus Comics
– Autos und Häuser aus alten Magazinen
– Tonspuren aus Filmen, klassische Musik und Filmmusik, mitunter verzerrt oder rückwärts abgespielt
– vereinzelt Objekte wie Blumen oder Kronkorken

Eine wilde Mischung aus Fragmenten der 60er – der Titel Sixty Six verweist nicht nur auf den amerikanischen Traum (Route 66), die Handlung spielt auch Mitte der Sechziger. Wobei „Handlung“ das falsche Wort ist, denn wir haben es hier mit einer Art freier Assoziation zu tun, in die sich höchstens vorübergehend so etwas Ähnliches wie eine Handlung einschleicht. Man bekommt so was wie ein Stimmungsbild, eine Ahnung von den Vorstellungen der damaligen Zeit, von blonden Traumfrauen und grossen Traumhäusern.
Was Klahr dann alles mit griechischer Mythologie mischt.
Sowieso, immer wieder kollidieren die Elemente: Da trifft schon mal eine Mahler-Symphonie auf die Comic-Story eines Wissenschaftlers, der ein Jugendserum entwickelt und an sich selbst testet (mit grauenhaften Folgen).

Sehr eingänig ist das nicht gerade. Über alle zwölf Episoden hinweg die Konzentration aufrecht zu erhalten ist eine Herkulesaufgabe. Ich bin immer wieder in Gedanken weggedriftet, ab und zu eingedöst. Sixty Six ist ein Kraftakt für die Sinne. Irgendwann kann man die Bilder und Töne nur noch über sich hinwegschwemmen lassen, als habe einen am Badestrand die Strömung mitgerissen. Klahr meint, das sei durchaus beabsichtigt.

Nicht alle sind bereit, das mitzumachen. „Es sind viel weniger Leute hier drin als am Anfang“, sagt Klahr nach der Vorführung. „Aber das passiert oft. Schlimm ist es nicht: Wenn sich der Raum geleert hat, sind dafür die Leute übrig, für die der Film wirklich gemacht ist.“
Er erzählt dann ein bisschen, wie die Episoden entstanden sind und was er sich dabei gedacht hat. Geboren 1956, war er Mitte der Sechziger so um die zehn Jahre alt. Im Rückblick erscheinen ihm diese Zeit und seine Kindheit fast schon mythologisch, darum der Mix von 60ies-Kultur und griechischer Mythologie.
Grundlage für das ganze Projekt war der Comic-Sammelband einer Freundin, der ihn fasziniert hat. In den 80ern hat er ihr diesen heimlich geklaut. „Dafür hat sie eine Widmung bekommen.“

Gefragt nach der Verbindung seines Werks zum Animationsfilm meinte er: „Das ist Einzelbild-Filmmacherei, das ist nicht wirklich Animation.“ Und: „Ich bezeichne mich als Collage-Künstler, nicht als Animator.“ Er besteht auf eine Trennung von Kunstszene-Diskurs und Animationsfilm-Diskurs, was ich ehrlich gesagt ein wenig schade finde – denn ich sehe da faszinierende Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Übrigens, wieso war Lewis Klahr eigentlich in Zürich? Ganz einfach: Letzten Freitag eröffnete hier eine Ausstellung seiner Werke. Circumstantial Pleasures läuft vom 30. September bis 12. November in der Galerie Grieder Contemporary (im Löwenbräu-Komplex, wo auch das Migros Museum für Gegenwartskunst stationiert ist).
 

Sixty Six lief in der Kategorie Special Screenings
Sixty Six
USA 2002-2015, 90 Min.
Regie & Konzept: Lewis Klahr

Bilder vom ZFF

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s